Die Schwiegermutter und ihr Sohn hatten das Geld aus dem Verkauf bereits aufgeteilt.
— Was soll das überhaupt?! — Galina Petrowna stürmte in die Küche, als würde jemand hinter ihr herjagen.
— Ich habe mein ganzes Leben lang geschuftet, meinen Sohn großgezogen, und jetzt will mir irgendeine… Schmarotzerin Vorschriften machen?!
Katja stand am Waschbecken und spülte die Teller fertig.
Langsam.
Ruhig.
Sie drehte sich um, nahm ein Handtuch, trocknete sich die Hände ab — und erst dann sah sie ihre Schwiegermutter an.
— Guten Abend, Galina Petrowna.
Diese verschluckte sich beinahe an so viel Ruhe.
Anton saß am Tisch und schaute auf sein Handy.
Nein, nicht wirklich — er tat nur so, als würde er darauf schauen.
Katja spürte es mit dem Rücken.
Sie kannte diese Geste — wenn er sich hinter dem Bildschirm versteckte, nur um sich nicht einzumischen.
Er wusch seine Hände in Unschuld.
Seine Spezialität.
Draußen rauschte die Stadt — unten hupten Autos, irgendwo schlug eine Haustür zu.
Ein ganz gewöhnlicher Dienstagabend.
Die Küche roch nach Kaffee und etwas Angebranntem — Galina Petrowna war offenbar direkt von der Türschwelle hereingekommen und hatte nicht einmal ihre Jacke ausgezogen.
— Also gut, — die Schwiegermutter ließ sich auf einen Stuhl sinken, als wäre es ihre Küche, ihr Stuhl, ihr alles.
— Die Wohnung von Ljudmila Sergejewna ist jetzt sehr viel wert.
Ich habe mich erkundigt.
Der Makler sagt — acht Millionen, nicht weniger.
Verstehst du, was das bedeutet?
Katja stellte den Wasserkocher an.
— Ich verstehe.
— Warum stellst du dich dann quer?! — Galina Petrowna schlug mit der Handfläche auf den Tisch.
— Anton, sag du ihr doch etwas!
Anton räusperte sich.
Er kratzte sich am Hinterkopf.
— Katja, na ja, Mama hat schon recht.
Die Wohnung steht leer, wir zahlen nur die Nebenkosten…
— Die Wohnung meiner Mutter ist mir zugefallen, und ich werde sie nicht verkaufen, — sagte Katja schlicht.
Ohne Schreien.
Ohne Drama.
— Möchten Sie Tee?
Mama war im Februar gestorben.
Still, im Schlaf — das Herz.
Katja hatte es nur noch zur Beerdigung geschafft, weil Anton damals auf Dienstreise gewesen war und sie die Kinder nicht allein lassen konnte.
Der Kleine war drei Jahre alt, die Ältere sieben.
Während sie Sachen packte, ein Taxi rief und durch die ganze Stadt fuhr — war bereits alles vorbei.
Die Wohnung am Prospekt Mira war Katja durch ein Testament zugefallen.
Ihre Mutter hatte es zwei Jahre zuvor geschrieben, gleich nachdem bei ihr Herzprobleme festgestellt worden waren.
Sie hatte ihrer Tochter nichts gesagt — sie hatte es einfach getan.
Der Notar rief selbst an, schon nach der Beerdigung.
Galina Petrowna erfuhr am neunten Tag davon.
Und seitdem ging es los.
Zuerst waren es Gespräche beim Abendessen.
Sanft, fast unschuldig.
Wozu brauchst du zwei Wohnungen, du wohnst doch hier, das ist doch nur Geld, das in den Wänden steckt.
Dann wurden die Gespräche konkreter.
Mit Zahlen.
Mit dem Namen irgendeines Maklers, Wadim Nikolajewitsch, der sich angeblich sehr gut auf dem Markt auskannte.
Und heute — das hier.
Katja sah zu, wie das Wasser im Wasserkocher kochte, und dachte: Sie haben bereits alles entschieden.
Genau so — sie saßen zu zweit da, Mutter und Sohn, und teilten das Geld auf.
