Und am Morgen rief die Bank bei ihm an und teilte ihm mit, dass alle seine Konten gesperrt worden waren.
— Da hast du’s, du Schmarotzerin! — Viktor ließ mir die Bratpfanne auf den Kopf krachen.

Vor Überraschung ging ich in die Hocke und hielt mir den Kopf mit den Händen zu.
Das gusseiserne Ding traf mit einem dumpfen Schlag meine Handgelenke.
Der Schmerz schoss durch mich hindurch, aber ich schrie nicht.
In zwanzig Jahren Ehe hatte ich gelernt, auszuhalten.
— Was tust du da?! — entfuhr es mir.
— Still! — brüllte er und schleuderte die Pfanne auf den Herd.
— Ich habe es satt, Geld für dich auszugeben!
Du frisst wie ein Scheunendrescher, und dabei kommt nichts dabei heraus!
Ich richtete mich langsam auf und rieb mir die geprellten Handgelenke.
Mein Mann stand mitten in der Küche — rot im Gesicht, zerzaust, mit blutunterlaufenen Augen.
Gestern war er wieder zu Aljonka gegangen, seiner dreißigjährigen Geliebten aus der Buchhaltung.
Am Morgen kam er betrunken und wütend zurück.
— Viktor, ich habe den ganzen Tag gekocht, geputzt …
— Gekocht?! — er zeigte mit dem Finger auf den Herd.
— Diese Brühe da, die man nicht mal essen kann?
Aljonka kocht wenigstens so, dass man sich die Finger danach leckt!
Und du …
Er sprach den Satz nicht zu Ende, drehte sich um und verließ die Küche, wobei er die Tür so heftig zuschlug, dass die Scheiben im Schrank klirrten.
Ich ließ mich auf einen Stuhl sinken und rieb mir weiter die Handgelenke.
Das linke begann schon anzuschwellen.
Morgen würde da ein blauer Fleck sein — wieder müsste ich mir etwas ausdenken, um es vor den Nachbarn und vor Mascha, unserer Tochter, zu verbergen.
Obwohl Mascha sowieso alles wusste.
Sie schwieg nur.
Unsere Tochter war fünfundzwanzig, und noch immer hatte sie vor ihrem Vater panische Angst.
Viktors Telefon klingelte im Flur.
Ich hörte sein missmutiges Gemurmel, dann wurde seine Stimme lauter:
— Was für eine Sperrung denn noch?!
Seid ihr da völlig verrückt geworden?!
Ich erstarrte und lauschte.
— Ich weiß doch, dass es Morgen ist!
Erklären Sie mir endlich vernünftig, was los ist!
Eine Pause.
Dann:
— Aufgrund einer Klage?!
Was für einer Klage?!
Von wem?!
Noch eine Pause, diesmal länger.
— Von Alla Iwanowna Sokolowa?!
Das ist meine Frau!
Ist sie völlig verrückt geworden?!
Unwillkürlich lächelte ich, obwohl meine Handgelenke noch immer vor Schmerz pochten.
Der Plan begann zu funktionieren.
Drei Monate zuvor hatte ich zufällig ein Gespräch zwischen Viktor und Aljonka mitgehört.
Er versprach ihr, meine Dreizimmerwohnung zu schenken — genau die, die ich vor fünfzehn Jahren von meiner Mutter geerbt hatte.
— Aljonuschka, was soll diese Kuh denn schon machen? — kicherte er am Telefon, während er sich im Bad eingeschlossen hatte.
— Wir lassen uns scheiden, und das war’s.
Die Wohnung hole ich mir vor Gericht, sie ist schließlich während der Ehe eingetragen worden.
Und dann überschreibe ich sie dir.
Ich stand vor der Badezimmertür und spürte zum ersten Mal seit vielen Jahren weder Angst noch Kränkung.
Ich spürte eine kalte, berechnende Wut.
Am nächsten Tag vereinbarte ich einen Termin bei einer Anwältin.
