Meine Mutter kam, um nachzusehen, was bei uns zu Hause vor sich geht, und konnte die Tür nicht aufschließen!
Sie stand eine halbe Stunde im Treppenhaus!

Gib mir sofort den neuen Schlüsselsatz, ich bringe ihn ihr jetzt gleich!
Du hast kein Recht, mein Haus vor meiner Mutter abzuschließen!
Olegs Stimme, dumpf und vor Wut vibrierend, füllte den schmalen Flur und verdrängte jede andere Luft daraus.
Er hatte nicht einmal die Schuhe ausgezogen.
Er stand an der Schwelle in seiner offenen Daunenjacke, von der Straßenkälte und der Geruch von Abgasen ausgingen, und drückte mit schweren Winterstiefeln Schmutz in die helle Fußmatte.
Sein Gesicht war von roten Flecken übersät, und auf seiner Stirn trat eine Ader hervor, die im Takt seines Geschreis pochte.
Tatjana wich einen Schritt zurück und stieß mit dem unteren Rücken gegen das Schränkchen mit dem Spiegel.
In den Händen hielt sie immer noch das Küchentuch, mit dem sie vor einer Minute das Geschirr abgetrocknet hatte.
Der ruhige Abend, auf den sie so gehofft hatte, war durch eine einzige Drehung des Schlüssels im Schloss zerstört worden — eben jenes Schlüssels, den Oleg offenbar doch hatte.
— Ich habe nicht einfach nur die Schlösser ausgetauscht, Oleg, — antwortete sie und versuchte fest zu sprechen, obwohl sich in ihr alles zu einem engen Knoten zusammenzog.
— Ich habe unser Essen und unsere Sachen geschützt.
Beim letzten Mal hat deine Mutter beschlossen, dass die Getreidevorräte falsch stehen, und den Reis zum Buchweizen geschüttet, und meine Blusen hat sie nach den Farben des Regenbogens umgehängt und die „alten“ nach ihrem Geschmack weggeworfen.
Ich lebe hier und nicht in einem Museum namens Galina Petrowna.
— Geschützt hat sie also … — Oleg spuckte dieses Wort aus, machte einen Schritt auf sie zu und baute sich über seiner Frau auf.
— Vor wem schützt du dich denn?
Vor einem Menschen, der dir nur Gutes will?
Sie schafft Ordnung, weil du, undankbares Schwein, selbst keinen Komfort herstellen kannst!
Mit einem Ruck zog er seine Mütze herunter und warf sie auf den Boden, ohne überhaupt hinzusehen, wo sie landete.
Tatjana sah, dass er sie nicht hörte.
In seinen Augen lag kein Verstehen, nur blinde Gewissheit, im Recht zu sein, und das verletzte Selbstgefühl eines Sohnes, dessen Mutter „beleidigt“ worden war.
— Die Schlüssel, — er streckte die breite Hand aus und bewegte fordernd die Finger.
— Wo ist der neue Satz?
Ich weiß, dass in so einem Set fünf Stück sind.
Einer ist bei dir, einer bei mir.
Wo sind die anderen drei?
— Ich habe sie versteckt, — Tatjana hob das Kinn.
— Und du bekommst sie nicht.
Wenn deine Mutter zu Besuch kommen will, soll sie anrufen und sich verabreden.
Wie alle normalen Menschen.
Ich habe keine Lust, von der Arbeit nach Hause zu kommen und festzustellen, dass jemand in meiner Wäscheschublade gewühlt hat.
Olegs Blick schoss zu der Garderobe, an der ihre beigefarbene Tasche hing.
Er kannte die Gewohnheiten seiner Frau.
Sie trug immer einen Ersatzschlüsselbund bei sich, aus Angst, den Hauptsatz zu verlieren.
— Ach, versteckt … — knurrte er und sprang zur Garderobe.
Tatjana begriff seine Absicht zu spät.
Sie warf sich ihm in den Weg und versuchte, die Tasche mit ihrem Körper abzuschirmen, doch Oleg wischte sie einfach weg wie eine lästige Fliege.
Seine Hand, schwer und hart, stieß ihre Schulter mit solcher Wucht zur Seite, dass Tatjana gegen die Wand geschleudert wurde und sich schmerzhaft den Ellbogen am Türrahmen stieß.
Oleg riss die Tasche vom Haken.
Das Geräusch des reißenden Innenfutters, als er den Reißverschluss gewaltsam aufzog, klang widerlich laut.
— Fass sie nicht an!
Das sind meine Sachen! — schrie Tatjana und stürzte sich erneut auf ihn.
Doch er hatte die Tasche bereits umgedreht.
Auf die schmutzige, von seinen Stiefeln zertrampelte Matte, direkt in eine Pfütze aus angeschmolzenem Schnee, fiel der Inhalt heraus.
Mit dumpfem Schlag fiel die schwere Geldbörse, Kleingeld verstreute sich, Lippenstift, eine Packung Feuchttücher, Blister mit Kopfschmerztabletten und der Arbeitsausweis rollten über den Boden.
