— Du wirst mir dein Gehalt geben, — erklärte Alexej seiner Frau, — und danach reden wir weiter.

Olga erstarrte mitten im Flur, ohne ihren Mantel überhaupt ausgezogen zu haben.

In der Hand hielt sie eine Tasche mit Dokumenten, die sie aus dem Büro mitgebracht hatte, um sie zu Hause fertigzubearbeiten.

Alexej stand im Türrahmen des Wohnzimmers und versperrte ihr den Weg.

Auf seinem Gesicht spielte dieses selbstzufriedene Grinsen, das Olga in den letzten drei Ehejahren hassen gelernt hatte.

— Was hast du gesagt? — fragte sie nach und hoffte, sie habe sich verhört.

— Du hast alles ganz genau gehört, — Alexej machte einen Schritt nach vorn.

— Morgen bekommst du dein Gehalt.

Du überweist alles auf meine Karte.

OHNE DISKUSSIONEN.

Olga hängte langsam den Mantel in den Schrank und versuchte, das Zittern in ihren Händen zu beruhigen.

Es war nicht das erste Mal.

Im letzten Jahr verlangte Alexej immer häufiger ihr Geld — mal für ein „wichtiges Treffen mit Geschäftspartnern“, mal für ein „vielversprechendes Business-Projekt“, mal einfach nur, weil „der Mann über das Familienbudget bestimmen muss“.

— Alexej, wir hatten doch eine Abmachung.

Ich habe Verpflichtungen — die Hypothek für die Wohnung meiner Eltern, die Behandlung meines Vaters…

— DEINE VERPFLICHTUNGEN sind mir SCHEISSEGAL! — unterbrach ihr Mann sie.

— Dein Vater ist ein erwachsener Mann, er soll sich selbst um sich kümmern.

Und du bist meine Frau, und dein Gehalt — das ist unser gemeinsames Geld.

— Unser gemeinsames? — Olga ging in die Küche und versuchte, ihren Mann nicht anzusehen.

— Erinnerst du mich bitte daran, wann du das letzte Mal auch nur einen Kopeken nach Hause gebracht hast?

Alexej folgte ihr.

— Ich BAUE ein Geschäft auf!

Das braucht Zeit und Investitionen!

Und du, statt deinen Mann zu unterstützen, klammerst dich an deine lächerlichen Groschen!

Olga schaltete den Wasserkocher ein und nahm eine Tasse aus dem Schrank.

Ihre Hände zitterten noch immer, aber sie versuchte, ruhig zu bleiben.

— Lächerliche Groschen?

Ich arbeite als Hauptbuchhalterin in einer Baufirma.

Mein Gehalt sind keine Groschen, Alexej.

Das ist das Geld, von dem wir seit zwei Jahren leben.

— Eben genau! — rief er aus.

— Du hast ein gutes Gehalt, warum soll ich also um jeden Kopeken betteln müssen?

Ich bin dein MANN!

Olga goss kochendes Wasser in die Tasse und drehte sich zu Alexej um.

In seinen Augen sah sie weder Liebe noch Fürsorge — nur Gier und Verachtung.

— Im letzten Monat hast du zweihunderttausend für dein „Projekt“ bekommen.

Wo ist dieses Geld?

— Das geht dich nichts an! — fauchte Alexej.

— Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig!

— Aber ich bin verpflichtet, dir mein ganzes Gehalt zu geben?

— JA! — schrie er.

— Weil ich das Oberhaupt der Familie bin!

Und Schluss mit den Diskussionen!

Morgen erwarte ich die Überweisung auf meine Karte.

Den GESAMTEN Betrag!

Alexej drehte sich um und verließ die Küche.

Eine Minute später knallte die Eingangstür — er war gegangen, wie gewöhnlich zu seinen „Geschäftspartnern“.

Olga setzte sich auf einen Stuhl.

Die Teetasse auf dem Tisch kühlte aus, aber das war ihr egal.

Sie dachte darüber nach, wie ihr Leben so weit hatte kommen können.

Eine kluge, gebildete Frau, die ihrem Mann erlaubt, sie zu demütigen und Geld zu verlangen wie irgendein Erpresser.

Am nächsten Morgen wachte Olga allein auf — Alexej war nicht nach Hause gekommen.

Das geschah immer häufiger, und sie fragte schon längst nicht mehr, wo er die Nächte verbrachte.

Die Antwort war immer dieselbe: „Ich habe wichtige Geschäftsfragen geklärt.“

Bei der Arbeit zog sich der Tag endlos hin.

