— Rodja, mir ist ganz schlecht … — kaum hatte Galja das Zimmer im Sanatorium betreten, griff sie sich an den Bauch.

— Das kommt alles von diesem Tscheburek am Bahnhof!

Sie warf den Koffer gereizt hin und verschwand sofort im Bad.

— Aber du selbst hast doch gejammert: „Ich sterbe gleich vor Hunger, gebt mir irgendetwas!“

Bin ich schuld, dass es dort außer diesen Tschebureki nichts zu kaufen gab? — Rodion brachte die Sachen herein und ließ sich erleichtert aufs Bett fallen.

— Das ist ja mal Erholung!

Endlich werde ich wie ein Mensch leben!

— Und ich werde hier, wie es aussieht, sterben … — Galja kam blass und mit grünlichem Gesichtston heraus.

— Diese Tschebureki sollte man zusammen mit der Verkäuferin zur Untersuchung schicken.

Da war ganz eindeutig etwas Verdächtiges drin.

— Aber als du sie gegessen hast, haben sie dir doch geschmeckt! — grinste er.

— Ich hatte Hunger!

Du weißt doch, in solchen Momenten setzt bei mir das Gehirn aus, — antwortete sie gereizt.

— Und du hast mich anscheinend absichtlich mit diesem Dreck gefüttert.

— Ach komm, hör auf zu meckern, schau lieber mal, was für eine Aussicht aus dem Fenster! — Rodion ging auf den Balkon.

Auf dem unteren Stockwerk saß auf dem Nachbarbalkon eine Frau mit einem Glas Wein.

Unwillkürlich blieb sein Blick an ihr hängen.

Die Unbekannte bemerkte ihn und winkte ihm freundlich zu.

Rodion winkte sofort zurück.

— Wem winkst du denn da? — fragte Galja misstrauisch und ging zum Balkon.

Doch er kehrte schnell ins Zimmer zurück und schloss die Tür.

— Niemandem.

Ich habe nur eine Fliege verscheucht …

Pack du lieber die Sachen aus.

Galja öffnete gerade den Koffer, als sie sich wieder an den Bauch griff und eilig zurücklief.

— Na toll, jetzt geht es los … — murmelte Rodion.

Der Zustand seiner Frau verschlechterte sich plötzlich: Das Fieber stieg, und ihr ging es sehr schlecht.

Man musste einen Arzt rufen.

— Es sieht so aus, als hätten Sie sich eine Infektion eingefangen, — sagte der Arzt nach der Untersuchung.

— Sie werden wohl drei bis fünf Tage im Bett bleiben müssen.

Hier sind die Medikamente.

Er reichte Rodion die Liste.

— Die Krankheit ist ansteckend, also halten Sie sich fern, wenn Sie nicht im gleichen Zustand enden wollen.

— Herr Doktor, aber was ist mit mir?

Wer wird sich um mich kümmern? — fragte Galja kläglich, lief aber sofort wieder ins Bad.

— Danke, Doktor, — Rodion wollte ihm die Hand schütteln, doch der Arzt steckte sie in die Tasche.

— Ach so, verstehe … — Rodion fing sich und begleitete ihn hinaus.

— Sie wird wirklich fünf Tage liegen?

— Normalerweise drei bis fünf.

Bei Erwachsenen geht es schnell vorbei.

Alles Gute!

Als der Arzt gegangen war, kniff Rodion nachdenklich die Augen zusammen.

— Galju, lebst du da noch?

Ich gehe nach den Medikamenten! — rief er, während er sich fertig machte.

Als er das Zimmer verließ, grinste er in sich hinein: „Bin ich etwa hierhergefahren, um neben ihr zu sitzen?

Soll sie doch irgendwie allein klarkommen …“

In der Halle sah er wieder dieselbe Frau vom Balkon.

Er beschloss, die Gelegenheit nicht zu verpassen.

— Tolles Wetter heute, nicht wahr? — begann er.

— Sind Sie hier allein?

— Das Wetter ist wirklich wunderbar, — lächelte sie.

— Ja, allein.

Und Sie?

— Was für ein Glück!

So eine schöne Frau — und ohne Begleitung!

Ich bin auch allein.

Vielleicht essen wir zusammen zu Mittag?

— Mit Vergnügen, — sie reichte ihm die Hand.

— Elvira.

Rodion drückte begeistert ihre Handfläche.

— Rodion!

Sehr erfreut!

— Vorsicht, Sie reißen mir noch die Hand ab, — lächelte sie.

— Oh, entschuldigen Sie!

Dann bis zum Mittagessen.

Ich muss jetzt noch in die Apotheke.

— Sind Sie krank? — fragte sie alarmiert.

— Nein, nein, nur Vitamine, — antwortete er schnell.

Sie nickte.

— Dann bis später.

Als Rodion zurückkam, sah er, dass Galja schlief.

„Ausgezeichnet, weniger Fragen“, dachte er und legte die Medikamente hin.

Doch kaum wollte er wieder gehen, wachte seine Frau auf und lief erneut ins Bad.

— Erzähl dann später mal, wie ich mich hier „erholt“ habe … — sagte sie müde.

— Rodja, bleib bei mir …

— Ich würde ja gern, — seufzte er gespielt, — aber du hast doch gehört — es ist ansteckend.

Wenn ich auch noch krank werde, reicht uns eine Toilette nicht.

Werd erst gesund, und ich gehe solange etwas essen.