In diesem Chaos klirrte ein Schlüsselbund — neu, glänzend, mit dem noch nicht entfernten Anhänger des Herstellers.
— Da sind sie, — röchelte Oleg schadenfroh und trat mit dem Stiefel auf die Packung Papiertaschentücher, um an das ersehnte Metall zu gelangen.
— Und du hast gesagt, du hättest sie versteckt.
Lügen konntest du noch nie.
Tatjana fiel auf die Knie und versuchte, das Ausgeschüttete einzusammeln, wenigstens die Dokumente vor dem nassen Schmutz zu retten.
Ihre Finger zitterten, als sie den feuchten Flor der Matte berührten.
Sie fühlte sich gedemütigt, zermalmt, als hätte man sie zusammen mit dieser Tasche ausgenommen.
— Gib sie her! — sie packte ihn am Hosenbein und versuchte, nach den Schlüsseln zu greifen, die er schon aufgehoben hatte.
— Oleg, das ist nicht normal!
Du benimmst dich wie ein Bandit!
— Ich benehme mich wie der Hausherr! — brüllte er und riss das Bein weg, sodass sie das Gleichgewicht verlor.
— Und du hast hier offenbar vergessen, wer dich in dieses Haus gebracht hat.
Er stieß sie kräftig weg.
Tatjana konnte sich nicht halten und fiel auf die Seite, wobei sie mit dem Rücken gegen das Metallregal für Schuhe prallte.
Die scharfen Streben bohrten sich in ihre Rippen und pressten ihr die Luft aus den Lungen.
Der Schmerz war scharf und ernüchternd.
Sie erstarrte halb auf dem schmutzigen Boden liegend und blickte von unten zu ihrem Mann hinauf, der über ihr stand wie ein Monument häuslicher Gewalt.
Oleg drehte den Schlüsselbund in den Händen und überprüfte die Anzahl der Schlüssel.
Sein Gesicht drückte angeekelte Zufriedenheit aus.
— Drei Stück, — stellte er fest.
— Ausgezeichnet.
Einer für Mama, einer für mich als Reserve, und der dritte … der dritte soll auch bei Mama bleiben.
Damit du nicht auf die Idee kommst, ihn zu stehlen.
Er schob die Schlüssel in die Tasche seiner Jeans und sah auf seine Frau hinab, die zwischen verstreuter Kosmetik herumrutschte.
In seinem Blick lag kein Tropfen Mitleid.
— Merk dir, Tanja, — sagte er und hämmerte jedes Wort ein.
— In diesem Haus ist Galina Petrowna die Hauptfrau im Haus.
Diese Wohnung ist ihrem Geist nach ihre Wohnung, auch wenn in den Papieren wir eingetragen sind.
Sie hat ihre Seele hineingelegt, sie hat uns bei der Renovierung geholfen, sie hat Geld für die Anzahlung gegeben.
Und du bist hier vorläufig nur geduldet.
Und wenn dir die totale Kontrolle nicht gefällt, wenn es dich rasend macht, dass Mama uns helfen will, dann kannst du verschwinden.
Die Tür ist dort.
Nachlässig stieß er mit der Schuhspitze gegen ihre Puderdose, die in die Ecke flog und aufsprang, wobei sich beiger Puderstaub entlang der Sockelleiste verteilte.
— Steh auf und räum diesen Saustall weg, — warf er hin, als er sich umdrehte, um tiefer in die Wohnung zu gehen.
— Und mach dich bereit, Gäste zu empfangen.
Ich rufe jetzt Mama an und sage ihr, dass das Problem gelöst ist.
Sie kommt zur Kontrolle.
Und wehe dir, Tanja, wehe dir, du ziehst ein saures Gesicht.
Tatjana erhob sich mühsam vom Boden.
Die linke Seite, mit der sie gegen das Metallregal geprallt war, begann bereits dumpf und pochend zu schmerzen.
Morgen würde dort ein riesiger blauer Fleck aufblühen, doch jetzt war keine Zeit, daran zu denken.
Mechanisch raffte sie die verstreute Kosmetik zusammen, stopfte die schmutzige Geldbörse in die Tasche ihres Mantels, der an der Garderobe hing, und ging, ohne sich auch nur die Knie abzuklopfen, in die Küche.
Oleg stand am Fenster und trommelte mit den Fingern auf das Fensterbrett.
In der Hand hielt er ein Glas Wasser, das er sich offenbar selbst eingeschenkt hatte, während sie im Flur auf dem Boden herumgekrochen war.
Er sah ruhig aus.
Erschreckend ruhig.
Der Wutanfall an der Tür war abgeebbt und hatte kalter, berechnender Verachtung Platz gemacht.
Jetzt erinnerte er an einen Aufseher, der gerade einen Aufstand in einer Strafkolonie niedergeschlagen hat und nun wartet, bis die Gefangenen zur Arbeit zurückkehren.
— Verstehst du wenigstens, warum ich das getan habe? — fragte Tatjana.
