— Verschwinden Sie sofort aus meiner Küche! Es ist mir egal, dass Sie es angeblich gut gemeint haben! Sie haben meine Diätsuppe in die Toilette geschüttet und diesen fettigen Borschtsch gekocht, von dem einem nur übel wird, nur weil Ihr Söhnchen abgemagert ist?!

— Verschwinden Sie sofort aus meiner Küche!

Es ist mir egal, dass Sie es angeblich gut gemeint haben!

Sie haben meine Diätsuppe in die Toilette geschüttet und diesen fettigen Borschtsch gekocht, von dem einem nur übel wird, nur weil Ihr Söhnchen abgemagert ist?!

Ich bin die Hausherrin in diesem Haus, nicht Sie!

Nehmen Sie Ihre Töpfe und verschwinden Sie!

— schrie Marina und umklammerte mit feuchten Händen krampfhaft den Rand des Frotteehandtuchs, in das sie gewickelt war.

Ihre Stimme kippte in ein Kreischen, hallte von den neuen Fliesen wider, ging aber im schweren, klebrigen Dröhnen der Dunstabzugshaube unter, die auf höchster Stufe lief und trotzdem nicht damit fertig wurde.

Die Küche, ihr steril weißer Stolz, erst vor einem Monat renoviert, erinnerte jetzt an eine fettige Bahnhofsbude zur Hauptverkehrszeit.

Die Luft war dicht, bläulich vom Qualm und vom ranzigen Öl.

Sie drang in die Nase, legte sich als unangenehmer Film auf die noch duschfeuchte Haut und zerstörte sofort jedes Gefühl von Sauberkeit.

Tamara Iwanowna drehte sich nicht einmal um.

Sie stand am Herd, monumental und unerschütterlich wie ein Fels in der Brandung, und rührte wütend in einer riesigen, verrußten Pfanne, die sie in ihrer gewaltigen Tasche mitgebracht hatte.

— Ich sehe nichts, brummte die Schwiegermutter, ohne ihre Beschäftigung zu unterbrechen.

Der Pfannenwender kratzte so über das Metall, dass Marina die Zähne schmerzten.

— Schau sie dir an, wie sie losbrüllt.

Die Nachbarn werden es hören und denken, hier wird jemand abgeschlachtet.

Oleg kommt hungrig wie ein Wolf von der Arbeit, und was hast du im Kühlschrank?

Grüne Brühe?

Das würde ich nicht einmal einer Katze geben, geschweige denn einem gesunden Mann.

Marina machte einen Schritt nach vorn und patschte barfuß über den Boden.

Es kam ihr vor, als würden sogar ihre Sohlen am Laminat kleben bleiben.

Ihr Blick schoss zur Spüle aus Kunststein, der teuren, beigen, die sie drei Wochen lang ausgesucht hatte.

Jetzt schwammen darin Rote-Bete-Schalen, Stücke von Zwiebelschalen und fettige Schlieren.

Und daneben, auf der schneeweißen Arbeitsplatte, lag aufgetautes Schweinefleisch und sonderte blutige Flüssigkeit ab.

Eine rote Pfütze kroch langsam auf die Fuge zur Wandverkleidung zu.

— Was geht es Sie an, was wir im Kühlschrank haben?!

Marina rang vor Empörung und wegen des beißenden Rauchs nach Luft.

— Ich hatte Brokkoli-Cremesuppe gekocht!

Für drei Tage!

Ich komme von der Schicht, ich bin müde wie ein Hund, ich wollte einfach nur essen und schlafen gehen!

Und Sie…

Sie sind einfach gekommen, während ich mich gewaschen habe, und haben hier einen Schweinestall angerichtet!

— Der Schweinestall war in deinem Topf, schnitt Tamara Iwanowna ihr das Wort ab und geruhte endlich, sich umzudrehen.

Ihr Gesicht glänzte vor Hitze, auf ihrer Stirn standen Schweißtropfen, und die Schürze, die sie offenbar im Schrank gefunden hatte, jene geschenkte Leinenschürze, war bereits mit bräunlichen Flecken bespritzt.

— Deine Plörre habe ich in die Toilette geschüttet.

Und ich hatte sogar Angst, dass sie verstopft.

Irgendein sumpfiger Schleim.

Ein Mann braucht Fleisch, er braucht Kraft.

Deiner läuft bleich herum, man erschrickt ja beim Hinsehen.

Wovon hält sich seine Seele fest?

Von deinem Brokkoli?

Pfui.

