**Ich habe auch etwas entschieden — und das Ergebnis hat ihn sehr überrascht.**
**Aber es war zu spät.**

— **Na, endlich bist du zurück.**
**Während du weg warst, habe ich hier über etwas nachgedacht.**
**Und ich habe entschieden.**
Michail stand vor dem weit geöffneten Kühlschrank und sah Katja so an, als wäre sie nicht seine Frau, die drei Wochen auf Dienstreisen verbracht hatte, sondern irgendein Mensch, der durch die falsche Tür hereingekommen war.
In der Hand hielt er ein Glas mit eingelegten Gurken.
Auf seinem Gesicht lag genau jener Ausdruck, den Katja in acht Ehejahren fehlerfrei lesen gelernt hatte: Er hatte schon alles entschieden, es blieb nur noch, es ihr mitzuteilen.
— **Das Ferienhaus geht auf meine Mutter über.**
**Ich habe das so entschieden.**
Katja stellte den Koffer ab.
Langsam.
Nicht, weil sie müde war — obwohl sie furchtbar müde war, der Zug, dann die Metro und dann noch zu Fuß mit einer schweren Tasche — sondern weil sie eine Sekunde brauchte.
Eine einzige Sekunde, um nichts Überflüssiges zu sagen.
— **Das ist unser gemeinsames Ferienhaus, Mischa.**
— **War es.**
**Jetzt ist es das von Mama.**
**Ich habe mich schon mit dem Notar abgesprochen.**
Man muss dazu sagen, dieses Ferienhaus war nicht einfach nur sechs Ar Land mit einem schiefen Zaun.
Katja hatte, wenn man ehrlich rechnete, fünf Jahre ihres Lebens hineingesteckt.
Ihre Eltern hatten das Grundstück noch in den Neunzigern gekauft und es später ihrer Tochter überlassen.
Katja selbst hatte mit den Bauarbeitern verhandelt, selbst die Fenster ausgesucht, selbst Säcke mit Zement in ihrem alten Lada Vesta dorthin gefahren.
Michail kam einmal im Monat vorbei — um Schaschlik zu grillen, Bier zu trinken und den Rasen plattzutreten.
Er nannte das „Erholung in der Natur“.
Und jetzt — ein Notar.
Er hatte sich also schon abgesprochen.
Katja ging in die Küche und schenkte sich Wasser ein.
Draußen rauschte die Stadt — irgendwo unten eine Straßenbahn, Stimmen, das gewöhnliche geschäftige Moskauer Frühlingsleben.
Sie sah auf das Glas in ihrer Hand und dachte: Er hat das wirklich getan.
Oder blufft er?
— **Wozu braucht deine Mutter ein Ferienhaus?**, fragte sie schließlich.
Ganz ruhig.
Ohne Pathos.
Michail schlug den Kühlschrank zu.
— **Dazu, dass sie einen Platz braucht.**
**Sie hat ihre Wohnung in Ljuberzy verkauft, sie braucht irgendwo einen Ort, wo sie im Sommer wohnen kann.**
**Ein normaler Sohn hilft seiner Mutter.**
— **Ein normaler Sohn verfügt nicht ohne ein Gespräch mit seiner Frau über fremdes Eigentum.**
— **Ich rede doch gerade jetzt mit dir.**
Katja stellte das Glas ab.
Sie sah ihn lange an — diesen Mann mit dem Gurkenglas, in Hausschuhen, mit dem selbstsicheren Blick eines Menschen, der daran gewöhnt ist, alles zu bekommen, was er will, nur weil er es so beschlossen hat.
— **Gut**, sagte sie.
**Ich habe dich gehört.**
Und sie ging ins Zimmer, um den Koffer auszupacken.
Valentina Stepanowna — Michails Mutter — war eine ganz besondere Frau.
Von der Sorte, die man im Volksmund „Schwiegermutter von Gott gesandt“ nennt und dabei etwas völlig anderes meint.
Sie verstand es, genau in dem Moment anzurufen, wenn Katja sich zum Mittagessen hinsetzte, sie verstand es, ohne Einladung hereinzukommen und sofort etwas zu finden, das falsch umgestellt war, sie verstand es, ihre Schwiegertochter mit einem Ausdruck anzusehen, als würde diese nur vorübergehend den Platz eines anderen einnehmen.
Als Michail Katja mit ihr bekannt machte, dachte Katja: Das wird sich schon einrenken.
