— Hast du im Handy meiner Frau herumgeschnüffelt, während sie unter der Dusche war?

Hast du nach belastendem Material gesucht, um uns auseinanderzubringen?

Mama, das ist niederträchtig!

— Ich gehe duschen.

Ich habe keine Kraft mehr, dieses Schweigen zu ertragen, es dröhnt in meinen Ohren lauter als ein Presslufthammer.

— Wiktorija schob mit einem dumpfen Geräusch den Teller mit dem fast unberührten Ragout von sich weg, stand vom Tisch auf und verließ die Küche, ohne weder ihren Mann noch ihre Schwiegermutter anzusehen.

Ihre Schritte hallten im Flur wie die Schläge eines Metronoms, das die letzten Minuten der Ruhe abzählt.

Das Schloss der Badezimmertür klickte, dann war das Geräusch von Wasser zu hören — zuerst scharf, auf den Wannenboden prasselnd, dann weich und gedämpft.

Dieses Geräusch hätte ein Signal zur Entspannung sein sollen, zum Ende eines schweren, klebrigen Abends, doch in der Küche wirkte es wie ein Startschuss.

Maxim stand am dunklen Fenster, mit dem Rücken zum Tisch.

Er tat so, als würde er die Lichter der Abendstadt betrachten, obwohl er in Wirklichkeit die Spiegelung des Zimmers im schwarzen Glas beobachtete.

Er sah, wie Galina Petrowna, seine Mutter, die bis zu diesem Moment mit dem Ausdruck beleidigter Tugend gesessen und lustlos mit der Gabel in einem Stück Fleisch herumgestochert hatte, sich augenblicklich verwandelte.

Der krumme Rücken verschwand, die leidende Wölbung ihrer Augenbrauen war weg.

Ihr Körper spannte sich wie eine Saite, und in ihren Augen, die eben noch trüb und wässrig gewesen waren, flammte ein kaltes, berechnendes Feuer auf.

Auf der weißen Tischdecke, neben einer vergessenen Papierserviette, lag Wiktorijas Telefon.

Ein schwarzer, glänzender Ziegelstein, in dem das Privatleben aufbewahrt war, das Galina Petrowna keine Ruhe ließ.

Die Mutter drehte den Kopf nicht in Maxims Richtung.

Sie war sicher, dass ihr Sohn in seine Gedanken oder in einen Arbeitschat vertieft war.

Ihre Hand, trocken, mit großen knotigen Gelenken und makelloser bordeauxroter Maniküre, glitt über den Tisch nicht wie die Hand einer älteren Frau, sondern wie die Pfote einer Spinne, die die Vibration ihres Netzes spürt.

Die Bewegung war schnell, präzise und eingeübt.

Maxim blickte, den Atem anhaltend, in die Spiegelung.

Ihm wurde körperlich übel.

Ein Kloß stieg ihm in den Hals und schmeckte bitter nach Galle.

Er hätte sich sofort umdrehen, losbrüllen, mit der Faust auf den Tisch schlagen und dieses Theater des Absurden beenden müssen.

Doch ihn lähmte eine perverse Neugier.

Er wollte den Tiefpunkt sehen.

Sehen, wie tief ein Mensch fallen kann, der von einer fixen Idee besessen ist.

Galina Petrowna nahm das Telefon.

Der Bildschirm leuchtete auf und beleuchtete ihr Gesicht von unten mit einem totenbleichen Licht, das die Falten in tiefe Schluchten verwandelte.

Sie kannte das Passwort.

Natürlich kannte sie es.

Wika hatte nie etwas verborgen, sie gab den Musterschlüssel immer vor allen ein — ein einfaches „Z“.

Die Mutter wiederholte die Bewegung mit erschreckender Leichtigkeit.

Die Sperre wurde aufgehoben.

Jetzt schaute sie nicht einfach nur — sie arbeitete.

Ihr Finger scrollte nervös, ruckartig durch die Messenger-Liste.

Sie las keine Nachrichten, schaute nicht aufs Wetter.

Sie biss sich zielgerichtet in die Dialoge hinein, öffnete sie, überflog den Text, suchte nach Schlüsselwörtern und schloss sie wieder, um zum nächsten überzugehen.

Es erinnerte an eine Hausdurchsuchung.

Eine schamlose, schmutzige Durchsuchung von Unterwäsche, wenn ein Polizist nicht einfach Beweise sucht, sondern Vergnügen an der Erniedrigung des Verdächtigen empfindet.

Auf Galina Petrownas Gesicht wechselte ein ganzes Spektrum von Emotionen: Enttäuschung, wenn sich ein Chat als beruflich herausstellte, Verärgerung über Gespräche mit Freundinnen über Kosmetik und wieder jagdlicher Eifer.

Sie suchte nach Schmutz.

Sie brauchte Schmutz, um ihren Hass zu rechtfertigen.

Sie musste um jeden Preis beweisen, dass die Wahl ihres Sohnes ein Fehler war, dass Wiktorija eine gefallene Frau sei und sie, die Mutter, die einzige Seherin in diesem Haus.

Plötzlich erstarrte ihr Gesicht.

Ihre Augen weiteten sich, ihre Lippen verzogen sich zu einem grauenhaften, triumphierenden Grinsen.

Sie hatte etwas gefunden.

Oder glaubte jedenfalls, etwas gefunden zu haben.

Galina Petrowna zog den Bildschirm näher an ihr Gesicht heran und las gierig die Zeilen, als würde sie in der Wüste endlich lang ersehntes Wasser trinken.