Sie spuckte dieses „Pfui“ mit solcher Verachtung aus, als hätte Marina Oleg vorgeschlagen, Erde zu essen.

Die Schwiegermutter wandte sich wieder dem Herd zu, nahm den Deckel vom Topf, und eine neue Geruchswelle legte sich über die Küche, gekochter Kohl und alter Speck.

Dieser Geruch war so dicht, dass man ihn scheinbar mit einem Messer hätte schneiden können.

Marina spürte, wie ihr ein Kloß in den Hals stieg.

Sie sah zu den glänzenden Fronten der oberen Schränke.

Darauf, genau auf Augenhöhe, glitzerten bereits kleine gelbe Spritzer.

Fett.

Allgegenwärtiges, unausrottbares Fett, das Tamara Iwanowna großzügig um sich herum verspritzte wie Weihwasser.

— Sie haben mir die Küche ruiniert…

flüsterte Marina und spürte, wie ihre Wut in kalten Zorn umschlug.

— Verstehen Sie, wie viel diese Fronten gekostet haben?

Verstehen Sie, dass man das nicht einfach so abwäscht?

Warum braten Sie mit Schmalz?!

Wir haben Öl!

— Dein Öl ist doch nur Wasser, damit brät man nicht, das verbrennt bloß, erklärte die Schwiegermutter unumstößlich, hob mit der Gabel ein zischendes Stück Fleisch an und klatschte es zurück ins Fett, sodass ein neues Feuerwerk aus Spritzern in alle Richtungen flog.

— Mit Schmalz schmeckt es besser.

Natürlicher.

Mein Großvater hat so gegessen, mein Vater hat so gegessen, und Oleg wird auch so essen.

Und deine Fronten…

Du wischst sie mit einem Lappen ab, du bist keine feine Dame.

Hast hier ein Museum eingerichtet, man kann nirgends mehr hinspucken.

Eine Küche muss arbeiten, Mädchen, und nicht glänzen wie die Eier eines Katers.

— Ich werde das nicht abwischen!

schrie Marina und verlor die letzten Reste ihrer Selbstbeherrschung.

— Und Oleg wird das nicht essen!

Wir essen so etwas nicht!

Wir ernähren uns gesund, hören Sie das oder nicht?

Sie sind ohne Anruf gekommen, haben die Tür mit Ihrem Schlüssel geöffnet, den man Ihnen für den Fall einer Überschwemmung gegeben hat, und haben hier Sabotage betrieben!

— Sabotage?

Tamara Iwanowna schnaubte und wischte sich die fettigen Hände direkt an den Oberschenkeln ab, bevor sie sie in die Seiten stemmte.

— Ich bin Mutter!

Ich bin gekommen, um meinen Sohn zu füttern, wenn seine Frau schon zwei linke Hände hat.

Du solltest mir danken, dass ich am Herd stehe, während du dich dort stundenlang wäschst.

Dein Mann kommt nach Hause, und auf dem Tisch stehen Borschtsch, Frikadellen, Kartoffelpüree.

Und nicht dein…

Graspüree.

Marina sah diese Frau an und sah vor sich keine Verwandte, sondern eine Besatzerin.

Eine Feindin, die das Gebiet erobert hatte und nun ihre barbarischen Gesetze einführte.

Der Topf mit Borschtsch auf dem Herd blubberte bedrohlich und schleuderte orangefarbene Tropfen auf die Emaille des Herdes.

Die Pfanne qualmte.

Und Tamara Iwanowna stand mitten in diesem Chaos mit der Miene einer Siegerin, so überzeugt von ihrer eigenen Rechtmäßigkeit, dass es an Wahnsinn grenzte.

— Raus, sagte Marina leise und spürte, wie ihre Knie zitterten.

— Verschwinden Sie.

Sofort.

— Ich denke gar nicht daran, antwortete die Schwiegermutter ruhig und griff wieder nach dem Pfannenwender.

— Die Frikadellen sind noch nicht durch.

Innen sind sie roh.

Setz dich, beruhige dich, trink etwas Wasser.

Hysterikerin.

Dieses Wort wurde zum Auslöser.

Marina begriff, dass die Gespräche beendet waren.

Die Diplomatie war in dem Moment gestorben, als ihre Suppe in die Kanalisation verschwunden war.

Entschlossen ging sie zum Herd, ohne sich darum zu kümmern, dass das Handtuch herunterrutschen könnte.

— Wagen Sie es nicht, mich anzufassen!

Und wagen Sie es nicht, hier herumzukommandieren!

Marina riss die Hand zurück, auf der eine fettige Spur vom Pfannenwender geblieben war.

