đŸ”ș— Meine Mutter ist wichtiger als du, deshalb wird sie in unserem Schlafzimmer wohnen, sagte der Ehemann. Am nĂ€chsten Morgen hatte Katja bereits


— Serjosch
 ich meine, Denis, hörst du dir eigentlich selbst zu?

Katja stellte die Tasse auf den Tisch und hob langsam den Blick.

— Wiederhole das bitte noch einmal.

Langsam.

— Was gibt es da zu wiederholen?

Er sah nicht einmal von seinem Handy auf.

— FĂŒr meine Mutter ist es schwer, allein zu leben.

Sie zieht zu uns.

In das große Zimmer.

— Mit dem großen Zimmer meinst du unser Schlafzimmer?

— Wo soll sie denn sonst wohnen?

Das Fenster geht zur ruhigen Seite hinaus, dort wird sie sich wohler fĂŒhlen.

Katja legte die HĂ€nde auf ihre Knie und sah ihn so an, wie man einen Menschen ansieht, der gerade allen Ernstes vorgeschlagen hat, den Himmel neu zu streichen.

— Denis, gehen wir der Reihe nach vor.

Wo werden wir schlafen?

— Im kleinen Zimmer.

Oder auf dem Sofa.

Was macht das fĂŒr einen Unterschied?

— Einen sehr großen.

Es ist der Unterschied zwischen „Wir sind erwachsene Menschen“ und „Wir sind Klappmöbel“, sagte sie mit einem spöttischen LĂ€cheln.

— Glaubst du wirklich, dass das normal ist?

— Hör zu, fang jetzt nicht an, sagte er und hob endlich den Kopf.

— Meine Mutter ist wichtiger als du, deshalb wird sie in unserem Schlafzimmer wohnen.

Punkt.

Das Thema ist beendet.

Katja schwieg eine Weile.

Nicht weil ihr nichts einfiel, sondern weil sie wollte, dass er seine eigenen Worte hörte, die in der KĂŒche hĂ€ngengeblieben waren.

— Wichtiger, wiederholte sie leise.

— Gut.

Ich habe dich verstanden.

— Hervorragend.

Siehst du?

Du kannst es, wenn du willst.

— Denis, sagte sie sanft, beinahe liebevoll, weißt du eigentlich, dass deine Mutter ihre Wohnung gestern auf Aljona ĂŒberschrieben hat?

Ja, auf die mit den drei Kindern.

Das heißt, sie hat ihr die Wohnung geschenkt.

VollstÀndig.

— Na und?

Das ist ihre Sache.

Eine Familienangelegenheit.

— Und wer sind wir dann?

Nachbarn aus demselben Treppenhaus?

— Fang nicht mit diesem Thema an, sagte er und verzog das Gesicht.

— Meine Mutter hat das Recht, mit ihrer Wohnung zu machen, was sie will.

Und du sei bitte so freundlich und sorge dafĂŒr, dass sie einen wĂŒrdigen Lebensabend hat.

— Das werde ich, nickte Katja.

— Ich sorge nĂ€mlich sehr gern fĂŒr Dinge.

Besonders fĂŒr Gerechtigkeit.

— Was?

— Nichts.

Eine alte Angewohnheit, Gedanken zu Ende zu sprechen.

Lass uns essen, bevor es kalt wird.

Er schnaubte, offensichtlich ĂŒberzeugt davon, gewonnen zu haben, und vertiefte sich wieder in den Bildschirm.

Katja aß ruhig zu Ende, spĂŒlte ihren Teller ab und dachte:

„Wer will, findet einen Weg, und wer nicht will, findet eine Ausrede.“

— Artjom, bestell mir die grĂ¶ĂŸte Tasse Tee, die sie haben, sagte Katja, setzte sich ihrem Bruder gegenĂŒber und nahm ihren Schal ab.

— Und etwas SĂŒĂŸes.

Heute ist ein Tag großer Entdeckungen.

— Deinem Gesicht nach zu urteilen, geht es um Denis, sagte ihr Bruder und schob die Speisekarte beiseite.