Acht Jahre später dachte sie schon lange nichts Derartiges mehr.
Valentina Stepanowna hatte ihre Wohnung in Ljuberzy verkauft.
Das war eine Neuigkeit.
Und wohin das Geld aus dem Verkauf verschwunden war — das war eine Frage, die Katja nicht laut stellte, die sie aber gedanklich in großen Buchstaben notierte.
Am nächsten Morgen rief sie Ira an — ihre Cousine, die als Juristin in einer kleinen Kanzlei an der Taganka arbeitete.
— **Ira, ich habe eine Frage.**
**Mein Mann sagt, er habe das Ferienhaus auf seine Mutter umgeschrieben.**
**Das Haus ist auf mich eingetragen.**
**Wie ist das überhaupt möglich?**
Am anderen Ende der Leitung — eine Pause.
— **Ohne deine Unterschrift — gar nicht.**
**Entweder lässt er sich von dir scheiden oder da steckt etwas Raffinierteres dahinter.**
— **Er sagte: „Ich habe mich schon mit dem Notar abgesprochen.“**
— **Sich abzusprechen und etwas tatsächlich zu tun, sind zwei verschiedene Dinge.**
**Komm vorbei, wir reden.**
Katja kam gegen Mittag.
Iras Büro — vier Schreibtische, eine Kaffeemaschine, ein Ficus in der Ecke und überall Stapel von Aktenordnern — wirkte arbeitsam und zuverlässig.
Ira hörte aufmerksam zu und schrieb sich gelegentlich etwas auf.
— **Also ist das Ferienhaus nur auf dich eingetragen?**
**Kein gemeinsames Eigentum?**
— **Nur auf mich.**
**Meine Eltern haben es mir noch vor der Ehe hinterlassen.**
— **Dann kann er ohne deine Zustimmung überhaupt nichts machen.**
**Weder verkaufen noch umschreiben.**
**Höchstwahrscheinlich setzt er dich psychologisch unter Druck.**
**Er testet, wie du reagieren wirst.**
Katja saß da und sah den Ficus an.
— **Und wenn er irgendetwas in meinem Namen unterschrieben hat?**
**Irgendeine alte Vollmacht vielleicht?**
Ira hob den Blick.
— **Gibt es so eine?**
— **Gab es.**
**Wir haben gegenseitige Vollmachten gemacht, als wir den Kredit für das Auto aufgenommen haben.**
**Vor ungefähr fünf Jahren.**
Ira hob die Augen.
— **Wir fahren zum Rosreestr.**
**Sofort.**
**Wir sehen nach, was dort eingetragen ist.**
Die Schlange im Multifunktionszentrum bei Kitai-Gorod war nicht lang — etwa zehn Leute, elektronische Nummern und gleichgültige Gesichter hinter den Schaltern.
Katja stand da und dachte daran, dass sie gestern Morgen noch in Jekaterinburg auf einer Besprechung zum neuen Vertrag gewesen war und ihr größtes Problem eine Störung in der Logistik gewesen war.
Und jetzt stand sie hier und überprüfte, ob ihr Mann nicht etwa ihr Ferienhaus verkauft hatte.
Der Auszug kam schnell.
Ira sah ihn durch — schweigend — und hob dann den Blick.
— **Alles sauber.**
**Eigentümerin bist du, keine Belastungen, keine neuen Geschäfte.**
Katja atmete aus.
Langsam, sehr langsam.
— **Also hat er geblufft.**
— **Oder er hatte es gerade erst vor.**
**Aber jetzt weißt du, was er im Sinn hatte.**
Sie gingen hinaus auf die Straße.
Die Sonne blendete, Menschen liefen mit Kaffee und Kopfhörern vorbei, und dieser ganz normale Stadttag kam Katja ein wenig fremd vor — als würde sie durch Glas darauf schauen.
— **Ira, und was, wenn ich selbst etwas entscheide?**, sagte sie plötzlich.
**Wegen des Ferienhauses.**
**Meine eigene Entscheidung.**
Ira sah sie aufmerksam an.
— **Wie meinst du das?**
— **So, dass Mischa Überraschungen liebt.**
**Dann soll er eben eine bekommen.**
**Eine echte.**
Ira schwieg eine Sekunde.
Dann lächelte sie — nur ein wenig, mit einem Mundwinkel.
— **Erzähl.**
Katja hatte es nicht eilig.
