Dabei war ich es, der diese Datscha gebaut hat, nicht du!
Und meine Mutter wird dort so lange отдыхать, wie sie will, selbst wenn du den ganzen Sommer in der Stadt sitzen musst!

Du bist niemand, meiner Mutter Vorschriften zu machen!
Halt den Mund und gib ihr die Schlüssel zurück! — sprühte der Mann vor Speichel, kaum dass er die Schwelle der Wohnung überschritten hatte.
Andrej kam nicht einfach herein — er stürmte in den Flur, als würde er mit der Schulter feindliche Befestigungen rammen.
Hinter seinem Rücken zeichnete sich wie ein grauer Schatten Valentina Petrowna ab.
Auf dem Gesicht der Schwiegermutter lag genau jener besondere Ausdruck traurigen Triumphes, mit dem man gewöhnlich von der schweren Krankheit eines entfernten Verwandten berichtet: irgendwie traurig, aber wie viel Aufmerksamkeit dabei doch der eigenen Person zukommt.
In den Händen hielt sie eine voluminöse Tasche mit Setzlingen, aus der welke Blätter von Tomatenpflanzen herausragten, die nach Erde und Feuchtigkeit rochen.
Olga stand im Türrahmen der Küche und trocknete sich die Hände an einem Waffelhandtuch ab.
Sie zuckte weder bei dem Geschrei zusammen noch wich sie zurück.
In ihrem Inneren, irgendwo im Bereich des Solarplexus, bildete sich eine kalte, schwere Leere.
In dieser Leere war kein Platz mehr für Angst oder den Wunsch, sich zu rechtfertigen.
Sie sah ihren Mann an und erkannte nicht den geliebten Menschen, sondern einen verschwitzten, erhitzten Mann mit einem vor Bosheit verzerrten Gesicht, an dessen Schläfe eine Ader pulsierte.
— Ich habe es nicht verboten, Andrej, — sagte Olga ruhig, und ihr gleichmäßiger Ton schien ihn nur noch mehr in Rage zu bringen.
— Ich habe nur gesagt, dass wir dort dieses Wochenende nicht gebraucht werden.
Weder ich noch du noch Valentina Petrowna.
Ich habe das Schloss am Tor nicht ausgetauscht, um Krieg anzuzetteln, sondern um wenigstens einmal in drei Jahren in einem Liegestuhl liegen zu können, statt in der Haltung eines Datscha-Arbeiters über Beeten zu stehen, die ich gar nicht brauche.
— Ach, du brauchst sie nicht?! — kreischte Valentina Petrowna hinter dem Rücken ihres Sohnes.
Sie machte ein kleines Schrittchen nach vorn und schob sich an die Front.
— Andrjuscha, hörst du das?
Sie braucht die Erde nicht!
Meine Tomätchen, die ich seit Februar auf der Fensterbank großgezogen habe, gehen ihr quer im Hals runter!
Natürlich ist gnädige Frau daran gewöhnt, alles im Laden zu kaufen, „aus Plastik“, und dass die Mutter sich den Rücken krumm macht — das wissen wir wohl nicht zu schätzen!
Olga wandte den Blick zur Schwiegermutter.
Sofort stieg in ihrer Erinnerung das Bild des letzten Wochenendes auf.
Dreißig Grad Hitze, die Sonne brennt so sehr, dass die Luft über dem Blechzaun flimmert.
Olga, in einem alten T-Shirt, kriecht zwischen den Erdbeerreihen umher und rupft Unkraut, weil „man es vor dem Regen noch schaffen muss“.
Und Valentina Petrowna sitzt auf der Veranda in einem Korbsessel, fächelt sich Luft zu und dirigiert den ganzen Ablauf mit dröhnender Stimme: „Olja, wer lockert denn so den Boden?
Du beschädigst doch die Wurzeln!
Tiefer, tiefer!
Und bringt Wasser, mir ist vor Hitze ganz die Kehle ausgetrocknet.“
Das war keine Datscha.
Das war eine Strafkolonie strengen Regimes, in der Valentina Petrowna die Lagerleiterin war und Andrej ihr treuer Stellvertreter für den erzieherischen Bereich.
Jeder Versuch Olgas, sich einfach mit einem Buch hinzusetzen, wurde als Sabotage aufgefasst.
„Ausruhen werden wir im Jenseits“, pflegte die Schwiegermutter zu sagen und stellte der Schwiegertochter dabei einen weiteren Eimer Gurken zum Einlegen hin.
— Ich werde dort nicht mehr arbeiten, Valentina Petrowna, — sagte Olga deutlich.
— Und Ihre „Tomätchen“ werde ich auch nicht mehr bedienen.
Ich habe die Hälfte der Materialkosten für dieses Haus übernommen.
