Ich erwischte meinen Mann mit der Nachbarin.

Ich fing nicht an zu schreien, sondern ersetzte einfach seine Blutdrucktabletten durch ein starkes Abführmittel.

— Du hast schon wieder die falsche Wurst gekauft, Galja!

Da ist mehr Fett drin als an meinen Seiten, und ich muss doch meine Gefäße schonen!

Igor stand mitten in der Küche, nur in Unterhosen, und presste theatralisch die Hand auf die linke Brustseite.

Sein Gesicht zeigte jenes Maß an Leid, das sonst nur Schauspieler eines abgebrannten Provinztheaters im Finale einer Tragödie darstellen.

Galina stellte die schweren Einkaufstaschen langsam auf den Boden und spürte, wie die Trageriemen bereits tiefe Druckstellen auf ihren Schultern hinterlassen hatten.

Im Flur, direkt vor dem Spiegel, lag ein fremder Gegenstand — ein grellrosa Haargummi mit einer lächerlichen Plastikblume.

Galina ließ den Blick von dem Fundstück zu ihrem Mann wandern, und das Puzzle in ihrem Kopf, das sie sich seit einem halben Jahr nicht zusammenzusetzen getraut hatte, fügte sich augenblicklich zusammen.

— Räum das weg, — sagte sie leise und nickte zum Boden.

Igor folgte ihrem Blick, zog aber nicht einmal eine Augenbraue hoch und setzte sein Spiel vom sterbenden Schwan unbeirrt fort.

— Was soll ich wegräumen?

Ach, das … Das ist bestimmt dir aus der Tasche gefallen oder der Wind hat es durchs Fenster hereingeweht!

Galja, lenk nicht vom Thema ab, mein Blutdruck spielt verrückt, und du gehst mir mit deinem Unsinn auf die Nerven.

— Ich trage einen Kurzhaarschnitt, Igor, und das Fenster ist geschlossen, — sagte Galina ruhig, obwohl sich in ihr eine kalte, schwere Welle erhob.

— Du versuchst nicht einmal, glaubwürdig zu lügen.

— Sieh mich doch an, ich glühe am ganzen Körper! — bellte er und ließ sich schwer auf den Hocker fallen, wobei er das Beweisstück völlig ignorierte.

— Du treibst mich mit deiner Gleichgültigkeit noch ins Grab.

Erst diese fettige Wurst, jetzt irgendwelche Haargummis … Tust du das absichtlich?

Damit ich schneller den Löffel abgebe und dir die Wohnung zufällt?

Galina sah ihren Mann an und erkannte in ihm nicht mehr den Lebensgefährten, mit dem sie zehn Jahre verbracht hatte, sondern ein launisches, egoistisches Kind.

In der Luft hing eine kaum wahrnehmbare, aber deutliche Spur fremden billigen Parfüms — eine süßliche Mischung aus Vanille und etwas Säuerlichem.

Er hatte keine Angst, entlarvt zu werden — er war aufrichtig beleidigt, dass seine „Krankheiten“ ihn daran hinderten, die Aufmerksamkeit einer anderen Frau zu genießen.

— Mein Puls rast … Ganz klar, eine Krise, — begann Igor demonstrativ in den Taschen des Bademantels zu kramen, der über dem Stuhl hing.

— Galja, steh nicht herum wie eine Salzsäule!

Bring mir meine Blutdrucktabletten!

Die importierten, in der blauen Packung, und Wasser, schnell!

Galina ging schweigend in den Flur hinaus und stieg über das rosa Haargummi.

Sie hatte weder Lust zu weinen noch Geschirr zu zerschlagen, in ihr hatte sich eine seltsame Leere gebildet, als hätte man alle Möbel aus einem Zimmer getragen und die Vorhänge abgenommen.

Sie ging ins Bad und öffnete den Spiegelschrank, in dem perfekte Ordnung herrschte.

Auf dem Regal standen Dosen und Schachteln — Igor war in Fragen seiner kostbaren Gesundheit ein Pedant.

Da waren sie, seine „Retter“ gegen den Blutdruck, und daneben stand eine andere Packung, die im Design sehr ähnlich war.

Ein starkes, kompromissloses Mittel zur Darmreinigung, das Galina für Tante Klawa vor einem Eingriff gekauft hatte, aber nie mehr dazu gekommen war, es ihr zu geben.