Das war vielleicht das Ungewöhnlichste an ihr — die Fähigkeit, gerade dann nicht zu eilen, wenn in ihrem Inneren alles nach Handlung verlangte.
Drei Wochen Dienstreise hatten sie eines gelehrt: Entscheidungen, die in Eile getroffen werden, muss man später lange wieder aufräumen.
Sie gingen mit Ira in ein Café an der Maroseika — klein, mit Holztischen und dem Geruch nach Kardamom.
Katja nahm einen Cappuccino, Ira einen Americano, und sie setzten sich ans Fenster, von wo aus man sehen konnte, wie die Menschen eilig ihren Geschäften nachgingen, ohne zu ahnen, dass hinter der Scheibe in diesem Moment gerade jemandes Schicksal entschieden wurde.
— **Hör zu**, begann Katja und umfasste den Becher mit beiden Händen, **ich denke schon lange darüber nach.**
**Schon vor der Dienstreise.**
**Ich wollte es nur nicht zugeben.**
— **Worüber hast du nachgedacht?**
— **Darüber, dass Mischa und ich schon längst keine Familie mehr sind.**
**Wir sind zwei Menschen, die in derselben Wohnung leben und so tun als ob.**
Ira sagte nichts.
Sie konnte zuhören — eine echte juristische Fähigkeit, ohne überflüssige Worte.
— **Das Ferienhaus war der letzte Tropfen.**
**Nicht wegen des Ferienhauses.**
**Sondern weil er nicht einmal angerufen hat.**
**Drei Wochen lang nicht ein einziges Mal gefragt hat, wie es mir geht, was mit dem Vertrag ist, ob ich gut angekommen bin.**
**Aber zum Notar zu fahren, dafür hatte er Zeit.**
— **Oder er hat nur so getan, als wäre er gefahren.**
— **Egal.**
**Die Absicht ist dieselbe.**
Nach Hause kam sie am Abend zurück.
Michail saß vor dem Fernseher — Fußball, Lautstärke voll aufgedreht, eine leere Tasse auf der Armlehne.
Er drehte sich nicht einmal um.
Katja ging in die Küche und stellte die Tüte mit den Einkäufen ab.
Sie räumte alles einzeln aus, sorgfältig — Joghurt, Brot, Tomaten, Käse.
Ihre Bewegungen waren gleichmäßig, fast meditativ.
Michail erschien etwa zehn Minuten später in der Tür.
— **Gibt es Abendessen?**
— **Mach dir ein Brot.**
**Alles liegt auf dem Tisch.**
Er sah sie leicht erstaunt an — normalerweise kochte sie, selbst wenn sie wütend war — sagte aber nichts.
Er nahm Brot und schnitt ein Stück Wurst ab.
Katja sortierte in dieser Zeit die Tasche mit den Arbeitsunterlagen und legte die Mappen zurecht.
— **Bist du etwa beleidigt?**
— **Nein.**
— **Katja.**
— **Mischa, ich bin nicht beleidigt.**
**Ich denke nach.**
Das beunruhigte ihn aus irgendeinem Grund mehr als ein Skandal.
Er kaute auf seinem Brot herum und sah zu ihr hinüber.
Sie blickte nicht zurück.
Am nächsten Tag fuhr sie zum Ferienhaus.
Allein, mit dem Vorortzug und einem kleinen Rucksack.
Zwei Stunden Fahrt — Felder vor Moskau, Datscha-Bahnsteige, der Geruch feuchter Erde durch das offene Fenster.
Katja sah aus dem Fenster und dachte daran, wie sie als Kind zum ersten Mal hierhergekommen war — ihr Vater hatte sie vom Bahnhof auf den Schultern getragen, ihre Mutter hatte gelacht, irgendwo bellte ein Hund.
Das Ferienhaus empfing sie mit Stille und dem Geruch vom Laub des Vorjahres.
Das Schloss ließ sich leicht öffnen — sie selbst hatte es vor zwei Jahren ausgetauscht.
Sie ging über das Grundstück: Der Zaun stand, der Apfelbaum trieb Knospen, das Gewächshaus war unversehrt.
Alles, was sie mit ihren eigenen Händen gemacht hatte, war noch da.
Sie ging um das Haus herum, berührte die Holzwand und warf einen Blick in den Schuppen.
Dann nahm sie das Telefon heraus und rief an.