Ich habe den Brunnen bezahlt.
Ich habe alle Möbel gekauft.
Ich habe das Recht, dorthin zu fahren und einfach in den Himmel zu schauen und nicht auf das Unkraut.
Andrej schleuderte die Autoschlüssel auf das Schränkchen.
Das Geräusch von Metall auf Holz klang wie ein Schuss.
Er atmete schwer, blähte die Nasenflügel, und er roch nach scharfem, saurem Schweiß und Auto-Lufterfrischer.
— Halt mir dein Geld nicht unter die Nase! — bellte er und trat fast direkt an seine Frau heran.
Olga spürte die Hitze, die von seinem Körper ausging.
— Sie hat Geld gegeben!
Und wer hat das Fundament gegossen?
Wer hat sich den Rücken kaputtgeschuftet, indem er Balken schleppte?
Ich habe dort meine Gesundheit gelassen!
Das ist mein Haus!
Mein Haus und das meiner Mutter!
Meine Mutter hat mir geholfen, während du auf der Arbeit gesessen und dir die Nägel lackiert hast!
Sie kennt dort jeden Busch, sie steckt ihre Seele hinein!
— Seele? — Olga lächelte bitter.
— Andrej, sie hat mich in eine Dienstmagd verwandelt.
Siehst du das nicht?
„Olja, gib her“, „Olja, bring“, „Olja, wasch“.
Und du sitzt in der Zeit mit den Männern in den Garagen oder schwitzt in der Sauna.
Und ich wie eine Verfluchte…
— Wage es nicht, so über meine Mutter zu reden! — unterbrach Andrej sie, und in seinen Augen blitzte etwas Gefährliches, Tierisches auf.
— Sie ist ein älterer Mensch!
Sie will die Ernte sehen!
Und du… du bist egoistisch.
Hast beschlossen, die Schlüssel wegzunehmen?
Ganz schön schlau, was?
Dachtest du, ich erfahre es nicht?
Mama hat mich unter Tränen angerufen, sie stand eine halbe Stunde in der prallen Sonne vor dem verschlossenen Tor!
Ihr Blutdruck liegt bei zweihundert!
Begreifst du überhaupt, was du angerichtet hast, du Miststück?
Valentina Petrowna drückte sofort theatralisch die Hand an die Brust und bestätigte damit die Worte ihres Sohnes über ihren Blutdruck.
Obwohl ihre Gesichtsfarbe vollkommen gesund war und ihre Stimme genug Energie für eine Kundgebung gehabt hätte.
— Andrjuscha, nicht doch, — jammerte sie mit einer honigsüßen Stimme, in der allerdings kein Tropfen echter Absicht lag, den Skandal zu beenden.
— Vielleicht werde ich tatsächlich nicht gebraucht…
Dann fahre ich eben zu mir in die Kommunalka zurück und sitze dort auf dem Balkon.
Warum soll ich den Jungen im Weg sein?
Sollen sie doch leben, sollen sie doch alles mit Gras überwuchern lassen…
Das war ihre Paradenummer.
Ein Schlag unter die Gürtellinie, auf den Andrej immer wie ein dressierter Hund auf das Kommando „Fass!“ reagierte.
— Nirgendwo fährst du hin, Mama! — bellte Andrej, ohne sich umzudrehen, und bohrte weiter seinen hasserfüllten Blick in seine Frau.
— Du fährst auf deine Datscha.
Sofort.
Und diese hier… — er zeigte mit dem Finger auf Olga, als wäre sie ein lebloser Gegenstand, — die gibt jetzt die Schlüssel zurück.
Sofort!
Im engen Flur hing eine dichte Spannung.
Die Luft wurde zäh wie vor einem Gewitter.
Olga sah, wie die Knöchel an den zu Fäusten geballten Händen ihres Mannes weiß wurden.
Sie verstand, dass jede ihrer Antworten jetzt zu einer Explosion führen würde, aber es gab kein Zurück mehr.
Drei Jahre lang hatte sie alles ertragen.
Drei Jahre lang hatte sie versucht, gut, gefällig und bequem zu sein.
Sie hatte versucht, die Zustimmung einer Frau zu verdienen, die sie verachtete, und die Liebe eines Mannes, der sich, wie sich herausstellte, nie aus den kurzen Hosen eines Muttersöhnchens herausentwickelt hatte.
— Die Schlüssel sind in der Tasche, — sagte Olga leise.
— Aber ich gebe sie dir nicht.
Andrej erstarrte.
Offenbar hatte er mit einer solchen Antwort überhaupt nicht gerechnet.
Normalerweise glättete Olga die Kanten, schwieg oder ging in ein anderes Zimmer.
— Was? — fragte er flüsternd nach, und dieses Flüstern war schlimmer als Schreien.
