— Ich fahre morgen nicht zu deiner Mutter.

Und überhaupt melde ich mich nicht mehr für ihre samstäglichen Heldentaten mit der Hacke an, schrie Valeria.

— Du fährst morgen zu Mama, und hör auf, dieses Gesicht zu ziehen, als würde man dich zur Zwangsarbeit verkaufen, sagte Miron, ohne Valeria auch nur anzusehen.

Er stand am Kühlschrank, trank Kefir direkt aus der Flasche und spielte den Herrn des Lebens, dessen Leben aus irgendeinem Grund mit der Erschöpfung anderer Menschen begonnen hatte.

Valeria hielt ihr Telefon in der Hand.

Auf dem Bildschirm leuchtete noch der verpasste Anruf von Larissa Dmitrijewna.

Der erste.

Der zweite.

Der dritte.

Die Schwiegermutter rief hartnäckig an, wie ein Inkassobüro, dem man nicht Geld, sondern die Seele schuldete.

— Ich fahre morgen nicht, sagte Valeria leise, aber so, dass sogar der alte Kühlschrank für eine Sekunde aufhörte zu brummen.

— Was? fragte Miron und drehte sich langsam um.

In seinem Gesicht lag keine Überraschung, sondern Beleidigung.

Als hätte ein Hocker plötzlich beschlossen, kein Hocker mehr zu sein.

— Ich fahre morgen nicht zu deiner Mutter, wiederholte Valeria.

— Und übermorgen auch nicht.

Und überhaupt melde ich mich nicht mehr für ihre samstäglichen Heldentaten mit Hacke, Lappen und deiner familiären Dankbarkeit an.

Miron stellte die Flasche auf den Tisch.

Der Kefir hinterließ eine weiße Spur auf dem Glas, und Valeria dachte automatisch: „Das muss ich wieder wegwischen.“

Sogar in einem Moment persönlicher Rebellion ist eine Frau mittleren Alters fähig, einen Fleck zu bemerken.

Darin bestand vermutlich die ganze russische Familiengeschichte: Die einen warfen Worte hin, die anderen wischten die Spuren weg.

— Valeria, du redest gerade Unsinn, sagte Miron mit jener Ruhe, mit der man in der Poliklinik normalerweise mitteilt: „Es gibt keine Termine, aber halten Sie durch.“

— Mama ist allein.

Es ist schwer für sie.

Sie hat ein Grundstück, ein Haus, und ihre Gesundheit ist auch nicht mehr dieselbe.

— Ihre Gesundheit ist so gut, dass sie gestern der Nachbarin Galina Petrowna einen Sack Erde über den Zaun gereicht hat, sagte Valeria und grinste.

— Ich habe es gesehen.

Galina Petrowna wäre vor Dankbarkeit beinahe selbst in diesen Sack gefallen.

— Sei nicht spöttisch, verzog Miron das Gesicht.

— Ich mag es nicht, wenn du so über Mama sprichst.

— Und ich mag es nicht, wenn man über mich verfügt wie über einen alten Staubsauger.

Angeschaltet — funktioniert.

In die Ecke gestellt — schweigt.

— Du bist meine Frau, sagte er und erschrak offenbar selbst darüber, wie das klang.

Nicht wie ein Liebesgeständnis, sondern wie eine Inventarnummer.

— Eben, antwortete Valeria.

— Ehefrau.

Keine kostenlose Aushilfe deiner Mutter im Garten.

Das Telefon klingelte wieder.

Larissa Dmitrijewna.

Auf dem Profilbild trug sie eine fliederfarbene Jacke, eine Frisur nach dem Motto „Ich habe alles unter Kontrolle“ und das Lächeln einer Frau, die längst begriffen hatte: Wenn man weich spricht, kann man hart fordern.

— Geh ran, befahl Miron.

— Nein.

— Valeria, mach kein Theater.

— Zu spät, sagte sie.

— Der Vorhang ist schon aufgegangen, die Zuschauer sitzen im Saal, und der Hauptdarsteller trinkt Kefir.

Miron trat auf sie zu und riss ihr das Telefon aus der Hand.

Nicht grob, aber schnell genug, damit Valeria spürte: Noch ein bisschen, und man würde sie wieder verschieben wie eine Vase auf dem Nachttisch.

— Mama, hallo, sagte Miron ins Telefon und veränderte seine Stimme zu einer fürsorglichen, kindlichen, fast zuckersüßen.

— Ja, ich bin zu Hause.

Ja, sie ist hier.

Nein, sie ist nicht krank.

Wir haben hier nur… ein Gespräch.

Was brauchst du?

Tapeten?

Im Schlafzimmer?

Morgen?

Natürlich, sie kommt vorbei.

— Ich komme nicht vorbei, sagte Valeria laut.

Miron hielt die Hand vor das Mikrofon und zischte:

— Du blamierst mich.

— Und du vermietest mich am Wochenende, sagte Valeria.

— Und zwar ohne Vertrag und ohne Bezahlung.

Er hielt das Telefon wieder ans Ohr.

— Mama, ich rufe zurück, sagte Miron angespannt.

— Nein, alles ist normal.

Lera hat nur schlechte Laune.

Du kennst doch Frauen.

Er legte auf.

Dieses letzte Wort, „Frauen“, sagte er mit einem Ausdruck, als seien Frauen nicht die Hälfte der Menschheit, sondern eine saisonale Komplikation.