— Alles ist möglich, — sagte mir Swetlana Petrowna, nachdem sie die Unterlagen aufmerksam geprüft hatte.
— Ihre Wohnung ist persönliches Eigentum, weil Sie sie geerbt haben.
Aber es gibt eine Nuance.
— Welche? — fragte ich angespannt.
— Wenn Ihr Mann beweist, dass er Geld in Renovierung oder Umbauten gesteckt hat, könnte er eine Entschädigung verlangen.
Oder sogar einen Anteil.
— Er hat nichts investiert, — schüttelte ich den Kopf.
— Ich habe alles selbst gemacht.
Von meiner Rente und meinen Nebenjobs.
— Dann bleibt die Wohnung bei einer Scheidung bei Ihnen, — nickte die Anwältin.
— Aber ich würde Ihnen raten, vorbeugend zu handeln.
— Wie?
— Reichen Sie sofort eine Klage zur Vermögensaufteilung ein.
Warten Sie nicht auf die Scheidung.
Lassen Sie gerichtlich feststellen, dass die Wohnung Ihr persönliches Eigentum ist.
Und lassen Sie seine Konten als Sicherungsmaßnahme sperren — damit er das Geld vor dem Prozess nicht verschwinden lässt.
Ich dachte nach.
Der Plan war riskant, aber verlockend.
— Und wenn er es erfährt?
— Was macht das schon? — zuckte Swetlana Petrowna mit den Schultern.
— Sie wollen sich doch sowieso scheiden lassen, oder?
Ich schwieg.
Wollte ich das wirklich?
Zwanzig Jahre hatte ich Schläge, Betrug und Erniedrigungen ertragen.
Weshalb?
Aus Angst, allein zu bleiben?
Wegen Mascha, die längst erwachsen war?
— Ja, — sagte ich fest.
— Reichen wir die Klage ein.
— Alla! — brüllte Viktor, als er in die Küche stürmte.
— Was machst du da?!
Du hast mich verklagt?!
Ich schnitt seelenruhig weiter den Kohl für den Borschtsch.
— Ja.
— Du … du … — er rang vor Wut nach Luft.
— Begreifst du überhaupt, was du getan hast?!
— Ja, — ich legte das Messer kurz zur Seite und sah ihm in die Augen.
— Ich schütze mein Eigentum.
— Welches Eigentum?! — er machte einen Schritt auf mich zu, und ich wich unwillkürlich bis an den Tisch zurück.
— Das ist MEINE Wohnung!
Ich lebe seit zwanzig Jahren darin!
— Die Wohnung gehört mir.
Ich habe sie von meiner Mutter geerbt.
Und bei der Scheidung bleibt sie meine.
— Welche Scheidung?! — seine Augen wurden groß.
— Bist du jetzt völlig wahnsinnig geworden?!
— Ganz und gar nicht, — ich nahm das Messer wieder und schnitt weiter den Kohl.
Meine Hände zitterten, aber ich bemühte mich, ruhig zu bleiben.
— Es wird eine Scheidung geben, Viktor.
Unbedingt.
— Du glaubst, ich lasse dich einfach?! — er packte mich an der Schulter und drückte seine Finger schmerzhaft hinein.
— Lass los, — presste ich zwischen den Zähnen hervor.
— Nein!
Du bist meine Frau!
Und du kommst von mir nirgendwohin!
— Mama, was ist hier los?
Wir beide drehten uns um.
In der Tür stand Mascha.
Blass, mit großen erschrockenen Augen.
— Nichts, Töchterchen, — Viktor setzte sofort ein Lächeln auf und ließ meine Schulter los.
— Wir reden nur …
— Ihr redet, — Mascha sah meine roten Handgelenke an, den verstreuten Kohl.
— Papa, geh von Mama weg.
— Was?
— Geh weg.
Sofort.
Viktor blinzelte verwirrt, machte aber einen Schritt zurück.