— Ich habe „nein“ gesagt, Andrej.
Ihr werdet heute nicht dorthin fahren.
Ich will, dass du mich wenigstens einmal hörst und nicht ihre Launen.
— Launen?! — brüllte Valentina Petrowna auf und vergaß ihre Rolle des sterbenden Schwans.
— Du nennst die Arbeit auf dem Land Launen?!
Du bist eine schamlose Faulenzerin!
Eine Parasitin!
Du bist zu etwas gekommen, das schon fertig war!
Andrej zuckte zusammen, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen.
Sein Gesicht überzog sich mit roten Flecken.
Mit einem irren Blick musterte er den Flur, und seine Augen blieben an Olgas schwarzer Ledertasche hängen, die auf der Bank unter dem Spiegel lag.
— Du gibst sie also nicht? — presste er zwischen den Zähnen hervor.
— Also wirst du sie nicht freiwillig zurückgeben?
Na gut.
Auf die gute Art verstehst du es nicht.
Er trat zur Bank.
In seinen Bewegungen war keine Hektik mehr, nur stumpfe, zerstörerische Entschlossenheit eines Menschen, der glaubt, jedes Recht auf Gewalt zu haben, wenn sie mit „Gerechtigkeit“ gerechtfertigt wird.
Olga zog sich instinktiv zusammen und begriff, dass die Gespräche vorbei waren.
Etwas anderes begann, etwas Schmutziges und Unwiederbringliches.
— Andrej, wag es nicht!
Das sind meine persönlichen Sachen! — Olgas Stimme zitterte, aber nicht vor Angst, sondern vor Ekel, der ihr in einer Welle bis an die Kehle stieg.
Sie versuchte, den Riemen der Tasche festzuhalten, aber woher denn.
Andrej, angeheizt von seiner eigenen Wut und der Anwesenheit seiner Mutter, handelte mit der Kraft eines Bulldozers.
Er riss die Tasche scharf an sich.
Der Lederriemen peitschte Olga schmerzhaft über das Handgelenk und hinterließ sofort eine rote Spur, doch sie schrie nicht einmal auf.
— Persönliche?! — schrie er, und das Echo seiner Stimme raste durch den engen Flur und spiegelte sich im Schrankspiegel.
— Du hast in diesem Haus nichts Persönliches!
Alles hier ist von gemeinsamem Geld gekauft!
Also habe ich das Recht zu prüfen, was du dort versteckst!
Er machte sich nicht einmal die Mühe mit den Verschlüssen.
Mit einem einzigen Ruck, bei dem der Reißverschluss klagend knirschte, riss Andrej die Tasche auf.
Es war wie eine öffentliche Hinrichtung, wie das barbarische Ausweiden einer Beute.
Er drehte sie auf den Kopf und schüttelte den Inhalt mit rasender Wut direkt auf die schmutzige Matte an der Tür, dorthin, wo ihre Straßenschuhe standen.
Das Poltern vieler kleiner Gegenstände klang für Olga wie eine Ohrfeige.
Ihre ganze kleine, intime Welt ergoss sich auf den Boden.
Das Smartphone schlug hart auf und zerbrach wie durch ein Wunder nicht.
Kleingeld klirrte und rollte in die Ecken.
Ein teurer Lippenstift rollte davon, verlor die Kappe und hinterließ eine fettige scharlachrote Spur auf dem staubigen Laminat.
Eine Packung Feuchttücher fiel hin, alte Kassenzettel, Kopfschmerztabletten, eine Bürste mit darin verfangenen Haaren.
Und, was am demütigendsten war, auf einmal fiel vor aller Augen eine Packung Damenhygieneartikel heraus.
Die Pappschachtel wurde beim Aufprall zerdrückt, und mehrere Tampons in raschelnden Hüllen verstreuten sich direkt vor Valentina Petrownas Füßen.
Olga erstarrte.
Es war ihr, als hätte man ihr die Kleidung vom Leib gerissen.
Das war ein grober, taktloser Übergriff, eine Gewalt gegen ihre Persönlichkeit, die keine blauen Flecken hinterlässt, aber im Innern etwas für immer zerbricht.
Valentina Petrowna, die bis zu diesem Moment die Opferrolle gespielt hatte, betrachtete nun mit unverhohlener Neugier, die an Ekel grenzte, die verstreuten Sachen.
Sie beugte sich sogar leicht vor und kniff ihre kurzsichtigen Augen zusammen.
— Herrgott, was für ein Saustall, — verzog die Schwiegermutter die Lippen und schob mit der Spitze ihres abgetretenen Schuhs die Packung mit den Tampons angeekelt zur Seite, als wäre es eine tote Ratte.
— Und all das schleppt sie mit sich herum?
Andrjuscha, schau nur, wie viel Schminke.