— Aha… — entfuhr es ihr.

Ein leises, zischendes Geräusch, voller Gift und Genugtuung.

— Ich habe es doch gewusst.

Maxim drehte sich abrupt um.

Der Stuhl, den er mit dem Oberschenkel streifte, fuhr quietschend über die Fliesen.

Das Geräusch war scharf wie ein Schuss.

Galina Petrowna zuckte am ganzen Körper zusammen, ließ das Telefon aber nicht fallen.

Im Gegenteil, sie klammerte sich mit beiden Händen daran und drückte es an ihre Brust wie ein kostbares Beweisstück, dann hob sie den Blick zu ihrem Sohn, in dem nicht der kleinste Funken Scham lag.

Darin schwappte der wahnsinnige Triumph einer Siegerin.

— Maxim, — begann sie, und ihre Stimme war fest, ohne jedes altersbedingte Zittern.

— Setz dich.

Du musst das sehen.

Sofort.

Bevor diese… aus der Dusche kommt und wieder anfängt, die unschuldige kleine Schäfchenrolle zu spielen.

Maxim trat an den Tisch.

Er bewegte sich langsam und spürte, wie in ihm eine kalte, weiße Wut hochkochte, die die letzten Reste kindlicher Anhänglichkeit verdrängte.

Er blickte auf das Gerät in den Händen seiner Mutter wie auf einen verseuchten Gegenstand.

— Gib das Telefon her, — sagte er leise.

— Leg es auf den Tisch.

— Nein! — Sie sprang auf und hielt das Gerät vor sich wie Schild und Schwert zugleich.

— Du wirst hinschauen!

Du wirst lesen!

Hier, schwarz auf weiß!

„Ich vermisse unsere Abende.“

Das schreibt irgendein Oleg!

Wer ist Oleg, Maxim?

Ein Kollege?

Ein Bruder?

Oder derjenige, mit dem sie herumturnt, während du dich im Büro abrackerst?

Maxim machte einen schnellen Griff und packte ihr Handgelenk.

Die Haut seiner Mutter war heiß und trocken.

Sie wehrte sich mit überraschender Kraft und versuchte, den Bildschirm vor seinen Augen zu halten.

— Hast du im Handy meiner Frau herumgeschnüffelt, während sie unter der Dusche war?

Hast du nach belastendem Material gesucht, um uns auseinanderzubringen?

Mama, das ist niederträchtig!

Sie hat nie einen Anlass gegeben, und du erfindest Liebhaber aus dem Nichts!

Ich werde nicht länger zulassen, dass du unser Leben mit deinem Gift vergiftest.

Fahr sofort weg!

— schrie der Mann und riss seiner Mutter das Gerät aus den Händen.

Das Telefon glitt aus ihren Fingern und landete in Maxims Hand.

Er sperrte den Bildschirm sofort, als würde er eine Tür zum Schlafzimmer schließen, in das ein Fremder eingedrungen war.

Galina Petrowna trat einen Schritt zurück und rieb sich das Handgelenk.

Ihr Gesicht bekam rote Flecken, doch sie wich nicht zurück.

— Niederträchtig? — fragte sie nach, und in ihrer Stimme klangen metallische Noten.

— Niederträchtig ist es, eine Hure ins Haus zu bringen und die Mutter zu zwingen, ihre Anwesenheit zu ertragen.

Ich rette dich, du Idiot!

Ich öffne dir die Augen!

Und du bist bereit, deine Mutter wegen… wegen dieses Stücks Fleisch hinauszuwerfen?

— Wage es nicht, — Maxim trat auf sie zu und baute sich über ihr auf.

— Wage es nicht, sie so zu nennen.

Du hast eine Grenze überschritten.

Du bist in private Nachrichten eingedrungen.

Das ist ein Straftatbestand, Mama.

Das ist ein Verbrechen.

Aber noch schlimmer ist: Es ist widerlich.

Du hast hier gesessen, ihr Essen gegessen, gelächelt und in Wahrheit auf den Moment gewartet, ihr in den Rücken zu fallen.

— Ich habe nach der Wahrheit gesucht! — kreischte Galina Petrowna, und ihre Maske der Ruhe bekam endgültig Risse.

— Und ich habe sie gefunden!

Oleg!

Frag sie nach Oleg!

Frag sie, was das für „Abende“ sind, nach denen er sich sehnt!

Oder hast du Angst?

Angst, herauszufinden, dass ich recht habe?

Maxim drückte das Telefon so fest, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.

Er wusste, wer Oleg war.

Es war ein Designer, mit dem Wika vor einem halben Jahr an einem Restaurantprojekt gearbeitet hatte.

Die „Abende“ waren endlose Überstunden im Büro vor der Abgabe des Entwurfs, wenn das ganze Team Pizza bestellte und bis zum Morgengrauen Zeichnungen überarbeitete.

Aber das seiner Mutter jetzt zu erklären, war sinnlos.

Sie wollte keine Erklärungen.

Sie wollte Krieg.

— Du glaubst, du hast das Telefon weggenommen und damit die Wahrheit ausgelöscht? — Galina Petrowna wich nicht einen Zentimeter zurück.

Im Gegenteil, sie beugte sich vor, und ihr Gesicht kam dem ihres Sohnes erschreckend nah.