— Was hat er diesmal getan?

Wieder so etwas wie „Mama hat gesagt“?

— Fast.

„Meine Mutter ist wichtiger als du, deshalb wird sie in unserem Schlafzimmer wohnen.“

Artjom verschluckte sich.

— Hat er das wirklich genau so gesagt?

— Wort fĂŒr Wort.

Ich habe ihn beinahe fĂŒr seine Ehrlichkeit respektiert.

Normalerweise denken MĂ€nner so etwas jahrelang im Stillen, aber er hat es sofort laut ausgesprochen.

— Katja, warum bist du so ruhig?

An deiner Stelle wĂŒrde ich


— Was bringt es, an der Stelle eines anderen zu sein, Tjoma?

Sie lÀchelte.

— Ich bleibe lieber an meiner eigenen.

Und „meine eigene“ ist hier ĂŒbrigens der entscheidende Ausdruck.

— Was meinst du damit?

— Genau das, was ich gesagt habe.

Wem gehört die Wohnung?

Ihr Bruder sah sie eine Sekunde lang an und lehnte sich dann zurĂŒck.

— Papa.

Oder besser gesagt, jetzt gehört sie dir.

Er hat sie dir hinterlassen.

— Genau.

Noch vor der Hochzeit.

Ein Geschenk, das nach allen Regeln eingetragen wurde.

Denis ist in dieser Wohnung ein Gast, ein Gast mit sehr guten Manieren.

Zumindest war er das bis heute.

— Und das hat er vergessen?

— Er hat es nicht vergessen, sagte Katja und nahm einen Schluck Tee.

— Er hat beschlossen, dass ich es vergessen habe.

Dass ich alles ertragen, nicken und seiner Mutter in dem Zimmer das Bett machen werde, in dem der Schrank meines Vaters steht.

— Und deine Schwiegermutter?

Du hast doch gesagt, sie habe die Wohnung ihrer Tochter gegeben.

— Genau das ist das Interessanteste daran, sagte Katja und stellte die Tasse ab.

— Sie haben alles geplant.

Aljona bekommt eine fertige Wohnung.

Ljudmila bekommt mein Schlafzimmer.

Denis bekommt ein ruhiges Leben.

Und mir haben sie die Rolle der guten Fee zugewiesen, die alle bedient und schweigt.

— Was fĂŒr eine Gier, sagte Artjom und verzog das Gesicht.

— Es ist leicht, fremdes Eigentum zu verteilen.

— Sehr leicht, stimmte sie zu.

— Aber sie haben ein kleines Detail ĂŒbersehen.

Ein Detail namens „EigentĂŒmerin“.

— Und was willst du tun?

— Einen Wohnungstausch, antwortete Katja ruhig.

— Mit meiner Wohnung.

Ich werde sie verkaufen und mir eine kleinere kaufen.

FĂŒr mich.

FĂŒr mich allein.

Und sie sollen ihre „wichtige Mutter“ unterbringen, wo sie wollen.

Zum Beispiel in der neuen großen Wohnung, die sie so großzĂŒgig verschenkt haben.

Artjom pfiff.

— Hart.

— Gerecht, korrigierte sie ihn.

— Hart ist es, wenn man aus dem eigenen Schlafzimmer vertrieben wird und sich noch fĂŒr das VerstĂ€ndnis bedanken soll.

Ich bringe nur Ordnung in die Sache.

Der beste Weg, einen Streit zu beenden, besteht darin, nicht mehr daran teilzunehmen.

— Brauchst du Hilfe?

— Ja.

Morgen kommst du mit zu Oleg.

Er ist ein guter Immobilienmakler.

Und Tjoma


Sie drĂŒckte seine Hand.

— Danke, dass du nicht gesagt hast: „Vielleicht versöhnt ihr euch noch.“

— Werdet ihr euch versöhnen?

— Wir nicht, sagte Katja und trank ihren Tee aus.

— Ich werde mich mit mir selbst versöhnen.

Das reicht mir.

Zu Hause erwartete sie ein Familienrat in voller Besetzung.

