Die Dreizimmerwohnung am Lomonossow-Prospekt hatte Ksenia von ihrer Großmutter geerbt — lange bevor Aleksandr in ihr Leben trat.
Die Wände hatte sie selbst gestrichen, die Fenster mit ihrem eigenen Geld austauschen lassen und das Parkett im Wohnzimmer zwei Jahre zuvor neu verlegen lassen, wobei sie den Kredit allein auf ihren Namen aufgenommen hatte.

Als Aleksandr nach der Hochzeit zu ihr zog, wurde die Frage, wem die Wohnung gehörte, überhaupt nicht angesprochen — sie lebten ruhig miteinander, ohne alles in „meins“ und „deins“ aufzuteilen.
Die Ruhe endete jedes Mal, wenn Veronika Pawlowna zu Besuch kam.
— Zoja hat gestern angerufen — begann die Schwiegermutter, kaum dass sie die Schwelle überschritten hatte.
— Sie sagt, der Kleine habe wieder die ganze Nacht nicht geschlafen, sie und ihr Mann seien völlig überfordert.
Das bedeutet eine echte Familie — alle Probleme werden geteilt, alle Sorgen gemeinsam getragen.
Ksenia nickte, während sie Tee einschenkte, und schwieg.
Veronika Pawlowna verstand es, einen Vergleich so einzustreuen, dass er wie ein zusätzlicher Gast am Tisch in der Luft hängen blieb.
— Und wann bekommt ihr endlich einen Erben?
Sascha ist schließlich kein Junge mehr, es wäre langsam Zeit.
— Mama, jetzt reicht es — Aleksandr verzog das Gesicht und rieb sich über den Nasenrücken.
— Ksjuscha entscheidet selbst, wann und was sie will.
— Ich frage doch nur im Guten.
Nur klang es selten wirklich gut gemeint.
Nach solchen Besuchen stand Ksenia lange am Küchenfenster, sah den Leuten zu, die im Hof mit ihren Hunden spazieren gingen, und konnte ihre Gereiztheit nicht loswerden, die sich aus irgendeinem Grund nicht in ihren Gedanken, sondern eher in ihren Händen sammelte — sie wollte etwas umstellen, alles noch einmal putzen, Ordnung schaffen, obwohl längst alles ordentlich war.
— Achte einfach nicht darauf — sagte Aleksandr abends, während er seine Frau von hinten in der Küche umarmte.
— Sie ist zu allen so.
Zoja hat sie auch ständig genervt, bis sie endlich ein Kind bekommen hat.
— Ich bin nicht meinetwegen verletzt — Ksenia schüttelte den Kopf.
— Mich verletzt, dass du sie jedes Mal in Schutz nimmst.
— Ich nehme sie nicht in Schutz.
Ich erkläre nur, dass das einfach ihre Gewohnheit ist.
Ksenia stritt nicht weiter.
Überhaupt vermied sie größere Auseinandersetzungen meistens — sie war der Meinung, dass die Beziehung ihrer Schwiegermutter zu ihrem Sohn und ihrer Tochter sie nichts anging, sie sollten miteinander umgehen, wie sie wollten, solange sie sich nicht stärker als sonst in ihr eigenes Leben einmischten.
Aleksandr sah seine Mutter und seine Schwester oft, manchmal ohne seine Frau, und Ksenia hinderte ihn nicht daran — im Gegenteil, sie freute sich darüber, dass ihrem Mann seine Familie wichtig war.
So ging es drei Jahre lang.
Nach außen führten sie ein ruhiges, ausgeglichenes Leben: Beide arbeiteten, einmal im Jahr machten sie Urlaub, und die Renovierung wurde mal verschoben und mal erneut geplant.
Doch innerlich sammelte sich ein unangenehmer Bodensatz an, wie die trübe Ablagerung am Boden einer Tasse Tee, die man erst sieht, wenn man mit einem Löffel darin umrührt.
Den Urlaub hatten sie für das Ende des Sommers geplant — Türkei, zehn Tage, eine Reise, die sie schon lange aufgeschoben hatten.
Eine Woche vor dem Abflug kam die Frage auf, wer nach der Wohnung sehen sollte, falls ein Rohr platzte oder etwas anderes passierte.
— Vielleicht lassen wir die Schlüssel bei Mama? — schlug Aleksandr vor, während er Hemden in den Koffer legte.