In ihren Mundwinkeln hatte sich Speichel gesammelt, und ihre Augen brannten mit dem fanatischen Feuer eines Inquisitors, der eine Hexe gefunden hat.

— Du kannst diesen Bildschirm zerschlagen, du kannst ihn verbrennen, aber die Worte sind geschrieben!

Und ich habe sie mir gemerkt, Maxim.

Jeden einzelnen Buchstaben.

Sie machte eine theatralische Pause und genoss den Augenblick.

Die Luft in der Küche war dicht, stickig, durchtränkt vom Geruch des erkalteten Abendessens und des billigen Dramas, das diese Frau veranstaltet hatte.

— „Oleg, danke für den Abend, ohne dich hätte ich es nicht geschafft.

Du warst großartig“, — zitierte sie ausdrucksvoll und senkte absichtlich bei den letzten Worten die Stimme, um ihnen einen zähen, boudoirhaften Beiklang zu verleihen.

— Und ein Smiley, Maxim.

Ein Smiley mit einem Kuss!

Verstehst du, was das bedeutet?

Oder soll ich dir ein Bild davon malen, wie deine Frau es mit einem anderen Mann „schafft“, während du dich für die Hypothek krumm machst?

Maxim spürte, wie das Blut aus seinem Gesicht wich.

Er wollte sich die Ohren zuhalten, um diese schmutzige, klebrige Stimme nicht zu hören, die alles vulgär machte, was sie berührte.

Er kannte diesen Chat.

Er hatte ihn hundertmal gesehen, weil Wika ihr Telefon nie versteckte.

— Mama, du bist krank, — hauchte er, und in diesem Wort lag keine Beleidigung, sondern nur die schreckliche Feststellung einer Tatsache.

— Du bist wirklich krank.

Diese Nachricht wurde vor drei Monaten verschickt.

Oleg ist ihr leitender Architekt.

Der „Abend“ war die Präsentation eines Wohnkomplexes, bei der Wika der Projektor kaputtging und Oleg die Situation rettete, indem er seinen Laptop anschloss.

Und der Smiley ist einfach gewöhnliche Höflichkeit, die du offenbar vor zwanzig Jahren verlernt hast.

— Höflichkeit? — Galina Petrowna brach in Gelächter aus.

Das Lachen war trocken, krächzend, eher wie Husten.

— Oh, heilige Einfalt!

„Der Projektor ist kaputtgegangen“!

Mein Gott, Maxim, was bist du doch für ein naives Kälbchen.

Frauen schreiben Kollegen nicht so, wenn nichts zwischen ihnen ist.

„Du warst großartig“ — das sagt man nicht über einen Projektor, du Idiot!

Das ist übers Bett!

Spürst du das denn nicht?

Man riecht förmlich den anderen Mann an ihr!

Ich sehe das daran, wie sie schaut, wie sie sich anzieht, wie sie vor dir mit dem Schwanz wedelt, damit du misstrauisch wirst!

Sie begann in der Küche auf und ab zu gehen, mit den Armen zu fuchteln und sich immer weiter hineinzusteigern.

Jetzt, wo der Damm gebrochen war, war der Strom ihrer Paranoia nicht mehr aufzuhalten.

Sie griff nach allen möglichen, noch so unbedeutenden Details und formte daraus einen monströsen Klumpen von Anschuldigungen.

— Und damals, als sie sich nach der Firmenfeier verspätet hat? — schrie die Mutter und zeigte mit dem Finger in Richtung Flur, wo Wiktorijas Mantel hing.

— Sie sagte, das Taxi habe lange gebraucht?

Gelogen!

Sie brauchte Zeit, um sich nach den Turnübungen auf der Restauranttoilette wieder zurechtzumachen!

Und die neuen Ohrringe?

Woher hat sie Geld für solche Steine?

Du wirst sagen — eine Prämie?

Ha!

Das ist die Bezahlung für Dienstleistungen, Maxim!

Deine Frau verkauft sich, und du lebst mit ihr und isst aus ihrer Hand!

Maxim schaute seine Mutter an und erkannte sie nicht wieder.

Wo war die Frau, die ihm Märchen vorgelesen hatte?

Wo war die, die seine aufgeschlagenen Knie versorgt hatte?

Vor ihm stand ein Wesen, das von innen von Eifersucht und Bosheit zerfressen war.

Sie hasste Wika nicht wegen eines Betrugs.

Sie hasste sie, weil Wika jung, schön und vor allem lebendig war.

Weil Maxim sie liebte.

Und dieser Hass verzerrte die Realität in Galina Petrownas Kopf und verwandelte harmlose Dinge in pornografische Szenen.

— Halt den Mund, — sagte Maxim leise, doch in seiner Stimme lag so viel Stahl, dass Galina Petrowna für einen Augenblick stockte.

— Wage es nicht, deinen Schmutz auf meine Frau zu projizieren.

Wenn du überall Ausschweifung siehst, liegt das Problem vielleicht in deinem Kopf?

Du hast dein ganzes Leben lang Vater verdächtigt, obwohl er ein heiliger Mensch war.

Du hast ihn mit deinen Kontrollen zermürbt, hast an seinen Hemden gerochen, in seinen Taschen gewühlt.

Er ist an einem Herzinfarkt gestorben, Mama, weil er in diesem Konzentrationslager, das du Familie genannt hast, nicht mehr leben konnte.

Und jetzt bist du hierhergekommen, um mit mir dasselbe zu tun?

Die Erwähnung des Vaters wirkte auf sie wie ein rotes Tuch.