Ihre Stimme war heiser geworden und klang dumpf und flach, ohne hysterische Töne.
Sie trat an den Tisch und stützte sich auf die Rückenlehne des Stuhls, um nicht umzufallen — ihre Beine zitterten noch immer von dem erlebten Schock.
Oleg drehte sich langsam um.
Er nahm einen Schluck, ohne den schweren Blick von ihr zu wenden.
— Weil du eine Egoistin bist, — schnitt er ihr das Wort ab.
— Weil du beschlossen hast, die Hausherrin zu spielen an einem Ort, an dem es dir nur erlaubt ist zu leben.
— Leben? — Tatjana lächelte bitter.
— Oleg, bei ihrem letzten Besuch habe ich die Hälfte meiner Gewürze nicht mehr gefunden.
Deine Mutter hat sie weggeworfen, weil, ich zitiere, „es im Schrank nicht nach russischem Geist, sondern nach irgendeinem orientalischen Dreck riecht“.
Das waren Safran und geräucherte Paprika, die ich aus dem Urlaub mitgebracht hatte.
Und davor?
Erinnerst du dich, wohin meine Winterdaunenjacke verschwunden ist?
Sie hat sie auf den Balkon gehängt, weil sie im Schrank „zu viel Platz wegnahm“, und dort wurde sie feucht und schimmelte.
Oleg stellte das Glas mit einem Krachen auf den Tisch.
Wasser spritzte auf die Tischdecke und breitete sich als dunkler Fleck über den Stoff aus.
— Klamotten und Gewürze, — schnaubte er verächtlich.
— Du fängst schon wieder damit an.
Du misst Beziehungen an Sachen.
Meine Mutter kümmert sich um Hygiene und Ordnung.
Wenn sie deine Jacke weggeräumt hat, dann hing sie eben schlampig da.
Wenn sie deine Kräuter weggeworfen hat, dann haben sie gestunken.
Sie hat vierzig Jahre Erfahrung in der Haushaltsführung, und du bist noch kein Jahr verheiratet.
Anstatt Danke für die Lehre zu sagen, tauschst du die Schlösser aus.
— Das ist mein Zuhause, Oleg! — Tatjana umklammerte die Stuhllehne so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.
— Wir zahlen die Hypothek aus unserem gemeinsamen Budget.
Ich arbeite in zwei Jobs, damit wir sie früher abbezahlen können.
Ich habe das Recht, nach Hause zu kommen und meine Sachen dort zu finden, wo ich sie gelassen habe!
Oleg machte einen Schritt auf sie zu.
Er bewegte sich weich und selbstherrlich und füllte mit sich den ganzen Raum der kleinen Küche aus.
Er kam ganz nah, zwang Tatjana, sich gegen die Arbeitsplatte zu drücken, doch zurückweichen konnte sie nicht mehr.
— Lass uns einen Punkt klarstellen, wenn du schon von Rechten sprichst, — seine Stimme wurde leise und schmeichelnd, sodass Tatjana ein Kälteschauer über den Rücken lief.
— Die Hypothek zahlen wir zusammen, ja.
Aber die Anzahlung hat Mama gegeben.
Jene anderthalb Millionen, die sie ihr Leben lang zusammengespart hat.
Nicht deine Eltern, Tanja, wohlgemerkt.
Sondern meine Mutter.
Technisch, juristisch magst du hier vielleicht Miteigentümerin eines Anteils sein.
Aber nach Gewissen, nach menschlichem Verständnis lebst du hier auf Kredit.
Diese Wohnung ist die Fortsetzung ihres Willens, ihres Beitrags.
Er tippte ihr mit dem Finger gegen die Brust — schmerzhaft, hart — und betonte jedes Wort.
— Du bist hier nicht die Hausherrin.
Du bist die Frau des Sohnes der Hausherrin.
Spürst du den Unterschied?
Du bist in etwas Fertiges gekommen, in ein gemachtes Nest.
Und solange wir nicht alles bis auf den letzten Kopeken abbezahlt haben, solange wir Mama ihren Beitrag nicht zurückgegeben haben — und wir werden ihn nie zurückgeben, weil die Arbeit einer Mutter unbezahlbar ist — wirst du still sitzen.
Galina Petrowna hat das volle Recht, hier sogar um drei Uhr nachts hereinzukommen, jeden Schrank zu öffnen und jeden Topf zu kontrollieren.
Denn sie prüft, ob du die Investition ihrer Familie nicht versaut hast.
Tatjana sah ihm in die Augen und erkannte darin eine absolute, undurchdringliche Wand.
Er glaubte aufrichtig an das, was er sagte.
Für ihn war Familie nicht die Verbindung zweier erwachsener Menschen, sondern eine starre Armeestruktur, in der der General die Mutter ist, er der treue Offizier und sie, Tatjana, ein einfacher Rekrut, den man drillen muss.
— Also bin ich für dich nur Bedienungspersonal? — fragte sie leise.