— Nur für den absoluten Notfall.
Man weiß ja nie — vielleicht setzen uns die Nachbarn unter Wasser, während wir weg sind.
Ksenia erstarrte mit einem Handtuch in den Händen.
— Ich weiß nicht, Sascha.
Bei dem Gedanken habe ich irgendwie ein ungutes Gefühl.
— Was gibt es denn dabei zu befürchten?
Sie wird doch nicht hier wohnen, sie hat nur vorsichtshalber die Schlüssel.
Falls etwas passiert, kommt sie vorbei, schaut nach und geht wieder.
— Und wenn nichts passiert?
— Ksjuscha, denk doch selbst nach — die Schlüssel allein werden schon nichts anrichten.
Mama ist ein verantwortungsbewusster Mensch.
Ksenia zögerte noch ein paar Tage.
Aleksandr kam immer wieder auf das Gespräch zurück, nicht aufdringlich, aber hartnäckig — mal erwähnte er es beim Frühstück, mal erinnerte er sie am Abend daran.
Schließlich gab sie nach, obwohl sich in ihr bis zuletzt alles dagegen sträubte.
— Gut — sagte sie einen Tag vor der Abreise.
— Aber nur für den absoluten Notfall.
Niemand geht ohne unser Wissen hinein, verstanden?
Darüber wird nicht diskutiert.
— Natürlich.
Genau so sage ich es Mama.
— Sag es ihr direkt und nicht nur durch die Blume.
Mir ist wichtig, dass das völlig klar ist.
— Mache ich — Aleksandr nickte, während er den Reißverschluss des Koffers zuzog.
— Mach dir nicht so viele Sorgen, ehrlich.
Der Urlaub verlief ohne Zwischenfälle.
Meer, Sonne, gelegentliche Anrufe von Veronika Pawlowna — sie fragte, wie sie sich erholten, und sagte ihnen, sie sollten sich um nichts kümmern, alles sei in Ordnung.
Aleksandr hörte seiner Mutter am Telefon zu, antwortete knapp und bemerkte kein einziges Mal etwas Verdächtiges in ihrer Stimme.
Sie hatten keine Lust, nach Hause zurückzukehren, aber die zehn Tage vergingen schnell, und schon brachte ein Taxi das Ehepaar vom Flughafen nach Hause, die Rollen der Koffer klapperten über den Asphalt, und in Aleksandrs Tasche lagen ihre eigenen Wohnungsschlüssel.
Sie öffneten die Tür wie gewohnt.
In der Küche brannte Licht.
Am Tisch saß Veronika Pawlowna mit einer Tasse Tee, und neben ihr saß Zojas Kind auf einem hohen Hocker, ließ die Beine baumeln und aß Kekse — ein etwa fünfjähriger Junge im Dinosaurierpyjama.
Ksenia blieb im Flur stehen, ohne auch nur ihre Turnschuhe auszuziehen.
— Veronika Pawlowna? — ihre Stimme klang ruhig, doch der Koffer in ihrer Hand schien plötzlich tonnenschwer.
— Oh, ihr seid schon zurück!
Wir haben euch gar nicht so früh erwartet — die Schwiegermutter stand auf und stellte ihre Tasse beiseite, wie eine Hausherrin, die verspätete Gäste im eigenen Haus empfängt.
Ksenia ließ ihre Tasche an der Tür stehen und ging schweigend ins Schlafzimmer, ohne etwas zu fragen — sie wollte es mit eigenen Augen sehen, bevor sie Schlussfolgerungen zog.
Auf dem Bett schlief Zoja, in eine Decke gehüllt — ausgestreckt, als wäre sie bei sich zu Hause, ein Arm hing über den Rand der Matratze.
Im Zimmer lag der Duft eines fremden Parfüms.
Ksenia blieb einige Sekunden wortlos in der Tür stehen, drehte sich dann um und ging zurück in die Küche.
Aleksandr, der gerade erst die Koffer abgestellt hatte, fing den Blick seiner Frau auf und verstand, dass etwas nicht stimmte, konnte aber noch nicht sagen, was.
— Mama, was ist hier los? — fragte er und zog seine Jacke aus.
— Mein Sohn, regt euch nur nicht auf — Veronika Pawlowna setzte sich wieder hin, vollkommen ruhig, als wäre die Situation völlig selbstverständlich.