Die Haut brannte nicht vom Schlag, sondern vor Ekel.

— Drehen Sie das Gas ab!

Sofort!

— Ich denke gar nicht daran, sagte Tamara Iwanowna, finster wie ein Bulldozer vor einer Betonwand, nahm ein Stück weißen Speck vom Teller und klatschte es mit Schwung in die Pfanne.

— Es wird etwas trocken, so mag Oleg das nicht.

Er braucht es so, dass der Saft läuft, damit er später mit Brot tunken kann.

Lern, solange ich noch lebe, du Dummkopf.

Das Fett in der Pfanne brüllte auf.

Glühend heiße Spritzer flogen fächerförmig in alle Richtungen und erreichten sogar Stellen, die Marina für sicher gehalten hatte.

Gelbe, ölige Tropfen schlugen wie Schrapnelle gegen den Spritzschutz aus teuren italienischen Fliesen, genau jene Fliesen, auf die sie und Oleg zwei Monate lang gewartet hatten.

Genau jene Fliesen, deren jede Fuge Marina mit einer Zahnbürste geschrubbt hatte, damit alles perfekt weiß war.

Jetzt breiteten sich dort hässliche, glänzende Flecken aus, die nach unten zur Arbeitsplatte liefen.

In Marinas Kopf klickte etwas.

Laut und deutlich, als wäre die Sicherung durchgebrannt, die für Erziehung, Respekt vor Älteren und elementaren Selbsterhaltungstrieb zuständig war.

Sie sah, wie Fett auf den verchromten Wasserhahn spritzte, und die Welt schrumpfte auf die Größe dieser verdammten gusseisernen Pfanne zusammen.

— Lernen soll ich also?

zischte Marina.

Ihre Stimme wurde tief und vibrierte vor zurückgehaltener Wut.

— Gut, dann sehen Sie genau hin.

Die Lektion ist beendet.

Sie stürzte zum Herd.

Tamara Iwanowna, die eine solche Flinkheit von ihrer sonst stillen Schwiegertochter nicht erwartet hatte, versuchte, die Flamme mit ihrem Körper zu verdecken, indem sie den Ellbogen vorstreckte, doch Marina handelte instinktiv.

Sie packte den Rand ihres Badetuchs, wickelte ihn um ihre Hand und klammerte sich an den Griff der schweren, glühend heißen Pfanne.

— Was hast du vor?!

Stell sie sofort hin!

kreischte die Schwiegermutter, als sie begriff, was geschah.

Ihre Augen wurden rund, ihr Gesicht bekam rote Flecken.

— Das ist Essen!

Das ist Geld!

Stell sie hin, du Närrin!

Doch Marina hörte schon nichts mehr.

Ihre Muskeln spannten sich an, als sie mehrere Kilo Gusseisen und Fleisch anhob.

Die Pfanne schwankte, Fett schwappte über den Rand und verfehlte ihre Beine nur knapp, aber Marina hielt nicht an.

Mit einem ruckartigen Schwung drehte sie sich zur Spüle.

— So tunken wir das Brot!

rief sie und kippte die Pfanne direkt in die Spüle.

Die Frikadellen, gebräunt, fast fertig, diesen angeblich „männlichen“ Duft verströmend, fielen mit dumpfem Klatschen auf den Boden der Kunststeinspüle.

Danach ergoss sich das kochende Öl hinein.

Marina verlor keine Sekunde und riss den Hebel des Wasserhahns bis zum Anschlag auf.

Eiskaltes Wasser traf auf das glühende Fett.

Die Wirkung war wie die Explosion einer kleinen Bombe.

Die Küche wurde sofort von dichtem, bläulichem Dampf eingehüllt.

Ein Zischen ertönte, von dem einem die Ohren zufielen, der Klang einer sterbenden Hoffnung auf Abendessen.

Der Dampf schlug ihr ins Gesicht, vermischt mit Myriaden feinster Fettpartikel, die sich nun auf absolut allem absetzten: auf Marinas Haaren, auf ihrem sauberen Handtuch, am Fenster, auf den Schränken.

— A-a-a-a!

heulte Tamara Iwanowna auf, als würde man sie selbst schneiden und nicht das Schweinefleisch.

Sie stürzte zur Spüle, ohne auf die Dampfwolken zu achten.

— Unmenschen!

Die Lebensmittel!

Frisches Schweinefleisch!

Ich habe es seit dem Morgen auf dem Markt ausgesucht, die besten Stücke!

Was hast du getan, du Schlange?!

Marina starrte in die Spüle.