— Ein Anhängsel zu den Quadratmetern?
— Du bist eine Frau, die ihren Platz kennen soll, — Oleg wandte sich ab und verlor das Interesse am Streit.
Er zog sein Telefon hervor und sah auf den Bildschirm.
— Mama ist in fünfzehn Minuten hier.
Ich habe ihr geschrieben, dass es ein Problem mit dem Schloss gab, ein Fabrikfehler, es klemmte.
Dass ich alles repariert habe und auf sie warte.
Er drehte sich wieder zu Tatjana um, und sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse des Ekels.
— Sieh dich an.
Zerzaust, schmutzig, die Bluse ausgeleiert.
In diesem Zustand willst du Galina Petrowna empfangen?
Damit sie denkt, dass ich mit einer Obdachlosen lebe?
— Ich will sie nicht sehen, — Tatjana schüttelte den Kopf.
— Ich gehe ins Schlafzimmer.
— Bleib stehen! — brüllte Oleg so scharf, dass sie zusammenzuckte.
— Kein Schlafzimmer.
Du gehst jetzt sofort ins Bad, wäschst dich, bringst dich in Ordnung.
Dann setzt du Wasser auf.
Du holst das Service heraus, das Mama uns zum Jahrestag geschenkt hat.
Und du schneidest Käse und Wurst auf.
Dünn, wie sie es mag.
— Das werde ich nicht tun, Oleg.
Er packte sie am Kinn, drückte grob mit den Fingern ihre Wangen zusammen und zwang sie, ihn direkt anzusehen.
In seinen Pupillen war weder Liebe noch Mitleid — nur kalte Entschlossenheit, ihren Widerstand um jeden Preis zu brechen.
— Du wirst das tun, Tanja.
Denn wenn du jetzt eine Szene machst oder dich im Zimmer einschließt, schlage ich die Tür ein.
Ich werde dir so ein Leben machen, dass du um die Scheidung betteln wirst, aber ich werde sie dir nicht geben.
Ich werde jeden einzelnen deiner Tage in die Hölle verwandeln.
Willst du Krieg?
Du wirst ihn bekommen.
Aber bedenke, ich bin auf meinem Territorium, und die Garnison hinter meinem Rücken ist stärker.
Er ließ ihr Gesicht los, als hätte er einen unnötigen Gegenstand weggeworfen.
— Du hast zehn Minuten.
Wenn bis Mamas Ankunft kein Tee auf dem Tisch steht und du mit einer sauren Mine dasitzt, bist du selbst schuld.
Ich habe dich gewarnt.
Oleg verließ die Küche und stieß demonstrativ mit der Schulter gegen sie.
Tatjana blieb stehen und lauschte dem Dröhnen in ihren Ohren.
Es kam ihr vor, als würden sich die Wände der Küche zusammenziehen und die letzten Reste ihres Willens aus ihr herauspressen.
Sie verstand, dass dies nicht einfach nur ein Streit war.
Es war ein Augenblick der Wahrheit, ein Punkt ohne Rückkehr.
Der Mann, mit dem sie das Bett geteilt hatte, respektierte sie nicht nur nicht — er hielt sie für sein Eigentum, für eine Funktion, die man mit einem Faustschlag oder einem groben Wort neu einstellen konnte.
Im Flur knallte die Badezimmertür — Oleg war gegangen, um sich nach der „dreckigen Arbeit“ die Hände zu waschen.
Tatjana sah auf die Uhr.
Vierzehn Minuten bis zum Besuch.
Vierzehn Minuten, bis die wahre Hausherrin diese Wohnung betreten würde, um auf den Trümmern ihrer Selbstachtung Parade abzunehmen.
Das Klingeln an der Tür zerschnitt die dichte, elektrisch geladene Stille der Wohnung wie ein Skalpell.
Es war kurz, fordernd und doppelt — genau so klingelte Galina Petrowna immer.
Es war keine Frage „Darf ich hereinkommen?“, sondern die Mitteilung: „Ich bin schon da, macht sofort auf.“
Oleg fuhr zusammen.
Seine ganze Haltung, die noch vor einer Sekunde Drohung und selbstherrliche Überlegenheit ausgedrückt hatte, veränderte sich augenblicklich.
Die Schultern sanken, sein Gesicht nahm einen Ausdruck besorgter Ehrerbietung an, sogar seine Schritte wurden geschäftig.
Er schoss in den Flur und strich sich im Gehen die Haare glatt und zupfte am Pullover.
Tatjana blieb im Türrahmen der Küche stehen.
Sie deckte den Tisch nicht.
Sie holte nicht das Service heraus.
Sie verschränkte einfach die Arme vor der Brust, spürte, wie unter ihren Rippen der dumpfe Schmerz der Prellung pochte, und sah zu, wie ihr Mann die Tür für die wahre Besitzerin ihres Lebens aufriss.
— Mama!
Komm rein, komm schnell rein, — plapperte Oleg und half der eingetretenen Frau über die Schwelle.