Acht Millionen.
Zur Hälfte?
Oder wie?
Sie fragte nicht danach, aber sie spürte es — da war etwas gewesen.
Irgendein Gespräch ohne sie.
Anton war kein böser Mensch.
Das wusste Katja ganz genau.
Er war schwach — was vielleicht schlimmer war.
— Du verstehst einfach nicht, was du tust, — sagte Galina Petrowna nun leiser, aber in dieser Stille lag etwas Unangenehmes.
So ein leises Zischen, wissen Sie.
— Die Wohnung wird dir wie ein Stein am Hals hängen.
Steuern, Nebenkosten, und dann noch die Renovierung — dort wurde doch schon lange nichts mehr gemacht.
— Ich bin dort aufgewachsen, — sagte Katja.
— Ich weiß, was dort gemacht wurde und was nicht.
— Aufgewachsen, ja.
Aber jetzt bist du verheiratet.
Du hast eine Familie.
Und Anton hat übrigens auch Interessen.
Anton räusperte sich wieder.
Er legte das Handy weg.
Katja fing seinen Blick auf — und sah darin etwas, das ihr ein ungutes Gefühl gab.
Keine Wut.
Keine Reue.
Nur Erwartung.
Er wartete ab, wer sich durchsetzen würde.
— Galina Petrowna, — sagte Katja, während sie kochendes Wasser in die Tassen goss, — ich habe Sie gehört.
Ich werde die Wohnung nicht verkaufen.
Das ist meine Entscheidung, und sie ist endgültig.
Die Schwiegermutter stand auf.
Sie zog ihre Jacke zurecht.
— Na schön, — sagte sie, und in diesen zwei kurzen Silben steckte so viel, dass Katja es nicht einmal auseinandernehmen wollte.
— Wir werden sehen, wie du in einem halben Jahr singst.
Sie ging aus der Küche.
Die Wohnungstür schlug zu.
Anton schwieg.
Katja stellte eine Tasse vor ihn.
— Du hättest wenigstens irgendetwas sagen können, — sagte sie leise.
— Ich habe etwas gesagt.
— Du hast gesagt: „Mama hat recht.“
Er schwieg.
Er nahm die Tasse mit beiden Händen — eine Gewohnheit aus der Kindheit, das wusste Katja — und starrte auf den Tisch.
Draußen dröhnte wieder ein Auto.
Irgendwo schlug ein Kanaldeckel.
Die Stadt lebte ihr eigenes Leben, völlig gleichgültig gegenüber dem, was in dieser Küche geschah.
Drei Tage später fuhr Katja allein zum Prospekt Mira.
Sie öffnete die Tür mit ihrem Schlüssel — er hing immer am Bund, neben dem Hausschlüssel, sie hatte ihn nie abgenommen.
Sie trat ein und spürte sofort diesen Geruch.
Alte Bücher, ein wenig Staub und noch etwas anderes — etwas, das keinen Namen hat, aber in jedem Zuhause existiert, in dem lange gelebt wurde.
Mamas Hausschuhe standen am Eingang.
Katja hatte sie beim letzten Mal nicht wegräumen können.
Sie ging durch die Zimmer und berührte die Dinge mit den Händen — hier das Regal mit den Fotos, dort Mamas Lieblingstasse mit den blauen Blumen, da der Stapel Zeitschriften, die Mama nie zu Ende gelesen hatte.
Auf der Fensterbank stand eine vertrocknete Pflanze im Topf.
Katja nahm sie und brachte sie in die Küche.
Man musste sie gießen.
Vielleicht lebte sie noch.
Sie öffnete den Wasserhahn, wartete, bis die Erde sich mit Wasser vollgesogen hatte, und plötzlich spürte sie, wie ihr eine Träne über die Wange lief.
Eine.
Dann noch eine.
Sie hatte auf der Beerdigung nicht geweint — sie hatte sich zusammengerissen.
Zu Hause hatte sie nicht geweint — es war keine Zeit gewesen, die Kinder, das Abendessen, Anton mit seinem Schweigen.