Die Schwiegermutter saß im Sessel wie eine Königin bei einer Audienz, die SchwĂ€gerin scrollte auf ihrem Handy, und Denis lief mit der Miene eines Mannes im Zimmer auf und ab, der alle zu einer wichtigen AnkĂŒndigung zusammengerufen hatte.

— Oh, wir sind beschlussfĂ€hig, sagte Katja und stellte ihre Tasche ab.

— Habe ich etwas verpasst?

Niemand hat mich auch nur ĂŒber die AktionĂ€rsversammlung informiert.

— Mach dich nicht lĂ€cherlich, brummte Denis.

— Setz dich.

Wir werden entscheiden.

— Ich glaube, ihr habt bereits alles entschieden.

Ich spiele hier offenbar die Rolle eines MöbelstĂŒcks, das man hin und her schiebt.

— Katjuscha, begann die Schwiegermutter mit zuckersĂŒĂŸer Stimme, du musst verstehen, dass ich keine Fremde bin.

Ich habe euch so viel geholfen.

— Das haben Sie, nickte Katja.

— Besonders als Sie die Wohnung auf Aljona ĂŒberschrieben haben.

Das hat mir wirklich sehr geholfen.

— Das geht dich ĂŒberhaupt nichts an! fuhr Aljona auf und riss sich endlich von ihrem Handy los.

— Ich habe drei Kinder!

— Herzlichen GlĂŒckwunsch.

Ich habe eine Wohnung.

Und stell dir vor, ich wĂŒrde gern darin leben.

— Du wirst darin leben! erhob Denis die Stimme.

— Im kleinen Zimmer.

Kannst du meiner Mutter nicht einmal eine Ecke ĂŒberlassen?

— Eine Ecke schon.

Mein Schlafzimmer nicht.

Und seien wir ehrlich, sagte Katja und verschrÀnkte die Arme vor der Brust.

— Ihr bittet nicht um eine Ecke.

Ihr wollt, dass ich euch gebe, was mir gehört, und mich auch noch dafĂŒr bedanke.

— Warum wiederholst du stĂ€ndig „meins, meins“? schrie ihr Mann beinahe.

— In einer Familie gehört alles allen!

Wer hat hier eigentlich das Sagen?

Du etwa?

— Hier hat der EigentĂŒmer das Sagen, Denis.

Und die EigentĂŒmerin bin ich.

Im Zimmer wurde es vollkommen still.

Die Schwiegermutter presste die Lippen zusammen.

Aljona runzelte die Stirn.

— Du


Spielst du auf die Wohnung an? fragte Denis langsam.

— Ich spiele auf nichts an.

Ich stelle eine Tatsache fest.

Die Wohnung ist auf meinen Namen eingetragen.

Schon seit vor unserer Hochzeit.

Sie war ein Geschenk meines Vaters.

Du weißt das alles ganz genau, aber es war fĂŒr dich sehr bequem, es zu vergessen.

— Das ist unser gemeinsames Zuhause! kreischte Aljona.

— Nein, meine Liebe, antwortete Katja und wandte sich ihr zu.

— Das ist mein Zuhause, in dem dein Bruder vorĂŒbergehend lebt.

Und offenbar hatte er vor, eure Mutter in meinem Schlafzimmer unterzubringen, ohne mich auch nur zu fragen.

Wenn man darĂŒber nachdenkt, ist das eine unglaubliche Frechheit.

— Wage es nicht, so ĂŒber meine Mutter zu sprechen! sagte Denis und trat einen Schritt vor.

— Und du wage es nicht, fremde Zimmer zu verteilen, antwortete Katja ruhig, ohne einen Zentimeter zurĂŒckzuweichen.

— Siehst du, wie interessant das ist?

Offenbar kann auch ich sagen: „Wage es nicht.“

— Du wirst es bereuen, zischte er durch die ZĂ€hne.

— Das bezweifle ich, sagte sie lĂ€chelnd.

— Ich bereue meine Entscheidungen nur selten.

Meistens entscheide ich einfach.