— Maschka, bist du etwa auf ihrer Seite?!
— Ich bin auf der Seite normaler Menschen, — sagte meine Tochter und trat in die Küche, direkt an meine Seite.
— Menschen, die anderen keine Pfannen auf den Kopf schlagen.
— Ich habe sie nicht geschlagen!
Ich hab doch nur …
— Ich habe es gehört, — schnitt Mascha ihm das Wort ab.
— Alles gehört.
Und ich habe Mamas blaue Flecken gesehen.
Jahrelang.
— Maschenka … — Viktor versuchte plötzlich versöhnlich zu klingen.
— Mama, hast du wirklich die Scheidung eingereicht? — meine Tochter wandte sich zu mir um.
Ich nickte.
— Und das war richtig so, — sagte Mascha fest und legte mir den Arm um die Schultern.
— Höchste Zeit.
— Ihr … ihr … — Viktor wurde blass.
— Ihr habt euch abgesprochen?!
— Nein, — schüttelte ich den Kopf.
— Mascha hat es erst jetzt erfahren.
— Aber ich unterstütze Mama voll und ganz, — sagte meine Tochter entschlossen.
— Papa, du kannst deine Sachen packen.
Und zu deiner Aljonka gehen.
Es entstand eine Stille.
Viktor stand da mit offenem Mund und glaubte offenbar nicht, was gerade geschah.
— Ihr … ihr seid alle verrückt geworden, — brachte er schließlich heraus.
— Alla, überleg doch!
Wer wird dich noch wollen?
Alt, krank …
— Ich selbst brauche mich, — antwortete ich ruhig.
— Das reicht.
— Werden meine Konten wieder freigegeben?!
— Nein.
Das sind Sicherungsmaßnahmen bis zum Prozess.
— Was für ein Prozess?!
Ich schulde dir gar nichts!
— Du schuldest Entschädigung für moralischen Schaden, — mischte sich Mascha ein.
— Für zwanzig Jahre Schläge und Demütigungen.
Und Unterhalt rückwirkend — du hast ja nie etwas für mich ausgegeben.
Viktor griff sich ans Herz.
— Ich bekomme gleich einen Herzinfarkt von euch Hexen!
— Soll ich einen Krankenwagen rufen? — fragte ich gleichgültig.
— Ich brauche nichts von dir! — er stürmte zur Tür.
— Ich regele das alles selbst!
Vor Gericht!
Ich werde Anwälte haben!
— Von den gesperrten Geldern? — schnaubte Mascha.
Viktor knurrte etwas Unverständliches und rannte aus der Wohnung, wobei er erneut die Tür zuschlug.
Mascha und ich sahen uns an.
— Mama, — meine Tochter umarmte mich fester.
— Du bist großartig.
Wirklich.
Ich spürte, wie mir Tränen über die Wangen liefen.
Nicht vor Schmerz, nicht vor Angst.
Vor Erleichterung.
Eine Woche später kam Viktor zurück.
Nüchtern, geschniegelt, mit einem Rosenstrauß.
— Allotschka, — begann er einschmeichelnd.
— Verzeih mir, Dummkopf.
Ich hatte Unrecht.
Ich stand in der Tür, ohne ihn hereinzubitten.
— Viktor, ich habe die Scheidung eingereicht.
Offiziell.
— Na und? — er versuchte zu lächeln.
— Dann ziehst du die Klage eben zurück.
Wir sind doch zwanzig Jahre zusammen!
— Eben.
Zwanzig Jahre lang habe ich ertragen.
Es reicht.
— Alla, sei doch ein Mensch! — seine Stimme wurde jammernd.
— Wo soll ich denn wohnen?
Aljonka hat doch nur ein gemietetes Einzimmerapartment!
Da kann ich mich nicht einmal umdrehen!
— Das sind deine Probleme.
— Und die Konten?!
Weißt du eigentlich, dass dort vierhunderttausend blockiert sind?!