Der Anblick war widerlich.

Das Wasser vermischte sich mit dem Fett, kühlte es sofort ab und verwandelte es in weißliche, erstarrende Flocken, die sich an die braunen Fleischklumpen hefteten.

Die Frikadellen schwammen in dieser trüben Brühe und erinnerten an Ertrunkene in einem schmutzigen Teich.

Das schöne, „leckere“ Essen hatte sich innerhalb einer Sekunde in Abfall verwandelt.

— Retten!

Man muss sie retten!

murmelte die Schwiegermutter und versuchte, die Hände direkt unter den Wasserstrahl zu stecken, um wenigstens etwas herauszufischen.

— Wagen Sie es nicht!

brüllte Marina.

— Das ist Müll!

In meinem Haus ist das Müll!

Sie stieß die Hand der Schwiegermutter weg.

Tamara Iwanowna, eine schwere, korpulente Frau, schwankte, blieb aber stehen, indem sie sich am Rand der Arbeitsplatte festklammerte.

— Du bist besessen!

Du musst behandelt werden!

schrie sie und spuckte dabei Speichel.

— Eine Mutter hat sich bemüht, gebraten, sich den Rücken krumm gemacht, und sie…

In die Toilette, in die Spüle!

Mögen dir die Hände verdorren!

Marina begriff, dass sie gleich einfach erbrechen würde.

Vom Geruch des nassen, abkühlenden Fetts, vom Anblick dieser Frau, die bereit war, sogar aus einem Mülleimer zu fressen, nur um ihre Niederlage nicht einzugestehen.

— Raus!

schrie Marina erneut.

Sie drehte der Schwiegermutter den Rücken zu, stemmte ihre Schulterblätter gegen deren weiche, gewaltige Brust und begann zu schieben.

Es war, als würde man versuchen, einen Schrank voller alter Lumpen zu bewegen.

Tamara Iwanowna stemmte die Füße in den Boden, klammerte sich mit den Händen an den Türrahmen und an die Schubladengriffe, doch die Wut verlieh Marina Kraft.

— Fass mich nicht an!

Ich rufe die Polizei!

kreischte die Schwiegermutter, wich aber Schritt für Schritt zum Ausgang der Küche zurück.

— Du wirst mir blaue Flecken machen!

Oleg wird es sehen!

Ich werde ihm alles erzählen!

— Erzählen Sie es!

Er soll es sehen!

Er soll diesen Schweinestall sehen!

Marina schob sie weiter und spürte die Hitze des fremden, unangenehmen Körpers an ihrem Rücken.

— Raus aus meiner Wohnung!

Sie drückte Tamara Iwanowna buchstäblich in den Flur hinaus.

Die Schwiegermutter stolperte über die Schwelle, ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten, und krachte gegen den Schuhschrank.

Die Töpfe auf dem Herd kochten weiter und erfüllten die Wohnung mit dem Geruch von zerkochtem Kohl, und aus der Spüle stieg noch immer Dampf auf, doch die Hauptquelle des Chaos war endlich aus dem Bereich der Küche verbannt.

Marina stand im Türrahmen und atmete schwer.

Das Handtuch war verrutscht und hatte eine Schulter entblößt, ihre Haare klebten vor Feuchtigkeit zusammen.

Sie fühlte sich schmutzig, entweiht, als hätte man sie in genau diesem Borschtsch gebadet.

— Dafür wirst du bezahlen…

zischte Tamara Iwanowna und rückte ihren schief sitzenden Morgenmantel zurecht.

In ihren Augen war keine Verwirrung mehr, nur kalte, rachsüchtige Bosheit.

— Du lässt meinen Sohn hungern und jagst seine Mutter aus dem Haus?

Na warte…

In diesem Moment knallte die Eingangstür.

Das Geräusch des sich drehenden Schlüssels klang wie der Schuss einer Startpistole vor einer neuen Etappe im Überlebensrennen.

— Olescha!

Die Schwiegermutter änderte sofort ihren Ton, und in ihrer Stimme klangen weinerliche, klagende Noten.

— Mein Söhnchen!

Du bist gekommen, mein Lieber!

Hier bringt man uns um!

— Herrgott, wonach riecht es hier so?

Olegs Stimme erklang aus dem Flur, und darin lag weder Sorge noch Anteilnahme, sondern nur tierische, fast urtümliche Vorfreude.

— Frikadellen?

Mama?

Bist du hier?

Ich habe mich schon gefragt, was das für ein Geruch vom ersten Stock an ist, ich wäre fast an meinem Speichel erstickt!