Sie nahm beide Packungen, drehte sie in den Händen und verglich die Blister.

Aus der Küche war zu hören:

— So eine Hartherzigkeit!

Ich kriege hier kaum Luft, und sie kramt da seelenruhig herum!

Galja!

Wenn ich jetzt sterbe, schreibe ich ins Testament, dass du mich dazu gebracht hast!

Der Tropfen brachte das Fass nicht nur zum Überlaufen — es zerschellte in tausend Stücke auf den Badezimmerfliesen.

Galina schüttete die teuren Blutdrucktabletten entschlossen in die Toilette und drückte die Spülung.

Das Wasser riss die kleinen weißen Tabletten mit lautem Rauschen fort, und diese Handlung verschaffte ihr unerwartete Erleichterung.

Dann drückte sie sorgfältig, bemüht, die Folie nicht zu zerknittern, den Inhalt der zweiten Packung in das leere Röhrchen.

Die Tabletten sahen fast identisch aus — ebenso klein, weiß, mit einer Bruchrille in der Mitte.

Nur ihre Wirkung setzte nicht sofort ein, sondern nach etwa vierzig Minuten, dafür aber mit der unaufhaltsamen Kraft einer Naturgewalt.

Der Apotheker hatte sie im Flüsterton gewarnt:

„Die Reinigung wird vollständig und stürmisch sein, bleiben Sie besser nicht weit von Ihrem Porzellanfreund entfernt.“

— Ich komme, mein Lieber, — klang Galinas Stimme ruhig, ohne die geringste Spur von Zittern.

Sie kehrte in die Küche zurück, wo Igor dasaß, den Kopf in den Händen, und mit seinem ganzen Auftreten ein Leiden biblischen Ausmaßes zur Schau stellte.

— Endlich! — Er riss ihr das Glas und das Röhrchen aus der Hand.

— Ich nehme gleich zwei, ich merke schon, mit einer komme ich heute nicht weit, so wie du mich mit deinen Verdächtigungen aufgeregt hast.

Er warf sich zwei Tabletten in den Mund, trank gierig Wasser hinterher und stellte das Glas mit einem Knall auf den Tisch.

— Du wirst schon sehen, — sagte er belehrend, nachdem er wieder zu Atem gekommen war, — gleich wird es mir besser gehen, und dann reden wir über dein Benehmen.

Du bist unerträglich geworden, Galja, überall bildest du dir Seitensprünge ein, und vielleicht habe ich mich einfach nur mit einem Menschen unterhalten!

Swetlana ist übrigens eine sehr herzliche Frau, sie versteht wenigstens, was Bluthochdruck bedeutet!

Galina setzte sich ihm gegenüber und sah ihn mit jener Ruhe an, die Menschen eigen ist, die eine endgültige Entscheidung getroffen haben.

— Ja, Igor, du hast recht, dir wird gleich besser gehen.

Viel besser, als du dir vorstellen kannst.

— Siehst du! — Er hob den Finger.

— Endlich gibst du es zu!

Und jetzt mach mir Tee und ein Butterbrot mit Butter, aber ohne diese Wurst.

Galina stand auf und schaltete den Wasserkocher ein, sie bewegte sich präzise und mechanisch.

Sie hatte ungefähr vierzig Minuten, um das Nötigste zu packen und für immer aus dieser Wohnung zu verschwinden.

Sie schenkte ihm Tee ein, stellte ihm einen Teller mit dem Butterbrot hin und ging leise hinaus.

Während er kaute und sich in seinem kleinen Sieg sonnte, holte sie im Schlafzimmer den Koffer hervor.

Die Sachen flogen schnell hinein: Dokumente, Laptop, Ladegeräte, das kleine Lieblingskästchen mit Schmuck — ein Geschenk ihrer Eltern.

Aus der Küche drang Igors gedämpfte Stimme, er telefonierte mit jemandem, ganz offensichtlich mit jener „herzlichen Frau“.

— Hallo, Swetulja?

Stell dir vor, sie hat mir eine Szene gemacht … Ja, ja, sie ist auf jeden Laternenpfahl eifersüchtig, aber ich habe sie schnell wieder an ihren Platz gesetzt.

Blutdruck?

Ja, ich habe die Tabletten genommen, gleich wird es besser, warte heute Abend auf mich.

Galina zog den Reißverschluss des Koffers genau nach fünfunddreißig Minuten zu.