— Verzeih die Verzögerung.
Dieses chinesische Schloss, verflucht sei es, war völlig verklemmt.
Ich musste herumwerkeln, alles schmieren …
Galina Petrowna betrat die Wohnung so, wie ein Eisbrecher in eine gefrorene Bucht fährt — langsam, schwer und unaufhaltsam.
Es war eine große Frau mit massiger Brust und einer hohen „lackierten“ Frisur, die sich selbst unter der Wintermütze nicht bewegt hatte.
Von ihr gingen frostige Frische und der schwere, süßliche Duft von „Krasnaja Moskwa“ aus, ein Geruch, der sofort alle anderen Aromen im Flur verdrängte.
Sie antwortete ihrem Sohn nicht sofort.
Zuerst warf sie einen kritischen Blick auf den Türrahmen, strich mit dem behandschuhten Finger über den neuen Schließzylinder, als prüfe sie die Qualität der Arbeit, und erst dann erlaubte sie Oleg mit einem schweren Seufzer, ihr den dicken Pelzmantel abzunehmen.
— Geschmiert, sagst du? — ihre Stimme war tief, schwer, mit genau den Intonationen, bei denen Tatjana immer der Magen verkrampfte.
— Und ich dachte schon sündigerweise, dass man mich hier nicht sehen will.
Ich stand im Durchzug wie eine arme Verwandte.
Bei den Nachbarn bellt ein Hund, im Treppenhaus wird geraucht …
— Ach was, Mama! — Oleg wuselte um sie herum, hängte ihre Kleidung an den Bügel und versuchte, es ihr recht zu machen.
— Wie konntest du so etwas denken?
Du weißt doch, wir freuen uns immer über dich.
Es hat einfach nur die Technik versagt.
Galina Petrowna drehte schließlich den Kopf und sah Tatjana an.
In ihrem Blick lag kein Gruß.
Es war der Blick einer Gesundheitsinspektorin, die in der Suppe eines Spitzenrestaurants eine Kakerlake entdeckt hat — eine Mischung aus Ekel und müder Enttäuschung.
— Guten Tag, Tanja, — warf sie trocken hin und ging an der Schwiegertochter vorbei tiefer in den Korridor.
— Du bist ja blass.
Sitzt du schon wieder auf einer deiner Diäten?
Oder freust du dich einfach nicht?
— Guten Tag, Galina Petrowna, — antwortete Tatjana leise, ohne die Arme zu lösen.
— Ich bin einfach nur müde von der Arbeit.
— Wir arbeiten alle, mein Kindchen.
Ich habe dreißig Jahre in der Fabrik geschuftet und trotzdem meinen Mann mit einem Lächeln empfangen und Kuchen gebacken, — sagte die Schwiegermutter belehrend, während sie schon im Wohnzimmer war.
Sie begann ihren Rundgang.
Das war kein Höflichkeitsbesuch.
Galina Petrowna bewegte sich durch das Zimmer und berührte Gegenstände, als markiere sie ihr Revier.
Sie richtete den Vorhang, indem sie daran zog, damit die Falten ordentlicher fielen.
Sie schob die Vase auf dem Couchtisch zwei Zentimeter nach links, in die Mitte der Deckchen.
Sie strich mit der Hand über die Rückenlehne des Sofas und prüfte, ob Staub darauf lag.
Oleg tappte hinter ihr her und schaute ihr ergeben ins Gesicht.
— Wie findest du die neuen Tapeten bei Tageslicht, Mama?
Wir überlegen noch, Wandleuchten aufzuhängen …
— Zu dunkel, — fällte Galina Petrowna ihr Urteil, ohne die Wände überhaupt anzusehen.
— Ich habe doch gesagt: nehmt pfirsichfarbene.
Und diese grauen … wie in einer Gruft.
Das drückt auf die Psyche.
Kein Wunder, dass die Stimmung bei euch angespannt ist.
Sie blieb abrupt mitten im Zimmer stehen und schnupperte.
— Wonach riecht das hier?
Nach Staub?
Oleg, lassen sich bei euch die Fenster überhaupt öffnen?
Eine fürchterliche stickige Luft.
— Wir lüften sofort, Mama, sofort! — Oleg sprang zum Fenster und riss das Oberlicht auf, sodass eisige Luft hereinströmte.
Galina Petrowna ging inzwischen auf den großen Kleiderschrank mit Schiebetüren zu.
Tatjana spannte sich an.
Das war privater Raum, dort hingen ihre Sachen, dort lag die Wäsche.
Doch das hielt die Schwiegermutter nicht auf.
Mit einem Klirren schob sie die Spiegeltür zur Seite.
— Galina Petrowna, bitte, schauen Sie dort nicht hinein, — hielt Tatjana es nicht mehr aus und machte einen Schritt nach vorn.
— Dort ist nicht aufgeräumt.
Die Schwiegermutter erstarrte, die Hand an einem Regal mit Bettwäsche.
Langsam drehte sie den Kopf zur Schwiegertochter.