— Zojetschka wird jetzt eine Weile bei euch wohnen.
Ksenia stand mit verschränkten Armen in der Tür, und die Geduld, die sich drei Jahre lang angesammelt hatte, war in diesem Moment endgültig aufgebraucht.
— Aus welchem Grund schläft Ihre Tochter eigentlich in meinem Schlafzimmer? — fragte die Schwiegertochter ihre Schwiegermutter.
Ihre Stimme klang scharf und hallte von den Küchenfliesen wider.
Das Kind hörte auf, seinen Keks zu kauen, und starrte die Erwachsenen mit großen Augen an.
— Ksjuscha, leiser, du erschreckst das Kind — versuchte Veronika Pawlowna sie zu beruhigen.
— Mir ist egal, wer sich hier erschreckt.
Ich frage, warum in meiner Wohnung, in meinem Schlafzimmer, jemand schläft, den ich nicht eingeladen habe.
— Ilja hat sie verlassen — sagte die Schwiegermutter seufzend, als würde sie eine Tragödie von weltweitem Ausmaß verkünden.
— Ihr Mann ist gegangen, kannst du dir das vorstellen?
Wo soll sie jetzt mit einem Kind hin?
Eine Familie muss einander helfen, finde ich.
— Und Sie haben beschlossen, dass diese Hilfe auf Kosten meiner Wohnung gehen soll.
— Auf wessen Kosten denn sonst?
Ich habe eine Einzimmerwohnung, da kann man sich kaum umdrehen.
Du und Sascha habt drei Zimmer, Platz ist mehr als genug.
Gähnend kam Zoja in die Küche, in eine Decke gewickelt.
Ihre Haare waren zerzaust, ihr Gesicht verschlafen — sie fühlte sich offensichtlich wie zu Hause und nicht wie ein unerwartet ertappter Gast.
— Ksjuscha, ehrlich, ich habe wirklich keinen Ort, an den ich gehen kann — Zoja setzte sich neben ihren Sohn.
— Du würdest doch auch keine Frau mit Kind auf die Straße setzen, ich kenne dich doch.
— Mich hat niemand gefragt — Ksenia wandte sich ihrer Schwägerin zu.
— Das ist das Erste.
Und zweitens setze ich dich nicht auf die Straße, sondern sage, dass in meinem eigenen Zuhause eine Entscheidung ohne mich getroffen wurde.
— Ach, was macht das schon für einen Unterschied? — winkte Veronika Pawlowna ab.
— Die Wohnung gehört doch längst euch beiden, Sascha lebt schon so viele Jahre hier, wo man auch hinsieht — seine Sachen, sein Leben.
Warum jetzt alles in meins und deins aufteilen?
Ksenia spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg und ihre Finger sich von selbst zu Fäusten ballten.
Sie sah ihren Mann an und wartete auf irgendeine Reaktion — einen Widerspruch, Unterstützung, irgendetwas.
— Sascha — sagte sie leise — sag etwas.
Aleksandr stand am Kühlschrank, verlagerte sein Gewicht von einem Bein aufs andere und vermied es, seiner Frau in die Augen zu sehen.
— Mama hat zum Teil recht — brachte er schließlich hervor.
— Wir sind doch eine Familie.
Zoja wohnt eben ein paar Monate hier, bis sie wieder auf die Beine kommt, was ist schon dabei?
Genau in diesem Moment geschah für Ksenia das Schmerzhafteste — nicht die Anwesenheit ihrer Schwägerin im Schlafzimmer, nicht die Dreistigkeit ihrer Schwiegermutter, sondern das stille Einverständnis ihres Mannes damit, dass ein anderer Mensch das Recht habe, über ihr Eigentum zu verfügen.
— Hast du das gerade wirklich ernst gemeint? — Ksenia runzelte die Stirn und legte den Kopf zur Seite, als wolle sie sicherstellen, dass sie sich nicht verhört hatte.
— Ksjuscha, fang jetzt nicht an — Aleksandr hob die Stimme.
— Jetzt ist nicht die Zeit, über Eigentum nachzudenken, wenn jemand in Not ist.
— Jemand ist in Not — in meiner Wohnung, in meinem Schlafzimmer, ohne meine Erlaubnis — Ksenia betonte jedes einzelne Wort.
