— Du musst den Mantel gar nicht erst ausziehen.

Deine Sachen stehen an der Tür.

— doch ihr Ehemann wird diese Worte noch bereuen …

Hermann stand mitten im Wohnzimmer, das im Stil des skandinavischen Minimalismus eingerichtet war, und fühlte sich wie ein Feldherr vor der entscheidenden Schlacht.

Allerdings erwartete er keine Schlacht — eher eine schnelle Kapitulation des Gegners.

Er, der führende Landschaftsurbanist der Stadt, war es gewohnt, Parks und Grünanlagen mit nur einem Strich des Stylus auf dem Tablet umzugestalten.

Lebende Menschen unterschieden sich für ihn kaum von Sträuchern: Wenn ein Baum vertrocknete und das Bild störte, wurde er samt Wurzel entfernt.

Ohne jedes Gefühl.

Sinaida musste jeden Moment zurückkommen.

Sie arbeitete als Restauratorin historischer Gobelins und Stoffe im historischen Museum.

Die Arbeit war staubig, mühsam und, nach Hermanns Meinung, für die reale Welt völlig nutzlos.

Von seiner Frau roch es ständig nach irgendwelchen Chemikalien und jahrhundertealtem Moder.

Dieser Geruch hatte ihn schon vor drei Jahren zu reizen begonnen, als er Larissa traf — auffällig, raubtierhaft, nach synthetischer Erdbeere und dem Versprechen ewiger Jugend duftend.

Das Schloss klickte.

Hermann richtete den Kragen seines Kaschmirpullovers.

Er setzte sich absichtlich nicht hin, um den Raum zu beherrschen.

Sinaida kam leise herein, wie ein Schatten.

In den Händen — die gewohnte voluminöse Tasche, auf den Schultern — der graue Mantel, den sie bereits die dritte Saison trug.

Sie sah müde aus, aber ruhig.

Zu ruhig für jemanden, der gleich alles verlieren würde.

Sie begann, die Knöpfe aufzuknöpfen, ohne den Blick zu heben.

— Hallo.

Bestellen wir das Abendessen oder …

— Du musst den Mantel gar nicht erst ausziehen.

Deine Sachen stehen an der Tür.

Hermann sagte das ganz ebenmäßig, mit genau jener Intonation, mit der er Bauleiter für falsch verlegte Pflastersteine zurechtwies.

Er deutete mit der Hand auf zwei Koffer, die verlassen am Eingang standen.

Er hatte sie sogar eigenhändig gepackt und alles wahllos hineingeworfen: Unterwäsche zwischen Bücher, Schuhe zusammen mit Kosmetik.

Sinaida erstarrte.

Ihre Finger, die es gewohnt waren, mit Fäden zu arbeiten, die dünner als ein Menschenhaar waren, blieben am zweiten Knopf stehen.

— Was?

— fragte sie leise nach.

— Du hast es gehört.

Ich will keine langen Szenen, keine Tränen und keine andere Melodramatik.

Wir sind verschiedene Menschen, Sina.

Ich bin aus dieser Ehe herausgewachsen.

Ich brauche Bewegung nach vorn, und du … du ziehst mich in dein Museumsmoor hinunter.

Ich reiche die Scheidung ein.

Die Wohnung ist, wie du weißt, auf mich eingetragen.

Das Auto auch.

Deine Ersparnisse habe ich nicht angerührt, sie liegen auf deinem Konto, fürs Erste reicht es, um irgendwo eine Bruchbude zu mieten.

Er erwartete zu sehen, wie sich ihr Gesicht verzieht, wie ihre Lippen zittern und Tränen aus ihren Augen strömen.

Er hatte bereits ein Taschentuch (metaphorisch) und einen harten Satz vorbereitet: „ERNIEDRIGE DICH NICHT.“

Doch Sinaida knöpfte den Knopf langsam wieder zu.

Sie hob den Kopf.

— Also, die Sachen stehen an der Tür?

— fragte sie nach.

Ihre Stimme klang tief, leicht heiser, und Hermann lief aus irgendeinem Grund ein kalter Schauer über den Rücken.

— Und du, Gerytsch, hast du sie noch alle?

„Gerytsch.“

So hatte sie ihn noch nie genannt.

Nur „Hermann“ oder „Gera“.