Valeria sah plötzlich klar ihr Leben der letzten drei Monate vor sich.

Samstage am Stadtrand, das Haus der Schwiegermutter mit den Kunststofffenstern, die geputzt werden mussten, weil „du noch jung bist, du kommst dran“.

Beete, in denen das Unkraut fröhlicher wuchs als der familiäre Respekt.

Die Veranda mit der Wachstuchdecke mit Gänseblümchen, auf der Larissa Dmitrijewna Tabletten, Sonnenblumenkerne und Anweisungen ausbreitete.

Ihre Stimme: „Lerotschka, geh hier noch einmal drüber.“

„Lerotschka, so hält man die Hacke nicht.“

„Lerotschka, du musst mit der Serviette kreisende Bewegungen machen, nicht irgendwie.“

Lerotschka.

Eine liebevolle Schlinge.

Valeria arbeitete als Buchhalterin in einer kleinen Baufirma, wo Männer mit Bäuchen Quittungen von Autowaschanlagen brachten und das Dienstreisekosten nannten.

Fünf Tage in der Woche prüfte sie die Zahlen anderer Leute, hörte zu, wie der Direktor über das Finanzamt schimpfte, während das Finanzamt vermutlich gerade über den Direktor schimpfte.

Abends kamen der Laden, das Abendessen, die Wäsche, Rechnungen, Anrufe ihrer Mutter, deren Blutdruck zusammen mit den Medikamentenpreisen sprang.

Und der Samstag gehörte Larissa Dmitrijewna.

Miron erholte sich währenddessen „von der Arbeitswoche“: Fitnessstudio, Sauna, Fußball, Freunde, Gespräche über männliche Müdigkeit.

Männliche Müdigkeit war in ihrem Haus ein heiliges Tier: Man fütterte sie, streichelte sie und störte sie niemals.

— Morgen fährst du, sagte Miron nun ohne jede Bitte.

— Das Thema ist erledigt.

— Nein, sagte Valeria.

— Du hast es nicht verstanden.

Die Wohnung gehört mir.

Sie wurde vor der Ehe gekauft.

Nach dem Gesetz hast du keinen Anspruch darauf.

Ich halte dich nicht fest.

Er sagte das nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal wurde Valeria dabei nicht kalt.

Früher fiel dieser Satz auf sie wie ein Kellerdeckel: dunkel, feucht, keine Luft.

Jetzt aber dachte sie plötzlich: „Na und?“

Es ist ja kein Palast.

Eine Zweizimmerwohnung mit Laminat, das am Balkon aufgequollen ist, und einem Nachbarn, der nachts seine Bohrmaschine dressiert.

— Gut, sagte sie.

— Du hältst mich nicht fest — ich gehe.

— Wohin? Miron war verwirrt.

— Ins Leben.

Man sagt, irgendwo soll es existieren.

Ohne deine Mutter, aber mit heißem Wasser.

Er grinste.

— Du gehst nicht.

Du machst mir nur Angst.

Valeria ging ins Schlafzimmer und holte eine große Sporttasche hervor.

Unten lag ein alter Badeanzug, den sie seit sechs Jahren nicht benutzt hatte: Zuerst fiel der Urlaub wegen eines Kredits aus, dann wegen der Renovierung, dann wegen der Krankheit der Katze der Schwiegermutter, dann einfach deshalb, weil Miron „das Meer nicht mag, da ist überall Sand“.

Valeria legte Unterwäsche, Jeans, zwei Pullover, Dokumente und die Schachtel mit den Ohrringen hinein, die ihr die verstorbene Großmutter geschenkt hatte.

Miron stand in der Tür.

— Hörst du dich eigentlich selbst? fragte er nun weicher.

— Sich wegen Tapeten scheiden lassen?

— Nicht wegen Tapeten, antwortete Valeria und legte die Dokumente in eine Mappe.

— Sondern weil ich sage „es ist schwer für mich“, und du hörst „man muss ihr noch mehr Arbeit geben“.

Weil deine Mutter Rückenschmerzen hat und mein Rücken offenbar Staatseigentum ist.

Weil ich in dieser Wohnung Pflichten habe, aber keine Stimme.

— Wieder diese schönen Worte, sagte Miron böse.

— Hat dir Maika den Kopf verdreht?

Diese geschiedene Philosophin von dir?

— Maja schenkt sich wenigstens selbst Tee ein, sagte Valeria.

— Und du hast in zehn Jahren Ehe immer noch nicht herausgefunden, wo bei uns der Zucker liegt.

Für einen Mann ist das natürlich Geheimwissen, fast freimaurerisch.

— Spiel dich nicht so klug auf, sagte er und packte sie am Ellbogen.

Nicht schmerzhaft.

Aber genug.

Valeria riss die Hand scharf los.

— Fass mich nicht an, sagte sie.

— Sonst was? fragte Miron, und in seiner Stimme blitzte jene gefährliche männliche Leere auf, wenn ein Mensch noch nicht entschieden hat, ob er sich entschuldigen oder die Tür eintreten wird.

— Sonst gehe ich jetzt nicht zu einer Freundin, sondern zur Polizei und erstatte Anzeige, dass du Gewalt anwendest, sagte Valeria.

— Und mach nicht solche Augen.

