— Du, Schwesterchen, hast mir die Wohnung weggenommen, und jetzt bittest du um Hilfe?! Löse deine Probleme selbst!

Das Klingeln an der Tür ertönte irgendwie unsicher — weder kurz und sachlich, wie Fremde gewöhnlich klingeln, noch vertraut, wie es Nahestehende tun.

Genau diese Unsicherheit brachte Lida dazu, einen Moment im Flur stehen zu bleiben, bevor sie öffnete.

Sie schaute durch den Türspion und zuckte zurück — dort, auf dem Treppenabsatz, von einem Fuß auf den anderen tretend, stand Larissa.

Lida hatte sie fast drei Jahre lang nicht gesehen.

Seit jenem Tag, an dem sie das letzte Mal miteinander gesprochen hatten — genauer gesagt, miteinander geschrien hatten — am Telefon, und Larissa aufgelegt hatte und dann einen Tag, zwei Tage, eine Woche lang nicht mehr ans Telefon gegangen war.

Und dann hörte auch Lida auf anzurufen.

Es hatte keinen Sinn.

Trotzdem öffnete sie die Tür.

Larissa sah schlecht aus.

Nicht so, wie Menschen aussehen, die einfach nur müde sind oder nicht genug geschlafen haben — sondern so, wie diejenigen aussehen, die lange untergegangen sind und nun endlich fast das Ufer erreicht haben, aber noch immer nicht verstehen, ob sie gerettet werden.

Unter den Augen dunkle Ringe, die Wangen blass, die Jacke zerknittert, als hätte sie darin geschlafen.

In den Händen hielt sie eine Tüte mit irgendwelchen Papieren, die sie so fest umklammerte, als hätte sie Angst, sie könnte davonfliegen.

— Lid, — sagte sie.

Auch ihre Stimme war anders — leise, ohne jene gewohnte Sicherheit, mit der Larissa sonst über alles auf der Welt sprechen konnte.

— Kann ich reinkommen?

Lida schwieg einen Moment.

Dann trat sie zur Seite.

— Komm rein.

Sie gingen in die Küche — klein, eng, mit einem Fenster, das direkt auf die Ziegelwand des Nachbarhauses hinausging.

Lida setzte den Wasserkocher auf — nicht weil sie Tee wollte, sondern weil sie irgendetwas mit den Händen tun musste.

Die Kinder waren bei der Schwiegermutter, der Mann auf der Arbeit.

In der Wohnung herrschte eine solche Stille, dass man hören konnte, wie der Wasserhahn tropfte.

Larissa ließ sich auf einen Stuhl sinken und legte die Tüte auf die Knie.

Sie sah auf die Tischdecke.

— Ich stecke in Schwierigkeiten, — sagte sie schließlich.

— Das sehe ich, — antwortete Lida.

Sie stand am Herd, mit dem Rücken daran gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt.

— Ich wusste nicht, zu wem ich gehen soll.

Es gibt sonst niemanden mehr.

— Das sehe ich auch.

Sonst wärst du nicht gekommen.

In diesen Worten lag keine Bosheit — nur die Feststellung einer Tatsache.

Larissa hob die Augen und sah ihre Schwester an.

Etwas in ihrem Blick zitterte.

— Lid, ich verstehe, dass wir… dass zwischen uns… Ich verstehe.

Aber hör mir bitte zu.

Lida nickte.

Der Wasserkocher kochte.

Sie goss das kochende Wasser in zwei Tassen, stellte eine vor ihre Schwester und nahm die andere für sich.

Sie setzte sich nicht — sie blieb am Fensterbrett stehen.

— Sprich.

Und Larissa begann zu sprechen.

Die Geschichte war lang und verworren — Larissa verlor ständig den Faden, kehrte wieder zurück, präzisierte Einzelheiten, die in Wahrheit nichts änderten.

Lida hörte schweigend zu, ohne zu unterbrechen.

Die Wohnung der Großmutter, groß, in einem Altbau, mit hohen Decken und breiten Fensterbänken, auf denen sie beide so viele Sommerferien ihrer Kindheit verbracht hatten — war Larissa durch eine Schenkung überschrieben worden.