Das kostet ja Tausende!
Und dann sagt sie, es sei kein Geld für eine Bewässerungspumpe da.
Dafür geht also unser Geld drauf, für irgendeine Schmiererei und für diese modernen Binden.
Früher kam man mit Lappen aus, und nichts, man war sogar gesünder…
— Mama, warte, — winkte Andrej ab und hörte ihrem Gemurmel gar nicht zu.
Er ging auf die Knie.
Nicht vor seiner Frau, um sich zu entschuldigen, sondern vor dem Müllhaufen, in den er ihre Sachen verwandelt hatte.
Er kroch über den Boden und warf den Inhalt der Tasche grob mit den Händen auseinander.
Seine Finger, die es gewohnt waren, das Lenkrad oder einen Bierkrug zu halten, wühlten nun taktlos in Olgas intimsten Kleinigkeiten herum.
Er warf ihren Pass beiseite und riss beinahe den Umschlag ein, und trat gegen das Etui ihrer Brille.
Olga sah auf den Scheitel ihres Mannes, auf seinen breiten Rücken, der vom T-Shirt gespannt wurde, und spürte, wie in ihr die letzten Tropfen Respekt starben.
Dieser Mann, der auf allen vieren über den Boden kroch, um den Schlüsseln für Mami willen nachzujagen, erschien ihr plötzlich erbärmlich und nichtig.
Und zugleich unendlich fremd.
— Aha!
Da sind sie! — brüllte Andrej triumphierend.
Er zog unter einem Haufen Papierservietten ein Schlüsselbund mit einem kleinen Häuschen als Anhänger hervor — genau das, das Olga am Tag des Bauabschlusses gekauft hatte.
Andrej erhob sich von den Knien und klopfte seine Hose ab.
In seinen Augen brannte der fanatische Glanz eines Siegers.
Er fühlte sich wie ein Held, der soeben den heiligen Gral den Ungläubigen entrissen hatte.
— Hier, Mama! — er reichte Valentina Petrowna das Schlüsselbund mit einem Pathos, als würde er ihr die Schlüssel der Stadt überreichen.
— Nimm.
Dort bist du die Herrin.
Und niemand, hörst du, niemand wird es wagen, vor dir das Tor zu verschließen.
Das ist dein Haus.
Du hast es dir erlitten.
Valentina Petrowna breitete sich in einem süßlichen Lächeln aus.
Eilig, als hätte sie Angst, die Schwiegertochter könnte es sich anders überlegen und ihr die Schlüssel mit den Zähnen entreißen, schnappte sie sie sich und stopfte sie sofort in die Tasche ihres unförmigen Cardigans.
— Danke, mein Sohn, — schnurrte sie und warf Olga einen schnellen, stechenden Siegerblick zu.
— Die Gerechtigkeit, Olechka, siegt immer.
Man darf eine Mutter nicht von der Erde trennen.
Die Erde liebt Fürsorge und keinen Manikürekram.
Olga schwieg.
Sie sah auf ihren zerdrückten Lippenstift, auf das verstreute Kleingeld, auf die schmutzigen Schuhabdrücke ihres Mannes auf ihrem Pass.
Sie hatte keine Lust, irgendetwas aufzuheben.
Keine Lust, Ordnung zu schaffen.
Sie wollte einfach verschwinden, sich aus diesem Raum löschen, der nach Verrat roch.
— Na, zufrieden? — Andrej trat auf seine Frau zu und ragte über ihr auf.
Er wartete auf eine Hysterie, auf Tränen, auf Bitten.
Er wartete darauf, dass sie jetzt losstürzen würde, um ihre Sachen einzusammeln und sich dabei zu rechtfertigen.
Doch Olga hob nur den Blick zu ihm.
In ihren Augen waren keine Tränen.
Dort war Eis.
Absolut kaltes, totes Eis.
— Bist du zufrieden, Andrej? — fragte sie leise.
— Fühlst du dich jetzt wie ein Mann?
Die Frage war in einem Ton gestellt, der Andrej für einen Moment aus dem Gleichgewicht brachte.
Doch die Anwesenheit seiner Mutter, die ihm hinter seinem Rücken zustimmend zunickte, brachte ihm sofort seinen Kampfgeist zurück.
Er konnte sich keine Schwäche erlauben.
— Ich fühle mich wie der Hausherr, — schnitt er ab und schob den Kiefer vor.
— Wie der Hausherr, der in seinem Haus Ordnung geschaffen hat.
Und weil du beschlossen hast, auf dem Schiff zu rebellieren, wirst du mit aller Strenge dafür geradestehen.
— Mit welcher Strenge? — Olga legte sogar leicht den Kopf schief, als würde sie ein seltsames Insekt betrachten.
Andrej grinste.