Ich bin Buchhalterin, Miron.

Wir sind still, solange man uns nicht anfasst.

Und danach zählen wir alles: Geld, Tage, blaue Flecken und seelischen Schaden.

Er ließ sie los, nicht weil er ihr glaubte, sondern weil er zum ersten Mal sah: Sie spielte nicht.

Valeria schloss die Tasche.

Im Flur zog sie Turnschuhe an und nahm ihren Regenmantel.

Miron stand bei der Küche, rot, wütend, verwirrt.

— Wenn du gehst, komm nicht zurück, sagte er.

— Ich gehe ja nicht Brot holen, antwortete Valeria.

Im Treppenhaus roch es nach Katzenfutter und fremden Abendessen.

Der Aufzug war wie immer mit der Ewigkeit beschäftigt.

Valeria ging zu Fuß vom sechsten Stock hinunter, und auf jedem Absatz kam es ihr vor, als lege sie einen unsichtbaren Sack ab: der erste — „halte durch“, der zweite — „eine Frau muss“, der dritte — „Mama ist allein“, der vierte — „blamiere die Familie nicht“, der fünfte — „wer braucht dich mit zweiundfünfzig schon“.

Im Erdgeschoss blieb sie stehen, atmete aus und lachte plötzlich.

Leise, fast unanständig.

Die Concierge, Tante Sina, schaute aus ihrer Glasloge.

— Valeria Sergejewna, warum sind Sie mit einer Tasche unterwegs? fragte sie mit jenem gierigen Mitgefühl, das in Mehrfamilienhäusern die Presse ersetzt.

— Auf Dienstreise, sagte Valeria.

— Und Miron weiß das?

— Er ist der Leiter der Dienstreise, antwortete Valeria.

— Er hat sie selbst organisiert.

Tante Sina bekreuzigte sich, obwohl es eigentlich keinen Anlass gab, und schloss das Fensterchen.

Morgen würde der ganze Hauseingang wissen, dass Valeria Sergejewna „mit Sachen“ gegangen war, und in zwei Tagen würde die Version mit einem Liebhaber, einer Sekte und einem Kredit für Schönheitsoperationen überwuchert sein.

So funktioniert Volkskunst.

Maja öffnete die Tür in einem alten Morgenmantel und mit einer Maske im Gesicht.

Die Maske war grün und aus Ton, und Maja sah aus wie eine Meerjungfrau, die von Hypotheken enttäuscht worden war.

— Was ist los? fragte sie.

— Ich bin gegangen, sagte Valeria.

— Von wo?

— Von Miron.

— Endlich, sagte Maja und trat zur Seite.

— Komm rein.

Ich dachte gerade, der Abend ist zu ruhig, irgendjemand müsste sich eigentlich scheiden lassen.

Valeria trat ein und stellte die Tasche an die Wand.

Majas Wohnung war klein, warm, vollgestellt mit Büchern, Wäscheständern, Gläsern mit Getreide und Leben.

In der Küche kochte der Wasserkocher, auf einem Stuhl lag ein halbfertiger Schal, auf der Fensterbank wuchs eine Geranie, hässlich, aber selbstsicher.

— Erzähl, sagte Maja und wusch sich die Maske am Waschbecken ab.

— Aber ohne „ich bin selbst schuld“.

Gegen diesen Satz bin ich allergisch, ich bekomme davon Fluchwörter.

Valeria erzählte.

Nicht sofort.

Zuerst in Bruchstücken.

Dann ausführlich.

Dann konnte sie nicht mehr aufhören: von den Anrufen, den Beeten, dem Putzen, den Fenstern, den Tapeten, Miron, seinem Kefir, der Wohnung, der Drohung.

Maja hörte zu, ohne sie zu unterbrechen.

Nur einmal sagte sie:

— Hat er den Kefir aus der Flasche getrunken?

— Hat er.

— Siehst du.

Das war schon der Anfang vom Ende.

Ein Mann, der aus einer gemeinsamen Flasche trinkt, hat tief in seiner Seele die Welt privatisiert.

Sie lachten, und das Lachen klang uneben, mit einem heiseren Ton.

Fast wie Weinen, aber stärker.

Nachts lag Valeria auf dem Klappsofa unter einer Decke mit Rentieren und starrte an die Decke.

Das Telefon blinkte wie ein Leuchtturm der Katastrophe: Miron hatte zwölfmal angerufen, Larissa Dmitrijewna siebenmal.

Dann kam eine Nachricht von der Schwiegermutter: „Lerotschka, du hast die Familie zerstört. Miron sitzt ganz weiß da.“

Valeria stellte sich Miron weiß vor.

Es gelang nicht.

Er war eher rot, wie eine unbezahlte Rechnung.

Am Morgen rief ihre Mutter, Tamara Pawlowna, an.

— Lera, Larissa hat mich angerufen, sagte die Mutter besorgt.

— Sie sagt, du bist von zu Hause weggelaufen.

Bist du verrückt geworden?

Tamara Pawlowna lebte in einem alten fünfstöckigen Haus am anderen Ende der Stadt, trug sogar im Sommer Kopftücher und glaubte, dass man jedes familiäre Unglück überstehen könne, wenn man es den Nachbarn nicht erzählt.

— Mama, ich bin nicht weggelaufen.

Ich bin gegangen, sagte Valeria.