Das wusste Lida.

Das hatte sie vor drei Jahren erfahren, als die Großmutter schon nicht mehr lebte und der Notar die Dokumente verlas.

Damals war ihr der Boden unter den Füßen weggezogen worden.

Sie hatte die ganze Zeit gedacht, dass die Wohnung ihnen beiden zufallen würde — als Erbe, zu gleichen Teilen.

Sie und ihr Mann lebten mit den Kindern in einer gemieteten Einzimmerwohnung, die für vier Menschen viel zu klein war, und Lida hatte still, geduldig gewartet.

Sie sprach darüber nicht laut — es schien ihr unangemessen, über fremdes Eigentum, das der Großmutter gehörte, noch zu deren Lebzeiten zu rechnen.

Doch tief in ihrem Inneren wusste sie: Die Wohnung der Großmutter war groß, man könnte sie tauschen oder verkaufen, und dann hätte sie endlich eine eigene Wohnung.

Keine gemietete.

Eine eigene.

Dazu kam es nicht.

Nach der Beerdigung rief sie Larissa an.

— Wie ist das passiert? — fragte sie damals, noch ohne Zorn, einfach nur um zu verstehen.

— Wann wurde das geregelt?

— Oma wollte es selbst so, — antwortete Larissa.

— Ich habe mich um sie gekümmert, Lid.

Du weißt doch — sie war krank, sie brauchte Hilfe.

Ich war bei ihr.

Damals schwieg Lida lange.

Denn das war eine Lüge, und sie wussten es beide.

Sie war bei ihr.

Sie war quer durch die ganze Stadt zur Großmutter gefahren, mit oder ohne Kinder, mit Lebensmitteln und Medikamenten, hatte mit ihr in Krankenhäusern gesessen, dort übernachtet, wenn es ganz schlimm wurde.

Larissa tauchte selten auf — alle paar Monate einmal, mit einer Schachtel Pralinen, für eine Stunde oder anderthalb, und verschwand dann wieder.

Und als es der Großmutter im letzten Jahr ganz schlecht ging — da hörte sie ganz auf zu kommen.

„Arbeit, Lid, du verstehst doch, ich habe überhaupt keine Zeit.“

Genau damals, in diesem letzten Jahr, bevor Larissa aufhörte zu kommen, wurde die Schenkung geregelt.

— Du hast dich um sie gekümmert? — wiederholte Lida damals am Telefon.

Ihre Stimme zitterte.

— Lara, du warst über ein Jahr lang nicht bei ihr.

Du weißt das selbst.

— Du weißt nicht, wie es wirklich war.

— Ich weiß genau das, was ich sehe.

— Oma hat die Entscheidung selbst getroffen.

Es war ihr Recht.

— Sie war krank.

In den letzten Monaten hat sie schlecht verstanden, was um sie herum geschah.

— Lida spürte, wie ihre Stimme zu brechen begann, und schluckte.

— Und du hast das ausgenutzt.

— Wage es nicht, so zu sprechen!

— Und wie soll ich sprechen, Lara?

Wie?

Ich laufe durch eine Mietwohnung, in der wir uns gegenseitig auf dem Kopf sitzen, weil es keinen Platz mehr gibt, ich habe drei Jahre gewartet, ich war bei ihr — nicht du, ich — und du machst einfach so…

— Schluss, Lid.

Ich werde mich nicht rechtfertigen.

— Das brauchst du auch nicht.

Du hast schon alles bekommen, was du wolltest.

Damals legte Larissa auf.

Und schwieg drei Jahre lang.

Jetzt saß sie in derselben Küche in derselben Mietwohnung und erzählte, was sie mit der Wohnung der Großmutter gemacht hatte.

Sie hatte einen Kredit aufgenommen — einen großen, für die Renovierung.

Die Wohnung war alt und brauchte Investitionen, das stimmte.

Sie nahm den Kredit auf die Wohnung auf.

Sie fand Bauarbeiter — suchte lange nach billigeren, suchte wirklich lange, fand schließlich welche und zahlte die Hälfte der Summe im Voraus.

Die Bauarbeiter nahmen das Geld und verschwanden.

— Wie, verschwanden? — fragte Lida.