— Eigentum ist keine Laune, Sascha, das ist meine Wohnung, die ich mit meinem eigenen Geld renoviert habe, als du noch darüber nachgedacht hast, ob du mich überhaupt heiraten willst.
— Du verdrehst absichtlich alles — mischte sich Veronika Pawlowna ein und stand vom Stuhl auf.
— Wie herzlos du bist, du denkst nur ans Geld.
Eine Frau mit Kind hat es schwer, und du redest vom Parkett.
— Du bist einfach nur neidisch — warf Zoja ein und zog ihren Sohn an sich.
— Ich habe wenigstens ein Kind, während du dich immer noch nicht dazu durchringen kannst.
Vielleicht bist du deshalb so wütend.
Plötzlich erfüllten Stimmen die ganze Küche — Veronika Pawlowna sprach von Herzlosigkeit, Zoja rechtfertigte sich, das Kind begann wegen der lauten Stimmen zu quengeln, und Aleksandr stand zwischen allen und wiederholte immer wieder dasselbe:
— Jetzt reicht es, hört auf, lasst uns ruhig reden.
— Ruhig? — Ksenia schlug mit der Handfläche auf den Tisch, die Tasse klirrte und wäre beinahe umgekippt.
— Ruhig wäre es gewesen, wenn mich jemand angerufen und um Erlaubnis gefragt hätte.
Stattdessen komme ich aus dem Urlaub zurück und finde fremde Menschen in meinem Schlafzimmer.
— Du verstehst nicht, wie es ist, mit einem Kind allein zu bleiben — begann Zoja erneut.
— Ich verstehe nur eines — in meinem Zuhause wurde ohne mich entschieden — unterbrach Ksenia sie.
— Und ich will, dass das Schlafzimmer noch heute geräumt wird.
— Und wohin sollen wir gehen? — Veronika Pawlowna breitete die Arme aus.
— Willst du uns auf die Straße setzen, ja?
Hast du überhaupt kein Gewissen?
— Ich habe sowohl ein Gewissen als auch Grenzen — Ksenia ließ den Blick durch die Küche schweifen: die Schwiegermutter am Herd, die Schwägerin mit dem Kind am Tisch, den Mann, der wie erstarrt am Kühlschrank stand.
— Und diese Grenzen habt ihr überschritten, ohne mich zu fragen.
— Ksjuscha, ich bitte dich, ein paar Monate durchzuhalten — Aleksandr kam näher und versuchte, die Hand seiner Frau zu nehmen, doch sie wich zurück.
— Es ist doch nicht für immer.
Zoja findet Arbeit, mietet eine Wohnung, alles wird sich regeln.
— Und wenn es sich nicht regelt?
Hast du schon beschlossen, dass meine Wohnung ein Durchgangshaus für deine ganze Verwandtschaft ist, solange es für sie bequem ist?
— Niemand hat das gesagt.
— Genau das passiert, Sascha.
Sieh dich um — deine Mutter sitzt an meinem Tisch wie die Hausherrin, deine Schwester schläft in meinem Bett, und du bittest mich, das einfach hinzunehmen.
Hat mich überhaupt ein einziges Mal jemand gefragt, was ich will?
Aleksandr schwieg mit gesenktem Blick, und dieses Schweigen sagte mehr als jedes Wort.
— Also ist das für dich normal — Ksenia nickte wie zur Bestätigung einer längst gereiften Erkenntnis.
— Dann hör mir jetzt gut zu.
Wenn du glaubst, dass deine Mutter richtig gehandelt hat, dann leb mit ihr und deiner Schwester, wo immer du willst.
In ihrer Einzimmerwohnung, am Bahnhof, wo auch immer.
Aber nicht in meiner Wohnung.
— Du kannst mir das nicht antun — Aleksandr hob die Stimme, doch darin lag bereits mehr Verunsicherung als Überzeugung.
— Das hier ist auch mein Zuhause.
— Dein Zuhause ist dort, wo du dich entscheidest, künftig zu leben.
Diese Wohnung aber gehört mir, sie ist auf meinen Namen eingetragen und ich habe sie von meiner Großmutter geerbt.
Und ich werde sie nicht länger ohne meine Zustimmung mit deiner Mutter oder deiner Schwester teilen.