— In unserem Alter geht man nicht, seufzte Tamara Pawlowna.

— In unserem Alter hält man aus, behandelt die Gelenke und schaut Gesundheitssendungen.

— Ich bin zweiundfünfzig, nicht hundertsieben.

— Nach fünfzig muss eine Frau mit dem Kopf denken, sagte die Mutter.

— Wo wirst du wohnen?

Wovon?

Ein Mann war wenigstens da.

Er hat doch nicht getrunken.

— Mama, nicht zu trinken ist kein Beruf und keine Tugend.

Das ist die Grundeinstellung eines Menschen.

— Ach, bist du klug geworden, sagte Tamara Pawlowna.

— Und wer wird dich danach nehmen?

— Mama, ich bin kein Topf im Ausverkauf, damit mich jemand nimmt.

In der Leitung hing Schweigen.

Valeria begriff plötzlich, dass dieses Gespräch schlimmer war als das gestrige.

Miron setzte sie grob unter Druck, die Mutter dagegen mit Liebe, Angst und der Erfahrung ihrer Generation, in der eine Frau ohne Mann nicht als frei galt, sondern als unvollständig.

— Ich komme morgen zu dir, sagte Valeria sanfter.

— Wir reden.

— Komm, seufzte die Mutter.

— Aber ohne Stolz.

Mit Stolz bezahlt man keine Nebenkosten.

— Und mit Demütigung schon?

— Lera, fang nicht an.

Valeria legte auf und setzte sich auf das Sofa.

Maja stellte Kaffee vor sie hin.

— Was sagt deine Mutter?

— Sie sagt, ich sei Ware mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum.

— Das sagen alle Mütter, winkte Maja ab.

— Sie selbst wurden so gelagert.

Am Montag ging Valeria mit Augenringen und einem neuen Gang zur Arbeit.

Nicht mit einem sicheren Gang, nein.

Eher mit dem Gang eines Menschen, der über Eis geht und schon weiß: Wenn er einbricht, wird er schwimmen.

In der Mittagspause stürmte Miron ins Büro.

Genau so: Er kam nicht herein, er erschien nicht, sondern brachte den Geruch von Straße, Gereiztheit und männlichem Eau de Cologne mit, das immer mehr versprach, als es hielt.

Die Sekretärin Irotschka hob den Kopf, der Direktor schaute aus seinem Büro, zwei Bauleiter erstarrten mit ihren Abnahmeprotokollen.

— Wir müssen reden, sagte Miron.

— Rede, antwortete Valeria, ohne aufzustehen.

— Nicht hier.

— Hier bin ich sicherer, sagte sie.

— Hier gibt es wenigstens Zeugen, die bis drei zählen können.

Die Bauleiter taten sofort so, als seien sie mit Papieren beschäftigt, aber ihre Ohren wurden riesig wie Satellitenschüsseln.

— Was redest du da? Miron beugte sich über den Tisch.

— Ich bin normal gekommen.

Komm nach Hause zurück.

Mama macht sich Sorgen, ich mache mir Sorgen.

Lass uns ohne Zirkus reden.

— Der Zirkus war zu Hause, sagte Valeria.

— Mit einer dressierten Ehefrau und der Hauptnummer „Frau verschwindet im Gemüsegarten“.

— Lera, ich gebe zu, ich habe übertrieben, sagte Miron mit leiserer Stimme.

— Ich sage Mama, dass sie dich weniger belästigen soll.

— Weniger?

Wie nett.

Also statt jeden Samstag nur jeden zweiten?

Danke, Herr, die Leibeigene hat vor Glück geweint.

— Du hast dich verändert, sagte er misstrauisch.

— Nein, Miron.

Ich habe nur angefangen, laut zu sprechen.

— Wir hatten eine normale Familie.

— Du hattest eine normale.

Ich hatte einen Hauswirtschaftsdienst mit Übernachtung.

— Du übertreibst.

— Natürlich.

Eine Frau übertreibt immer, wenn sie müde ist.

Wenn sie schweigt, ist sie weise.

Wenn sie um Hilfe bittet, ist sie hysterisch.

Wenn sie geht, ist sie eine Zerstörerin.

Ein ausgezeichnetes System, Hauptsache, es ist für alle Männer bequem.

Miron richtete sich auf.

— Hast du die Scheidung eingereicht?

— Heute nach der Arbeit fahre ich zu einer Anwältin.

Er wurde blass.

Diesmal wirklich.

— Das wagst du nicht.

— Doch, das wage ich.

Wir haben keine minderjährigen Kinder, keinen Streit um die Wohnung.

Eine Scheidung über das Standesamt ist möglich, wenn beide einverstanden sind.

Wenn du nicht einverstanden bist, gehe ich vor Gericht.

Das Vermögen besprechen wir getrennt.

Das Auto ist auf dich angemeldet, die Wohnung ist vorehelich, ja.

Aber gemeinsamer Beitrag, Ersparnisse, Haushaltsgeräte, Konten — alles werden wir uns ansehen.

Ich habe zehn Jahre lang nicht in einem Sanatorium gelebt.

— Du willst mich ausnehmen? fragte er laut.

Irotschka schnappte nach Luft.

Der Bauleiter mit dem Schnurrbart ließ seinen Stift fallen.

— Nein, sagte Valeria.

— Ich habe beschlossen, nicht mehr bequem zu sein.