Galina Petrownas Gesicht bekam braune Flecken, ihre Lippen zitterten vor Wut.

— Fass deinen Vater nicht an! — kreischte sie und spuckte dabei Speichel.

— Dein Vater war ein Schwächling!

Und du bist genauso!

Ich habe versucht, die Familie zusammenzuhalten!

Ich war wachsam!

Und wenn ich nicht gewesen wäre, wäre er zur ersten besten Frau mit Rock davongelaufen!

Ich sehe die Menschen bis auf den Grund, Maxim!

Und diese deine… die sehe ich auch!

Du glaubst, ich merke nicht, wie sie hinter meinem Rücken grinst?

Wie sie sich mit Verkäufern im Laden Blicke zuwirft?

Sie ist eine Nymphomanin, Maxim!

Du reichst ihr nicht!

Sie braucht ständig die Bestätigung, begehrt zu werden!

Sie sprang auf ihren Sohn zu und packte ihn am Ärmel seines Hemdes, zog daran, als wolle sie ihn zwingen, ihr zu glauben und ihren Wahnsinn zu teilen.

— Hör auf deine Mutter! — flüsterte sie heiß und unheimlich.

— Solange es noch nicht zu spät ist.

Wirf sie raus.

Mach Tests.

Überprüf die Konten.

Du wirst sehen, ich habe recht.

Ich habe immer recht.

Sie benutzt dich.

Sie wartet nur darauf, dass du die Wohnung auf sie überschreibst, und dann wirft sie dich raus wie einen Welpen.

In ihrem Telefon ist ein ganzes Karteikartensystem von Männern!

Ich habe es gesehen!

Da ist nicht nur Oleg!

Da sind Sergej, Anton…

Wer sind diese Leute?

Warum fragst du nicht?

Warum schweigst du?!

— Galina Petrowna verfiel wieder in schrilles Gekreisch und verlor endgültig jeden menschlichen Anschein.

— Sergej!

Anton!

Sind das auch Kollegen?

Oder sind das „Freunde“, mit denen sie ins Kino geht, während du auf Dienstreise bist?

Maxim rieb sich müde den Nasenrücken.

Er kannte diese Namen.

Sergej war der Bauleiter, der die Fliesenverlegung auf einer Baustelle vermasselt hatte, und Wika hatte sich zwei Wochen lang im Gruppenchat mit ihm gestritten.

Anton war ihr Cousin dritten Grades aus Saratow, der ihr zu jedem Feiertag alberne Grußkarten schickte.

Aber das jetzt zu erklären, war, als würde man versuchen, einen Waldbrand mit einem Glas Wasser zu löschen.

Seine Mutter hörte ihn nicht.

Sie hörte nur die Stimme ihrer eigenen Angst und ihres verletzten Egos.

— Mama, Sergej ist ein Bauleiter, — sagte er mit lebloser Stimme und spürte, wie in ihm Übelkeit angesichts der Absurdität des Geschehens aufstieg.

— Und Anton ist ihr Cousin.

Du hast ihn auf unserer Hochzeit gesehen.

Er hat mit dir Lesginka getanzt.

Hast du das vergessen?

— Cousin! — schnaubte sie und wedelte Tatsachen weg wie lästige Fliegen.

In ihren Augen flackerte der Wahnsinn eines Menschen, der die Antwort der Aufgabe angepasst hat und nun keinen Widerspruch mehr duldet.

— Sie sind alle Brüder, solange der Ehemann nichts merkt.

Du suchst nach Ausreden für sie, Maxim!

Du klammerst dich an jeden Strohhalm, nur um das Offensichtliche nicht anerkennen zu müssen: Ich bin die einzige Frau auf der Welt, die dich wirklich liebt und dir Gutes will.

Und sie… sie parasitiert einfach auf deiner Güte.

Plötzlich wechselte sie schlagartig die Taktik.

Die Aggression wich einer klebrigen, einschmeichelnden Intonation, bei der Maxim ein kalter Schauer über den Rücken lief.

Galina Petrowna trat dicht an ihn heran, sah ihm von unten in die Augen, und ihre Stimme wurde wie süßer Sirup, mit Gift vermischt.

— Mein Sohn, schau mich an.

Ich sehe doch, wie eingefallen du aussiehst.

Du hast dunkle Ringe unter den Augen.

Du bist unglücklich.

Ich fühle das mit dem Herzen einer Mutter.

Diese Wohnung, diese Renovierung, diese Forderungen von ihr…

Sie saugt dir das Leben aus.

Verlass sie.

Komm mit nach Hause.

Ich mache dir Borschtsch, wir setzen uns hin und reden, wie früher.

Ohne diesen Schmutz.

Ohne diese fremden, verlogenen Menschen.

Maxim zuckte zusammen.

In diesem „Komm nach Hause“ lag etwas Grabesähnliches.

Sie rief ihn nicht in eine gemütliche Vergangenheit zurück, sondern in einen stickigen Kokon, in dem die Zeit stillstand und in dem es außer ihrer erstickenden Fürsorge keinen Platz für etwas Lebendiges gab.

Plötzlich begriff er mit schmerzhafter Klarheit: Sie war nicht eifersüchtig auf Wika als Frau.

Sie war eifersüchtig auf sein Leben.

Sie wollte, dass er ein ewiges Kind blieb, an ihren Rock gebunden, hilflos und abhängig, damit sie sich von seiner Energie nähren konnte.