Ich kann meinen Kredit nicht bezahlen!
— Dann stell einen Gegenantrag beim Gericht.
Dann wird dir ein Teil für notwendige Ausgaben freigegeben.
Er blinzelte verwirrt.
— Bist du jetzt Anwältin geworden?
— Ich lasse mich beraten, — sagte ich und griff nach der Tür.
— Auf Wiedersehen, Viktor.
— Alla!
Alla, warte!
Aber ich schloss die Tür bereits.
Das Schloss klickte.
Ich lehnte mich mit geschlossenen Augen gegen den Türrahmen.
Freiheit.
Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren fühlte ich mich frei.
Der Prozess zog sich über drei Monate hin.
Viktor engagierte einen Anwalt, der zu beweisen versuchte, dass mein Mann Geld in die Renovierung der Wohnung gesteckt hatte.
— Wo sind die Beweise? — fragte die Richterin.
— Er hat Kassenbons! — rief der Anwalt.
— Für den Kauf von Tapeten vor fünfzehn Jahren? — präzisierte Swetlana Petrowna.
— Im Wert von dreitausend Rubel?
— Das waren teure Tapeten!
— Die die Klägerin eigenhändig angeklebt hat, — entgegnete meine Anwältin.
— Dafür gibt es Zeugen.
Tatsächlich bestätigte die Nachbarin Tante Sina, dass ich die Renovierung selbst gemacht hatte, während Viktor irgendwo verschwunden war.
— Und wer hat die Nebenkosten bezahlt? — gab Viktors Anwalt nicht nach.
— Zur Hälfte.
Wir haben Bankauszüge.
Und in den letzten drei Jahren habe ich allein gezahlt, weil mein Ehemann sein Gehalt für persönliche Bedürfnisse ausgab.
— Welche Bedürfnisse?!
— Restaurants, Geschenke für die Geliebte, Alkohol, — las Swetlana Petrowna ungerührt vor.
— Alles ist durch seine Kartenabrechnungen belegt.
Viktor lief dunkelrot an, der Anwalt wurde nervös, und ich saß ruhig da und spürte, wie mit jeder Sitzung die Last auf meiner Seele leichter wurde.
Besonders heftig war der Moment, als Mascha als Zeugin aussagte.
— Erzählen Sie bitte von der familiären Situation, — bat die Richterin.
— Mein Vater hat meine Mutter geschlagen, — sagte meine Tochter schlicht.
— Regelmäßig.
Seit meinem siebten Lebensjahr bis vor Kurzem.
Ich habe sogar noch Kinderzeichnungen, auf denen ich das dargestellt habe.
— Was?! — Viktor sprang auf.
— Maschka, was redest du da?!
— Ruhe im Saal! — schlug die Richterin mit dem Hammer.
— Zeugin, fahren Sie fort.
— Außerdem hat mein Vater sich finanziell nicht an meiner Erziehung beteiligt.
Alles hat meine Mutter bezahlt — von ihrer Rente und ihren Nebenjobs.
Mein Vater gab das Geld für sich selbst und für Geliebte aus.
— Maschenka, Töchterchen! — Viktor versuchte, Mitleid zu erregen.
— Wie kannst du nur?!
— Ganz leicht, — antwortete Mascha kühl.
— Zwanzig Jahre lang hatte ich Angst vor dir.
Es reicht.
Nach dieser Sitzung nahm Viktors Anwalt eine Auszeit.
— Ihr Ehemann ist bereit, einem Vergleich zuzustimmen, — teilte mir Swetlana Petrowna mit.
— Welchem?
— Er verzichtet auf Ansprüche an die Wohnung.
Sie lassen die Kontensperrung aufheben und verlangen keine Entschädigung für moralischen Schaden.
Ich dachte nach.
— Und die Scheidung?
— Die Scheidung in jedem Fall.
Dagegen wehrt er sich nicht mehr.
— Dann bin ich einverstanden, — nickte ich.