Diese grobe, straßenhafte Anrede schnitt dem Urbanisten ins Ohr wie das Kratzen eines Nagels über Glas.

— Sina, fang nicht an.

Ich bitte dich, würdevoll zu gehen.

— WÜRDEVOLL?!

— brüllte sie so, dass der Designerlüster über dem Tisch scheinbar klirrte.

Sinaida schleuderte die Tasche auf den Boden.

Der schwere Lederbeutel schlug dumpf auf das Parkett.

Sie machte einen Schritt auf ihren Mann zu.

Ihr Gesicht überzog sich mit roten Flecken, doch das war nicht die Röte der Scham, sondern Kriegsbemalung.

— Du, narzisstischer Glatzkopf, hast beschlossen, mich rauszuwerfen?

Mich?!

Du würdest ohne mich nicht mal deine Socken farblich zusammenstellen können!

Du denkst, ich weiß nichts von deiner Schrubberfrau, die gerade im Auto bei Stasik sitzt?

Denkst du, ich bin blind?

Ich restauriere Stoffe aus dem sechzehnten Jahrhundert, ich sehe Risse dort, wo du glattes Gewebe siehst!

Hermann hatte Gehorsam erwartet.

Er hatte ein leises Schluchzen erwartet: „Wohin soll ich denn gehen?“

Doch auf ihn kam ein Orkan zu.

— Du hast beschlossen, dass du hier Zar und Gott bist?

— Sinaida schrie jetzt, an der Grenze zwischen Geschrei und hysterischem Lachen.

— Du, der vor fünf Jahren seinen Firmenanteil verpfändet hat, um Schulden aus fingierten Ausschreibungen zu decken?

WER HAT DICH DA RAUSGEHOLT?

WER, ICH FRAGE DICH?!

— Sina, beruhige dich, die Nachbarn werden es hören …

— stammelte Hermann und verlor seine Sicherheit.

— DIE NACHBARN SIND MIR SCHEISSEGAL!

SIE SOLLEN ES HÖREN!

— Sie trat ganz nah an ihn heran und stieß ihm den Finger gegen die Brust.

Der Nagel war kurz, unlackiert, hart wie ein Stechbeitel.

— Du denkst, du hast mich ins Moor hinabgezogen?

Du selbst sitzt bis über beide Ohren darin, nur dein teures Parfüm überdeckt den Gestank von Scheiße!

Ich habe geschwiegen.

Ich habe es ertragen.

Ich dachte: „Na gut, der Mann hat eine Midlife-Crisis, das geht vorbei.“

Und du hast beschlossen, mich wegzuwerfen wie einen alten Lappen?

— Die Wohnung gehört mir!

— kreischte Hermann und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen.

— Juristisch gehört sie mir!

— Juristisch bist du moralisch bankrott!

— schrie Sinaida.

Sie zitterte vor Wut.

— Du bist ein gieriger, kleiner, feiger Schleimbeutel!

NIMM DEINE WOHNUNG!

ERSTICK DARAN!

Aber merk dir, Hermann: Wenn du anfängst unterzugehen, werde ich dir nicht einmal einen Strohhalm reichen.

Ich werde am Ufer stehen und zusehen, wie du Blasen wirfst!

Sie drehte sich abrupt um und griff nach den Koffern.

Es war, als sei in ihr eine unmenschliche Kraft erwacht.

— Ich gehe.

Genau jetzt.

Aber nicht, weil du mich rausgeworfen hast.

Sondern weil es mich anwidert, mit dir dieselbe Luft zu atmen.

Du bist verfault, Gera.

Ganz und gar, bis ins Mark.

Sie schoss in den Hausflur hinaus und knallte die Tür laut hinter sich zu.

Das Echo des Schlags hing noch lange in der Wohnung.

Hermann stand da und presste die Hand an die Brust.

Sein Herz raste wie verrückt.

Damit hatte er nicht gerechnet.

Er war sicher gewesen, dass sie „zurückgekrochen“ kommen würde.

Dass sie betteln würde.

Diese rasende, giftige Wut hatte ihn aus dem Konzept gebracht.

— Psychopathin,

— stieß er aus und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

— Mein Gott, mit wem habe ich gelebt.

Genau zehn Minuten vergingen.

Es klingelte an der Tür.

Hermann, der erwartete, die mit Entschuldigungen zurückgekehrte Sina zu sehen (schließlich musste die Hysterie ja vorbei sein), riss die Tür mit einem vorbereitet herablassenden Lächeln auf.