Olga prüfte mechanisch Dokumente und erstellte Berichte, aber ihre Gedanken kehrten immer wieder zu dem gestrigen Gespräch zurück.

In der Mittagspause schaute ihre Kollegin Marina in ihr Büro.

— Olj, du bist heute irgendwie blass.

Ist alles in Ordnung?

Olga wollte wie gewöhnlich abwinken und sagen, dass alles gut sei, aber völlig unerwartet brach sie in Tränen aus.

Marina schloss die Bürotür und umarmte ihre Freundin.

— Erzähl, was ist passiert.

Und Olga erzählte.

Von Alexejs Forderungen, von seinen „Business-Projekten“, die aus irgendeinem Grund nie Gewinn brachten, davon, wie er ihre Arbeit verachtete und ihre Erfolge als sein eigenes Verdienst betrachtete.

— Moment mal, — unterbrach Marina sie.

— Dein Alexej — ist das nicht dieser Lescha Petrow, der unserem Direktor vor einem halben Jahr irgendein seltsames Liefermodell vorgeschlagen hat?

— Was? — Olga hob ihre verweinten Augen.

— Wovon sprichst du?

— Na, Viktor Pawlowitsch hat damals noch darüber gelacht.

Er sagte, irgendein windiger Typ sei gekommen und habe goldene Berge versprochen, wenn die Firma in sein „Projekt“ investieren würde.

Nur dass es überhaupt kein Projekt gab, nur schöne Worte.

Viktor Pawlowitsch hat ihn rausgeworfen.

Olga erinnerte sich daran, wie Alexej sie vor einem halben Jahr gebeten hatte, „ein gutes Wort“ beim Direktor für ihn einzulegen.

Sie hatte abgelehnt und gesagt, sie wolle Privates und Arbeit nicht vermischen.

Ihr Mann hatte damals einen riesigen Skandal veranstaltet und ihr vorgeworfen, dass sie nicht an ihn glaube und ihn nicht unterstütze.

— Marin, und wenn… wenn es überhaupt kein Geschäft gibt? — flüsterte Olga.

— Wo verschwindet dann das Geld, das du ihm gibst?

Diese Frage blieb in der Luft hängen.

Olga erinnerte sich an das neue teure Handy ihres Mannes, seine häufigen „Geschäftsessen“ in Restaurants, von denen er betrunken zurückkehrte, an die neue Uhr für dreihunderttausend, die er vor einem Monat gekauft hatte…

Als Olga am Abend nach Hause kam, fand sie Alexej im Wohnzimmer vor.

Er saß auf dem Sofa mit einem Laptop und hob nicht einmal den Kopf, als sie hereinkam.

— Hast du das Geld überwiesen? — fragte er statt einer Begrüßung.

— Nein, — antwortete Olga ruhig.

Alexej schlug den Laptop zu und stand vom Sofa auf.

— WAS?!

Ich habe doch klar gesagt…

— Alexej, erzähl mir von deinem Geschäft, — unterbrach Olga ihn.

— Was genau machst du?

Mit wem arbeitest du?

Was sind deine Pläne?

— Seit wann plötzlich dieses Interesse? — wurde ihr Mann misstrauisch.

— Du willst, dass ich Geld in deine Sache investiere.

Ich habe das Recht zu wissen, wofür es ausgegeben wird.

Alexej trat ganz dicht an sie heran.

Er roch nach Parfüm — noch so ein jüngster Kauf.

— Du hast NICHT das Recht, mir zu misstrauen!

Ich bin dein Mann!

Oder hast du dein Ehegelübde vergessen?

In guten wie in schlechten Zeiten, in Reichtum und Armut…

— Ich erinnere mich an mein Gelübde, — sagte Olga leise.

— Erinnerst du dich auch an deins?

Zu lieben und zu schützen?

— Wechsel nicht das Thema! — bellte Alexej.

— Geld auf die Karte!

SOFORT!

— Beantworte zuerst meine Frage.

Was für ein Geschäft?

Alexejs Gesicht lief dunkelrot an.

Er packte ihre Tasche vom Tisch und schüttelte den Inhalt heraus.

— Wo ist das Handy?

Überweis das Geld auf der Stelle!

— FASS meine Sachen NICHT AN! — Olga versuchte, die Tasche zurückzunehmen, aber Alexej stieß sie weg.

— Deine Sachen?

ALLES in diesem Haus gehört MIR!

Du bist hier niemand!

Eine graue Büroratte, die sich für eine Business-Lady hält!

Ohne mich würdest du noch immer in deiner kleinen Bude sitzen und jeden Kopeken zählen!