Er betrat die Küche, zog sich im Gehen die Krawatte aus und erstarrte.

Das Bild vor ihm war eines verrückten Malers würdig.

Seine Mutter, hochrot, mit einem vor gerechtem Zorn verzerrten Gesicht, drückte sich an den Türrahmen, als wolle sie mit der Wand verschmelzen.

Und mitten in der verwüsteten Küche, von Dampfschwaden umhüllt, stand seine Frau, im verrutschten Handtuch, mit zerzausten Haaren, einer Walküre nach einer verlorenen Schlacht ähnlich.

Doch Olegs Blick glitt an ihnen vorbei.

Er blieb an der Spüle hängen.

Dort, im trüben Wasser, zwischen Fettfetzen, schwammen sie.

Genau jene Frikadellen, deren Geruch seinen Magen schon im Aufzug vor Hunger hatte zusammenkrampfen lassen.

Schweinefleisch mit Knoblauch, eine knusprige Kruste, die jetzt aufweichte und sich in etwas Schleimiges verwandelte.

— Du…

Oleg richtete langsam den Blick auf Marina.

Sein Gesicht begann sich mit dunkler Röte zu füllen, und in seinen Augen, sonst ruhig und sogar ein wenig gleichgültig, entzündete sich ein hässliches Leuchten.

— Was hast du getan?

Das…

Das ist doch Essen.

— Das ist Abfall!

rief Marina und spürte, wie in ihr alles abriss.

Sie hatte erwartet, dass er sie schützen würde.

Sie hatte erwartet, dass er dieses Chaos sehen, ihren Zustand erkennen und seine Mutter vor die Tür setzen würde.

Aber er sah nur die Frikadellen.

— Deine Mutter hat hier einen Schweinestall angerichtet!

Sie hat meine Suppe ausgeschüttet!

Sie hat die Arbeitsplatte ruiniert!

Sieh dir den Spritzschutz an, Oleg!

Sieh dir diese fettige Masse an!

— Suppe?

fragte er mit verzogenem Gesicht.

— Diese grüne Plörre, von der ich Blähungen bekomme?

Gott sei Dank hat sie die weggeschüttet!

Ich bin ein Mann, Marina!

Ich arbeite!

Ich will Fleisch, nicht dein Silofutter!

Meine Mutter ist gekommen, hat anständig gekocht, und du…

— Olescha, mein Sohn!

Tamara Iwanowna, die die Unterstützung spürte, löste sich sofort vom Türrahmen und stürzte zu ihrem Sohn, wobei sie ihn am Ärmel packte.

— Ich wollte doch nur das Beste!

Ich sehe doch, wie dünn du bist, bleich, nur noch Augen sind von dir übrig!

Ich habe Filet gekauft, das beste, auf dem Markt, bei Tante Walja!

Ich dachte, ich brate es, mache dir eine Freude…

Und sie!

Sie ist auf mich losgegangen wie eine Furie!

Mit der Pfanne hätte sie mich fast erschlagen!

Sie hat alles mit kaltem Wasser übergossen!

Sie hat die Lebensmittel verdorben, dieses Ungeheuer!

Oleg schüttelte die Hand seiner Mutter ab, aber nicht grob, eher ungeduldig.

Er trat zur Spüle, ohne den Blick von dem zerstörten Abendessen zu nehmen.

— Bist du völlig verrückt geworden?

knurrte er und wandte sich Marina mit dem ganzen Körper zu.

Nun ragte er über ihr auf, und zum ersten Mal in fünf Jahren Ehe spürte sie eine körperliche Bedrohung.

— Meine Mutter füttert uns, bemüht sich, gibt ihr eigenes Geld aus!

Und du rümpfst die Nase?

Undankbares Miststück!

Wären dir die Hände abgefallen, wenn du Danke gesagt hättest?

— Danke?!

Marina schnappte vor Empörung nach Luft.

— Dafür, dass sie in mein Zuhause eingedrungen ist?

Dafür, dass sie mich erniedrigt?

Dafür, dass sie meine Küche in einen Stall verwandelt hat?!

Oleg, wach auf!

Das ist keine Fürsorge, das ist Gewalt!

— Halt den Mund!

brüllte er so laut, dass das Geschirr im Schrank klirrte.

— Der Stall ist in deinem Kopf!

Eine normale Frau wäre froh, wenn die Schwiegermutter hilft!

Aber du kennst nur deine Diäten und Renovierungen!

„Fass das nicht an, stell das nicht hierhin“!

Pfui!

Er trat dicht an die Spüle.