— **Pawel Gennadjewitsch?**
**Hier ist Jekaterina Woronowa.**
**Wir haben im Februar wegen einer Vermietung gesprochen.**
**Suchen Sie noch einen Platz für Ihre Basis?**
Die Stimme am anderen Ende wurde sofort lebendig.
Pawel Gennadjewitsch Serow war ein interessanter Mann.
Katja hatte ihn bei einem Arbeitstreffen kennengelernt — er organisierte Landurlaube für Firmen und suchte Grundstücke für temporäre Basen, ruhig, mit Haus, ohne Nachbarn.
Ihr Gespräch im Februar war ein vorsichtiges Abtasten gewesen: Damals war sie noch nicht bereit gewesen.
Jetzt war sie es.
Sie vereinbarten ein Treffen direkt auf dem Grundstück — in einer Stunde.
Serow kam in einem großen schwarzen Geländewagen, mit einem Assistenten und einem Notizblock.
Er besichtigte das Haus, das Gewächshaus und ging einmal das ganze Gelände ab.
— **Ein großartiger Ort**, sagte er.
**Ruhig, weit weg von der Straße, das Haus ist solide.**
**Was möchten Sie dafür?**
Katja nannte den Mietpreis.
Serow verzog keine Miene — nicht einmal eine Augenbraue bewegte sich.
Das war ein gutes Zeichen.
— **Ein Vertrag für ein Jahr mit Verlängerungsoption.**
**Nebenkosten übernehmen wir, kleinere Reparaturen übernehmen wir.**
**Einzug ab Mai.**
— **Einverstanden**, sagte Katja.
Sie schüttelten sich direkt dort die Hände, auf der Veranda, über der bereits die ersten Blätter des wilden Weins grün wurden.
Michail erfuhr es zufällig.
Er fuhr am Wochenende ohne Vorwarnung zum Ferienhaus — wie immer, mit seinem Freund Tolik und einem Grill im Kofferraum.
Sie kamen ans Tor — ein anderes Schloss.
Er rief Katja an.
— **Was ist das für ein Schloss?**
— **Ein neues**, antwortete sie ruhig.
**Ich habe es ausgetauscht.**
— **Wozu?**
— **Weil es mein Ferienhaus ist, Mischa.**
Eine lange Pause.
Man hörte, wie Tolik neben ihm irgendetwas sagte, Michail schickte ihn mit einer Geste weg.
— **Was ist hier los?**
— **Du wolltest Entscheidungen über das Ferienhaus treffen — ich habe auch eine getroffen.**
**Es ist ab Mai für ein Jahr vermietet.**
— **Du… was?**
**Ohne mich?!**
— **Du hast auch alles ohne mich entschieden.**
**Jetzt sind wir quitt.**
Sie legte auf.
Nahm das Telefon mit beiden Händen, legte es auf den Tisch und sah es einige Sekunden lang an.
Ihr Herz schlug schnell — nicht aus Angst, nein.
Eher wegen dieses seltsamen Gefühls, wenn man lange etwas Schweres getragen hat und es plötzlich auf den Boden stellt.
Am Abend kam Michail mit einem anderen Gesicht nach Hause.
Nicht wütend — verwirrt.
Das war ungewohnt: Normalerweise wusste er immer, was er sagen musste, und hielt das Tempo des Gesprächs immer in seiner Hand.
Jetzt wusste er es nicht.
— **Katja.**
**Wir müssen reden.**
— **Müssen wir**, stimmte sie zu.
**Aber sag mir zuerst ehrlich: Warst du wirklich beim Notar?**
Er schwieg eine Sekunde zu lange.
— **Ich… habe mich erkundigt.**
**Was man für die Umschreibung braucht.**
— **Erkundigt.**
**Verstehe.**
Katja stellte den Wasserkocher auf und holte zwei Tassen heraus.
Das war keine Versöhnung — das Gespräch würde einfach lang werden, und lange Gespräche führt man besser mit Tee.
— **Und was hat man dir gesagt?**, fragte sie.
— **Dass ohne deine Unterschrift nichts geht.**
— **Das haben sie richtig gesagt.**
Michail setzte sich an den Tisch.
Er sah auf die Tischdecke, auf die Tasse, auf seine Hände.