Miron sah sie lange an.

In seinem Blick lag etwas Neues: keine Liebe, kein Bedauern, sondern Kalkül.

Valeria kannte diesen Blick.

So wählte er Fliesen fürs Bad aus: Gefällt mir nicht, aber wenn der Rabatt gut ist, kann man es ertragen.

— Du wirst es bereuen, sagte er.

— Möglich, antwortete Valeria.

— Aber es wird mein Bedauern sein.

Nicht dein Zeitplan.

Er ging.

Die Tür knallte.

Der Direktor kam aus seinem Büro und räusperte sich.

— Valeria Sergejewna, möchten Sie Tee? fragte er, und in dieser Frage lag mehr menschliche Anteilnahme als in vielen Ehen.

Am Abend saß Valeria bei der Anwältin — einer trockenen Frau um die vierzig mit kurzen Haaren und Augen, denen man bereits alle Arten menschlicher Dummheit erzählt hatte.

Die Anwältin hörte aufmerksam zu, fragte nach Daten, Dokumenten und Vermögen.

— Eine Wohnung, die vor der Ehe gekauft wurde, bleibt beim Ehepartner, wenn es keine ernsthaften Investitionen aus gemeinsamen Mitteln gab, die ihren Wert deutlich erhöht haben, sagte sie.

— Haben Sie eine große Renovierung gemacht?

— Laminat, Küche, Balkon gedämmt, Sanitäranlagen ausgetauscht, antwortete Valeria.

— Quittungen habe ich teilweise.

Manches ist bei Miron.

— Sammeln Sie, was Sie haben.

Zu den Ersparnissen — Kontoauszüge.

Zu Krediten — ebenfalls.

Und noch etwas: Wenn er droht, dokumentieren Sie es.

Löschen Sie keine Nachrichten.

— Und wenn die Schwiegermutter anruft und mich verflucht?

Die Anwältin lächelte zum ersten Mal.

— Flüche kann man der Akte nicht beilegen.

Aber Gesprächsaufnahmen sind manchmal nützlich, wenn darin Drohungen vorkommen.

Nur provozieren Sie nicht.

— Sie provoziert sich schon durch meine bloße Existenz selbst, sagte Valeria.

Eine Woche später mietete Valeria ein Zimmer bei der Witwe Nina Arkadjewna in der Vorstadt.

Bis zur Arbeit waren es vierzig Minuten mit der S-Bahn, dafür war es billig.

Nina Arkadjewna war ehemalige Chemielehrerin und sprach so, als prüfe sie jeden Satz auf eine Reaktion.

— Hat der Mann Sie verlassen? fragte sie beim ersten Treffen.

— Ich bin gegangen.

— Das ist selten, sagte Nina Arkadjewna.

— Normalerweise gehen unsere Frauen nur in den Laden, und selbst dann kommen sie mit Dill und Schuldgefühlen zurück.

Das Zimmer war klein: ein Bett, ein Schrank, ein Tisch, ein Fenster mit Blick auf Garagen.

Unten unter den Fenstern reparierten Männer sonntags Autos und fluchten in einer Tonlage, als würden sie Gedichte über die Heimat vortragen.

Valeria kaufte einen Wasserkocher, zwei Handtücher, eine billige Pfanne und fühlte sich wie eine Studentin, nur mit Krampfadern und Verständnis für Familienrecht.

Der erste wirklich unerwartete Schlag kam nicht von Miron.

Larissa Dmitrijewna rief an.

— Valeria, du musst kommen, sagte sie ohne Begrüßung.

— Nein.

— Du hast nicht verstanden.

Miron ist im Krankenhaus.

Valerias Herz zog sich zusammen.

— Was ist passiert?

— Blutdruck, Herz, Nerven! Die Stimme der Schwiegermutter zitterte, aber darin klang auch ein triumphierender Ton: Siehst du, wozu du ihn gebracht hast.

— Er ist bei der Arbeit zusammengebrochen.

Die Ärzte sagen, Stress.

Valeria schloss die Augen.

In ihr stieg sofort die alte Gewohnheit auf: hinrennen, retten, streicheln, sich dafür entschuldigen, dass andere ohne Kontrolle nicht leben können.

— In welchem Krankenhaus? fragte sie.

Larissa Dmitrijewna nannte es.

Valeria fuhr hin.

Im Krankenzimmer lag Miron in Jogginghosen, mit saurem Gesicht und dem Telefon in der Hand.

Auf dem Nachttisch standen Bananen, Joghurts und drei Packungen Kekse.

Stress wurde, den Vorräten nach zu urteilen, mit Kohlenhydraten behandelt.

— Du bist gekommen, sagte er.

— Wie geht es dir?

— Ist dir das nicht egal?

— Wenn es mir egal wäre, würde ich jetzt zu Hause Tee trinken.

Larissa Dmitrijewna saß am Fenster und sah Valeria an, als sei diese eine Gerichtsvollzieherin.

— Da, sieh es dir an, sagte die Schwiegermutter.

— So weit hast du den Mann gebracht.

Er schläft deinetwegen nachts nicht.

— Meinetwegen? Valeria stellte die Tasche auf den Stuhl.

— Oder weil er sich zum ersten Mal seit zehn Jahren selbst einen Arzttermin machen musste?