Auf der Schwelle stand Larissa.

Sie war nicht allein.

Bei ihr waren drei riesige karierte Taschen, eine Tüte von „Auchan“, aus der Lauch herausragte, und ein Käfig mit einem Hamster.

— Häschen!

— piepste Larissa und fiel ihm, ohne die Schuhe auszuziehen, um den Hals.

Ihre Jacke war vom Schnee nass, ihre Stiefel hinterließen schmutzige Spuren auf dem perfekten Parkett.

— Ich habe gesehen, wie diese Schreckschraube rausging!

Mein Gott, sie hätte mich fast bemerkt, so gruselig, mit ihrem verzerrten Gesicht!

Na also, jetzt werden wir leben!

Stas hat geholfen, die Sachen hochzutragen, er steht da beim Aufzug und raucht.

Larissa stürmte in die Wohnung wie ein Barbar ins eroberte Rom.

— Oh, hier ist es ja geräumiger als auf den Fotos!

— Sie warf ihre Jacke direkt auf den Sessel (Sinaida hätte so etwas nie getan).

— Igitt, wonach stinkt es hier?

Nach Mottenkugeln?

Macht nichts, morgen lüften wir alles aus.

Stas!

Bring die Kisten rein!

In die Wohnung taumelte Stas — eben jener Freund, der Hermann zu diesem Schritt angestachelt hatte.

Er war schon leicht angetrunken.

— Na, Bruder, Glückwunsch!

Freiheit!

— brüllte er und stellte eine Kiste mit irgendetwas Klirrendem auf den Glastisch.

— Wollen wir feiern?

Larisska, schneid die Wurst auf!

Der Abend verwandelte sich in eine surrealistische Farce.

Larissa schaltete sofort irgendeinen Popsong auf ihrem Handy ein.

Sie lief in Straßenkleidung durch die Wohnung, öffnete Schränke und kommentierte Sinaidas Sachen, die Hermann noch nicht weggeräumt hatte.

— Oje, was für Oma-Unterhosen!

Schrecklich!

Hermann, wie konntest du mit ihr schlafen?

— Alles verbrennen!

— johlte Stas und lümmelte mit den Füßen auf dem Sofa.

Hermann saß in der Ecke mit einem Glas Wein und fühlte eine seltsame Leere.

Er hatte einen romantischen Abend geplant, Kerzen, leidenschaftlichen Sex auf befreitem Territorium.

Bekommen hatte er ein lärmendes Zigeunerlager.

Larissa erwies sich als viel lauter, vulgärer und dreister als bei ihren heimlichen Treffen in Hotels.

— Gerytsch, wo hast du eigentlich dein Geld?

— fragte sie plötzlich und schmatzte mit einem belegten Brot.

— Ich muss meinem Ex für das Auto was zurückgeben, er hat gesagt, er meldet es als gestohlen, wenn ich den Kredit nicht bis morgen zurückzahle.

Ist nicht viel, so hunderttausend.

— Lar, wir reden morgen darüber.

— NEIN, lass uns jetzt reden!

Du bist doch ein Mann oder was?

Du hast mich zu dir geholt, jetzt sind meine Probleme deine Probleme!

Hermann sah sie mit anderen Augen an.

In ihrem Blick stand dieselbe Gier, die er bei Bauunternehmern gesehen hatte, die beim Rasen sparen wollten.

Zur selben Zeit saß Sinaida am anderen Ende der Stadt in der Küche von Oxana, Hermanns leiblicher Schwester.

Oxana, eine große, stattliche Frau mit hartem Charakter (sie arbeitete als Krisenmanagerin), schenkte Tee ein.

— Er ist ein Idiot, Sina.

Ein klinischer Fall.

— Er hat meine Sachen rausgestellt, Ox.

Wie Müll.

— Sinaida zitterte nicht mehr.

— Ich wusste, dass etwas Faules an ihm ist, aber dass es so weit geht …

— Oxana schüttelte den Kopf.

— Hör mal, erinnert er sich überhaupt noch an die Bedingungen von Vaters Testament?

— Ich glaube, er hat sie nicht einmal gelesen.

Er ist doch ein „Schöpfer“, ihm ist es zu langweilig, Dokumente zu lesen,

— grinste Sinaida.