— **Meine Mutter macht Druck, verstehst du.**
**Sie hat die Wohnung verkauft, das Geld ist irgendwohin… jedenfalls hat sie kein Geld mehr.**
**Und sie hat keinen Ort, wo sie im Sommer wohnen kann.**
— **Das ist nicht mein Problem, Mischa.**
**Das ist dein Problem.**
**Und ihres.**
— **Aber du doch…**
— **Ich habe das Ferienhaus vermietet.**
**Das Geld ist meins, weil das Haus meins ist.**
**Wenn du deiner Mutter helfen willst — such einen anderen Weg.**
**Du hast ein Gehalt.**
Er hob den Blick.
Darin lag etwas Ungewohntes — etwas wie Erkenntnis, die zu spät kommt und gerade deshalb besonders unangenehm ist.
— **Denkst du schon lange so?**
Katja goss langsam kochendes Wasser ein.
— **Schon lange**, sagte sie einfach.
Draußen rauschte die Stadt.
In der Wohnung war es still, nur der Wasserkocher summte noch auf dem Herd.
Und in dieser Stille schwiegen beide — jeder über etwas Eigenes, und doch über dasselbe.
Valentina Stepanowna kam am nächsten Tag — ohne Anruf, wie immer.
Sie klingelte einfach um halb elf morgens, als Katja noch mit Kaffee und Arbeitslaptop dasaß.
Michail war auf der Arbeit.
Katja öffnete die Tür.
Die Schwiegermutter stand in einem beigen Mantel auf der Schwelle, mit einer großen Tasche und jenem Gesichtsausdruck, mit dem man gewöhnlich nicht zu Besuch kommt, sondern um etwas zu klären.
— **Darf ich hereinkommen?**
— **Kommen Sie rein.**
Valentina Stepanowna trat in den Flur, sah sich um — mit diesem gewohnten, herrischen Blick, der Katja immer gereizt hatte — und ging in die Küche, ohne auf eine Einladung zu warten.
Sie stellte die Tasche auf einen Stuhl.
— **Mischa hat mir erzählt.**
**Von dem Ferienhaus.**
— **Gut**, sagte Katja.
**Möchten Sie Tee?**
— **Ja.**
Das war eine unerwartete Antwort.
Normalerweise lehnte Valentina Stepanowna alles ab, was Katja ihr anbot — prinzipiell, schweigend, mit einer einzigen Handbewegung.
Katja stellte den Wasserkocher auf und holte Tassen heraus.
Sie saßen an einem Tisch — zwei Menschen, die acht Jahre lang so getan hatten, als sei alles normal.
— **Ich wusste nicht, dass Mischa die Sache so drehen würde**, sagte die Schwiegermutter schließlich.
Ihre Stimme war ohne die übliche Härte, fast müde.
**Ich habe ihn nur gebeten, mir für den Sommer etwas zu finden.**
**Nicht, dir etwas wegzunehmen.**
Katja sah sie aufmerksam an.
Valentina Stepanowna wich ihrem Blick nicht aus — und auch das war das erste Mal.
— **Wo ist das Geld aus dem Wohnungsverkauf geblieben?**, fragte Katja direkt.
Eine lange Pause.
Die Schwiegermutter nahm die Tasse und hielt sie in den Händen.
— **Eine alte Schuld.**
**Wenn man ehrlich ist, Michails Schuld.**
**Noch aus dem Geschäft, das er vor drei Jahren mit Tolik anfangen wollte.**
**Damals habe ich für ihn gebürgt.**
**Ich musste es begleichen.**
Katja stellte langsam ihre eigene Tasse ab.
— **Weiß Mischa das?**
— **Mischa weiß alles.**
**Deshalb ist er ja so hektisch.**
Da war sie also, die wahre Tiefe dieser Geschichte.
Katja erinnerte sich an dieses „Geschäft“ von vor drei Jahren — Michail war damals einige Monate lang geheimnisvoll herumgelaufen, hatte von „Perspektiven“ und „Partnerschaft“ gesprochen, dann verlief alles irgendwie im Sande.
Sie hatte nicht gefragt — er hatte nichts erzählt.
Eine Familientradition.
Also hatte die Mutter die Wohnung verkauft, um seine Schulden zu begleichen.
Und er hatte als Antwort beschlossen, ihr das Ferienhaus zu geben — ein fremdes, Katjas Haus, ohne zu fragen.
Ein schönes Schema.
Alles mit fremden Händen, alles mit fremdem Eigentum.
Sie stand auf und ging in der Küche auf und ab.