— Seien Sie nicht frech zu mir, sagte Larissa Dmitrijewna.

— Ich bin nicht frech.

Ich kläre die Diagnose.

Miron verzog das Gesicht.

— Lera, hör auf.

Mama macht sich Sorgen.

— Ich sehe es.

Sie macht sich so aktiv Sorgen, dass bei allen anderen der Blutdruck steigt.

Larissa Dmitrijewna sprang auf.

— Du bist undankbar!

Ich habe dich in die Familie aufgenommen!

— Sie haben mich in den Umlauf gebracht, Larissa Dmitrijewna, sagte Valeria.

— Das sind zwei verschiedene Dinge.

— Ich wollte dir Gutes!

— Sie wollten, dass ich bequem bin.

Das Gute stand nicht einmal daneben.

— Miron, hörst du das? Die Schwiegermutter wandte sich an ihren Sohn.

— Sie beleidigt mich bei einem kranken Menschen!

— Mama, setz dich, sagte Miron müde.

Und plötzlich geschah etwas, womit Valeria nicht gerechnet hatte.

Eine junge Frau von etwa fünfunddreißig trat ins Krankenzimmer.

Groß, gepflegt, in einer teuren Daunenjacke, mit einer Tüte aus der Apotheke.

Sie blieb stehen, als sie Valeria sah.

— Oh, sagte die Frau.

— Ich komme wohl ungelegen.

Valeria sah Miron an.

Sein Gesicht wurde nicht weiß und nicht rot, sondern irgendwie grau, büromäßig.

— Wer bist du? fragte Valeria ruhig.

Die Frau geriet in Verlegenheit.

— Ich… Swetlana.

Von der Arbeit.

Larissa Dmitrijewna begann plötzlich, den Vorhang mit solchem Eifer zurechtzurücken, als hinge das Schicksal Russlands von den Falten ab.

— Von der Arbeit, wiederholte Valeria.

— Miron hat aber eine fürsorgliche Arbeit.

Sie geht in die Apotheke, bringt Joghurts und kommt ohne Anruf ins Krankenzimmer.

Swetlana errötete.

— Miron hat gesagt, er sei geschieden.

Im Zimmer wurde es still.

Sogar der Nachbar hinter dem Vorhang hörte auf zu schnarchen.

— Noch nicht, sagte Valeria.

— Aber wie Sie sehen, läuft der Prozess mit medizinischer Begleitung.

Miron setzte sich im Bett auf.

— Lera, fang nicht an.

— Ich habe nicht einmal angefangen.

Bei dir hat es offenbar schon lange angefangen.

Swetlana stellte die Tüte langsam auf den Nachttisch.

— Miron, du hast gesagt, deine Frau sei vor einem Jahr von dir weggegangen, sagte sie.

— Und dass ihr nur die Papiere noch nicht erledigt habt.

— Sweta, geh raus, sagte Miron.

— Nein, sagte Valeria.

— Sie soll ruhig sitzen bleiben.

Wir haben hier eine Familienkonferenz mit Elementen einer Dienstbesprechung.

Larissa Dmitrijewna drehte sich scharf um.

— Das ist alles unwichtig!

Das Wichtigste ist, dass du deinen Mann verlassen hast!

— Larissa Dmitrijewna, Valeria sah ihr direkt in die Augen.

— Sie wussten es?

Die Schwiegermutter senkte den Blick.

Die Antwort war bereit.

Nicht in Worten — im Hals, in den Schultern, in den Fingern, mit denen sie ihr Taschentuch knetete.

— Sie wussten es, sagte Valeria.

— Natürlich.

Und trotzdem haben Sie mich gerufen, um Fenster zu putzen.

— Ich bin Mutter, flüsterte Larissa Dmitrijewna.

— Ich habe meinen Sohn beschützt.

— Nein, sagte Valeria.

— Sie haben Ihre bequeme Welt beschützt.

Eine Welt, in der der Sohn gut ist, die Ehefrau duldet, die Geliebte wartet und Sie mit der Hacke in der Hand die Parade kommandieren.

Swetlana lachte plötzlich.

Kurz, böse.

— Die Geliebte wartet, wiederholte sie.

— Großartig.

Ich dachte, ich sei fast die Braut.

Miron, du bist ein Genie.

Du hast Mama, Ehefrau und mich — drei Frauen für einen erwachsenen Jungen.

Soll man dir vielleicht noch einen Sozialarbeiter organisieren?

— Sweta! brüllte Miron.

— Brüll nicht, sagte Swetlana.

— Sonst steigt dein Blutdruck, und am Ende sind wieder wir alle schuld.

Der Nachbar hinter dem Vorhang hustete und sagte:

— Meine Damen, machen Sie ruhig weiter.

Mein Fernseher ist kaputt, und hier gibt es eine kostenlose Serie.

Larissa Dmitrijewna schnappte sich ihre Tasche.

— Gehen wir auf den Flur! zischte sie.

— Was für eine Schande!

— Die Schande war, als Sie es wussten und geschwiegen haben, sagte Valeria.

— Und jetzt ist einfach die Wahrheit ohne Überschuhe herausgekommen.

Sie verließ das Krankenhaus und blieb draußen auf der Treppe stehen.

Es war März, nasser Schnee fiel auf den Asphalt und verwandelte sich in grauen Matsch.

Swetlana holte sie nach einer Minute ein.