— Ich brauche sein Geld nicht.
Ich brauche Freiheit.
An dem Tag, an dem ich die Scheidungsurkunde in den Händen hielt, veranstaltete Mascha ein kleines Fest.
— Mama, du bist frei! — meine Tochter öffnete eine Flasche Sekt.
— Frei, — lächelte ich und sah auf das Dokument.
Zwanzig Jahre Ehe, beendet durch einen einzigen Stempel.
— Bereust du es nicht?
— Was denn?
— Na ja … die ganzen gelebten Jahre.
Ich dachte nach und nahm einen Schluck Sekt.
— Nein.
Ich bereue nur, dass ich es nicht früher getan habe.
— Warum hast du es nicht getan?
— Ich hatte Angst.
Ich dachte, ich würde allein nicht klarkommen.
Ich dachte, ohne ihn würde ich zugrunde gehen.
— Und jetzt?
Kommst du klar?
Ich sah mich um.
Die saubere Wohnung, die endlich nur noch meine war.
Die Stille, die nicht mehr von betrunkenen Schreien zerrissen wurde.
Die Ruhe, die nicht mehr vom Knallen einer Tür zerstört wurde.
— Ich komme klar, — sagte ich fest.
— Mehr noch — ich lebe.
Das Telefon klingelte.
Eine unbekannte Nummer.
— Hallo?
— Alla Iwanowna? — eine Männerstimme.
— Hier ist Konstantin, ein Immobilienmakler.
Gemeinsame Bekannte haben mir Ihre Nummer gegeben.
Ziehen Sie einen Verkauf der Dreizimmerwohnung in der Lenin-Straße in Betracht?
Ich runzelte die Stirn.
— Nein, das tue ich nicht.
Woher haben Sie diese Information?
— Viktor Petrowitsch Sokolow hat sich gemeldet.
Er sagte, Sie wollten verkaufen.
— Viktor Petrowitsch hat kein Recht mehr, über diese Wohnung zu verfügen, — sagte ich kalt.
— Wir sind geschieden.
Und wenn er noch einmal mein Eigentum anbietet, werde ich die Polizei einschalten.
— Verstanden, entschuldigen Sie bitte die Störung.
Ich legte auf und sah Mascha an.
— Er wird nicht aufhören, — seufzte meine Tochter.
— Soll er es versuchen, — zuckte ich mit den Schultern.
— Die Wohnung ist auf meinen Namen eingetragen.
Ich habe die Gerichtsentscheidung in der Hand.
Er kann nichts machen.
— Und wenn er sich rächen will?
— Dann gehen wir wieder vor Gericht.
Swetlana Petrowna hat mich schon gewarnt — jede Form von Druck wird dokumentiert, aufgenommen und als Beweis gesammelt.
Mascha umarmte mich.
— Mama, ich bin stolz auf dich.
Diese Worte wärmten mehr als der Sekt.
Ein Jahr verging.
Viktor tauchte nicht mehr auf — er zog zu Aljonka, die, den Gerüchten nach, schnell das Interesse an ihm verlor, als sie erfuhr, dass er ihr keine Wohnung schenken konnte.
Ich fand Arbeit — zuerst als Reinigungskraft in einer Schule, später versetzte man mich als Küchenhilfe in die Kantine.
Der Lohn war nicht hoch, aber stabil.
Zusammen mit meiner Rente kam eine ordentliche Summe zusammen.
Mascha heiratete einen guten Mann namens Igor.
Sie mieteten eine Wohnung in der Nähe, kamen aber oft zu Besuch.
— Mama, hast du nie daran gedacht, dein Privatleben neu aufzubauen? — fragte meine Tochter eines Tages.
Ich lächelte schief.
— Mit achtundfünfzig Jahren?
— Na und?
Du bist noch jung!
— Maschenka, ich war zwanzig Jahre verheiratet und unglücklich.
Jetzt bin ich frei — und glücklich.
Mehr brauche ich nicht.