Aber hier — bitte sehr.
Katja wischte sich das Gesicht ab und sah sich um.
Nein.
Kein Wadim Nikolajewitsch.
Kein Makler.
Diese Wohnung würde sie nicht hergeben.
Aber etwas musste mit ihr geschehen — das stimmte.
Leer stehen zu lassen war nicht richtig.
Der Gedanke kam plötzlich — unerwartet und sehr klar.
Und wenn…
Sie holte ihr Handy heraus und wählte eine Nummer.
Lange Freizeichen.
Dann:
— Hallo.
Hier ist Katja.
Hör mal, ich muss mit dir sprechen.
Kannst du heute?
Es ist wichtig.
Lera kam eine Stunde später angerauscht.
Sie hatten sich seit drei Monaten nicht gesehen — seit der Beerdigung, wenn man ehrlich war.
Lera war Katjas Cousine, fünf Jahre älter, geschieden und absolut nicht zu Sentimentalitäten geneigt.
Sie arbeitete in einer Bank, trug einen Kurzhaarschnitt und sprach immer direkt — ohne Einleitungen und Beschönigungen.
— Du willst also vermieten? — fragte sie, während sie durch die Zimmer ging und alles mit professionellem Blick betrachtete.
— Ja.
Langfristig.
An normale Leute.
— Richtig, — nickte Lera.
— Die Wohnung ist gut.
Der Grundriss ist normal, die Decken sind hoch, die Metro ist fünf Minuten entfernt.
Fünfzigtausend im Monat bekommst du locker.
Katja rechnete im Kopf.
Fünfzigtausend im Monat.
Das war nicht einfach nur Geld — das war Unabhängigkeit.
Leise, aber echte.
Sie saßen bis zum Abend zusammen — sie redeten, tranken löslichen Kaffee, der in Mamas Küchenschrank gefunden wurde, und sortierten die Dokumente.
Lera kannte jemanden, der mit dem Vertrag helfen konnte.
Einen zuverlässigen Menschen.
Keinen Gauner.
Als Katja nach Hause zurückkehrte, hatte Anton die Kinder bereits ins Bett gebracht und saß mit einer Serie auf dem Sofa.
Er fragte, wo sie gewesen sei.
Sie antwortete knapp — in Mamas Wohnung, sie habe Sachen sortiert.
Er nickte und starrte wieder auf den Bildschirm.
Katja ging in die Küche, schloss die Tür und lächelte.
Galina Petrowna ließ nicht lange auf sich warten.
Am Samstag erschien sie unangemeldet — um zehn Uhr morgens, als die Kinder noch nicht gefrühstückt hatten, Katja im Morgenmantel war und Anton gerade erst aus der Dusche gekommen war.
Sie kam mit Tüten herein, küsste ihren Sohn auf die Wange, strich den Enkeln über die Köpfe und ging sofort in die Küche — als wäre es ihr Haus und sie würde hier das Kommando führen.
— Ich habe mit Wadim Nikolajewitsch gesprochen, — teilte sie mit, während sie irgendwelche Äpfel und eine Packung Kekse auf den Tisch legte.
— Er sagt, jetzt ist ein sehr günstiger Moment.
Im Frühling belebt sich der Markt, Käufer gibt es.
Wenn man sie im April anbietet, geht sie schnell weg.
— Galina Petrowna, — begann Katja.
— Warte, ich bin noch nicht fertig.
Sie hob die Hand wie eine Lehrerin.
— Er ist bereit, eine minimale Provision zu nehmen, weil ich ihn schon lange kenne.
Und bei den Dokumenten hilft er auch.
Alles ganz menschlich.
— Die Wohnung wird nicht verkauft.
Die Schwiegermutter sah sie an — lange, prüfend, wie man etwas ansieht, das stört und aus irgendeinem Grund noch nicht weggeräumt wurde.
— Katja, — sagte sie in einem anderen Ton.
So, als würde sie mit einem Kind sprechen, das trotzig war.
— Du schaffst das allein nicht.