Übrigens, wo wir gerade davon sprechen


Ljudmila, Aljona, ich rate euch, euch rechtzeitig Gedanken ĂŒber die Wohnsituation zu machen.

Ihr habt jetzt eine große Wohnung fĂŒr euch beide.

Genauer gesagt fĂŒr vier Personen.

Oder vielleicht fĂŒnf.

Nein, deinen Mann habe ich noch nicht mitgerechnet, also seid ihr zu sechst.

— Was hast du vor? fragte Denis mit zusammengekniffenen Augen.

— Gute Nacht allerseits, sagte Katja, nahm ihre Tasche und ging in Richtung des kleinen Zimmers.

— Morgen muss ich frĂŒh aufstehen.

Ich habe viel zu tun.

*

Am Morgen, als alle in der Wohnung noch schliefen, saß Katja bereits in Olegs BĂŒro und ging die Unterlagen durch.

Die Papiere lagen in gleichmĂ€ĂŸigen Stapeln auf dem Tisch, und darin lag etwas beinahe Meditatives.

— Also gut, Katerina, sagte Oleg und klopfte mit dem Kugelschreiber auf den Tisch.

— ErklĂ€re es mir noch einmal ganz ruhig.

Du willst deine Wohnung verkaufen und eine Einzimmerwohnung kaufen.

Kleiner und gĂŒnstiger.

Und die Differenz behÀltst du.

— Ganz genau.

— Weiß dein Mann davon?

— Mein Mann weiß, dass er nicht der EigentĂŒmer ist.

Der Rest wird eine angenehme Überraschung.

— Du gehst hart vor, schmunzelte Oleg.

— Normalerweise ziehen die Leute so etwas ein halbes Jahr lang hinaus, ruinieren ihre Nerven und hoffen weiter.

— Hoffnung ist eine gute Sache zum FrĂŒhstĂŒck, erwiderte Katja, wĂ€hrend sie ein Blatt unterschrieb.

— Aber schlecht zum Abendessen.

Ich löse Dinge lieber sofort.

Wo muss ich unterschreiben?

— Hier und hier.

Der KĂ€ufer ist ĂŒbrigens ernsthaft interessiert und bereit, die Sache schnell abzuschließen.

Ich habe ihm bereits Fotos der Wohnung geschickt.

Er ist zufrieden.

— Schon letzte Woche? fragte Katja und hob eine Augenbraue.

— Oleg, bist du Hellseher?

— Ich habe einfach gesehen, wie du im letzten Monat hierhergekommen bist, antwortete er achselzuckend.

— Ich dachte, es könnte nĂŒtzlich sein.

Besser vorbereitet sein, als spÀter in Panik herumzulaufen.

— Ich werde dich als vorausschauenden Menschen in Erinnerung behalten, sagte sie lĂ€chelnd.

— Ich unterschreibe.

Der Kugelschreiber glitt leicht ĂŒber das Papier.

Kein Theater, keine zitternden HĂ€nde.

Nur eine Frau, die ihr eigenes Leben in Ordnung brachte.

— Und was ist mit den Sachen? fragte Oleg.

— Meine nehme ich mit.

Die Sachen der anderen lasse ich dort, wo sie sind.

Die neuen EigentĂŒmer sollen entscheiden, was sie damit machen.

Das ist dann nicht mehr mein Problem.

— Und wo wird dein Mann wohnen?

— Hervorragende Frage, sagte Katja und legte den Kugelschreiber beiseite.

— Jetzt hat er schließlich die Wahl.

Da ist die große Wohnung, die seine ganze Familie gestern so eintrĂ€chtig an meinem Tisch aufgeteilt hat.

Dorthin kann er ziehen.

Zu seiner wichtigen Mutter und seiner geliebten Schwester.

In diesem Moment klingelte das Telefon.

Auf dem Display stand „Denis“.

— Oh, er ist aufgewacht, sagte Katja und hielt das Telefon ans Ohr.

— Guten Morgen, Sonnenschein.

— Wo bist du?! rief er mit scharfer, wĂŒtender Stimme.

— Ich bin aufgewacht, und du warst nicht da.