In ihren Augen lag aufrichtige Verwunderung, die an Empörung grenzte.
— Nicht hineinschauen? — fragte sie nach, und in ihrer Stimme klang Metall.
— Greife ich deiner Meinung nach etwa in fremde Taschen?
Ich sehe nach, in welchem Zustand das Eigentum meines Sohnes gehalten wird.
Demonstrativ zog sie einen Stapel Handtücher aus dem Regal.
Eines davon, ein blaues Frotteehandtuch, entfaltete sich.
— Na selbstverständlich, — sagte sie triumphierend und stieß mit dem Finger in den Stoff.
— Nicht gebügelt.
Verknautscht wie aus dem Hintern gezogen.
Oleg, trocknest du dir mit so etwas das Gesicht ab?
— Tanja hatte einfach keine Zeit, Mama … — versuchte Oleg schwach seine Frau zu rechtfertigen, verstummte jedoch unter dem Blick seiner Mutter.
— Keine Zeit, — äffte Galina Petrowna nach und warf das Handtuch zurück in den Schrank wie einen schmutzigen Lappen.
— Aber Schlösser auswechseln, dafür reicht die Zeit.
Sie schlug den Schrank zu, sodass die Spiegel klirrten.
Dann fiel ihr Blick auf den Boden, wo an der Sockelleiste noch weißliche Spuren des verschütteten Puders zu sehen waren, den Tatjana in der Eile nicht gründlich genug weggewischt hatte.
— Und was ist das? — sie zeigte mit einem manikürten Finger auf den Fleck.
— Verteilt man hier Dreck?
Läuft man in Straßenschuhen durch die Wohnung?
— Das … wurde versehentlich verschüttet, — murmelte Oleg und warf seiner Frau einen bösen Blick zu.
Galina Petrowna schüttelte den Kopf und presste die Lippen zusammen.
Sie ging in die Küche, und Tatjana begriff: Jetzt kam das Finale.
Der Tisch war leer.
Keine Tischdecke, kein Service, keine Bewirtung.
Nur der nasse Fleck vom Wasser, das Oleg verschüttet hatte, und eine einsame Zuckerdose.
Die Schwiegermutter blieb mitten in der Küche stehen und sah die Leere des Tisches an.
Die Stille wurde schrill.
Langsam hob sie den Blick zum Sohn, dann zur Schwiegertochter.
— Ich bin quer durch die ganze Stadt gefahren, — sagte sie leise mit erschreckender Ruhe.
— Ich habe euch hausgemachte Frikadellen gebracht, Gläser mit Eingemachtem.
Ich habe mir Sorgen gemacht.
Und man empfängt mich mit einem leeren Tisch und einer verschlossenen Tür?
Sie stellte die schwere Tasche auf den Stuhl und begann, Gläser auf den Tisch zu stellen, wobei das Glas laut auf die Platte schlug.
— Hier, fresst, — sagte sie bei jedem Schlag.
— Gurken.
Letscho.
Pilze.
Die Mutter ist ja nicht stolz, die Mutter wird euch schon bedienen.
Und die Schwiegertochter, unsere Zarenprinzessin, hat nicht einmal Zeit, den Wasserkocher anzustellen.
— Mama, warte, ich mache sofort alles! — Oleg fuhr zum Wasserkocher, aber Galina Petrowna hielt ihn mit einer herrischen Geste auf.
— Nicht nötig, — sagte sie in eisigem Ton.
— Ich will nicht.
Mir ist der Appetit vergangen.
Weißt du, Oleg, ich komme in diese Wohnung und habe nicht das Gefühl, dass ich zu Hause bin.
Ich habe das Gefühl, ich bin im feindlichen Hinterland.
Hier ist es kalt, schmutzig und man freut sich hier nicht über mich.
Sie setzte sich auf den Stuhl, stützte sich schwer mit den Händen auf die Knie und sah ihren Sohn von unten her lange und bedeutungsvoll an.
— Ich bin natürlich eine alte Frau und kann auch mal etwas ertragen.
Aber sag mir, mein Sohn, wie lange willst du noch in so einem Schweinestall mit einer Frau leben, die dich nicht respektiert?
Die deine Mutter nicht einmal über die Schwelle lässt?
Ich bin doch nicht ewig, Oleg.
Und mein Herz ist auch nicht aus Eisen.
Oleg erstarrte mit dem Wasserkocher in der Hand.
Sein Gesicht verdunkelte sich.
Langsam stellte er den Wasserkocher zurück auf die Basis und drehte sich zu Tatjana um.
In seinen Augen war nicht einmal mehr ein Rest Menschlichkeit — nur die kalte Wut eines Fanatikers, dem man auf einen Ketzer gezeigt hat.
— Hast du gehört, was Mama gesagt hat? — fragte er flüsternd, und davon wurde Tatjana innerlich eiskalt.
— Du hast sie so weit gebracht.
Du hast die Mutter zu Tränen gebracht.