Marina beobachtete entsetzt, wie er, ohne eine Miene zu verziehen, die Hand direkt in das fettige, abkühlende Wasser tauchte.

Er tastete nach der größten Frikadelle, von der schon ein Teil der Panade abgefallen war, und zog sie heraus.

Trübe Brühe tropfte davon herab, und Stücke aufgeweichter Zwiebel klebten an der Seite.

— Oleg…

nicht…

flüsterte Marina und spürte, wie Übelkeit in ihr aufstieg.

— Das ist doch Schmutz…

Das lag in der Spüle…

— Iss du dein Gras selbst!

fuhr er sie an.

Demonstrativ, Marina direkt in die Augen blickend, führte er die nasse, schleimige Frikadelle zum Mund und biss ein riesiges Stück ab.

Fett lief ihm über das Kinn und tropfte auf sein weißes Hemd, aber er wischte es nicht einmal ab.

Er kaute verbissen, schmatzend, als wollte er der ganzen Welt und dieser sterilen Küche sein Recht beweisen, ein Tier zu sein.

— Lecker!

murmelte er mit vollem Mund, und kleine Hackfleischstücke flogen auf den Boden.

— Mama, sehr lecker!

Nicht wie ihre fade Brühe!

Echtes Essen!

Tamara Iwanowna breitete sich in einem Lächeln aus und entblößte einen Goldzahn.

Sie sah ihren Sohn gerührt an, als würde er nicht Reste aus der Spüle essen, sondern Gedichte bei einer Schulfeier aufsagen.

— Iss, mein Sohn, iss, gurrte sie, trat näher und streichelte ihm über den Rücken.

— Ich wusste, dass es dir schmecken wird.

Ich brate noch mehr!

Ich habe dort noch Hackfleisch!

Und die da…

die fragen wir nicht!

Soll sie ihren Salat kauen, wenn sie so stolz ist!

Oleg schluckte den Bissen fast ungekaut hinunter und griff nach der zweiten Frikadelle.

Er fischte sie eine nach der anderen aus dem schmutzigen Wasser und legte sie direkt auf den Tisch, auf die saubere Tischdecke, wo sie fettige, nasse Flecken hinterließen.

— Setz dich, Mama, brummte er und deutete auf einen Stuhl.

— Hör nicht auf sie.

Du bist Gold wert.

Und sie…

die beruhigt sich schon wieder.

Wenn sie Hunger bekommt, holt sie sich auch etwas aus dem Müll.

Marina betrachtete dieses Festmahl des Wahnsinns.

Der Mann, den sie für einen gebildeten Menschen gehalten hatte, saß vor ihr mit fettigen Händen, fleckig, und verschlang nasses Fleisch, das er aus dem Abfluss gefischt hatte.

Seine Mutter stand daneben, siegreich mit verschränkten Armen vor der Brust, und sah ihre Schwiegertochter an, als wäre sie Luft.

In diesem Moment starb etwas in Marina.

Nicht die Liebe, nicht der Respekt, das war schon früher verschwunden.

Die Hoffnung starb.

Die Hoffnung, dass es sich nur um ein Missverständnis handelte, dass sie Menschen waren, mit denen man reden konnte.

Vor ihr saßen keine Menschen.

Vor ihr saßen zwei Mägen auf Beinen, für die ein Stück gebratenes Schweinefleisch wichtiger war als menschliche Würde, wichtiger als Sauberkeit, wichtiger als ihre Gefühle.

— Guten Appetit, sagte sie leise.

Ihre Stimme war fremd, hölzern.

Oleg sah sie nicht einmal an.

Er war damit beschäftigt, mit den Zähnen ein Stück Fleisch abzureißen, das innen nicht durchgebraten und noch rosa war.

— Geh weg, warf er hin, ohne aufzuhören zu kauen.

— Verdirb uns nicht das Abendessen mit deiner sauren Miene.

Geh ins Zimmer und denk über dein Verhalten nach.

Vielleicht wirst du dann klüger.

Tamara Iwanowna kicherte und hielt sich die Hand vor den Mund.

— Genau, Marinotschka.

Geh, lüfte dich ein wenig aus.

Und wir sitzen hier mit meinem Sohn und reden.

Wir haben uns schon lange nicht mehr ordentlich gesehen, ohne deine Hysterie.

Marina wich langsam zum Schrank unter der Spüle zurück.

Dort, hinter der weißen Tür, standen Haushaltschemikalien.

Viele Chemikalien.

Sie liebte Sauberkeit.

Sie liebte es, wenn alles glänzte.