— Ich unterschreibe einige Unterlagen, Denis.

— Was fĂŒr Unterlagen?

— Die Unterlagen fĂŒr den Verkauf der Wohnung.

Meiner Wohnung.

Jener Wohnung, in deren Schlafzimmer deine liebe Mama einziehen sollte.

Die PlÀne haben sich ein wenig geÀndert.

Am anderen Ende der Leitung wurde es still, dann zischte er:

— Bist du verrĂŒckt geworden?

Das ist Erpressung!

Du hast nicht das Recht


— Doch, das habe ich, unterbrach sie ihn sanft.

— Das nennt man Eigentumsrecht.

Eine langweilige juristische Angelegenheit, ich weiß.

Aber unglaublich nĂŒtzlich.

— Ich werde nicht zulassen, dass du das tust!

— Es ist bereits geschehen, Denis.

Die Papiere sind unterschrieben.

Es gibt einen KĂ€ufer.

Also fang an, deine Sachen zu packen.

Und sag deiner Mutter, dass das Schlafzimmer leider nicht mehr zur VerfĂŒgung steht.

DafĂŒr habt ihr jetzt gemeinsamen Wohnraum.

Dieses großzĂŒgige Geschenk, erinnerst du dich?

— Katja!

Katerina!

Warte!

— Weißt du, sagte sie, wĂ€hrend sie aufstand und das Telefon mit der Schulter festhielt, ich habe nur eine Frage an dich.

Als du gesagt hast: „Meine Mutter ist wichtiger als du“, hast du dir ĂŒberhaupt vorgestellt, dass dieser Satz eine Fortsetzung haben könnte?

Hier ist sie.

Alles Gute.

Sie beendete das GesprÀch und steckte das Telefon in ihre Tasche.

— Oleg, gibt es hier Kaffee?

— Ja.

Wie möchtest du ihn?

— Siegreich, sagte Katja lĂ€chelnd.

— Mit zwei Löffeln Gelassenheit.

Zwei Wochen spĂ€ter stand Katja inmitten ihrer neuen kleinen, hellen und noch etwas leeren Wohnung und stellte BĂŒcher in ein Regal.

Artjom schleppte Kisten, stöhnte gelegentlich und kommentierte ihren „spartanischen Minimalismus“.

— Sag mal, rufen sie dich immer noch an? fragte er und stellte eine weitere Kiste ab.

— Ja, nickte sie.

— Denis ungefĂ€hr zwanzigmal.

Ljudmila dreimal.

Aljona einmal, aber sehr emotional.

— Und was sagen sie?

— Zuerst haben sie geschrien.

Dann waren sie beleidigt.

Und jetzt versuchen sie, stell dir vor, mich zu ĂŒberreden.

— Wozu?

— Alles wieder rĂŒckgĂ€ngig zu machen, sagte Katja mit einem ironischen LĂ€cheln.

— Offenbar ist es ihnen in der großen Wohnung, die sie so eintrĂ€chtig aufgeteilt haben, doch zu eng.

Meine Schwiegermutter und Aljona können sich nicht auf die Zimmer einigen.

Die Kinder sind laut.

Denis schlĂ€ft in der KĂŒche.

Und plötzlich haben sich alle daran erinnert, wie gut ich war und wie bequem mein Schlafzimmer war.

— Ist ihr Gewissen erwacht?

— Nicht das Gewissen, Tjoma.

Die Arithmetik, sagte sie und stellte das letzte Buch ins Regal.

— Solange es fĂŒr sie vorteilhaft war, war ich ein MöbelstĂŒck.

Als es sich nicht mehr lohnte, wurde ich wieder ein Mensch.

Aber ich habe diese Rolle bereits zu Ende gespielt.

Die Pause ist vorbei, und der Vorhang ist gefallen.

Es klingelte an der TĂŒr.

Artjom ging öffnen und kam eine Sekunde spĂ€ter mit einem Gesichtsausdruck zurĂŒck, der sagte: „Du wirst es nicht glauben.“

— Katja.

Er ist es.

Denis stand im Flur.