— Valeria? sagte sie.

— Warten Sie.

Valeria drehte sich um.

— Wollen Sie sich entschuldigen oder mich erledigen?

— Ich wusste es nicht, sagte Swetlana.

— Wirklich.

Er sagte, Sie lebten schon lange getrennt.

Dass Sie ihn nicht lieben, dass seine Mutter krank ist, dass er alles allein trägt.

— Er zieht nur die Decke, sagte Valeria.

— Und zwar auf sich.

Swetlana lächelte unerwartet.

— Sie sind stark.

— Nein.

Ich bin nur müde davon, planmäßig schwach zu sein.

Sie standen unter dem nassen Schnee, zwei Frauen, die ein Mann in verschiedene Schubladen seines Lebens zu sortieren versucht hatte.

Die Schubladen öffneten sich plötzlich, und aus ihnen roch es nicht nach Liebe, sondern nach abgestandener Wäsche.

— Ich verlasse ihn, sagte Swetlana.

— Ich schon, sagte Valeria.

— Dann viel Glück uns beiden.

— Viel Glück, antwortete Valeria.

— Und normalen Blutdruck.

Nach dem Krankenhaus beschleunigten sich die Ereignisse.

Miron rief an, schrieb, drohte, bat dann, drohte dann wieder.

Die Nachrichten waren wie das Wetter im April: „Du hast mein Leben zerstört“, „Ich liebe dich“, „Du bist niemand ohne mich“, „Lass uns von vorn anfangen“, „Mama weint“, „Ich erkläre dir alles“, „Du wirst es bereuen“.

Valeria speicherte alles.

Die Anwältin billigte es.

Zur Gerichtsverhandlung kam Miron in einem neuen Mantel und mit dem Gesichtsausdruck eines Menschen, den der Staat persönlich beleidigt hatte.

Larissa Dmitrijewna kam auch, obwohl sie niemand eingeladen hatte.

Sie setzte sich im Flur hin und trank demonstrativ Wasser in kleinen Schlucken, wie eine Leidende aus einem Provinztheater.

— Lerotschka, sagte sie, als Valeria näherkam.

— Es ist noch nicht zu spät, zur Vernunft zu kommen.

In deinem Alter ist Scheidung keine Freiheit, sondern ein leeres Zimmer.

— Ein leeres Zimmer ist besser als ein volles Haus voller Lügen, antwortete Valeria.

— Große Worte, schnaubte die Schwiegermutter.

— Das Leben wird dich schnell lehren.

— Das Leben hat mich schon gelehrt.

Früher habe ich nur die Mitschriften für Sie geschrieben.

Miron trat näher.

— Lass uns ohne Skandal auskommen, sagte er.

— Ich bin mit der Scheidung einverstanden.

Aber das Geld teile ich nicht.

Alles gehört mir.

— Alles, was dir gehört, sind deine Mutter, deine Swetlana, dein Blutdruck und dein Kefir, sagte Valeria.

— Den Rest sehen wir uns anhand der Dokumente an.

Das Gericht war nicht wie im Film.

Keine Hämmer, keine plötzlichen Geständnisse und keine weinenden Zeugen.

Eine müde Frau in Robe stellte Fragen, blätterte in Papieren und sah über ihre Brille hinweg.

Die Ehe wurde geschieden.

Für das Vermögen wurde ein separates Verfahren angesetzt.

Miron versuchte, wegen der Ersparnisse zu streiten, aber Valeria hatte die Kontoauszüge.

Sie brachte alles mit: Quittungen für die Renovierung, Zahlungen, Überweisungen, sogar die Rechnung für genau jene Küche, die sie drei Wochen lang ausgesucht hatten, während Miron bewies, dass „Beige praktisch ist“.

Beige erwies sich nicht nur als praktisch, sondern auch als beweiskräftig.

Nach der Verhandlung holte Larissa Dmitrijewna Valeria am Ausgang ein.

— Bist du zufrieden? fragte sie.

— Du hast die Familie zerstört, willst Geld einklagen, hast meinen Sohn blamiert.

— Larissa Dmitrijewna, sagte Valeria, Ihr Sohn hat das ganz allein geschafft.

Ich habe nur aufgehört, die Kulissen festzuhalten.

Die Schwiegermutter holte plötzlich aus.

Nicht stark, auf altfrauenhafte Weise, aber die Hand ging in Richtung Valerias Gesicht.

Valeria fing ihr Handgelenk ab.

— Nicht, sagte sie leise.

— Hier sind Kameras.

Larissa Dmitrijewna erstarrte.

In ihren Augen blitzte Angst auf — nicht vor Valeria, sondern vor den Folgen.

Das war wirklich echt: nicht Gewissen, sondern Überwachungskamera.

— Du bist grausam, flüsterte die Schwiegermutter.

— Nein, sagte Valeria.

— Ich bin einfach nicht mehr bequem.

Einige Monate später mietete Valeria eine kleine Einzimmerwohnung in derselben Vorstadt.

Kein Zimmer mehr — eine richtige Wohnung.

Alte Möbel, ein Herd mit einer launischen Kochplatte, ein Fenster mit Blick auf Pappeln und eine Bushaltestelle.

Das Geld aus der Vermögensaufteilung half, Schulden zu begleichen, eine normale Matratze und eine Waschmaschine zu kaufen.