Und jetzt begriff sie, dass es in dieser Küche nur einen einzigen Weg gab, wirkliche Ordnung zu schaffen.

Den einzigen Weg, diesen Schmutz abzuwaschen, der sich nicht in die Oberflächen, sondern in das Wesen ihres Lebens selbst eingefressen hatte.

— Ich gehe nicht, sagte sie, und in ihrer Stimme klang Stahl.

— Ich bin hier noch nicht fertig.

Die Reinigung beginnt erst.

Sie riss die Schranktür auf.

— Ich gehe nicht, wiederholte Marina, und ihre Stimme klang erstaunlich ruhig, beinahe alltäglich.

So spricht man nicht mit einem geliebten Ehemann, sondern mit einem aufdringlichen Vertreter, dem man zum zehnten Mal erklärt, dass man keinen Staubsauger braucht.

— Ich bin hier noch nicht fertig.

Die Reinigung beginnt erst.

Langsam, jede Bewegung auskostend, öffnete sie die Schranktür unter der Spüle.

Ein scharfer, chemischer Geruch von Haushaltsmitteln schlug ihr in die Nase, ihr Arsenal, ihre treuen Soldaten im Kampf für die Sterilität, die diese beiden so barbarisch mit Füßen getreten hatten.

Ihre Hand legte sich vertraut auf den kalten Kunststoff der Flasche mit dem aggressivsten Fettlöser.

„Für hartnäckigste Verschmutzungen“, stand auf dem Etikett.

Marina lächelte schief.

Was gerade in ihrer Küche geschah, war genau eine solche Verschmutzung.

Eingefressen.

Giftig.

Oleg kaute weiter, schmatzte und nahm den trüben Blick nicht von seiner Frau.

Fett lief ihm über das Kinn und tropfte auf den Tisch, aber er schien es nicht zu bemerken, berauscht von seiner Macht und von Mamas Kochkunst.

Tamara Iwanowna lächelte siegreich und legte ihrem Söhnchen eine Serviette hin wie eine fürsorgliche Glucke.

— Kannst du dich nicht sattsehen?

murmelte Oleg mit vollem Mund.

— Lern, solange Mutter lebt.

Vielleicht verstehst du dann, wie man einen Mann verwöhnen muss.

Aber du mit deinen Diäten, pfui…

Marina antwortete nicht.

Sie schraubte schweigend den Deckel ab.

Der beißende Geruch von Lauge brach sofort hervor und übertönte den Gestank der verbrannten Zwiebeln.

Sie trat zur Spüle, in der die Reste des „Abendessens“ im abkühlenden Wasser schwammen.

— Was machst du da?

wurde Tamara Iwanowna misstrauisch, weil sie etwas Unheilvolles witterte.

— Desinfektion, sagte Marina knapp.

Und sie drehte die Flasche um.

Die dicke, giftig klare Flüssigkeit strömte in die Spüle, direkt auf die Frikadellen, die Oleg noch nicht herausgefischt hatte.

Die Chemikalie reagierte sofort mit dem Fett.

Es zischte, und Schaum stieg auf.

Der Geruch wurde unerträglich und fraß in den Augen.

— Was machst du, du Idiotin?!

brüllte Oleg und sprang vom Stuhl auf.

Die Frikadelle fiel ihm aus der Hand und klatschte zurück in diese chemische Brühe.

— Das ist doch Essen!

— Das ist kein Essen, sagte Marina und wandte sich zum Herd.

Dort, im riesigen Topf, blubberte noch immer der fettige, rote Borschtsch.

— Das ist biologischer Abfall.

Und Abfall muss entsorgt werden.

Sie goss eine großzügige Portion des Mittels direkt in das kochende Gebräu.

Der Schaum stieg sofort wie eine Haube hoch, lief über den Rand, zischte auf der Flamme und übergoss die Emaille.

Beißender Dampf schoss zur Decke.

— A-a-a!

kreischte die Schwiegermutter und griff sich ans Herz.

— Sie hat ihn vergiftet!

Sie hat den Borschtsch vergiftet!

Söhnchen, sie will uns aus der Welt schaffen!

Hexe!

Oleg stand purpurrot da und ballte die Fäuste.

Die Adern an seinem Hals schwollen an.

Er sah aus wie ein wütender Stier, aber Marina hatte keine Angst mehr.

Sie sah vor sich keinen Mann, sondern einen fremden, unangenehmen Menschen mit fettigen Lippen und leeren Augen.

— Friss!

schrie sie plötzlich und schleuderte die leere Flasche in die Ecke.