Sie trat in den Flur, zog ihre Schuhe an und warf sich den Mantel um.

Igor erschien in der Küchentür, sah überrascht aus, war aber immer noch unverschämt selbstgefällig.

— Wohin willst du denn jetzt noch?

In den Laden, um anständiges Essen zu holen?

Plötzlich veränderte sich sein Gesicht:

Die Augen weiteten sich, die Brauen zogen sich hoch, und der Mund öffnete sich sprachlos vor Erstaunen.

Er erstarrte und lauschte in sich hinein, wo bereits der wahre Sturm begann.

In seinem Bauch begann es laut und rollend zu gurgeln, wie der erste Frühlingsdonner.

Das war nicht bloß ein Geräusch von Hunger — das war das Heulen einer Sirene, die vor einer unausweichlichen und baldigen Katastrophe warnte.

— Oh … — sagte Igor leise und griff sich an den Bauch.

— Irgendetwas … ist … nicht in Ordnung.

Die Selbstgefälligkeit glitt von seinem Gesicht wie billiger Putz nach einem Regen, und zurück blieb nur tierische, ursprüngliche Angst.

— Galja … — flüsterte er und presste die Beine zusammen, während er von einem Fuß auf den anderen trat.

— Mir ist irgendwie schlecht … Die Tabletten … waren das ganz sicher die richtigen?

Galina legte die Hand auf die Klinke der Wohnungstür und sah ihm direkt in die Augen.

— Ganz genau die, die du verdient hast, Igor.

Gegen all das Überflüssige und Faule, das sich in dir angesammelt hat.

In Igors Bauch grollte es erneut, diesmal mit bedrohlichem Blubbern, als wäre dort ein Damm gebrochen.

Er wurde blass, trat Schweiß auf die Stirn, und seine Beine begannen merkwürdige Verrenkungen zu machen.

— Galja!

Wo ist das Toilettenpapier?!

Uns ist das Papier ausgegangen! — quiekte er, als ihm das ganze Ausmaß seiner Lage bewusst wurde.

— Im Schrank, ganz oben auf dem Regal, — antwortete sie ruhig.

— Wenn du es noch schaffst hinzukommen.

Igor schoss los und legte einen Sprint hin, der eines Olympiasiegers würdig gewesen wäre, doch er lief auf seltsame Weise, aus Angst, eine falsche Bewegung zu machen.

Die Tür zum Bad knallte zu, es war das Geräusch hastig heruntergerissener Kleidung zu hören und fast unmittelbar darauf — ohrenbetäubende Geräusche vollzogener Vergeltung.

— Ga-a-a-lja-a-a! — klang es hinter der Tür hervor, ein zugleich klägliches und wütendes Echo.

Galina öffnete die Wohnungstür und ließ frische Luft ins Treppenhaus herein.

Sie knallte die Tür nicht, sondern zog sie einfach sorgfältig hinter sich zu und schnitt damit ihr früheres Leben ab.

Unten atmete sie die kühle Abendluft tief ein, die nicht nach Abgasen, sondern nach Freiheit roch.

Das Telefon in ihrer Tasche piepte auf und zeigte eine Nachricht von Igor:

„Wo bist du?!

Bring Wasser!

Ich kann hier nicht raus!

Das ist ein Anschlag!“

Galina lächelte spöttisch, blockierte die Nummer ihres Mannes und setzte dann, nach kurzem Nachdenken, auch die Nummer von Swetlana aus dem dritten Stock auf die schwarze Liste.

Nun sollte die „herzliche Frau“ ihren Helden retten, wenn sie sich trauen würde, die Wohnung in den nächsten vierundzwanzig Stunden zu betreten.

Das Taxi wartete bereits vor dem Haus.

— Wohin fahren wir? — fragte der Fahrer und sah sie im Rückspiegel an.

— Ins Zentrum, — lächelte Galina.

— In ein gutes Hotel, in dem Frühstück ans Bett gebracht wird und sich niemand über das Leben beklagt.

Sie wusste, dass der morgige Tag mit Scheidung und Umzug schwer werden würde, aber an diesem Abend hatte die Gerechtigkeit gesiegt.

Irgendwo dort oben würde ein sehr selbstverliebter Mensch lange und gründlich über sein Verhalten nachdenken müssen, ohne seinen weißen Thron verlassen zu können.

Und dieser Gedanke wärmte besser als jede Kaschmirdecke.