Ohne seine frĂŒhere Arroganz und ohne im Zimmer auf und ab zu laufen.

Er stand einfach nur da.

— Darf ich hereinkommen? fragte er leise.

— Ja, sagte Katja und nickte.

— Aber zieh deine Schuhe aus.

Der Boden ist neu.

Er trat ein und sah sich um.

— Du hast es schön hier.

— Danke.

Es ist etwas eng, aber alles gehört mir.

Und niemand teilt sich das Schlafzimmer.

— Katja, hör zu


Er schwieg einen Moment.

— Ich lag falsch.

Ich habe damals etwas Dummes gesagt.

— Du hast die Wahrheit gesagt, Denis, antwortete sie ruhig.

— Deine Wahrheit.

Und ich habe sie gehört.

Deine Mutter ist wichtiger als ich.

In Ordnung.

Ich widerspreche nicht.

Ich habe nur beschlossen, nicht mehr die Letzte auf dieser Liste zu sein.

— Ich war aufgebracht.

Wegen meiner Mutter, wegen der Wohnung


— Bei der Wohnung warst du nicht aufgebracht, sagte sie und schĂŒttelte den Kopf.

— Du hast alles kaltblĂŒtig geplant.

Die Wohnung fĂŒr Aljona.

Mein Zimmer fĂŒr deine Mutter.

Und fĂŒr mich dankbares Schweigen.

Das war kein spontaner Einfall, Denis.

Das war eine Berechnung.

Und ich kann ebenfalls rechnen.

Offenbar besser als du.

— Und was jetzt? fragte er und sah sie an.

— Ist es aus zwischen uns?

— Zwischen uns ist schon lange alles vorbei, sagte Katja sanft.

— Die Papiere haben nur lĂ€nger gebraucht als die GefĂŒhle, um es zu bestĂ€tigen.

Geh nach Hause, Denis.

Zu deiner wichtigen Familie.

Sie warten auf dich.

Wahrscheinlich.

— Sie streiten sich jeden Tag, sagte er dumpf.

— Ich bin dort ĂŒberflĂŒssig.

— Das tut mir leid, sagte sie ehrlich und ohne jede Schadenfreude.

— Aber das ist nicht mehr mein Zimmer, nicht meine Wohnung und nicht mein Kummer.

Weißt du, es gibt einen guten Gedanken:

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Er blieb noch eine Weile stehen und nickte dann.

— Leb wohl, Katja.

— Leb wohl.

Und Denis


Sie hielt ihn auf, als er bereits an der TĂŒr stand.

— Sag deiner Mutter, dass ich ihr gute Gesundheit und ein gerĂ€umiges Schlafzimmer wĂŒnsche.

In ihrer neuen Wohnung.

Dort, wo sie hingehört.

Die TĂŒr fiel ins Schloss.

Artjom atmete aus und ließ sich auf eine Kiste fallen.

— Du bist wirklich unglaublich, Schwesterchen.

Ich hÀtte das nicht geschafft.

— Doch, hĂ€ttest du, sagte Katja und reichte ihm eine Tasse.

— Man muss nur einmal eine einfache Sache verstehen:

Die Menschen respektieren dich genau so sehr, wie du dich selbst respektierst.

— Hattest du keine Angst?

Einfach so alles auf den Kopf zu stellen?

— Doch, ich hatte Angst, gestand sie.

— Aber weißt du, was noch viel beĂ€ngstigender ist?

Zwanzig Jahre lang in einem kleinen Zimmer aufzuwachen und zu glauben, dass das dein ganzes Leben ist.

Das ist wirklich furchtbar.

— Auf dich, sagte Artjom und hob seine Tasse.

— Auf die Ordnung, sagte Katja lĂ€chelnd.

— Und auf die Menschen, die sich rechtzeitig daran erinnern, wessen Name in den Dokumenten steht.

Sie stießen mit ihren Tassen an, und in der neuen hellen Wohnung wurde plötzlich alles leicht und einfach, wie es geschieht, wenn in einem Zuhause endlich genau so viele Menschen bleiben, wie wirklich gebraucht werden.