Dieses Lächeln verhieß nichts Gutes.
Er hatte sich die Strafe schon ausgedacht.
Er wusste, wie er sie am empfindlichsten treffen konnte — nicht mit der Faust, sondern mit Isolation und Verachtung.
— Das wirst du gleich erfahren, — versprach er gehässig, stieg über ihre verstreuten Sachen hinweg und ging ins Schlafzimmer, wo eine gepackte Reisetasche stand.
— Du dachtest wohl, ich würde dich überreden mitzufahren?
Nein, meine Liebe.
Die Pläne ändern sich.
— Also gut, — Andrej richtete sich in voller Größe auf und sah von oben auf seine Frau herab wie ein Richter auf einen korrupten Beamten.
In seiner Stimme klirrten metallische Töne absoluter Macht.
— Du wolltest allein sein?
Du bist müde von uns?
Ausgezeichnet.
Ich erfülle dir deinen Wunsch.
Du bleibst hier.
Er machte mit der Hand eine Bewegung durch den engen Flur, als wären das Gefängnismauern.
— Das ganze Wochenende.
In dieser stickigen Betonkiste.
Du wirst hier sitzen, Abgase atmen und nachdenken.
Über dein Benehmen nachdenken, darüber, wie du mit meiner Mutter sprichst, und darüber, wer in diesem Haus tatsächlich die Entscheidungen trifft.
Und Mama und ich fahren uns erholen.
— Ja, Andrjuscha, ganz richtig, — fiel Valentina Petrowna ihm sofort bei, trat von einem Fuß auf den anderen und rückte den Träger ihrer Tasche zurecht.
— Lass sie hier sitzen und abkühlen.
Sieh einer an, die kleine Königin.
Frische Luft will sie haben, aber die eigene Mutter vor das Tor setzen?
Gott sieht alles, Olja, alles sieht er.
Andrej grinste selbstzufrieden, als er sah, dass Olga schwieg.
Er hielt ihre Starre für Unterwerfung, für Angst vor dem Alleinsein.
Das gab ihm Kraft, und er beschloss, sie endgültig fertigzumachen, indem er in allen Farben ausmalte, was ihr entging.
— Wir fahren jetzt noch in den Laden und kaufen Nacken.
Frischen, saftigen.
Ich mariniere ihn nach meinem Rezept, mit Zwiebeln, mit Pfeffer… — sprach er langsam und genoss jedes Wort, als würde er Stücke aus ihrem Herzen schneiden.
— Am Abend heize ich die Banja an.
Eine richtige, heiße, nicht diese Duschkabine, die du hier eingebaut hast.
Wir weichen Birkenzweige ein.
Mama hat selbstgemachten Kwas mitgebracht.
Wir werden auf der Veranda sitzen, den Sonnenuntergang anschauen und atmen.
Freiheit atmen, Olja.
Ohne dein ständig unzufriedenes Gesicht.
Ohne dein Gejammer über „ich bin müde“ und „lasst mir Ruhe“.
Olga hörte dieser sadistischen gastronomischen Wettervorhersage zu und verspürte eine seltsame Distanz.
Als würde sie einen schlechten Film über ein fremdes Leben sehen.
Andrej fuhr fort, die Genüsse des Datscha-Lebens so zu schildern, als wäre es ein Paradies, zu dem Sündern der Zutritt verboten ist.
— Und du sitzt hier, — redete er sich weiter in Fahrt.
— Du kannst ja den Boden wischen, wenn du sonst nichts zu tun hast.
Oder im Internet sitzen und lesen, wie sich normale Ehefrauen benehmen.
— Und Erdbeeren, Andrjuscha, Erdbeeren werden wir pflücken! — warf Valentina Petrowna ein, deren Augen vor Vorfreude glänzten.
— Die sind gerade reif geworden.
Groß und süß!
Wir essen sie selbst, mit saurer Sahne.
Und Olechka… na ja, vielleicht bringen wir ihr ein Gläschen Marmelade mit, wenn etwas übrig bleibt.
Wenn sie es verdient.
Andrej drehte sich abrupt zum Spiegel und richtete den Kragen seines T-Shirts.
Er platzte vor eigener Wichtigkeit.
Er fühlte sich wie die strafende Hand der Gerechtigkeit.
— Begreif eine einfache Sache, — sagte er zum Spiegelbild seiner Frau.
— Dein Geld, mit dem du hier herumwedelst, ist nur Papier.
Puff.
Eine Datscha baut man nicht mit Geld, sondern mit Schweiß.
Ich habe dort jeden Nagel eingeschlagen.
Ich habe den Rücken gekrümmt, als ich Zement geschleppt habe.
Mama kennt dort jeden Grashalm.
Das ist unser Land.
Und du… du bist nur eine Investorin.