— Sie weint nicht, Oleg, — antwortete Tatjana und sah auf das völlig trockene, steinerne Gesicht der Schwiegermutter.
— Sie manipuliert dich.
— Halt den Mund! — schrie Oleg und schlug mit der Faust auf den Tisch, sodass die Gläser mit Eingemachtem hochsprangen.
Galina Petrowna zuckte nicht einmal zusammen.
Sie saß reglos da wie ein Monument und beobachtete das Geschehen mit dem Blick einer Richterin, die das Todesurteil bereits gefällt hat und nur noch auf dessen Vollstreckung wartet.
— Entscheide dich, mein Sohn, — sagte sie in die Leere, ohne jemanden anzusehen.
— Entweder bringen wir hier ein für alle Mal Ordnung hinein, oder ich setze keinen Fuß mehr hierher.
In diesen Schlangennest gehe ich keinen Schritt mehr hinein.
Oleg atmete schwer.
Er sah seine Mutter an, dann seine Frau.
Die Entscheidung war längst getroffen, noch bevor sie ausgesprochen wurde.
Der Mechanismus, der vor vielen Jahren durch die herrische Hand der Mutter in Gang gesetzt worden war, funktionierte fehlerlos.
— Tanja, — sagte er mit fremder, toter Stimme.
— Die Schlüssel.
Alle Sätze.
Auf den Tisch.
Und entschuldige dich bei Mutter.
Auf den Knien.
Sofort.
— Auf die Knie? — wiederholte Tatjana.
Ihre Stimme klang in der dichten, nach Marinade und fremdem Parfüm riechenden Küchenluft erstaunlich ruhig.
Sie sah ihren Mann an und beobachtete, wie sein von der Erwartung verzerrtes Gesicht sich in die Maske eines fremden, gefährlichen Menschen verwandelte.
— Meinst du das ernst, Oleg?
Du willst, dass ich vor ihr krieche, weil sie ihre Tür mit ihren eigenen Schlüsseln nicht öffnen konnte?
— Ich will, dass du deinen Platz kennst, — zischte Oleg und machte einen Schritt auf sie zu.
Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
— Du hast meine Mutter beleidigt.
Du hast ihr das Gefühl gegeben, überflüssig zu sein.
In meinem Haus ist das ein Verbrechen.
Ich zähle bis drei.
Eins.
Galina Petrowna saß reglos.
Sie sah die Schwiegertochter nicht einmal an und konzentrierte sich ganz auf ein Glas Gurken.
Sie nahm eine heraus und biss knirschend hinein, und dieses Geräusch kam in der Stille wie ein ohrenbetäubender Schuss vor.
Sie kaute langsam, genüsslich, und zeigte mit ihrem ganzen Auftreten: Die Gerechtigkeit wird vollzogen, und sie ist unausweichlich.
— Ich werde das nicht tun, — sagte Tatjana und sah ihrem Mann direkt in die Augen.
— Und die Schlüssel gebe ich dir auch nicht.
Wenn du mit deiner Mutter leben willst — dann leb mit ihr.
Aber ohne mich.
— Zwei, — sprach Oleg, und in seinen Augen loderte ein kaltes, rasendes Feuer auf.
— Du hast wohl nicht verstanden.
Das ist keine Bitte.
Das ist die Bedingung dafür, dass du hier bleiben darfst.
— Dann entscheide ich mich dagegen, hier zu bleiben, — Tatjana drehte sich um, um ins Zimmer zu gehen und ihre Sachen zu packen, doch Oleg war schneller.
Er riss sie an der Schulter herum und drehte sie grob zu sich.
Seine Finger bohrten sich schmerzhaft in das weiche Fleisch ihres Arms und hinterließen blaue Flecken.
— Wohin willst du? — brüllte er ihr ins Gesicht und stieß ihr den Geruch von abgestandenem Atem und Wut entgegen.
— Sachen packen?
Koffer packen?
Nein, meine Liebe.
Du bist hier als Bettlerin hereingekommen und als Bettlerin wirst du auch gehen.
Er zerrte sie in den Flur.
Tatjana versuchte, die Füße gegen das Laminat zu stemmen, hielt sich mit der freien Hand an den Türrahmen fest, aber Oleg war stärker.
Er handelte mit erschreckender Effizienz, als hätte er dieses Szenario lange in Gedanken geprobt.
Galina Petrowna blieb in der Küche und rief ihm nur laut hinterher:
— Richtig so, mein Sohn!
Fäulnis muss man sofort herausschneiden, bevor sie das ganze Haus ansteckt.
Man darf mit ihr nicht zimperlich sein, Güte versteht sie nicht!
Oleg schleifte Tatjana in den Korridor.
Dort lagen noch immer ihre Sachen herum, die er am Anfang des Abends aus der Tasche auf den Boden geschüttet hatte — Lippenstift, Feuchttücher, Kassenzettel.
Jetzt flogen sie unter seinen Füßen in alle Richtungen.
— Hau ab, — röchelte er und stieß sie zur Eingangstür.
— Sofort.
Raus!