— Einfach so.

Das Telefon ist nicht erreichbar, unter der Adresse ist niemand.

Ich bin zur Polizei gegangen, habe Anzeige erstattet, aber sie sagen nur — wir suchen, warten Sie.

Ich bin mehrere Monate lang jede Woche dorthin gegangen, habe Druck gemacht…

— Larissa schwieg kurz.

— Während ich das alles zu regeln versuchte, ist in der Wohnung ein Rohr geplatzt.

Deshalb wollte ich ja renovieren lassen, die Rohre waren alt, dort war alles alt!

Ich habe es nicht rechtzeitig geschafft — die Bauarbeiter sollten sie austauschen, aber sie…

— Und was war mit dem Rohr?

— Die Nachbarn unter mir wurden überflutet.

Heftig.

Jetzt verlangen sie, dass ich ihnen die Renovierung bezahle.

Die Summe ist groß, Lid.

Sehr groß.

— Und du?

— Und ich kann nicht.

Ich habe kein Geld — ich habe alles in diese Renovierung gesteckt, und der Kredit läuft, und die Bauarbeiter sind verschwunden…

— Larissa zog einige Papiere aus der Tüte und legte sie auf den Tisch.

— Außerdem haben sie mich aus der Arbeit entlassen.

— Wofür?

— Wegen Fehlzeiten.

Ich bin doch ständig unterwegs gewesen — zur Polizei, zu Anwälten, zu den Nachbarn…

Mein Chef hat mich gewarnt, aber ich… ich habe es nicht geschafft.

Jedenfalls haben sie mich entlassen.

Lida sah die Papiere an, ohne sie zu berühren.

— Und jetzt?

— Die Bank verlangt die Kreditraten.

Ich zahle schon seit mehreren Monaten nicht.

Sie haben eine Mitteilung geschickt, — Larissa tippte mit dem Finger auf eines der Blätter, — dass sie, wenn ich die Schulden nicht innerhalb eines Monats begleiche, die Sicherheit verwerten werden.

Also die Wohnung.

In der Küche wurde es vollkommen still.

Nur der Wasserhahn tropfte weiter.

— Und du bist zu mir gekommen, — sagte Lida.

Sie fragte nicht — sie sagte es einfach, wie es war.

— Du bist doch meine Schwester.

— Ja.

Schwester.

— Lida stellte ihre Tasse auf das Fensterbrett.

— Vor drei Jahren war ich auch deine Schwester.

Als ich dich angerufen habe.

— Lid…

— Unterbrich mich nicht.

— Lidas Stimme war ruhig, beinahe gelassen — mit jener furchtbaren Ruhe, die entsteht, wenn im Inneren schon alles verbrannt ist und keine Kraft mehr zum Schreien bleibt.

— Ich möchte, dass du etwas verstehst.

Nicht, um dir weh zu tun.

Einfach damit du es verstehst.

Larissa schwieg.

— Ich habe drei Jahre lang mit dem gelebt, was du getan hast.

Drei Jahre.

Serjoscha und ich mieten diese Wohnung bis heute.

Jeden Monat gebe ich den Vermietern Geld — für etwas Fremdes.

Und jedes Mal denke ich: Wenn du nicht gewesen wärst, hätten wir unser Eigenes.

Nichts Luxuriöses — unser Eigenes.

Einen Ort, an dem die Kinder sagen könnten: „Das ist mein Zuhause.“

— Sie schluckte.

— Weißt du, dass Oma mich in den letzten Monaten nicht immer erkannt hat?

Manchmal hat sie mich Mama genannt.

Ich saß neben ihr, hielt ihre Hand und dachte: Sie versteht überhaupt nicht mehr, was um sie herum geschieht.

Und du hast das ausgenutzt.

— Ich habe nicht…

— Lara, — Lida hob die Hand.

— Nicht.

Wir haben das alles schon vor drei Jahren gesagt.

Ich habe dir damals zugehört.

Und du weißt, dass ich recht habe.

Du weißt es selbst.

Deshalb hast du drei Jahre geschwiegen — nicht weil du beleidigt warst, sondern weil du nichts zu sagen hattest.