Dort müssen die Leitungen erneuert werden, die Rohre — ich habe die Nachbarin gefragt, Tamara Iwanowna aus dem dritten Stock, sie sagt, bei ihnen ist es schon zweimal ausgelaufen.
Das sind Kosten.
Große Kosten.
Und das Geld aus dem Verkauf — das wäre Stabilität.
Anton könnte man ein ordentliches Auto kaufen, für die Ausbildung der Kinder etwas zurücklegen…
— Moment mal, — Katja stellte die Tasse auf den Tisch, — was hat Antons Auto damit zu tun?
Galina Petrowna stockte kurz.
Nur ganz kurz.
— Na ja, ihr seid doch eine Familie.
Ein gemeinsames Budget.
— Wir haben getrennte Finanzen, das wissen Sie.
— Genau das weiß ich ja, — sagte die Schwiegermutter plötzlich hart.
— Und ich halte das für unnormal.
Mann und Frau sind ein Ganzes.
Und du immer nur dein und dein…
Anton stand in der Küchentür und schwieg.
Die Kinder machten im Zimmer Lärm — die Ältere erklärte dem Kleinen etwas über Zeichentrickfilme, er widersprach.
Ein gewöhnlicher Morgen.
Ein gewöhnliches Leben.
Und mittendrin — Galina Petrowna mit ihren Äpfeln und dem Makler Wadim Nikolajewitsch.
— Anton, — rief die Schwiegermutter.
— Sag endlich einmal etwas Vernünftiges.
Er trat von einem Fuß auf den anderen.
— Mama, na ja… Katja wird selbst entscheiden.
— Katja wird selbst entscheiden! — wiederholte sie mit einer solchen Betonung, dass klar wurde: Diese Antwort passte ihr ganz und gar nicht.
— Wunderbar.
Einfach wunderbar.
Ich bin also niemand.
Eine Fremde.
— Sie sind die Großmutter unserer Kinder, — sagte Katja ruhig.
— Das ist wichtig.
Aber die Wohnung — das ist meine Angelegenheit.
Galina Petrowna stand auf, zog ihre Strickjacke zurecht.
Sie nahm ihre Tasche.
— Gut, — sagte sie leise.
— Gut, Katja.
Ich habe verstanden.
Und sie ging.
Wieder schlug die Tür zu.
Anton sah seine Frau an — in seinem Blick lag etwas, das an Verlegenheit erinnerte.
— Du hättest sanfter zu ihr sein können…
— Sanfter ging es gar nicht, — antwortete Katja und begann, für die Kinder eine Orange zu schälen.
Am Montag rief eine unbekannte Frau an.
Eine angenehme Stimme, sie stellte sich als Oksana vor und sagte, dass sie sich für die Wohnung am Prospekt Mira interessiere — sie habe die Anzeige gesehen.
Katja war verblüfft: Welche Anzeige?
Sie hatte noch gar nichts veröffentlicht, sie und Lera hatten sich nur geeinigt.
— Warten Sie, wo haben Sie die Anzeige gesehen?
— Na, auf der Webseite.
Fotos, Grundriss, Preis angegeben — vier Millionen achthundert.
Dort steht: dringender Verkauf.
In Katjas Hand erstarrte das Gemüsemesser.
— Danke, ich rufe zurück.
Sie fand die Anzeige in drei Minuten.
Mamas Wohnung.
Ihre Fotos — offenbar aus irgendeiner alten Maklerdatenbank oder heimlich gemacht.
Der Grundriss stimmte genau.
Der Preis war offensichtlich zu niedrig, dringender Verkauf, Kontakt: Wadim Nikolajewitsch.
Ihre Hände zitterten leicht — nicht vor Angst.
Vor Wut.
Sie rief Lera an.
— Habe ich gesehen, — sagte diese knapp.
— Ich schaue schon, was man machen kann.
Die Anzeige wurde ohne dein Wissen und ohne Vollmacht aufgegeben — das ist schon ziemlich unsauber.
Im Guten kann man das anfechten.
— Wie konnten sie es überhaupt wagen?
— Katja.
Leras Stimme war ruhig und klar.