Und noch dazu eine schlechte.
Du dachtest wohl, du kaufst Baumaterialien und bist jetzt die Herrin?
Nein, meine Liebe.
Herr ist der, der auf dem Land arbeitet.
Und du bist dort ein Fremdkörper.
Eine Touristin.
Diese Worte sollten sie demütigen, sie zertreten.
Andrej traf sie an ihrem wundesten Punkt — an ihrem aufrichtigen Wunsch, ein gemütliches Nest zu schaffen, an den endlosen Stunden, die sie für die Auswahl von Fliesen, Gardinen und Möbeln aufgebracht hatte, an dem Geld, das sie von ihren Prämien zur Seite gelegt hatte, indem sie sich den Urlaub am Meer versagte.
Er entwertete all das mit einem Schlag und verwandelte ihren Beitrag in Nichts.
Valentina Petrowna nickte zustimmend wie ein chinesischer Wackelkopf.
— Goldene Worte, mein Sohn!
Ach, goldene Worte!
Wer ackert, dem gehört die Ernte.
Und Schönhändchen haben auf der Datscha nichts zu suchen.
Soll sie in der Stadt sitzen und den Asphalt platt treten.
Andrej ging an Olga vorbei und streifte absichtlich ihre Schulter.
Er ging in die Küche, klimperte mit den Schlüsseln — denselben, die er gerade aus ihrer Tasche geschüttelt und seiner Mutter gegeben hatte, und mit seinen eigenen vom Auto.
— Pack dich, Mama, — rief er aus der Küche.
— Nimm die Taschen.
Ich hole nur noch Wasser und dann fahren wir.
Man soll keine Zeit mit Gesprächen mit Tauben vergeuden.
Olga stand regungslos zwischen den verstreuten Sachen.
Ein Tampon in raschelnder Verpackung lag an der Spitze ihres Hausschuhs.
Der zerdrückte Lippenstift erinnerte an einen Blutfleck.
In ihrem Kopf hallte der Satz ihres Mannes nach: „Dort bist du eine Touristin.“
In ihr machte etwas klick.
Laut und deutlich.
Es war das Geräusch einer gerissenen Feder, die all die Jahre ihre Geduld gespannt gehalten hatte.
Plötzlich sah sie die beiden — ihren Mann und die Schwiegermutter — nicht mehr als Verwandte, sondern als Besatzer.
Sie benahmen sich, als hätten sie ihr Gebiet eingenommen, ihre Ressourcen geplündert und wollten nun, berauscht vom Sieg, auf ihren Knochen feiern.
Ihr Blick fiel auf die offene Küchentür, wo Andrej herrisch den Kühlschrank öffnete.
Er griff dort mit derselben Dreistigkeit hinein, mit der er in ihrer Tasche gewühlt hatte.
Er war der Meinung, ein Recht auf alles zu haben: auf ihr Geld, auf ihre Sachen, auf ihr Essen, auf ihr Leben.
— Ich komme gleich, mein Sohn, nur einen Augenblick! — beeilte sich Valentina Petrowna und hob ihre kostbaren Setzlinge auf.
— Ach, wie schön es doch wird!
Wir werden frische Luft schnappen!
Schaschlik essen!
Olga atmete langsam aus.
Die Angst war verschwunden.
Das Selbstmitleid war verschwunden.
An ihre Stelle trat kalte, kristallklare Wut.
Sie begriff, dass der „Stadtarrest“ keine Strafe war.
Es war Befreiung.
Aber sie hatte nicht vor, sie mit Triumph davonfahren zu lassen, damit sie sich an ihrer Erniedrigung erfreuten.
Das Fest auf ihrem Territorium und auf ihre Kosten fand nicht statt.
Sie machte einen Schritt in Richtung Küche.
Ihre Bewegungen wurden geschmeidig und räuberisch.
Sie war kein Opfer mehr.
Sie war die Herrin, die die Rechnung für den Aufenthalt ausstellen wollte.
— Stell das sofort zurück, — sagte Olga.
Ihre Stimme war nicht laut, aber so trocken und hart, dass sie an das Knacken eines brechenden Astes erinnerte.
Andrej, der gerade eine schwere emaillierte Kasserolle mit Schaschlik aus den Tiefen des Kühlschranks gezogen hatte, erstarrte.
In seinen Händen waren drei Kilo ausgesuchter Schweinenacken, den Olga gestern bis nach Mitternacht mariniert hatte, nachdem sie jedes Stück sorgfältig auf dem Markt ausgewählt und frisches Basilikum und teure Gewürze hinzugefügt hatte.
Nun sollte dieses kulinarische Meisterwerk zum Hauptgericht des Festes ihrer Erniedrigung werden.