Der Kunststoff prallte krachend von der Wand ab.

— Friss jetzt!

Du isst doch gern aus dem Müll!

Los, schöpf dir!

Mit Chemie schmeckt es noch besser, sauberer wird es auch!

Na?!

Sie packte den Teller mit den bereits angebissenen Frikadellen, den Oleg gefüllt hatte, und goss, ohne hinzusehen, die Reste aus einer anderen Flasche darüber, dem Toilettenreiniger, der dort auf der Arbeitsplatte stand.

Die leuchtend blaue Flüssigkeit übergoss das graue Fleisch und verwandelte es in eine surreale, ungenießbare Masse.

— Guten Appetit!

brüllte Marina.

Oleg rang vor Wut und Gestank nach Luft.

Er holte aus, bereit zuzuschlagen, doch etwas in den Augen seiner Frau, eine absolut eisige, tote Ruhe, hielt seine Hand auf.

Er verstand, dass sie ihn verbrennen würde, wenn er sie schlug.

Nicht im übertragenen Sinn.

In diesem Moment war sie zu allem fähig.

— Du…

du bist krank, keuchte er, trat einen Schritt zurück und wischte sich die fettigen Lippen mit dem Hemdsärmel ab.

— Dich muss man in die Klapse stecken.

Miststück.

— Verschwinde von hier!

kreischte Tamara Iwanowna und versuchte, den Topf zu retten, zog die Hand aber sofort wieder zurück, verbrannt vom chemischen Dampf.

— Du hast alles verdorben!

Die Lebensmittel!

Die Arbeit!

— Das ist meine Wohnung, sagte Marina leise, aber deutlich.

— Und meine Küche.

Und ich bringe hier Ordnung hinein.

Und Sie…

Sie beide sind Schmutz.

Fettiger, klebriger Schmutz, den ich jahrelang abzuwaschen versucht habe, aber Sie haben sich für immer festgefressen.

Sie ließ den Blick durch die Küche schweifen.

Das Chaos war vollständig.

Der Boden war mit Wasser und Schaum bedeckt, auf dem Tisch lagen blaue Frikadellen, auf dem Herd schäumte der Borschtsch.

Die Luft war so vergiftet, dass das Atmen schmerzte.

Doch Marina kam es vor, als sei dies die reinste Luft, die sie seit Jahren eingeatmet hatte.

Es war der Geruch der Freiheit.

Freiheit von der Notwendigkeit, zu ertragen, zu gefallen und zuzusehen, wie ihr Leben in einen Schweinestall verwandelt wurde.

— Ich gehe ins Schlafzimmer, sagte sie und sah durch ihren Mann hindurch.

— In zehn Minuten sind hier weder Sie noch Ihr Gestank.

Und wenn Sie bleiben, gieße ich die ganze Wohnung mit Chlor voll.

Zusammen mit Ihnen.

Und glauben Sie mir, meine Hand wird nicht zittern.

Sie drehte sich um und verließ die Küche.

Ihr Rücken war gerade wie eine gespannte Saite.

Hinter ihr waren Husten, die Flüche der Schwiegermutter und Olegs verwirrtes Muhen zu hören, der immer noch nicht verstanden hatte, was geschehen war.

Er starrte noch immer auf seine blauen Frikadellen und konnte nicht begreifen, dass das Abendessen beendet war.

Für immer beendet.

Marina ging ins Zimmer und schloss die Tür fest hinter sich.

Das Klicken des Schlosses klang wie ein Schuss in der Stille.

Sie weinte nicht.

Es gab keine Tränen.

Es gab nur ein dumpfes, leeres Gefühl von Sauberkeit in ihrem Inneren.

Sie setzte sich aufs Bett und sah auf ihre Hände, die noch immer nach Chlor und „Zitrone“ rochen.

Sie wusste, dass dieser Geruch nie wieder abzuwaschen sein würde.

Genauso wenig wie das, was sie heute in der Küche gesehen hatte.

Hinter der Tür, im Flur, begann irgendein Lärm, das Klirren von Geschirr, aber das betraf sie nicht mehr.

Das war der Lärm aus einem anderen Leben, in dem Menschen aus der Spüle essen und das für normal halten.

In ihrer Welt würde es von nun an still sein.

Und vor allem steril.

Marina legte sich auf die Tagesdecke, schloss die Augen und atmete zum ersten Mal an diesem Abend tief ein, während sie spürte, wie die chemische Verätzung in Nase und Rachen die letzten Reste von Mitleid mit diesen Menschen ausbrannte.

Die Reinigung war erfolgreich gewesen…