Dann blieb sie am Fenster stehen.
— **Valentina Stepanowna.**
**Ich bin nicht Ihr Feind.**
**Ich war es nie.**
**Aber was Mischa sich da ausgedacht hat, ist keine Lösung.**
**Es ist nur ein Abschieben des Problems.**
Die Schwiegermutter schwieg.
— **Ich bin bereit, einen Teil der Mieteinnahmen aus dem Ferienhaus dafür zu verwenden, Ihnen für den Sommer eine Mietwohnung zu bezahlen.**
**Nicht die ganze Saison, aber zwei Monate — durchaus.**
**Das ist ein faires Angebot.**
Valentina Stepanowna hob den Blick.
Darin lag etwas, das Katja früher nie gesehen hatte — etwas, das Respekt ähnelte.
— **Warum?**
— **Weil Sie die Wohnung wegen seiner Schulden verkauft haben.**
**Daran tragen Sie keine Schuld.**
Michail kam um sieben Uhr abends nach Hause.
Katja saß im Zimmer mit dem Laptop — sie arbeitete, oder tat zumindest so.
Er schaute zur Tür herein.
— **War Mutter da?**
— **Ja.**
**Wir haben geredet.**
Er trat ein und setzte sich auf die Armlehne eines Sessels.
Er schwieg.
Katja klappte den Laptop zu.
— **Wolltest du mir irgendwann einmal von den Schulden erzählen?**, fragte sie.
Michail fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
Diese Geste kannte sie — so verhielt er sich, wenn er keine Kraft mehr hatte, etwas vorzutäuschen.
— **Ich dachte, ich würde das allein regeln.**
— **Drei Jahre lang gedacht?**
— **Katja…**
— **Mischa, ich schreie nicht.**
**Ich frage.**
Sie sah ihn ruhig an, ohne Zorn, und genau das machte ihm offenbar am meisten Angst.
**Wie viel?**
Er nannte die Summe.
Katja zuckte nicht einmal — obwohl es eine Summe war, bei der sich in ihr etwas verschob.
— **Und was jetzt?**
— **Mutter hat den Hauptteil beglichen.**
**Es ist nicht mehr viel übrig.**
**Ich zahle.**
**Nach und nach.**
— **Allein?**
— **Allein.**
Katja stand auf und ging zum Fenster.
Unten lebte die Stadt ihr eigenes Leben — Lichter, Autos, irgendwo Musik aus einem geöffneten Fenster gegenüber.
— **Verstehst du, worin dein größter Fehler liegt?**, sagte sie, ohne sich umzudrehen.
**Nicht in den Schulden.**
**Schulden kann jeder haben.**
**Der Fehler ist, dass du alles für mich entschieden hast.**
**Das Ferienhaus — für Mama.**
**Die Schulden — alleine.**
**Mich — nicht zu fragen.**
**In dieser Familie bin ich wie ein Möbelstück, das man einfach verschieben kann.**
— **So ist das nicht.**
— **Genau so ist es.**
Sie drehte sich um.
**Ich war drei Wochen auf Dienstreise.**
**Nicht ein einziger Anruf — wie geht es dir, bist du müde, was ist mit dem Vertrag.**
**Aber zum Notar zu gehen und herauszufinden, wie man mein Eigentum umschreibt, dafür hattest du Zeit.**
Michail sah sie an und schwieg.
Es gab keine Einwände — weil alles wahr war.
— **Ich möchte getrennt von dir leben**, sagte Katja.
**Noch nicht gleich die Scheidung.**
**Ich will einfach getrennt leben und nachdenken.**
**Ich werde mir etwas mieten.**
Das hatte er nicht erwartet.
Das sah man daran, wie abrupt er aufstand — als hätte ihn jemand gestoßen.
— **Warte.**
**Katja.**
**Ist das… wegen des Ferienhauses?**
— **Wegen acht Jahren eines solchen Lebens mit dir, Mischa.**
— **Aber wir könnten…**
— **Könnten wir.**
**Aber zuerst will ich allein sein.**
**Ohne deine Entscheidungen und ohne die Besuche deiner Mutter.**
Er stand mitten im Zimmer — groß, verwirrt, ganz anders als jener selbstsichere Mann mit dem Gurkenglas, der ihr vor drei Tagen das mit dem Ferienhaus verkündet hatte.