— Sie haben damit gerechnet, dass du es nicht bemerkst, bis ein echter Käufer mit Geld auftaucht.
Und dann stellen sie dich vor vollendete Tatsachen — alles sei schon vereinbart, es sei unangenehm, den Leuten abzusagen, also unterschreib doch endlich.
Katja sah aus dem Fenster.
Die Stadt lebte ihren gewohnten Gang — ein Oberleitungsbus schleppte sich über den Prospekt, vor der Bäckerei gegenüber stand eine Schlange, zwei Arbeiter luden etwas am Nachbarhaus aus.
Alles wie immer.
— Also gut, — sagte Lera, — heute fahren wir zum Notar.
Wir regeln alles richtig.
Damit keine lebende Seele ohne deine Unterschrift auch nur in die Nähe dieser Wohnung kommt.
Bist du um drei frei?
— Ich werde frei sein.
— Sehr gut.
Und Anton sagst du vorerst nichts.
Katja schwieg einen Moment.
— Warum?
— Weil ich noch nicht weiß, auf wessen Seite er steht, — antwortete Lera schlicht.
— Und du?
Katja antwortete nicht.
Aber die Antwort war wohl auch so klar.
Hinter dem Oberleitungsbus schlossen sich die Türen.
Die Frühlingsstadt rollte weiter.
Um drei Uhr saßen Katja und Lera bereits in einem Notariat in der Twerskaja.
Die Notarin — eine Frau von etwa fünfzig Jahren, mit einer Brille an einer Kette und einem Gesichtsausdruck, als hätte sie in ihrer Karriere alles gesehen und sich längst abgewöhnt, sich zu wundern — sah die Dokumente durch und hob den Blick zu Katja.
— Sie möchten also ein Verbot für Rechtsgeschäfte ohne Ihre persönliche Anwesenheit eintragen lassen?
— Ja.
Und damit kein Makler, keine dritte Person meine Interessen ohne notariell beglaubigte Vollmacht vertreten kann.
— Vernünftig, — sagte sie kurz und begann zu tippen.
Lera saß neben ihr und blätterte auf ihrem Handy.
Dann sagte sie leise:
— Die Anzeige ist übrigens schon gelöscht.
Offenbar haben sie verstanden, dass du sie bemerkt hast.
— Zu spät verstanden.
Eine Stunde später war alles erledigt.
Katja trat mit einer Mappe voller Dokumente auf die Straße hinaus und spürte etwas Seltsames — keine Freude, keine Erleichterung.
Einfach Festigkeit.
Als wäre der Boden unter ihren Füßen ein wenig dichter geworden.
Anton erfuhr es am Abend.
Von selbst — er sah die Mappe auf dem Tisch und fragte, was das sei.
Katja erklärte kurz: Sie habe ein Verbot für Geschäfte mit der Wohnung eintragen lassen, nun könne niemand ohne sie irgendetwas tun.
Er schwieg ziemlich lange.
— Du denkst, Mama hat diese Anzeige aufgegeben?
— Wadim Nikolajewitsch ist ihr Makler.
Fremde Fotos, ein zu niedriger Preis, der Vermerk „dringend“.
Was denkst du?
Anton setzte sich aufs Sofa.
Er rieb sich mit den Händen übers Gesicht — eine Geste, die Katja gut kannte.
So machte er es, wenn er sich schämte, es aber nicht zugeben wollte.
— Sie dachte wahrscheinlich, sie hilft.
— Anton, — sagte Katja leise.
— Sie hat eine fremde Wohnung zum Verkauf angeboten.
Ohne zu fragen.
Das ist keine Hilfe.
Er antwortete nicht.
Und dieses Schweigen war beredter als jedes Wort.
Katja ging in die Küche.
Sie stellte den Wasserkocher an, holte eine Tasse heraus — Mamas Tasse mit den blauen Blumen, die sie in der vergangenen Woche vom Prospekt Mira mitgebracht hatte.
Einfach, weil sie wollte, dass sie hier war.
Galina Petrowna rief am nächsten Tag an.
Ihre Stimme klang beleidigt — so besonders, mit einem Zittern an den richtigen Stellen.