Veronika Pawlowna schnappte empört nach Luft und legte eine Hand auf ihre Brust, als hätte sie eine furchtbare Beleidigung gehört.
— Was für eine Frechheit.
Aleksandr stand mitten in der Küche, blickte abwechselnd zu seiner Mutter und zu seiner Frau und verstand offensichtlich nicht, wie die Situation innerhalb eines einzigen Abends so weit hatte eskalieren können.
Er hatte mit einem Kompromiss gerechnet, mit ein paar unangenehmen Monaten, und stattdessen stand er plötzlich vor einer Entscheidung, mit der er überhaupt nicht gerechnet hatte.
— Ksjuscha, lass uns erst einmal beruhigen und morgen früh darüber sprechen — versuchte er seinen Ton zu mildern.
— Alle sind müde, alle sind angespannt.
— Ich brauche keinen Morgen, um zu wissen, was ich jetzt denke — antwortete Ksenia.
— Entscheide dich, Sascha.
Heute.
Schwere Stille legte sich über die Küche.
Das Kind, das eben noch gequengelt hatte, verstummte und vergrub sein Gesicht an der Schulter seiner Mutter.
Veronika Pawlowna presste die Lippen zusammen und zeigte mit ihrer gesamten Haltung, wie tief sie sich beleidigt fühlte, während Zoja nervös am Rand der Decke zupfte.
— Gut — sagte Aleksandr schließlich, und in diesem Wort lag keine Entschlossenheit, sondern eher Müdigkeit darüber, überhaupt wählen zu müssen.
— Wir fahren zu Mama.
Ich packe meine Sachen.
Ksenia nickte, ohne ein weiteres Wort zu sagen, und ging aus der Küche auf den Balkon, wo ein alter Korbstuhl stand.
Sie setzte sich darauf, blickte in die Dunkelheit des Hofes und hörte hinter sich Tüten rascheln, Tassen klirren und Schranktüren zuschlagen — Aleksandr packte hastig, als würde er hoffen, seine Frau würde es sich jeden Moment anders überlegen und ihn aufhalten.
Sie hielt ihn nicht auf.
Eine Stunde später wartete ein Taxi vor dem Hauseingang, Veronika Pawlowna mühte sich damit ab, ihren Enkel ins Auto zu setzen, und Zoja schleppte eine hastig gepackte Tasche.
Aleksandr blieb in der Tür stehen und zögerte, den letzten Schritt zu machen.
— Ksjuscha, du verstehst doch, dass das nur vorübergehend ist?
Ich komme in ein paar Tagen zurück, wenn sich alle beruhigt haben.
— Ich weiß nicht, was es da zu verstehen gibt, Sascha — Ksenia sah ihren Mann ruhig an, ohne Tränen, ohne Schreien, als wäre in ihr längst alles endgültig entschieden.
— Du hast gewählt.
Und ich habe deine Entscheidung verstanden.
— Willst du wegen so einer Kleinigkeit wirklich alles zerstören?
— Für mich ist das keine Kleinigkeit — Ksenia schüttelte den Kopf.
— Es geht weder um das Schlafzimmer noch um Zoja.
Es geht darum, dass du danebenstandest und geschwiegen hast, während deine Mutter über mein Eigentum verfügte, als hätte sie das Recht dazu.
Und danach hast du mich gebeten, es einfach hinzunehmen.
Aleksandr senkte den Kopf, legte die Hand auf die Türklinke und zögerte noch eine Sekunde, als erwarte er, dass seine Frau etwas anderes sagen, ihn aufhalten oder einen Kompromiss anbieten würde.
Ksenia schwieg.
— Gut — sagte er leise und trat über die Schwelle.
Die Tür fiel mit dem gewohnten Klicken des Schlosses ins Schloss, doch aus irgendeinem Grund kam Ksenia dieses Geräusch lauter vor, als es sein sollte.
Die nächsten zwei Tage waren von Telefonanrufen geprägt.
Aleksandr schrieb Nachrichten, rief an, erklärte, seine Mutter sei zu weit gegangen, Zoja werde bald eine Mietwohnung finden und er sei bereit, sofort zurückzukommen, wenn seine Frau ihm verzeihe.
Ksenia antwortete kurz und ohne Emotionen, und am dritten Tag hörte sie ganz auf zu antworten — stattdessen vereinbarte sie einen Termin bei einem Anwalt.