Larissa senkte den Kopf.

Ihre Finger umklammerten die Tüte noch fester.

— Ich bitte um Hilfe, — sagte sie leise.

— Ich bitte dich.

Wenn du mir etwas leihen könntest — wenigstens irgendetwas, damit ich wenigstens einen Teil der Schuld begleiche, damit die Bank die Wohnung nicht nimmt…

— Ich habe kein Geld.

— Lid, aber…

— Nein.

— Lida schüttelte den Kopf.

— Kein Geld.

Gar keins.

Wir leben von Gehalt zu Gehalt, ich sage dir die Wahrheit.

Jeden Monat — null auf null.

Manchmal — im Minus.

Wir haben keine Ersparnisse, kein Polster, gar nichts.

Weil wir eine Wohnung mieten.

Weil das Geld für die Miete draufgeht.

Verstehst du?

Larissa verstand.

Das war in ihrem Gesicht zu sehen.

— Aber selbst wenn ich das Geld hätte, — fuhr Lida fort, und ihre Stimme zitterte leicht, — würde ich es dir nicht geben.

Verzeih.

— Du hast mir nicht vergeben.

— Es geht nicht ums Vergeben.

— Lida fuhr sich müde mit der Hand über das Gesicht.

— Vielleicht habe ich dir vergeben.

Ich weiß es nicht, ehrlich.

Aber das heißt nicht, dass ich dich retten muss.

Du hast den Kredit aufgenommen — selbst.

Du hast die Bauarbeiter ausgesucht — selbst.

Du hast die Arbeit geschwänzt — selbst.

Das alles sind deine Entscheidungen, Lara.

Deine.

Und die Folgen — auch deine.

Die Stille in der Wohnung wirkte beinahe ohrenbetäubend.

— Du, Schwesterchen, hast mir die Wohnung weggenommen, und jetzt bittest du um Hilfe?! — Lida lachte plötzlich beinahe auf — bitter, ohne jede Freude.

— Dabei warst du es, die mich zurückgelassen hat.

Du.

Nicht ich dich — du mich.

Und jetzt kommst du, weil du nirgendwo sonst hingehen kannst.

Das ist nicht fair, Lara.

Mir gegenüber ist das nicht fair.

Löse deine Probleme selbst.

Langes Schweigen.

Larissa sah ihre Schwester an.

In ihren Augen standen Tränen — echte, keine gespielten, Lida konnte sie unterscheiden.

Und sie selbst fühlte auch nichts wie Wut, nein.

Etwas anderes.

Vielleicht Schmerz.

Erschöpfung.

Mitleid, das sie sich nicht erlauben konnte.

— Ich kann nirgendwohin, — sagte Larissa.

— Ich weiß.

— Was soll ich tun?

— Ich weiß es nicht.

— Lida trat an den Tisch, sammelte Larissas Papiere ein, richtete sorgfältig die Kanten aus und reichte sie ihr.

— Geh zum Sozialamt.

Geh zu einem Anwalt — es gibt kostenlose Beratungen.

Sprich mit der Bank — manchmal kommen sie einem entgegen, wenn man die Situation erklärt.

Such dir Arbeit.

Ich weiß es nicht, Lara.

Aber ich kann dir nicht helfen.

Ich kann nicht und ich werde nicht.

Larissa nahm die Papiere.

Sie stand auf.

Die Tüte hielt sie mit beiden Händen vor sich — wie einen Schild oder wie eine Fahne der Kapitulation, das war nicht zu erkennen.

— Du hast mich nie geliebt, — sagte sie.

Lida sah sie lange an.

— Das ist nicht wahr, — antwortete sie schließlich.

— Und du weißt das.

Sie standen einander in dieser engen Küche gegenüber — zwei erwachsene Frauen, die einst im selben Hof herumgelaufen waren, in Sommernächten dasselbe Bett der Großmutter geteilt hatten, unter der Decke über Jungen und Träume geflüstert hatten.

Zwischen ihnen war etwas, das keinen genauen Namen hatte — nicht einfach Kränkung und nicht einfach Liebe, sondern etwas Komplexes und Lebendiges, das selbst dann nicht stirbt, wenn man sich wünscht, dass es sterben möge.