— Katja, ich habe gehört, du warst beim Notar.
Stimmt das?
— Es stimmt.
— Und du hältst es für normal, so etwas hinter dem Rücken der Familie zu tun?
Katja hätte fast gelacht.
Hinter dem Rücken der Familie.
Das sagt ein Mensch, der ohne ein einziges Wort eine Anzeige für den Verkauf fremden Eigentums aufgegeben hatte.
— Galina Petrowna, seien wir ehrlich.
Sie haben eine Verkaufsanzeige für meine Wohnung aufgegeben.
Ohne meine Erlaubnis.
Eine Pause.
Kurz, aber sehr vielsagend.
— Ich wollte nur den realen Marktpreis erfahren.
Die Nachfrage testen, sozusagen.
— Die Nachfrage testen, — wiederholte Katja.
— Für meine Wohnung.
Die ich nicht verkaufen will.
Verstehe.
— Du sprichst sehr grob mit mir.
— Ich spreche ruhig.
Ich sage nur direkt, was Sache ist.
Die Schwiegermutter schwieg.
Dann wechselte sie die Taktik — Katja kannte dieses Manöver bereits.
Wenn Druck nicht funktioniert, wird Mitleid eingeschaltet.
— Ich bin ein alter Mensch.
Ich mache mir Sorgen um meinen Sohn, um die Enkel.
Habe ich etwa kein Recht, mir Sorgen zu machen?
— Doch.
Aber Sorge gibt Ihnen nicht das Recht, über fremdes Eigentum zu verfügen.
Das Gespräch endete mit nichts.
Galina Petrowna verabschiedete sich trocken und legte auf.
Die Mieter zogen Anfang Mai in Mamas Wohnung ein.
Ein junges Paar — beide arbeiteten in der IT, ruhig, ordentlich, mit einem Kater namens Fedot.
Katja lernte sie persönlich kennen, zeigte ihnen die Wohnung und erklärte, wo sich was befand.
Sie betrachteten die hohen Decken, das alte Parkett, die Fenster mit Blick auf die Kastanien — und lächelten.
Es gefiel ihnen.
Als Katja die Tür hinter ihnen schloss und nach unten ging, blieb sie noch eine Weile vor dem Hauseingang stehen.
Sie sah zu den Fenstern im zweiten Stock hinauf — sie leuchteten bereits von innen, mit warmem, lebendigem Licht.
Mama hätte es gutgeheißen, dachte sie.
Ljudmila Sergejewna hatte immer gesagt, dass ein leeres Haus falsch sei.
Ein Haus müsse leben.
Das erste Geld kam Ende Mai auf die Karte.
Katja sah die Benachrichtigung und spürte unerwartet, wie ihr ein wenig der Atem stockte.
Nicht, weil die Summe groß war.
Sondern weil es etwas Eigenes war.
Nur ihres.
Anton erfuhr zufällig von der Vermietung — er sah die Bankbenachrichtigung, als Katja vergessen hatte, ihr Handy vom Tisch zu nehmen.
Er fragte.
Sie antwortete.
Er war überrascht — nicht wütend, nein.
Wirklich überrascht.
Als hätte er nicht erwartet, dass sie so, ganz allein, alles entscheiden und erledigen würde.
— Du hättest es mir sagen können.
— Ich habe gesagt, dass ich nicht verkaufen werde.
Du hast es gehört.
— Von Vermietung hast du nichts gesagt.
— Hast du gefragt?
Wieder Schweigen.
Katja bemerkte, dass sie in letzter Zeit immer öfter so miteinander redeten — in kurzen Sätzen, mit Pausen, in denen viel Ungesagtes Platz hatte.
Anton war kein schlechter Ehemann.
Er trank nicht, betrog sie nicht, arbeitete, half mit den Kindern.
Aber da war etwas in ihm — eine Schwäche im entscheidenden Moment.
Mamas Stimme klang für ihn immer etwas lauter, als sie sollte.
Katja wusste das schon lange.
Sie hatte nur früher versucht, nicht allzu genau darüber nachzudenken.