— Nun, dann erwartet ihn eine Überraschung.

Und wegen dieser Tussi … ich habe Nachforschungen angestellt, während du unterwegs warst.

Larissa Petrova.

Eine professionelle, aber erfolglose Unterhaltsliebhaberin.

Drei Banken schicken bereits Inkassobüros hinter ihr her.

Hermann ist nicht nur in eine Affäre geraten, sondern in ein Schuldenloch.

Eine Woche verging.

Hermanns Leben verwandelte sich in die Hölle.

Die Wohnung, einst ein Musterbeispiel für Stil, versank im Dreck.

Larissa putzte nicht, sie „schuf Gemütlichkeit“, indem sie Kosmetik, Kleidung und Essensreste überall verstreute.

Der Hamster nagte an den Kabeln des Heimkinosystems.

Jeder Morgen begann mit Geldforderungen.

— Ich brauche Geld für die Maniküre.

— Ich brauche Geld für ein Kleid.

— Bezahle mein Auto.

Stas, der Freund, wohnte praktisch schon bei ihnen.

Er kam, um „einen Freund zu unterstützen“, in Wirklichkeit fraß er Hermanns Lebensmittel auf und flirtete mit Larissa, sobald Hermann wegsah.

Aber das Schlimmste begann bei der Arbeit.

Hermann kam in das Büro seines Ateliers und erwartete die Genehmigung eines großen Stadtparkprojekts.

Das waren genau jene „Sternenpläne“, für die er sein Leben freigeräumt hatte.

Im Büro saß der Generaldirektor.

— Hermann, setz dich.

Wir haben ein Problem.

— Mit dem Projekt?

— Mit dir.

Der Auftraggeber weigert sich, mit dir zu arbeiten.

— Was?

Warum?

Ich bin der Beste!

— Der Auftraggeber ist die Stiftung „Erbe“.

Sie haben von deiner … skandalösen Scheidung erfahren.

Es stellt sich heraus, dass deine nun fast Ex-Frau, Sinaida, den Leiter der Stiftung bei der Restaurierung eines Familiensitzes beraten hat.

Sie steht dort in sehr hohem Ansehen.

Ein Mensch mit makellosem Ruf.

Und du …

Der Direktor verzog das Gesicht.

— Kurz gesagt, sie sind der Meinung, dass jemand, der so mit seiner Familie umgeht, keine Harmonie im städtischen Raum schaffen kann.

Das sind Reputationsrisiken.

Wir nehmen dich von dem Projekt.

Und ehrlich gesagt, Hermann, wir werden uns von dir trennen müssen.

— Sie haben dazu kein Recht!

Das ist mein Privatleben!

— Das ist Geschäft.

Deine neue Flamme hat gestern in den sozialen Netzwerken ein Video gepostet, in dem sie betrunken auf deinem Tisch tanzt und prahlt, dass sie „einen Idioten um die Wohnung gebracht“ hat.

Das haben alle gesehen.

Du bist ein Narr, Hermann.

Hermann verließ das Büro taumelnd.

Man hatte ihn entlassen.

Die „Sternenpläne“ waren wie ein Kartenhaus zusammengefallen.

Er setzte sich ins Auto und fuhr nach Hause.

Er wollte Larissa rauswerfen, die Ruhe zurückholen, Sina zurückholen …

Nein, Sina würde nicht zurückkommen.

Er erinnerte sich an ihre Augen.

Zu Hause wartete der nächste Schlag auf ihn.

Das Schloss ließ sich nicht öffnen.

Jemand hatte den Zylinder gewechselt.

Er begann gegen die Tür zu hämmern.

— Larissa!

Mach auf!

Was soll dieser Witz?!

Die Tür öffnete sich.

Auf der Schwelle stand Stas.

In Hermanns Bademantel.

— Oh, Bruder.

Warum so früh?

Wir sind hier … beschäftigt.

— Was machst du da?

Das ist meine Wohnung!

Raus hier, ihr beide!

Aus der Tiefe des Flurs trat Larissa hervor.

— Schrei nicht, Hermann.

Du bist jetzt niemand mehr.

Du hast keinen Job mehr, ich habe mich erkundigt.

Und Stasik hat mir mit den Schulden geholfen.

Also bist du hier vorerst nicht der Herr im Haus.

— Ich rufe die Polizei!

Das ist mein Eigentum!