— Ich möchte die Scheidung einreichen — sagte sie dem Anwalt, während sie in einem kleinen Büro mit Blick auf den Nachbarhof saß.
— Und ich möchte wissen, wie ich alles schnell und korrekt regeln kann.
— Der Grund für die Trennung? — fragte der Anwalt und blätterte durch das Formular.
Ksenia schwieg einen Moment und suchte nach den richtigen Worten.
— Mein Mann hat beschlossen, dass seine Familie ohne meine Zustimmung über mein Eigentum verfügen darf.
Und als er zwischen mir und seiner Mutter wählen musste, hat er seine Mutter gewählt.
Der Anwalt nickte, ohne etwas zu kommentieren, und begann die Unterlagen auszufüllen.
Ksenia blickte aus dem Fenster auf die Tauben, die bei einer Bank herumwuselten, und bemerkte plötzlich, dass sie keinen Schmerz empfand, sondern eine seltsame Erleichterung — als hätte sie lange einen schweren Rucksack getragen und ihn endlich von den Schultern genommen.
Eine Woche später kam Aleksandr, um seine restlichen Sachen abzuholen.
Er sah müde, unrasiert und offensichtlich unausgeschlafen aus — das Leben in der Einzimmerwohnung seiner Mutter zusammen mit seiner Schwester und seinem Neffen hatte sich als weit weniger gemütlich erwiesen, als er es sich vorgestellt hatte.
— Ksjuscha, vielleicht ist es noch nicht zu spät, alles rückgängig zu machen? — fragte er, während er Hemden in eine Sporttasche legte.
— Ich habe mit Mama gesprochen, sie gibt zu, dass sie zu weit gegangen ist.
Zoja sucht eine Mietwohnung.
— Es ist zu spät, Sascha — antwortete Ksenia, die in der Tür desselben Schlafzimmers stand, in dem eine Woche zuvor seine Schwester geschlafen hatte.
— Es geht nicht darum, wo Zoja wohnen wird.
Es geht um Vertrauen.
Und ich habe das Vertrauen in dich in dem Moment verloren, als du geschwiegen hast.
— Du hättest wenigstens versuchen können, meinen Standpunkt zu verstehen.
— Ich verstehe deinen Standpunkt — Ksenia nickte.
— Du hast dich für die Familie entschieden, in der du aufgewachsen bist.
Das ist dein Recht.
Aber ich habe ebenfalls das Recht, nicht länger mit einem Menschen zusammenzuleben, der es nicht für nötig hält, mich zu fragen, wenn es um mein eigenes Zuhause geht.
Aleksandr schloss die Tasche und ließ seinen Blick durch die Wohnung schweifen — über die vertraute Küche, das Wohnzimmer mit dem neu verlegten Parkett und den Balkon mit dem Korbstuhl — als würde er sich nicht nur von seiner Frau verabschieden, sondern auch von einem ganzen Teil seines eigenen Lebens, der hier zurückblieb.
— Schade, dass es so gekommen ist — sagte er an der Tür.
— Ich finde es auch schade — antwortete Ksenia ehrlich.
— Aber jetzt ist es zu spät, es zu bedauern.
Die Tür schloss sich zum zweiten Mal, und diesmal kam Ksenia das Geräusch des Schlosses ganz gewöhnlich vor — einfach nur ein Geräusch, genau so, wie es sein sollte.
Sie ging zurück in die Küche, schenkte sich Tee ein, setzte sich ans Fenster und sah lange dabei zu, wie Menschen im Hof ihre Hunde ausführten, Kinder mit Rollern fuhren und das ganz normale Leben seinen Lauf nahm, als wäre nichts Besonderes geschehen.
Die Scheidung wurde zwei Monate später vollzogen, ohne unnötigen Streit über die Vermögensaufteilung — die Wohnung hatte von Anfang an allein Ksenia gehört, also gab es nichts aufzuteilen.
Aleksandr zog dauerhaft zu seiner Mutter zurück und schickte nur gelegentlich kurze, distanzierte Nachrichten.
Ksenia hingegen strich die Wände im Schlafzimmer neu — statt des bisherigen Beige wählte sie einen ruhigen Grauton — und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass die Wohnung wieder ganz allein ihr gehörte.