Olga wich bis an die Wand zurück und sah ihren Mann an, als hätte sie einen Fremden vor sich.

War das wirklich derselbe Alexej, der sie vor fünf Jahren auf Händen getragen, ihr versprochen hatte, sie glücklich zu machen, und ewige Liebe geschworen hatte?

— Weißt du was, — Olga richtete sich auf und sah ihrem Mann in die Augen.

— Ich gehe jetzt spazieren.

Wenn du dich beruhigt hast, reden wir.

— DU gehst nirgendwohin! — Alexej versperrte ihr den Weg zur Tür.

— Erst das Geld!

Aber Olga hatte bereits den Mantel genommen und ging zum Ausgang.

Alexej packte sie am Arm und drehte sie zu sich um.

— Hörst du mich?!

Ich habe gesagt…

— LASS LOS! — Olga riss ihren Arm frei.

— Fass mich nicht an!

Sie stürzte aus der Wohnung, ohne auf die Schreie ihres Mannes zu achten.

Draußen nieselte feiner Herbstregen, aber Olga bemerkte ihn nicht einmal.

Sie ging, wohin ihre Augen sie trugen, und versuchte, sich zu beruhigen und ihre Gedanken zu ordnen.

Das Handy in ihrer Tasche vibrierte pausenlos — Alexej rief ununterbrochen an.

Dann kamen die Nachrichten:

„Komm sofort zurück!“

„Ich warte auf eine Erklärung!“

„Wenn du nicht innerhalb einer Stunde zurückkommst, bist du selbst schuld!“

„Du wirst dein Verhalten noch bereuen!“

Olga schaltete das Handy aus und ging in ein Café.

Sie bestellte Tee und setzte sich ans Fenster.

Am Nebentisch saß ein älteres Paar — der Mann erzählte etwas, die Frau lachte, und er strich ihr liebevoll über die Hand.

Eine einfache Geste, voller Liebe und Fürsorge.

Wann hatte Alexej sie zuletzt so berührt?

Plötzlich setzte sich eine junge Frau mit einem Kind an ihren Tisch.

— Entschuldigen Sie, darf ich mich zu Ihnen setzen?

Alle Tische sind besetzt.

— Natürlich, — nickte Olga.

Die Frau setzte ihre Tochter hin und bestellte für sie Saft und Kekse.

Das etwa fünfjährige Mädchen betrachtete Olga neugierig.

— Tante, warum sind Sie traurig? — fragte sie plötzlich.

— Lisa! — wies ihre Mutter sie zurecht.

— So darf man nicht reden!

— Es ist schon in Ordnung, — lächelte Olga.

— Ich bin nur müde von der Arbeit.

— Meine Mama ist auch müde, — sagte das Mädchen ernst.

— Aber Papa nimmt sie in den Arm, und dann wird sie sofort fröhlich!

Die Mutter des Mädchens lächelte verlegen, und Olga bekam brennende Augen.

Wann hatte Alexej sie überhaupt einfach so umarmt, nur um sie zu unterstützen?

Als sie zwei Stunden später nach Hause zurückkehrte, fand Olga völliges Chaos vor.

Alexej hatte all ihre Sachen durchwühlt und offensichtlich nach Bankkarten oder Dokumenten gesucht.

Er selbst saß im Sessel mit einer Flasche Cognac.

— Da bist du ja endlich! — presste er hervor.

— Wo bist du herumgelaufen?

— Spazieren, — antwortete Olga ruhig und begann, die verstreuten Sachen einzusammeln.

— LASS DAS! — brüllte Alexej.

— Erst reden wir!

Olga richtete sich auf und sah ihren Mann an.

Seine Augen waren trüb vom Alkohol, das Hemd aufgeknöpft, die Haare zerzaust.

Ein jämmerlicher Anblick.

— Gut, reden wir.

Alexej, ich will die Scheidung.

Ihr Mann verschluckte sich am Cognac.

— Was?!

Du bist verrückt geworden!

— Nein.

Ich habe endlich angefangen, klar zu denken.

Unsere Ehe ist eine Farce.

Du liebst mich nicht, nur mein Geld.

— Wie kannst du es WAGEN! — Alexej sprang auf und schwankte.

— Was ich alles für dich getan habe!

— Was genau hast du für mich getan? — fragte Olga.

— Erleuchte mich.

— Ich… ich habe dich geheiratet!

Eine einfache Buchhalterin!

Ich habe dir den Status einer verheirateten Frau gegeben!

— Geheiratet… Status? — Olga lachte freudlos.