Im Juni kam Galina Petrowna wieder.
Diesmal ohne Tüten und ohne Makler.
Sie setzte sich einfach in die Küche, bat um Tee und schwieg lange.
Katja schenkte ein, stellte ihr die Tasse hin und schwieg ebenfalls — sie wartete.
— Ich habe mich hinreißen lassen, — sagte die Schwiegermutter schließlich.
Sie entschuldigte sich nicht — nein, dazu war sie nicht fähig.
Aber sie gab es zu.
Auf ihre Weise.
Katja nickte.
— Ich höre Sie.
— Du wirst nicht verzeihen, — stellte Galina Petrowna fest.
Sie fragte nicht — sie stellte es fest.
— Nicht sofort, — antwortete Katja ehrlich.
Die Schwiegermutter sah sie an — lange, als würde sie sie zum ersten Mal sehen.
Etwas in ihrem Gesicht veränderte sich leicht.
Es wurde nicht weicher — nein, sie war nicht von dieser Art.
Aber etwas verschob sich.
— Du hast Charakter, — sagte sie schließlich.
In diesem Wort lag alles zugleich — Vorwurf und etwas, das beinahe wie Respekt klang.
— Wahrscheinlich, — stimmte Katja zu.
Draußen blühten die Kastanien.
Die Kinder machten im Zimmer Lärm.
Fedot vom Prospekt Mira saß jetzt wahrscheinlich auf der Fensterbank und schaute auf die Straße.
Das Leben ging weiter.
Katja trank ihren Tee aus, stand auf und begann, Brot zum Abendessen zu schneiden — und plötzlich begriff sie, dass sie an ihre Mutter ohne Schmerz dachte.
Einfach so.
Mit Wärme.
Alles ist richtig, dachte sie.
Die Wohnung lebt.
Und ich lebe.
Das genügte.
Der August kam unerwartet — heiß, schwül, mit Gewittern am Abend.
Katja saß spät in der Nacht in der Küche, als alle schon schliefen.
Sie trank Tee aus Mamas Tasse mit den blauen Blumen und sah in das dunkle Fenster.
Sie dachte nach.
In drei Monaten hatte sich vieles verändert — leise, ohne Skandale, ganz von selbst.
Galina Petrowna kam seltener vorbei und benahm sich anders.
Nicht sanfter — nein, ein Leopard ändert seine Flecken nicht.
Aber vorsichtiger.
Wie ein Mensch, der einmal an einer Stelle gegen eine Wand gestoßen ist, an der er damit gerechnet hatte, einfach hindurchzugehen, und nun einen Bogen darum macht.
Auch Anton hatte sich verändert — ein wenig, aber spürbar.
Er fragte öfter nach.
Nicht nach dem Geld — einfach so.
Wie es ihr gehe, was sie denke, wie es ihr sei.
Kleine Fragen, die es früher fast nicht gegeben hatte.
Katja antwortete.
Vorsichtig, aber sie antwortete.
Sie beide lernten offenbar neu, miteinander zu reden — unbeholfen, mit Pausen, aber wirklich.
Eines Abends sagte er — einfach, ohne Einleitung:
— Ich hätte dich damals unterstützen müssen.
Sofort.
Katja sah ihn an.
— Ja, — antwortete sie.
— Das hättest du.
Mehr kamen sie nicht darauf zurück.
Aber nach diesem Abend rückte etwas an seinen Platz.
Die Mieter schickten ein Foto — Fedot schlief auf der Fensterbank, vor dem Hintergrund der Kastanien hinter dem Fenster.
Katja lächelte und stellte das Foto als Hintergrundbild auf ihrem Handy ein.
Mamas Wohnung lebte.
Dort brannte Licht, Menschen gingen ein und aus, ein Kater schnurrte.
Das war richtig.
Katja trank ihren Tee aus, spülte die Tasse ab und stellte sie ins Regal — sorgfältig, wie immer.
Sie sah sie eine Sekunde lang an.
Danke, Mama.
Sie schaltete das Licht aus und ging schlafen.