— Vielleicht holst du dir wenigstens eine Katze?
Ich dachte nach.
Und tatsächlich — Viktor war immer gegen Tiere gewesen.
— Vielleicht mache ich das, — nickte ich.
Eine Woche später zog der rote Kater Boris bei mir ein.
Frech, faul, ständig auf Aufmerksamkeit aus — und unendlich geliebt.
Spät am Abend klingelte es an der Tür.
Ich schaute durch den Spion und erstarrte.
Viktor.
Betrunken, unrasiert, mit wahnsinnigen Augen.
— Alla!
Mach auf!
Wir müssen reden!
— Geh weg, Viktor.
Ich habe nichts mit dir zu besprechen.
— Mach auf, habe ich gesagt! — er begann gegen die Tür zu hämmern.
Ich nahm mein Telefon und wählte die Nummer des Abschnittsbeamten.
— Hallo, Iwan Sergejewitsch?
Hier ist Sokolowa, Alla.
Mein Ex-Mann hämmert betrunken an meine Tür.
— Ich komme sofort, — antwortete der Beamte kurz.
— Ich habe die Polizei gerufen, — sagte ich laut durch die Tür.
— Verpiss dich doch! — schrie Viktor.
— Das ist meine Wohnung!
Ich habe hier zwanzig Jahre gelebt!
— Hast gelebt, — stimmte ich zu.
— Jetzt lebst du hier nicht mehr.
Geh, bevor der Beamte kommt.
Viktor polterte noch ein wenig herum, dann hörte ich Schritte, die die Treppe hinuntergingen.
Der Beamte kam zehn Minuten später.
Da war Viktor schon weg.
— Alla Iwanowna, Sie brauchen eine gerichtliche Schutzanordnung, — riet mir Iwan Sergejewitsch.
— Damit er sich Ihrer Türschwelle nicht einmal nähern darf.
— Und wie macht man das?
— Über das Gericht.
Sammeln Sie Beweise für Belästigung — Anrufaufzeichnungen, Aussagen von Nachbarn.
Dann reichen Sie einen Antrag ein.
Am nächsten Tag ging ich wieder zu Swetlana Petrowna.
— Das machen wir, — nickte die Anwältin.
— Sie haben bereits eine Geschichte häuslicher Gewalt, die gerichtlich bestätigt wurde.
Das ist ein starkes Argument.
Noch einen Monat später erhielt ich die gerichtliche Anordnung, die Viktor verbot, sich mir auf weniger als fünfzig Meter zu nähern.
Noch ein halbes Jahr verging.
Mein Leben hatte sich endgültig geordnet.
Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren hatte ich das Gefühl, wieder frei atmen zu können.
Eines Morgens, als ich mich für die Arbeit fertig machte, hörte ich die Türglocke.
— Wer ist da?
— Kurierdienst, eine Lieferung.
Ich öffnete.
Vor der Tür stand ein junger Mann mit einem Strauß weißer Rosen.
— Alla Iwanowna Sokolowa?
— Ja.
— Das ist für Sie.
Verwirrt nahm ich den Strauß entgegen.
Auf der Karte stand: „Danke, dass du mir beigebracht hast, stark zu sein.
Deine Tochter Mascha.“
Mir stiegen Tränen in die Augen.
Ich drückte die Rosen an meine Brust und lächelte.
Ja, ich hatte zwanzig Jahre meines Lebens verloren.
Aber ich hatte das Wichtigste gewonnen — mich selbst.
Und meine Tochter, die endlich aufgehört hatte, Angst zu haben.
Und dafür war jede Bratpfanne auf den Kopf den Preis wert.
Boris strich schnurrend um meine Beine.
Ich beugte mich hinunter und strich über sein rotes Fell.
— Das war’s, Borjka, — flüsterte ich.
— Jetzt werden wir gut leben.
Ich verspreche es.
Und ich werde dieses Versprechen halten.
Ganz bestimmt.