Danach gehe ich vielleicht noch zum Wasserfall — erkunde die Gegend.

Du wirst wieder gesund, und ich mache dann mit dir Ausflüge!

Galja winkte nur ab.

Im Speisesaal hatte Rodion im Voraus gesagt, dass er mit seiner Frau kommen würde.

Deshalb hielt man Elvira, als sie sich zu ihm an den Tisch setzte, für seine Ehefrau.

Nach dem Mittagessen schlug sie einen Spaziergang vor.

— Dort gibt es einen Wasserfall, sehr schön …

— Vielleicht lieber auf Ihr Zimmer? — zwinkerte er.

— Wie hartnäckig Sie sind!

Und was ist mit dem Werben?

Blumen, Champagner?

— Dafür ist keine Zeit, — platzte es aus ihm heraus, und sofort merkte er, dass er zu viel gesagt hatte.

— Moment mal …

Sind Sie etwa verheiratet? — fragte sie misstrauisch.

— Nein, was Sie!

Meine Frau … ist gestorben.

Ich bin Witwer, — sagte er mit einer Pause.

— Das tut mir leid …

— Und was die Romantik betrifft — ich bin bereit, alles zu arrangieren.

Blumen, Champagner …

Wie wäre es mit heute Abend?

— Gut, ich warte um fünf auf Sie.

Er brachte sich schnell in Ordnung und kaufte Blumen und Wein.

Galja schlief immer noch.

— Schlaf nur, das ist gut für dich, — sagte er leise.

Am Abend klopfte er bei Elvira.

Sie ließ ihn herein, wenn auch zögernd.

Die Nacht verlief vergnüglich.

Beide waren zufrieden, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

— Kaffee oder Tee zum Frühstück? — fragte sie am Morgen.

— Ich gehe lieber in mein Zimmer zurück.

Ich will dich nicht beim Schlafen stören, ich schnarche, — sagte Rodion.

— Wiederholen wir das morgen?

Sie hatte nichts dagegen.

Als er zurückkam, wartete Galja schon.

— Rodja, wo warst du? — fragte sie streng.

— Wo wohl?

Beim Abendessen!

Danach war noch ein Konzert.

Darf ich etwa nicht hingehen? — antwortete er scharf.

— Doch, natürlich … — sagte sie verlegen.

— Mir geht es übrigens schon besser.

— Dann bleib eben noch liegen! — schnitt er ihr das Wort ab.

— Der Arzt hat fünf Tage gesagt — also fünf!

So vergingen mehrere Tage.

Rodion setzte seine „Ausflüge“ fort und fand jedes Mal neue Ausreden.

Am vierten Tag fühlte Galja sich besser und beschloss, in den Speisesaal hinunterzugehen.

— Sagen Sie mir bitte, wo ich mich hinsetzen soll? — fragte sie die Kellnerin.

— Sind Sie eine Verwandte von Rodion? — fragte diese lebhaft.

— Er sitzt mit seiner Frau an Tisch acht.

Sie sind gerade erst gegangen.

— Mit seiner Frau? … — fragte Galja leise nach.

— Ja!

Wir haben uns noch gewundert — so süß, wie frisch Verheiratete!

Galja verstand alles.

Sie kehrte ins Zimmer zurück, weinte zuerst, dachte dann nach … und schmiedete einen Plan.

Am Abend, als Rodion zurückkam, sagte sie:

— Rodja, bring mir bitte etwas zu essen?

— Kannst du nicht selbst gehen? — antwortete er träge.

— Na gut …

Sie ging hinaus, steuerte aber nicht auf den Speisesaal zu, sondern auf Zimmer 305.

Sie klopfte.

— Rodion, kommen Sie rein! — ertönte eine Stimme.

— Heute bin ich an seiner Stelle hier, — sagte Galja ruhig und trat ein.

Elvira erstarrte.

— Wer sind Sie?

— Ich bin seine Frau.

— Er hat gesagt, er sei Witwer … — sagte die andere verwirrt.

— Und ich lag in der Zwischenzeit krank im Zimmer.

— Was für ein Schuft … — stieß Elvira aus.

— Das wusste ich nicht.

Sie verstanden sich schnell.

— Wollen wir auf seine Kosten ein Abschiedsabendessen veranstalten? — schlug Galja vor.

— Mit Vergnügen!

Sie bestellten teure Gerichte, Desserts, Getränke — so viel wie möglich.

Danach machten sie sogar ein gemeinsames Foto.

— Fahr von hier weg, — sagte Galja.

— Ich fahre morgen auch weg.

Am nächsten Morgen packte sie leise ihre Sachen und reiste ab.

Rodion wachte auf — seine Frau war weg.

Er rannte zu Elvira — und dort war es ebenfalls leer.

Und dann bekam er eine Nachricht: ein Foto, auf dem Galja und Elvira zusammen zu sehen waren, mit der Unterschrift:

„Eine Überraschung für den freien Mann.“

Danach brachte man ihm die Rechnung aus dem Restaurant.

Die Summe war beachtlich.

— Das ist sogar noch mit Rabatt, — verkündete der Kellner fröhlich.

Zu Hause wartete die letzte Überraschung auf ihn: der Scheidungsantrag.

Galja hatte schon alles entschieden — Aufteilung des Eigentums, getrennte Wohnungen.

Manchmal zerstört ein einziger Fehler alles, was über Jahre aufgebaut wurde.

Und der Preis dafür ist am Ende viel höher, als es anfangs scheint.