— Mein Zuhause ist hier, Mama, — sagte er fest und trat einen Schritt zurück, um diese drückende körperliche Nähe zu durchbrechen.

— Und ich bin glücklich.

Ich war glücklich.

Bis du gekommen bist und angefangen hast, Müll auf meinen Tisch zu kippen.

Galina Petrownas Gesicht erstarrte wieder.

Das Mitleid verschwand augenblicklich, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet, und machte einer kalten Wut eines zurückgewiesenen Gottes Platz.

— Ach, so ist das also… — zischte sie und verengte die Augen.

— Glücklich also?

Im Dreck?

In der Lüge?

Na schön…

Dann genieße es.

Aber wenn sie dir ein Kind von irgendeinem „Oleg“ anschleppt, dann kriech nicht zu mir zurück.

Ich habe dich gewarnt.

In diesem Moment verstummte das Geräusch des Wassers hinter der Wand.

Das Dröhnen der Rohre hörte auf, und über die Küche legte sich eine klingende Stille, in der das schwere, pfeifende Atmen der Mutter wie Donner klang.

Das Schloss klickte.

Dieses trockene metallische Geräusch klang wie ein Gong, der den Beginn der nächsten Runde ankündigte, aber Maxim wusste bereits: Diese Runde würde die letzte sein.

Er konnte in diesem Theater des Absurden nicht länger Zuschauer sein.

Er spürte, wie sich hinter seinem Rücken die Tür öffnete und im Flur diejenige erschien, die gerade mit Schmutz beworfen worden war.

Die Badezimmertür öffnete sich und ließ in den stickigen, von Gift durchtränkten Flur eine Wolke feuchten Dampfes und den Duft von Lavendel-Duschgel hinaus.

Dieser Geruch — frisch, sauber, häuslich — traf Maxims Geruchssinn mit einem scharfen Kontrast zu all der Fäulnis, die seine Mutter gerade ausgespien hatte.

Wiktorija trat heraus und trocknete sich mit einem flauschigen Handtuch die Haare.

Sie trug einen Frotteebademantel, ihr Gesicht war von heißem Wasser gerötet, und in ihren Augen lag jene gelöste Ruhe, die ein Mensch ausstrahlt, der die Müdigkeit des Arbeitstages abgewaschen hat und sich auf einen gemütlichen Abend freut.

Sie wusste noch nichts.

Sie lächelte und wollte gerade etwas sagen, doch das Lächeln glitt von ihrem Gesicht wie schmelzendes Eis, als sie die Szenerie in der Küche sah.

Maxim, bleich, mit weißen Lippen, ihr Telefon in der Hand wie eine Granate mit gezogenem Sicherungsstift.

Und Galina Petrowna — zerzaust, mit roten Flecken am Hals, wie ein verrückter Vogel, der bereit ist, einem das Auge auszuhacken.

— Da ist sie ja! — Die Stimme der Schwiegermutter klang nicht menschlich, sondern wie Metall, das über Glas kratzt.

— Sie ist also aufgetaucht.

Na, hast du die Spuren abgewaschen?

Hast du dich lange gerubbelt, bestimmt sogar die Haut bis auf die Löcher abgeschürft, damit du nicht mehr nach deinem Mann riechst?

Wiktorija erstarrte.

Das Handtuch blieb in ihren Händen stehen.

Sie ließ den Blick vom vor Bosheit verzerrten Gesicht ihrer Schwiegermutter zu ihrem Mann wandern und dann zu ihrem Telefon in seiner Hand.

Das Verstehen kam augenblicklich, und es war schrecklich.

In ihren Augen standen weder Tränen noch Angst.

Dort erschien Ekel — so, wie man eine zerquetschte Kakerlake ansieht.

— Hast du ihr mein Telefon gegeben? — fragte sie leise und wandte sich nur an ihren Mann.

— Oder hat sie es selbst genommen, während du Möbel gespielt hast?

— Sie hat den Code geknackt, — antwortete Maxim heiser und spürte, wie die Scham ihn von innen verbrannte.

— Sie hat nach Oleg gesucht.

Und sie hat ihn gefunden.

Galina Petrowna trat auf die Schwiegertochter zu und verkürzte den Abstand bis zur Unanständigkeit.

Sie zog demonstrativ Luft durch die Nase und schnupperte an Wiktorijas nassen Haaren.

— Spiel hier nicht die Unschuldige! — spuckte sie aus.

— Ich habe alles gesehen!

„Du warst großartig“, ja?

So regelst du also berufliche Angelegenheiten?

Über das Bett?

Schau dich doch an!

Du hast nicht einmal den Bademantel richtig zugemacht, sodass alles herausfällt!

Glaubst du, ich sehe nicht, wie du ihn anschaust?

Du bist ein billiges Ding, das mein Sohn in seiner Dummheit aufgelesen hat, und jetzt saugst du ihm das Geld aus der Tasche und führst hinter seinem Rücken Affären!

Wiktorija wich nicht zurück.

Sie richtete sich auf, wirkte plötzlich größer und blickte mit eisiger Ruhe von oben auf ihre Schwiegermutter herab.

— Galina Petrowna, wenn Sie alle nach sich selbst beurteilen, heißt das nicht, dass die ganze Welt ein Bordell ist, — sagte sie deutlich und betonte jedes Wort.

— Ich weiß von Ihren Abenteuern in jungen Jahren.

Maxim hat davon erzählt.

