Im Inneren des Autos lag der Duft von poliertem Leder, Zedernholz, teurem Parfum und einer sterilen Sauberkeit, die nach dem Albtraum, dem Elena gerade entkommen war, beinahe unwirklich wirkte.
Hinter den getönten Scheiben verschwamm die Welt zu grauen und schwarzen Streifen.
Der Regen prasselte unaufhörlich gegen das verstärkte Glas, als würde der Sturm selbst versuchen, einzudringen.
Im Inneren des Fahrzeugs existierten nur zwei Dinge: das tiefe, kraftvolle Schnurren des Zwölfzylindermotors und die einschüchternde Präsenz des Mannes, der neben ihr saß.
Matthew Carranza wandte sich nicht zu ihr um.
Seine Augen blieben fest auf die Straße gerichtet, sein Profil wurde vom schwachen blauen Licht des Armaturenbretts umrissen.
Alles an ihm wirkte, als wäre es aus etwas Unnachgiebigem gemeißelt worden — sein markanter Kiefer, das vom Regen dunkle Haar, das aus seinem Gesicht zurückgestrichen war, und Augen, die die kalte Autorität eines Mannes trugen, der daran gewöhnt war, Imperien zu befehligen.
Wortlos griff er nach einem schmalen schwarzen Satellitentelefon.
Er machte sich nicht einmal die Mühe zu wählen.
Ein Druck auf eine Kurzwahltaste genügte.
„Marcus“, sagte Matthew, seine Stimme leise, aber schwer genug, um die Luft im Auto enger wirken zu lassen.
„Route 9 und Blackwood Lane.
Eine Frau steht auf der Straße.
Patricia Salgado.
Sie hält einen Ledergürtel in der Hand.
Entferne sie vom Tatort.
Wenn sie versucht, die Polizei zu rufen, erinnere sie an die laufende Prüfung ihrer Logistikfirma.
Wenn sie Becerra kontaktiert, sag ihm, dass er vierundzwanzig Stunden hat, um sein Vermögen zu liquidieren, bevor ich ihn liquidiere.“
Elena stockte der Atem.
Sie zog die Knie enger an sich, ihre nackten Füße drückten sich in den makellosen Ledersitz.
Er kannte sie.
Der Gedanke traf sie mit erschreckender Wucht.
Sie war nicht in das Auto irgendeines zufälligen Fremden gestiegen.
Sie war in die Welt eines Mannes eingetreten, der über ihre Peiniger sprach, als wären sie kleine Probleme, die man aus seinem Weg räumen musste.
Matthew beendete das Gespräch mit einer schnellen Bewegung seines Daumens.
Erst dann sah er sie an.
Sein dunkler Blick glitt mit scharfer Präzision über sie hinweg und nahm jedes Detail auf — den durchnässten, ruinierten Stoff ihres billigen Kleides, den Schlamm an ihren Beinen und den tiefvioletten Bluterguss, der sich über ihren Wangenknochen ausbreitete.
Etwas Gefährliches flackerte in seinen Augen auf.
Es war kein Mitleid.
Es war kälter als das.
Älter.
Zorniger.
„Wer bist du?“, fragte er.
„Elena“, flüsterte sie, ihre Stimme brach.
„Elena Vargas.“
„Elena“, wiederholte er langsam, als würde er den Namen abwägen.
„Arthur Vargas’ Tochter.“
Es war keine Frage.
Elena zitterte und nickte.
Ihr Vater war zwei Jahre zuvor gestorben und hatte seine bescheidene Schifffahrtsfirma unter der Kontrolle seiner zweiten Frau Patricia zurückgelassen.
Von diesem Moment an war Elena nicht mehr wie eine Tochter behandelt worden.
Sie war zu einer Gefangenen geworden, zu einer Schachfigur, zu etwas, das Patricia benutzen konnte, um die Spielschulden zu bezahlen, die um sie herum immer weiter anwuchsen.
Heute Nacht war Patricias ausgewählter Käufer Oscar Becerra gewesen — ein reicher, berüchtigter Mann mit einem grausamen Ruf.
„Ich wollte das nicht“, sagte Elena und würgte die Worte hervor, während die Tränen endlich durch ihre Taubheit brachen.
Sie brannten auf ihrer verletzten Haut.
„Sie hat mich im Zimmer eingeschlossen.
Sie sagte, wenn ich nicht … wenn ich ihm nicht gefallen würde, würde sie das Haus meines Vaters verkaufen.
Sie hat mich geschlagen.
Also bin ich gerannt.
Ich bin einfach gerannt.“
Matthew sah zu, wie sie zusammenbrach.
Er bot ihr keine sanften Worte an.
Er tröstete sie nicht.
Stattdessen griff er in seinen Mantel, zog eine dicke Wolldecke hervor und warf sie ihr auf den Schoß.
„Trockne dich ab“, sagte er kalt.
„Es ist eine lange Fahrt, und ich dulde weder Blut noch Tränen auf meinen Polstern.“
Die Worte waren hart, doch die Decke war warm.
Elena wickelte sie fest um ihre zitternden Schultern und vergrub ihr Gesicht in der Wolle.
Das Auto glitt schneller durch den Regen, ruhig und lautlos, verschlang die Straße, während Seattle hinter ihnen in einem Schleier aus fernen Lichtern verschwand.
Das Heiligtum des Teufels.
Zwei Stunden später fuhr das Auto durch riesige eiserne Tore, die sich von selbst öffneten.
Es erklomm eine private Straße an einer Klippe, umgeben von hohen Kiefern, die im Sturm schwankten.
Oben stand ein gewaltiges modernes Anwesen aus Glas, Stahl und dunklem Stein, das auf die unruhigen schwarzen Gewässer des Puget Sound blickte.
Das Auto hielt unter einem überdachten Eingang.
Ein großer, schweigsamer Fahrer in einem dunklen Anzug öffnete sofort Matthews Tür und hielt einen Regenschirm bereit.
Matthew stieg aus, ohne auf Elena zu warten.