— Gib mir wenigstens meine Jacke!
Es ist Winter draußen! — schrie Tatjana und versuchte, sich aus seinem eisernen Griff zu befreien.
— Du hast kein Recht, mich im Pullover in den Frost zu jagen!
Oleg hielt einen Moment inne.
Er sah zur Garderobe, an der ihr Mantel hing und ihre Winterstiefel standen.
Ein Grinsen verzog seinen Mund.
— Ach, die Jacke? — fragte er.
— Bitte sehr.
Heute bin ich großzügig.
Er riss den Mantel vom Haken, reichte ihn ihr aber nicht in die Hand.
Er riss die Eingangstür auf und schleuderte die Kleidung direkt auf den schmutzigen Beton des Treppenabsatzes.
Dann flogen die Stiefel hinterher — einer schlug gegen das Geländer und fiel ein Stockwerk tiefer, der andere krachte dumpf gegen die Tür des Nachbarn.
— Und jetzt — verschwinde, — Oleg packte Tatjana am Kragen wie ein fehlgeleitetes Kätzchen.
— Oleg, nicht, bitte! — das war kein Hilferuf mehr, sondern der letzte Versuch, an einen Rest seines Verstandes zu rühren.
— Du bist doch ein Mensch!
Was tust du da?!
— Ich bin der Sohn meiner Mutter, — entgegnete er.
Ein heftiger Stoß in den Rücken presste ihr die Luft aus dem Leib.
Tatjana flog auf das Treppenpodest hinaus, verlor das Gleichgewicht und fiel auf die Knie, wobei sie hart auf den eiskalten Betonboden aufschlug.
Ihre Handflächen brannten vor Kälte und Schmutz.
Sie hob den Kopf, rang nach Luft und sah ihren Mann im Lichtausschnitt der Tür stehen.
Er ragte über ihr auf, ein riesiger, dunkler Umriss vor dem Hintergrund des warmen, gemütlichen Flurs.
Hinter seinem Rücken, weiter in der Wohnung, huschte die Gestalt Galina Petrownas vorbei.
Die Schwiegermutter war in den Korridor gekommen und trocknete sich die Hände mit einem Handtuch ab.
Sie sah auf die Schwiegertochter hinab, die auf dem Boden lag, mit einem Ausdruck angeekelter Zufriedenheit, als hätte sie gerade den Müll hinausgebracht.
— So, sie wollte also die Schlösser austauschen, — sagte die Schwiegermutter laut und wandte sich an ihren Sohn, aber so, dass Tatjana es hören konnte.
— Dann soll sie jetzt eben das Treppenhaus bewachen.
Dort ist ihr Platz.
Mach zu, Oleschenka, es zieht.
— Die Schlüssel, — erinnerte sich Oleg.
Er trat über die Schwelle, beugte sich hinunter und riss den verfluchten Schlüsselbund aus der Tasche von Tatjanas Jeans, die sie nach der Arbeit gar nicht mehr hatte wechseln können.
Tatjana wehrte sich nicht einmal mehr — sie befand sich in einer Erstarrung aus Schrecken und Schmerz.
— Jetzt herrscht Ordnung, — sagte er und richtete sich auf.
— Nun wirst du mein Schloss nicht mehr anfassen.
Die Scheidungspapiere schicke ich dir per Post.
Und wag es nicht zurückzukommen, sonst werde ich dich die Treppe wirklich hinunterwerfen.
Die Tür fiel zu.
Das Geräusch war kurz und endgültig wie der Schlag eines Richterhammers.
Das Schloss klickte.
Dann eine zweite Umdrehung.
Dann eine dritte.
Das Kratzen des Metalls hallte durch das hohle Treppenhaus und widerhallte in Tatjanas Kopf.
Sie blieb allein zurück.
In Socken auf eisigem Beton.
Neben ihr lag der Mantel, verschmutzt mit Kalk und Staub, und irgendwo unten, in der Dunkelheit des Treppenlaufs, lag ein einsamer Stiefel.
Hinter der geschlossenen Tür war kein Laut zu hören — keine Schreie, keine Streiterei.
Dort drinnen herrschte vollkommene Harmonie.
Der Sohn war zur Mutter zurückgekehrt und hatte das fremde Element verstoßen.
Tatjana streckte langsam die Hand nach dem Mantel aus und verzog das Gesicht vor Schmerz in den geprellten Knien.
Ihre Hände zitterten, aber Tränen gab es nicht.
In ihr war alles ausgebrannt und hatte nur eine klingende, kristallklare Klarheit zurückgelassen.
Sie warf den Mantel einfach über die Schultern, spürte, wie die Kälte bis in die Knochen kroch, und sah auf den Türspion, in dem bereits das Licht erloschen war.
Das Leben, das sie drei Jahre lang aufgebaut hatte, endete nicht vor Gericht und nicht bei der Aufteilung des Eigentums.
Es endete mit dem Klicken eines Schlosses, das sie so unbedacht hatte austauschen wollen.