Offenbar lässt Ihnen die Angst, dass jemand genauso handeln könnte wie Sie damals, nachts keine Ruhe.

Das war ein Schlag ins Gesicht.

Die Schwiegermutter verschluckte sich an der Luft, ihr Mund öffnete und schloss sich wie bei einem Fisch.

— Ach, du Miststück… — krächzte sie und hob die Hand, um auf die Tür zu zeigen, aber Maxim fing diese Hand noch in der Bewegung ab.

Er stellte sich zwischen die beiden — wie eine lebendige Wand, die die Gegenwart von der fauligen Vergangenheit trennte.

Er war nicht mehr jener Junge, der Angst vor dem Schreien seiner Mutter hatte.

Jetzt sah er die Frau an, die ihn geboren hatte, und erkannte in ihr den Grund für all seine Neurosen, all seine Misserfolge, all die Jahre, in denen er sich wie ein Nichts gefühlt hatte.

— Schluss! — brüllte er so laut, dass das Geschirr im Schrank klirrte.

— Mach den Mund zu, Mama.

Mach einfach deinen schmutzigen Mund zu.

Du glaubst, ich verteidige Wika?

Nein, ich schütze uns vor dir.

Du tust das doch nicht, weil du dir Sorgen um mich machst.

Du tust das, weil du ein Vampir bist.

Es tut dir körperlich weh zu sehen, wenn jemand ohne deine Erlaubnis glücklich ist.

Er ließ ihren Arm los und stieß sie mit einer Kraft von sich, die schon an Grobheit grenzte.

— Erinnere dich an Lena, — fuhr Maxim fort und ging weiter auf seine Mutter zu.

— Ich war damals zweiundzwanzig.

Sie war ein wunderbares Mädchen.

Was hast du getan?

Du hast in ihrer Tasche gewühlt, Kopfschmerztabletten gefunden und einen hysterischen Aufstand gemacht, dass sie drogensüchtig sei.

Du hast nachts ihre Eltern angerufen.

Du hast sie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht, und sie ist weggelaufen.

Und Katja?

Du hast ihr erzählt, in unserer Familie gäbe es Schizophrenie, damit sie Angst bekäme, Kinder von mir zu bekommen.

Ich habe geschwiegen.

Ich habe es ertragen.

Ich dachte: „Mama ist einfach schwierig, Mama will nur mein Bestes.“

— Ich habe dich gerettet! — kreischte Galina Petrowna und wich zum Kühlschrank zurück.

— Sie haben alle nicht zu dir gepasst!

Sie wollten nur eine Anmeldung!

— Schweig! — Maxim schlug mit der Handfläche auf den Tisch.

— Du hast mich nicht gerettet.

Du hast mich aufgefressen.

Du hast mein Leben zerstört, damit ich bei dir bleibe wie ein Schoßhündchen.

Du hast Vater mit deiner Eifersucht ins Grab gebracht.

Ich erinnere mich, wie du an seinen Jacken gerochen hast.

Ich erinnere mich, wie du mich, einen zehnjährigen Jungen, gezwungen hast, ihn zu beobachten, wenn er in die Garage ging.

„Schau nach, mit wem Papa redet.“

Du hast mich zu einem Komplizen deines Wahnsinns gemacht.

Vater ist nicht am Herzen gestorben.

Er ist daran gestorben, dass du ihm jede Freude am Leben ausgesaugt hast.

Du hast ihn mit deiner Paranoia erstickt.

Und jetzt bist du hierhergekommen, in mein Haus, zu meiner Frau, mit demselben Strick?

Galina Petrowna drückte ihren Rücken gegen das kalte Metall des Kühlschranks.

Ihr Gesicht wurde grau, die Maske der Aggressorin fiel ab und legte eine erbärmliche, verängstigte alte Frau frei, die plötzlich begriff, dass ihre stärkste Waffe — ihre mütterliche Autorität — nicht mehr funktionierte.

— Sohn… — flüsterte sie, und in ihrer Stimme war zum ersten Mal nicht Befehlsgewalt, sondern Angst zu hören.

— Was sagst du da?

Ich bin doch deine Mutter…

Ich habe mein Leben für dich gegeben…

— Du hast nicht dein Leben gegeben, — schnitt Maxim ihr hart das Wort ab.

— Du hast investiert und verlangst jetzt Dividenden in Form meines völligen Gehorsams.

Aber dieses Investment wirft keinen Gewinn mehr ab, Mama.

Du hast meine Frau eine Hure genannt.

Du bist in ihren privaten Raum eingedrungen.

Du hast versucht, den einzigen Menschen, der mich glücklich macht, mit Dreck zu bewerfen.

Du bist jetzt nicht meine Mutter.

Du bist ein Feind.

Ein Feind, der unter weißer Flagge ins Hinterland eingedrungen ist.

Wiktorija stand mit verschränkten Armen am Türrahmen.

Sie mischte sich nicht ein.

Sie verstand, dass das nicht ihr Kampf war.

Es war ein Abszess, der dreißig Jahre gereift war und nun endlich geplatzt war.

Sie sah, wie schwer Maxim diese Worte fielen, wie seine Finger zitterten — nicht vor Schwäche, sondern unter der gewaltigen Anspannung seines Willens.

Er durchschnitt die Nabelschnur.

Mit einem rostigen, stumpfen Messer, ins lebendige Fleisch, ohne Betäubung.

— Du siehst im Telefon einen Betrug, weil deine eigene Welt aus Lügen besteht, — Maxims Stimme wurde leiser, aber dadurch nur noch furchterregender.