— Bist du dir da sicher?

— erklang eine kalte Stimme vom Treppenabsatz.

Hermann drehte sich um.

Dort standen Oxana, seine Schwester, und Sinaida.

— Oxjuschka?

Hast du gehört, was die sagen?

Hilf mir, sie rauszuwerfen!

— Hermann stürzte auf seine Schwester zu.

Oxana wich mit Ekel zurück.

— Du hast vergessen, Hermann, unter welchen Bedingungen Vater uns diese Wohnung hinterlassen hat?

— Was hat Vater damit zu tun?

Wir sind je zur Hälfte Erben!

— Nein.

Im Testament gab es eine Bedingung, einen sogenannten „Tugendvorbehalt“.

Vater kannte deinen Charakter.

Die Wohnung gehörte dir nur als Nutzungsrecht, solange du in einer gesetzlichen Ehe lebst und … wie stand das dort? … „eine würdige Lebensweise führst“.

Im Fall einer Scheidung auf deine Initiative oder bei unmoralischem Verhalten gehen die Eigentumsrechte vollständig auf mich über.

Hermann wurde kreidebleich.

— Das ist Unsinn … ich werde Einspruch einlegen …

— Du hast die Dokumente vor zehn Jahren nicht gelesen, als du den Erbantritt unterschrieben hast.

Aber Sina hat gelesen.

Und ich habe gelesen.

Oxana öffnete die Mappe.

— Hier ist die Mitteilung.

Du hast das Nutzungsrecht für die Wohnräume verloren.

Und diese beiden …

— sie nickte zu der fassungslosen Larissa und Stas hinüber, die im Türrahmen still geworden waren,

— wer sind die überhaupt?

— Aber Sina …

— Hermann sah seine Frau an.

— Wir sind doch Familie … Sina, sag es ihnen.

Sinaida sah ihn ohne Mitleid an.

— Familie waren wir einmal, Hermann.

Du hast sie zusammen mit meinem Mantel vor die Tür gesetzt.

Und jetzt,

— sie lächelte,

— musst du den Mantel gar nicht erst ausziehen.

Deine Sachen … obwohl nein, deine Sachen sind da schon nicht mehr.

Larissa hat deine Anzüge wahrscheinlich schon auf Kleinanzeigen verkauft.

Larissa drückte sich an den Türrahmen.

— Ich … ich habe nur die alten Uhren genommen …

Oxana schnippte mit den Fingern.

— Ihr habt zehn Minuten, um die Wohnung zu räumen.

Epilog.

Hermann saß auf einer Bank in genau jenem Park, dessen Projekt man ihm weggenommen hatte.

Nasser Schnee fiel.

In seiner Tasche vibrierte das Telefon — die Bank schickte Benachrichtigungen über Schulden: Larissa hatte es geschafft, seine Karte mit ihrem Taxi- und Essenslieferkonto zu verknüpfen, während er schlief.

Stas verschwand sofort, als es brenzlig wurde.

Larissa verflüchtigte sich noch schneller und nahm zum Abschied auch noch seinen Laptop mit.

Er blieb allein zurück.

Ohne Wohnung, ohne Arbeit, ohne Frau.

Er hatte gedacht, Sinaida sei bloß ein bequemer Hintergrund.

Es stellte sich heraus, dass sie die tragende Wand war.

Er hatte sie entfernt, und das Dach war ihm direkt auf den Kopf gestürzt.

Am bittersten war nicht, dass er alles verloren hatte.

Sondern dass, als er versuchte, Sina von einer fremden Nummer aus anzurufen, um … vielleicht einfach nur zu reden, eine männliche Stimme abhob.

— Restaurierungswerkstatt von Sinaida.

Was kann ich für Sie tun?

— Kann ich Sina sprechen?

— Sinaida Wiktorowna ist beschäftigt.

Sie ist gerade mit einer Delegation in Italien und restauriert Fresken.

Wer fragt nach ihr?

Hermann legte auf.

Er sah auf den schmutzigen Matsch zu seinen Füßen.

Das Moor, mit dem er Sina Angst gemacht hatte, war hier.

Und er saß darin bis zum Hals.

Hermann lächelte bitter: Seine „Sternenpläne“ hatten sich tatsächlich erfüllt.

Jetzt war über ihm nur noch der Himmel.

Und keinerlei Decken mehr.