— Hast du völlig den Verstand verloren? — Andrej drehte sich langsam um und drückte die Kasserolle wie ein Torwart den Ball an die Brust.
— Ich habe gesagt: Halt still.
Das Fleisch nehmen wir mit.
Du hast es nicht verdient, es zu essen.
— Dieses Fleisch habe ich gekauft.
Und mariniert habe ich es auch, — Olga trat in die Küche.
Jetzt trennte sie nur noch ein halber Meter Fliesenboden.
— Du hast keinen einzigen Kopeken dafür gegeben.
Und deine Mutter auch nicht.
— In dieser Familie ist alles gemeinsam! — brüllte Andrej und versuchte, an seiner Frau vorbei zum Ausgang zu gelangen, wo Valentina Petrowna bereits ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat.
— Geh aus dem Weg, du verrückte Idiotin, bevor ich dir eine verpasse!
Er versuchte, sie mit der Schulter beiseitezustoßen, überzeugt von seiner körperlichen Überlegenheit.
Doch Olga tat etwas, womit er nicht im Geringsten gerechnet hatte.
Sie klammerte sich nicht an die Kasserolle, um sie ihm zu entreißen.
Sie schlug ihm einfach abrupt von unten gegen die Hände.
Vor Überraschung lockerte sich Andrejs Griff.
Die Kasserolle sprang hoch, der Deckel flog klirrend zur Seite und rollte wie ein Kreisel über den Boden.
Olga fing den Topf mit der Geschicklichkeit eines Zauberers auf.
— Gemeinsam, sagst du? — in ihren Augen schwappte eisiger Wahnsinn.
— Dann hier eure Portion.
Guten Appetit.
Sie drehte sich zum Mülleimer unter der Spüle und kippte die Kasserolle mit entschlossener Bewegung um.
Schwere, saftige Fleischstücke, getränkt mit aromatischer Zwiebelmarinade, klatschten feucht in den Müllbeutel.
Sie landeten direkt auf Kartoffelschalen, Kaffeesatz und gebrauchten Teebeuteln.
Fettige Marinade spritzte an die Eimerwände und auf Andrejs saubere Hose.
— Was zum Teufel machst du da, du Schlampe?! — brüllte Andrej, während er den verdorbenen Schaschlik ansah, als hätte Olga vor seinen Augen ein lebendes Wesen getötet.
Valentina Petrowna, als sie den Untergang der Lebensmittel sah, kreischte wie eine Luftalarm-Sirene und stürzte in die Küche, wobei sie ihren Sohn beinahe umstieß.
— Lebensmittel!
Das Fleisch! — schrie sie auf und griff sich diesmal wirklich ans Herz.
— Du bist ja besessen!
Weißt du, wie viel Geld das gekostet hat!
Andrjuscha, sie ist krank!
Ruf einen Krankenwagen, sie muss in die Psychiatrie!
Sie hat gutes Essen in Dreck verwandelt!
Olga warf die leere Kasserolle mit einem Scheppern in die Spüle.
Metall schlug gegen Metall und setzte einen fetten Punkt unter ihre familiäre Idylle.
— Die Dienstmagd hat gekündigt, Valentina Petrowna, — sagte Olga deutlich und hämmerte jedes Wort ein.
— Das Bankett auf meine Kosten ist beendet.
Wenn Sie fressen wollen, dann gehen Sie und kaufen Sie es.
Von Ihren Renten, von Ihren Gehältern.
Aber mein Zeug fassen Sie nicht mehr an.
Sie riss die Kühlschranktür erneut auf.
— Und das ist auch meins! — Olga zog aus dem Regal eine Packung teures tschechisches Bier, das Andrej für die Banja aufbewahrt hatte.
— Wag es nicht! — Andrej fuhr zu ihr hin, rutschte jedoch auf einer Pfütze Marinade aus, die auf die Fliesen getropft war.
Mit Schwung ließ Olga die Packung direkt oben auf das Fleisch in den Mülleimer fallen.
Das Scheppern zerbrechender Flaschen, vermischt mit dem Geruch von Bier und Zwiebeln, erfüllte die Küche.
Gleich hinterher flogen auch geschnittene Rohwurst und ein Glas Oliven hinein.
Sie zerstörte ihr Fest methodisch und gnadenlos.
Sie verwandelte ihre Vorfreude auf einen angenehmen Erholungsaufenthalt in eine schmutzige Matsche.
— Du bist nicht normal… — flüsterte Andrej und sah sie mit abergläubischem Entsetzen an.
Sein Gesicht lief dunkelrot an, seine Fäuste ballten und entspannten sich wieder, aber er wagte nicht, sie zu schlagen.
In ihrem Blick lag so viel Entschlossenheit, dass er, der nur gewohnt war, gegen Schwächere Krieg zu führen, zurückwich.