— Geh, Lara, — sagte Lida leise.

— Bitte.

Und Larissa ging.

Lida stand noch lange am Fenster, nachdem die Eingangstür ins Schloss gefallen war.

Sie sah auf die Ziegelwand gegenüber.

Der Wasserhahn tropfte weiter.

Man hätte längst einen Klempner rufen müssen — sie hatte es schon lange vorgehabt, aber nie die Hände dafür frei gehabt.

Sie dachte an die Wohnung der Großmutter.

An die hohen Decken und die breiten Fensterbänke, auf denen man in der Kindheit mit angezogenen Beinen sitzen und stundenlang auf die Straße schauen konnte.

Daran, wie die Großmutter sonntags Kuchen backte und der Duft durchs ganze Treppenhaus zog.

Daran, wie sie und Larissa einmal die Lieblingsvase der Großmutter zerbrochen hatten und dann vor ihr standen und sich gegenseitig überboten im Gestehen — jede nahm die Schuld auf sich, damit die andere nicht bestraft würde.

Wann war das gewesen?

Sie waren vielleicht sieben und neun Jahre alt.

Sie dachte daran, was jetzt mit Larissa geschah — und das tat weh, wirklich weh, denn wie man es auch drehte und wendete, sie war ihre Schwester.

Eigenes Blut.

Und sich vorzustellen, wie sie ohne Dach über dem Kopf blieb, war schwer.

Aber noch schwerer war etwas anderes.

Lida erinnerte sich an jenen Abend nach der Beerdigung der Großmutter, als sie genauso am Fenster saß und zu begreifen versuchte, was geschehen war.

Dass es die Wohnung nicht mehr gab.

Die Wohnung, auf die sie all die Jahre gewartet hatten — still, ohne es jemandem zu sagen, ja sogar beschämt darüber, überhaupt daran zu denken — und vergeblich gewartet hatten.

Dass ihre Kinder in fremden Wänden aufwachsen würden.

Dass Larissa all das wusste — und es trotzdem getan hatte.

War das Verrat?

Ja.

War es möglich zu vergeben?

Wahrscheinlich.

Aber Vergebung ist nicht dasselbe wie Rettung.

Vergebung bedeutet, den Groll loszulassen und dem anderen nicht mehr Schlechtes zu wünschen.

Das hatte Lida, so schien es, bereits getan — oder fast getan.

Aber das bedeutete nicht, dass sie verpflichtet war, ihr wieder und wieder die Schulter hinzuhalten.

Dass sie das Letzte dem geben musste, der ihr einst das genommen hatte, was sie so dringend brauchte.

Manche Konsequenzen müssen eintreten.

Nicht aus Grausamkeit — einfach weil sich sonst nichts ändert.

Einige Wochen später erfuhr Lida zufällig — über eine gemeinsame Bekannte — dass die Bank die Wohnung tatsächlich genommen hatte.

Larissa war ausgezogen.

Wohin — das wusste niemand genau.

Lida hörte diese Nachricht und saß lange unbeweglich am Küchentisch.

Sie empfand keine Freude.

Es ging ihr auch nicht schlecht — jedenfalls nicht in dem Sinn, wie einem schlecht ist, wenn man Schuld empfindet.

Es war einfach etwas Dumpfes und Schweres, das sich irgendwo in ihrem Inneren bewegte.

Die Wohnung der Großmutter gab es nicht mehr.

Jene Wohnung, in der es nach Kuchen roch, in der man auf der Fensterbank sitzen und auf die Straße schauen konnte — diese Wohnung existierte nicht mehr als Familienort.

Sie war nur noch ein Objekt geworden — ein Pfand, ein Gegenstand von Versteigerungen, eine Zeile in Bankdokumenten.

Und das war vielleicht das Traurigste.

Nicht, dass Larissa sie verloren hatte.

Sondern dass sie nie begriffen hatte, was sie eigentlich in den Händen hielt.

Lida stand auf, ging zum Wasserhahn und drehte ihn fest zu.

Das Tropfen hörte auf.

Morgen musste sie den Klempner anrufen.

Und danach die Kinder bei der Schwiegermutter abholen.