— Du hast Vater nie geliebt.

Du hast ihn besessen.

Und du hast mich nie geliebt.

Du hast dein Spiegelbild in mir geliebt.

Aber der Spiegel ist zerbrochen, Mama.

Es gibt nichts mehr, worin du schauen kannst.

Galina Petrowna versuchte, sich aufzurichten, versuchte, wieder die gewohnte Maske verletzter Größe aufzusetzen, aber es gelang ihr nicht.

Sie zitterte.

— Du wirst es bereuen, — zischte sie und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen, aber es war nur noch Agonie.

— Du wirst zu mir angekrochen kommen, wenn sie dich vor die Tür setzt.

Aber dann wird es zu spät sein.

— Nein, Mama, — Maxim schüttelte mit erschreckender Ruhe den Kopf.

— Zu spät ist es bereits.

Für dich.

— Zieh dich an.

Dieses Wort fiel wie ein schwerer Stein in den Raum der Küche und zerschmetterte endgültig die Überreste der familiären Hierarchie.

Maxim wartete keine Antwort ab.

Er drehte sich um und ging in den Flur, seine Schritte waren fest und frei von jener Geschäftigkeit, die die Besuche seiner Mutter sonst immer begleitet hatte.

Früher rannte er um sie herum, bot ihr Hausschuhe, Tee, ein Kissen für den Rücken an.

Jetzt ging er wie ein Wachmann.

Galina Petrowna blieb beim Kühlschrank stehen.

Für einen Augenblick blitzte in ihren Augen Panik auf — echte, tierische Panik eines gehetzten Tieres, das erkannt hatte, dass der Käfig offen ist, doch dahinter nicht Freiheit, sondern Leere wartet.

Sie warf einen Blick auf Wiktorija und suchte darin wenigstens einen Hauch von Mitleid oder zumindest Schadenfreude, an der sie sich festhalten könnte, um einen neuen Skandal zu entfachen.

Doch das Gesicht der Schwiegertochter war undurchdringlich wie eine Marmorplatte.

Wiktorija sah ihre Schwiegermutter nicht wie eine Rivalin an.

Sie sah sie an wie eine Leerstelle.

Und diese Gleichgültigkeit stach schmerzhafter als jede Beleidigung.

Die Schwiegermutter zuckte zusammen, strich nervös ihre Bluse glatt und ging, das Kinn hoch erhoben, in den Flur.

Sie ging langsam, bemüht, die letzten Reste Würde zu bewahren, aber ihre Beine zitterten verräterisch.

Im Flur hatte Maxim bereits ihren Mantel von der Garderobe genommen — schwer, aus Kaschmir, nach ihrem scharfen, süßlichen Parfüm riechend, das ihm immer Kopfschmerzen bereitete.

Er reichte ihn ihr nicht galant, wie sonst immer.

Er hielt ihn einfach am ausgestreckten Arm, wie ein Beweisstück, wie einen schmutzigen Lappen, den man so schnell wie möglich loswerden musste.

— Du wirfst deine Mutter nachts hinaus? — fragte Galina Petrowna und blieb vor ihm stehen.

In ihrer Stimme war kein Gekreisch mehr, nur noch giftige Bitterkeit.

— Weswegen?

Weil ich dich vor einem Fehler bewahren wollte?

Du hast dein eigenes Blut gegen eine fremde Frau eingetauscht, die deinen Namen einen Monat nach der Scheidung schon vergessen haben wird.

— Ich habe ein Taxi gerufen, — antwortete Maxim trocken und ignorierte ihren Ausfall.

— Der Wagen ist in drei Minuten da.

Nummer 452.

Geh raus.

Galina Petrowna schob langsam die Arme in die Ärmel.

Jede ihrer Bewegungen war von theatralischem Tragismus durchtränkt, berechnet für einen Zuschauer, der den Saal bereits verlassen hatte.

Mit zitternden Fingern knöpfte sie den Mantel zu, und Maxim sah, wie eine Ader an ihrem Hals pochte.

Er hatte kein Mitleid mit ihr.

In seinem Inneren war die ausgebrannte Wüste durch die eisige Ruhe eines Chirurgen ersetzt worden, der ein gangränöses Glied amputiert.

Es gab keinen Schmerz.

Nur Kälte.

Sie nahm ihre Handtasche vom Schränkchen und umklammerte die Griffe krampfhaft.

Dann drehte sie sich zu Wiktorija um, die in den Flur getreten war und Schulter an Schulter mit ihrem Mann stand.

Diese stumme Demonstration von Einigkeit brachte Galina Petrowna zur Raserei.

Ihr Gesicht verzog sich, ihre Lippen dehnten sich zu einem bösartigen Grinsen.

— Du glaubst, du hast gewonnen? — zischte sie und sah der Schwiegertochter direkt in die Augen.

— Du glaubst, jetzt werdet ihr glücklich bis ans Ende eurer Tage leben?

Dummes Mädchen.

Du hast keine Ahnung, wen du dir ins Haus geholt hast.

Er ist kaputt.

Ich habe ihn dreißig Jahre lang gebrochen, nach meinem Bild geformt.

Er hat kein Rückgrat, Wika.

Sobald die erste Euphorie deines „Aufstands“ vorbei ist, wird er sich eine neue Mami suchen.

Und er wird dein Leben zur Hölle machen, weil er mein Sohn ist.