— Das wirst du mir alles bezahlen.
Jeden Kopeken wirst du abarbeiten.
— Ich habe schon genug abgearbeitet, — Olga wischte sich die Hände an einem Küchentuch ab und warf es ihrem Mann ins Gesicht.
Der Lappen, der nach Fisch roch, klatschte gegen seine Brust und rutschte zu Boden.
— Drei Jahre Zwangsarbeit auf deiner Datscha und Bedienung deiner Mutter.
Rechne es so, dass wir quitt sind.
Und jetzt — raus hier.
— Was?! — rang Valentina Petrowna nach Luft vor Empörung.
— Du schmeißt uns raus?
Aus der Wohnung meines Sohnes?!
— Aus meiner Wohnung, — korrigierte Olga und spürte, wie sich in ihr eine böse, berauschende Freiheit ausbreitete.
— Andrej, hast du vergessen, dass die Hypothek auf meinen Namen läuft?
Du bist nur Bürge.
Also nimm deine Mutter, nimm die Schlüssel von deiner kostbaren Datscha und verschwindet, um dort Melde oder Brennnesseln zu braten.
Was ihr findet, das fresst.
Andrej stand da und atmete schwer.
Er war zerschmettert.
Nicht dadurch, dass sie das Essen weggeworfen hatte, sondern dadurch, dass sie es gewagt hatte, zurückzuschlagen.
Sein Weltbild, in dem er der Zar und sie eine wortlose Bedienerin war, war genau in jenen Mülleimer gestürzt.
— Komm, Mama, — sagte er heiser, ohne seine Frau anzusehen.
— Es hat keinen Zweck, mit dieser… mit ihr zu reden.
Soll sie hier allein verrotten.
Ich komme nie wieder hierher.
Keinen Fuß setze ich mehr in diese Wohnung.
— Und Gott sei Dank, — höhnte Olga.
— Die Wohnungsschlüssel legst du auf das Schränkchen.
Sonst werde ich morgen sofort die Schlösser austauschen.
Vor ohnmächtiger Wut kochend zog Andrej den Schlüsselbund der Wohnung aus der Tasche und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen die Wand.
Er prallte krachend gegen die Tapete, hinterließ eine Delle und fiel zu Boden.
— Ersticke doch an deiner Wohnung! — schrie er schon aus dem Flur.
— Du wirst allein bleiben!
Alt, böse und von niemandem gebraucht!
Du wirst zu mir angekrochen kommen, mir zu Füßen fallen, aber ich werde nicht einmal auf dich spucken!
— Komm, Andrjuscha, komm weg von hier, hier wohnt ein unreiner Geist! — bekreuzigte sich Valentina Petrowna, während sie zum Ausgang hastete und ihre Tasche mit den Setzlingen an sich drückte, als würde sie eine Ikone aus einem Brand retten.
— Gott wird sie bestrafen!
Oh, wie er sie bestrafen wird!
Die Tür schlug so heftig zu, dass im Schrank die Gläser klirrten.
Das Geräusch der zugefallenen Tür schnitt Olga von ihrem früheren Leben ab.
Stille trat ein.
Olga blieb mitten in der Küche stehen.
Um sie herum roch es nach einer Mischung aus teurem Parfüm, Bierausdünstung, rohen Zwiebeln und Skandal.
Auf dem Boden im Flur lagen ihre zertretenen Sachen: Kosmetik, Hygieneartikel, Dokumente.
Im Mülleimer starb das Abendessen.
An der Wand klaffte eine frische Delle von den Schlüsseln.
Aber sie fühlte keinen Schmerz.
Sie lief nicht ans Fenster, um ihnen hinterherzusehen.
Sie goss sich auch keine Baldriantropfen ein.
Langsam trat sie zur Eingangstür und drehte zweimal den Nachtverschluss um.
Das Klicken des Metalls klang wie ein Schuss auf dem Schießstand, direkt in die Zehn.
Dann hob sie die Schlüssel auf, die ihr Mann geworfen hatte, und wog sie in der Hand.
Das kalte Metall kühlte angenehm ihre Haut.
Olga glitt an der Wand auf den Boden hinunter, direkt neben die verstreute Kosmetik.
Sie nahm den zerdrückten Lippenstift in die Hand, drehte ihn zwischen den Fingern und begann plötzlich, ganz unerwartet für sich selbst, zu lachen.
Es war das trockene, bellende Lachen eines Menschen, der unter Trümmern hervorgekommen ist.
Die Datscha hatte sie nicht mehr.
Den Mann auch nicht.
Dafür versprachen die kommenden freien Tage absolut und herrlich still zu werden.
Sie saß auf dem Boden des zerstörten Flurs und fühlte sich zum ersten Mal seit drei Jahren zu Hause…