Die Waschmaschine war laut, aber ehrlich: Wenn sie Lärm machte, bedeutete das, dass sie arbeitete.

Valeria schätzte diese Eigenschaft bei Technik mehr, als sie sie früher bei Menschen geschätzt hatte.

Tamara Pawlowna meckerte zuerst, kam dann mit einem Glas Salzgurken und drei Ratschlägen zu Besuch, von denen zwei schädlich waren.

— Bei dir ist es gar nicht schlecht, sagte die Mutter und sah sich in der Wohnung um.

— Sauber.

Nur einsam.

— Mama, Einsamkeit ist, wenn ein Mensch neben dir ist, du aber mit niemandem reden kannst, sagte Valeria und goss Tee ein.

— Und hier ist es einfach still.

Tamara Pawlowna setzte sich ans Fenster und blickte auf die Haltestelle.

— Ich wollte deinen Vater auch verlassen, sagte sie plötzlich.

Valeria erstarrte.

— Wann?

— Viele Male.

Besonders nachdem er die Prämie verspielt hatte.

Du warst klein.

Ich holte damals den Koffer heraus, und deine Großmutter sagte: „Wohin willst du mit dem Kind?

Die Leute werden lachen.“

Und ich blieb.

Die Leute lachten natürlich trotzdem.

Nur aus anderen Gründen.

Sie seufzte und fügte hinzu:

— Vielleicht hast du das Richtige getan.

Ich habe nur Angst um dich.

Valeria trat zu ihr und umarmte die Mutter an den Schultern.

— Ich habe auch Angst, Mama.

— Dann lebe, sagte Tamara Pawlowna und klopfte ihr verlegen auf die Hand.

— Angst bedeutet nicht, dass man etwas nicht darf.

Im Frühling verbrachte Valeria zum ersten Mal seit vielen Jahren einen Samstag so, wie sie es wollte.

Sie wachte um neun auf, nicht von einem Anruf, sondern von der Sonne.

Sie kochte Kaffee.

Dann ging sie auf den Markt, kaufte Radieschen, Käse, neue Socken und eine Blume im Topf — eine lustige mit gelben Blättern, als hätte auch sie sich scheiden lassen und beschlossen, neu anzufangen.

Auf dem Rückweg traf sie Nina Arkadjewna.

— Na, hat sich der Ex gemeldet? fragte diese.

— Hat er.

Er wollte reden.

— Und?

— Ich habe gesagt, er soll schriftlich schreiben.

Die mündliche Form hat sich erschöpft.

Nina Arkadjewna nickte zustimmend.

— Richtig.

Männer werden überhaupt verständlicher, wenn man sie in Dokumentenform überführt.

Die letzte Wendung kam im Sommer.

Valeria bekam über eine Bekannte von Maja einen Auftrag für Buchhaltung aus der Ferne.

Eine kleine Firma, aber sie zahlten ordentlich.

Dann kam noch ein Auftrag.

Dann bot ihr der Direktor bei der Hauptarbeit eine Beförderung an: Es stellte sich heraus, dass eine Frau, die eine Scheidung überleben kann, eine Steuerprüfung beinahe als Erholung empfindet.

Valeria saß abends auf ihrem Balkon.

Unten fuhren Jugendliche mit Rollern, am Eingang stritt jemand wegen eines Parkplatzes, vom Nachbarbalkon roch es nach Bratkartoffeln und nach einem Leben ohne besondere Ansprüche.

Das Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Miron:

„Lera, Mama hat das Haus verkauft.

Es ist schwer für sie allein.

Ich komme nicht zurecht.

Vielleicht reden wir?“

Valeria sah lange auf den Bildschirm.

Dann tippte sie:

„Sprich mit dem Sozialdienst, einem Immobilienmakler und einem Therapeuten.

Mit mir nur über die verbleibenden rechtlichen Fragen.“

Sie schickte die Nachricht ab und spürte keine Freude, nein.

Freude wäre zu einfach gewesen.

Sie spürte Gleichgewicht.

Als hätte man in ihrem Inneren endlich die Möbel umgestellt: Der schwere Schrank der Schuld war vom Fenster weggerückt worden, und nun sah man den Himmel.

Eine Minute später kam noch eine Nachricht:

„Du bist hart geworden.“

Valeria lächelte und antwortete:

„Nein.

Ich bin nur keine Gartenbeet mehr.“

Sie legte das Telefon mit dem Bildschirm nach unten.

In der Wohnung war es still.

Nicht leer — still.

Auf der Fensterbank stand die gelbe Blume, trotzig, lächerlich, lebendig.

Valeria hob die Teetasse und lachte plötzlich: nicht über Miron, nicht über Larissa Dmitrijewna, nicht einmal über ihr früheres Ich.

Sie lachte über dieses ganze große häusliche Imperium, in dem man einer Frau jahrzehntelang beigebracht hatte, ein weicher Lappen zu sein, und sich dann wunderte, dass sie sich eines Tages auswrang, aufrichtete und nicht mehr zu fremden Füßen liegen wollte.

Der Samstag endete ohne Anrufe.

Und das war kein Glück wie auf einer Postkarte, kein Siegesmarsch, keine neue Jugend.

Es war ein erwachsenes, nüchternes, ein wenig müdes Leben.

Ihr eigenes.

Und das bedeutete — endlich ein echtes.