In ihm ist mein Blut, meine Gene, mein Gift.

Du wirst diesen Tag verfluchen, merk dir mein Wort.

Wiktorija schwieg.

Sie blinzelte nicht einmal.

Maxim öffnete die Wohnungstür.

Kalte Luft aus dem Treppenhaus strömte in die Wohnung und verdünnte die stickige Atmosphäre des Skandals.

— Geh, — sagte er.

Nicht laut.

Nicht grob.

Endgültig.

Galina Petrowna trat über die Schwelle.

Sie blieb auf der Fußmatte im gelben Licht der Hausflurlampe stehen, das ihr Gesicht wie eine alte Wachsmaske wirken ließ.

Sie drehte sich um.

In diesem Moment sah sie nicht wie eine Mutter aus.

Sie war eine Hexe aus schaurigen Märchen, die aus dem Dorf vertrieben wird.

— Ich habe keinen Sohn mehr, — spuckte sie aus.

— Für mich bist du heute gestorben.

Wage es nicht, zu meiner Beerdigung zu kommen.

Ich verfluche den Tag, an dem ich beschlossen habe, dich zu behalten, statt abzutreiben, wie dein Vater es geraten hat.

Er wusste, dass aus dir einmal so ein Nichts werden würde.

Die Worte blieben in der Luft hängen, schwer und schmutzig wie Klumpen Friedhofserde.

Das war ihr letzter Trumpf, ein nuklearer Schlag, der alles Lebendige auf der verbrannten Erde ihrer Beziehung vernichten sollte.

Sie wollte, dass er sie so in Erinnerung behielt — grausam, ablehnend, das Wesen von Mutterschaft selbst zerstörend.

Maxim sah sie lange und prüfend an.

In seinen Augen spiegelte sich kein Schmerz.

Nur das müde Verständnis darüber, dass er sein ganzes Leben mit einem Ungeheuer gelebt hatte und erst jetzt den Mut gefunden hatte, sich das einzugestehen.

— Leb wohl, Galina Petrowna, — sagte er mit einer fremden, hölzernen Stimme.

Er wartete nicht darauf, dass sie zum Aufzug ging.

Er begann einfach, die Tür zu schließen.

Langsam, unaufhaltsam trennte er sie von seiner Welt ab.

Er sah, wie ihr Mund sich für einen neuen Fluch öffnete, doch das Klicken des Schlosses schnitt den Laut ab.

Zweimal drehte sich der Schlüssel.

Das Klicken des Nachtverschlusses.

Das metallische Klirren klang wie ein Schuss in der Stille.

In der Wohnung kehrte Stille ein.

Keine klingende, keine dramatische, sondern eine dichte, wattige Stille, wie sie nach einer Explosion entsteht, wenn die Ohren taub sind und sich der Staub noch nicht gelegt hat.

Die Luft roch noch nach ihrem Parfüm, auf dem Boden blieben unsichtbare Spuren ihrer Anwesenheit zurück, aber die Bedrohung selbst war nicht mehr da.

Maxim stand mit dem Gesicht zur Tür und lehnte die Stirn gegen das kalte Metall.

Seine Hände, die zuvor zu Fäusten geballt gewesen waren, öffneten sich und hingen kraftlos an seinem Körper herab.

Er zitterte am ganzen Leib in einem ekelhaften, feinen Nachbeben — der Nachhall des Adrenalinsturms.

Er fühlte sich nicht wie ein Sieger, sondern wie jemand, der eine Katastrophe überlebt hatte.

Wiktorija trat von hinten zu ihm.

Sie umarmte ihn nicht.

Sie sagte keine Dummheiten wie „Alles wird gut“ oder „Du hast das Richtige getan“.

Sie legte einfach die Hand auf seinen Rücken, zwischen die Schulterblätter.

Die warme, lebendige Schwere ihrer Hand war der einzige Anker, der ihn in der Wirklichkeit hielt.

— In einem Punkt hat sie recht, — sagte Maxim dumpf, ohne sich umzudrehen.

— Ich bin kaputt.

Ich weiß nicht, wie man ohne diese ständige Überwachung lebt.

Ich weiß nicht, wer ich bin, wenn ich nicht versuche, ihre Anerkennung zu verdienen.

— Wir reparieren das, — antwortete Wiktorija schlicht.

Ihre Stimme war ruhig, ohne sentimentalen Schleim und ohne unnötiges Pathos.

— Das Wichtigste ist, dass wir jetzt allein sind.

Und dass es in diesem Haus keine Spione mehr gibt.

Maxim löste sich von der Tür und drehte sich zu seiner Frau um.

Er schaute auf das Telefon, das er immer noch in der Hand hielt — eine schwarze Plastikbüchse der Pandora, mit der alles begonnen hatte.

Er legte es auf das Schränkchen neben die Schlüssel.

— Tee? — fragte er.

Es war das gewöhnlichste Wort überhaupt, aber in diesem Moment klang es wie ein Angebot, ein neues Leben zu beginnen.

— Mit Cognac, — nickte Wiktorija und ging in die Küche.

Sie gingen durch den Flur ihrer Wohnung, die zum ersten Mal seit vielen Jahren wirklich ihre Festung geworden war.

Hinter der Tür, irgendwo unten, schlug die Tür eines Taxis zu und brachte die Vergangenheit in die Dunkelheit der Stadt davon, aber keiner von ihnen trat ans Fenster, um ihr mit dem Blick nachzusehen…