Das Leben versteht es, diese Schicht von Sicherheit sehr schnell abzuziehen, wenn man weiß, wo man drücken muss.
Katja mietete ein kleines Studio an der Sucharewskaja — hell, mit einem großen Fenster, fast leer.
Sie stellte nur das Nötigste hinein: ein Bett, einen Tisch, zwei Stühle, eine Kaffeemaschine.
An die Wand hängte sie ein Foto vom Ferienhaus — das, auf dem sie jung ist, in Arbeitshandschuhen, lachend vor dem gerade eingebauten Fenster.
Am ersten Morgen dort wachte sie früh auf.
Sie lag da, sah an die Decke und hörte, wie draußen die Stadt erwachte.
Kein Fußball aus dem Nebenzimmer.
Keine Tasse auf der Armlehne.
Stille.
Das Telefon machte einen Ton.
Eine Nachricht von Serow: Der Mietvertrag ist fertig, man kann unterschreiben.
Sie antwortete: Ich komme am Freitag.
Dann schrieb Michail: Können wir reden?
Sie hielt das Telefon in der Hand.
Sie antwortete: Ja.
Aber nicht jetzt.
Sie legte das Telefon mit dem Bildschirm nach unten auf den Tisch.
Stand auf, schaltete die Kaffeemaschine ein und öffnete das Fenster.
Irgendwo unten fuhr eine Straßenbahn vorbei, es roch nach Stadt und nach dem Anfang von etwas Neuem — etwas, das sie noch nicht benennen konnte, das sie aber schon mit dem ganzen Körper spürte.
Das Ferienhaus blieb bei ihr.
Das Geld aus der Vermietung ging auf ihr Konto.
Zwei Monate im Sommer würde Valentina Stepanowna eine Unterkunft bekommen — nicht, weil Michail das so entschieden hatte, sondern weil Katja das so entschieden hatte.
Der Unterschied ist klein, aber genau in ihm liegt alles.
Sie machte sich Kaffee, setzte sich ans Fenster und klappte den Laptop auf.
Die Arbeit wartet nicht.
Und das Leben auch nicht.
**Drei Monate vergingen.**
Katja saß in ihrem Studio an der Sucharewskaja und unterschrieb Dokumente — nicht die gleichen wie vor drei Monaten, andere.
Die Scheidung wurde ohne Skandale, ohne Gericht, fast still vollzogen.
Michail widersprach nicht — offenbar hatte er begriffen, dass es nichts gab, worüber man streiten konnte.
Das Ferienhaus blieb bei Katja, das wurde nicht einmal diskutiert.
Serow zahlte pünktlich, auf den Tag genau.
Katja fuhr manchmal unter der Woche zum Grundstück — einfach nur, um mit einem Kaffee auf der Veranda zu sitzen und dem Rauschen der Apfelbäume zuzuhören.
Valentina Stepanowna rief Anfang Juni an.
— **Katja.**
**Ich wollte Danke sagen.**
**Für das Häuschen im Sommer.**
**Ich habe das nicht erwartet.**
— **Alles in Ordnung, Valentina Stepanowna.**
— **Du bist eine gute Frau.**
**Mischa ist ein Idiot.**
Katja lachte — unerwartet für sich selbst, aufrichtig.
— **Er ist kein Idiot.**
**Er ist nur daran gewöhnt, dass sich alles von selbst regelt.**
Die Schwiegermutter schwieg einen Moment.
— **Ehemalige Schwiegermutter**, verbesserte sie sich plötzlich selbst.
Und sie lächelte wohl auch ein wenig.
Michail schrieb im August.
Kurz: **Wie geht es dir?**
Katja sah lange auf den Bildschirm.
Draußen vor dem Studio rauschte die Stadt, die Kaffeemaschine summte leise in der Küche, irgendwo in der Nachbarwohnung lachte ein Kind.
Sie schrieb: **Gut.**
**Wirklich gut.**
Sie schickte es ab.
Schloss das Telefon.
Stand auf und trat ans Fenster.
Die Stadt lebte — laut, schnell, ohne zurückzublicken.
Katja sah auf sie und dachte daran, dass sie vor drei Monaten mit einem schweren Koffer und fremden Entscheidungen in den Händen von einer Dienstreise zurückgekehrt war.
Und jetzt hatte sie nur noch ihre eigenen.
Seltsam leicht.
Das Ferienhaus war nirgendwohin verschwunden.
Und sie auch nicht.