— Alexej, als wir uns kennenlernten, warst du Verkaufsmanager und hast ein Zimmer gemietet.

Ich war es, die dir vorgeschlagen hat, zu mir zu ziehen.

Von meinem Geld „baust“ du seit zwei Jahren dein „Geschäft“ auf.

— HALT DEN MUND! — schrie Alexej.

— Du verstehst nichts von Geschäften!

Alle großen Unternehmer haben bei null angefangen!

Und ihre Frauen haben sie unterstützt, statt sie ständig zu nerven!

— Ich nerve nicht.

Ich will nur wissen, wohin das Geld verschwindet.

Zeig mir wenigstens ein Dokument zu deinem Geschäft.

Einen Vertrag, eine Rechnung, irgendetwas.

Alexej schwieg und ballte die Fäuste.

Dann presste er durch die Zähne:

— Morgen.

Morgen zeige ich dir alles.

Und jetzt — Geld auf die Karte!

— NEIN, — sagte Olga fest.

— Kein Kopeke mehr.

Was danach geschah, erinnerte sie nur verschwommen.

Alexej schleuderte die Flasche gegen die Wand, Splitter flogen durchs Zimmer.

Er schrie, drohte ihr, beschimpfte sie mit den schlimmsten Worten.

Olga schloss sich im Schlafzimmer ein und hörte die ganze Nacht lang, wie ihr Mann die Wohnung verwüstete.

Am Morgen verließ Olga das Schlafzimmer, als sie hörte, wie die Eingangstür zuschlug.

Alexej war gegangen.

Das Wohnzimmer sah aus wie nach einem Pogrom — umgeworfene Stühle, zerbrochenes Geschirr, zerrissene Fotos.

Sie nahm sich frei und begann methodisch aufzuräumen.

Während sie die Scherben einsammelte, dachte Olga daran, dass ihr Leben diesem zerbrochenen Geschirr ähnelte — man konnte es vielleicht zusammenkleben, aber die Risse würden trotzdem bleiben.

Es klingelte an der Tür.

Auf der Schwelle stand ein unbekanntes Mädchen — jung, schön, in einem teuren Pelzmantel.

— Sind Sie Olga? — fragte sie.

— Ja.

Und Sie?

— Ich heiße Kristina.

Ich… ich bin eine Freundin von Alexej.

Olga erstarrte.

Eine Freundin?

— Kommen Sie herein, — sagte sie mechanisch.

Kristina ging in die Wohnung und betrachtete das Chaos.

— Hat er sich wieder betrunken?

— Wieder? — fragte Olga nach.

Die junge Frau setzte sich auf einen heil gebliebenen Stuhl und holte Zigaretten heraus.

— Darf ich?

Ich bin nervös.

— Rauchen Sie.

Kristina zündete sich eine an und blies den Rauch aus.

— Hören Sie zu, Olga.

Ich bin nicht gekommen, um Streit anzufangen.

Ich bin gekommen, um Sie zu warnen.

Alexej… er ist gefährlich.

— In welchem Sinn?

— Er schuldet meinem Ex eine große Summe.

Eine sehr große.

Er hat in einem illegalen Pokerclub gespielt und eineinhalb Millionen verloren.

Olga ließ sich auf den Stuhl gegenüber sinken.

Eineinhalb Millionen… Dort war also das Geld geblieben.

— Aber warum sagen Sie mir das?

— Weil Alexej versprochen hat, die Schuld morgen zurückzuzahlen.

Er sagte, seine Frau würde das Geld geben.

Die ganze Summe.

Sonst…

— Sonst was?

— Mein Ex ist nicht der Mensch, bei dem man Schulden haben sollte.

Verstehen Sie?

Olga verstand.

Und zum ersten Mal bekam sie wirklich Angst.

— Aber ich habe gar nicht so viel Geld!

— Alexej sagte, Sie hätten Ersparnisse.

Und außerdem noch die Wohnung Ihrer Eltern.

— Er will, dass ich die Wohnung meiner Eltern verkaufe?! — Olga sprang auf.

— Er ist völlig wahnsinnig geworden!

Kristina stand auf und drückte die Zigarette aus.

— Ich habe Sie gewarnt.

Ziehen Sie Ihre Schlüsse daraus.

Und noch etwas… — sie zögerte.

— Alexej liebt Sie nicht.

Er hat oft gesagt, dass er aus Berechnung geheiratet hat, dass Sie seine „Goldader“ seien.

Verzeihen Sie.

Das Mädchen ging und ließ Olga völlig verstört zurück.

Sie holte ihr Handy hervor, wollte ihre Eltern anrufen, überlegte es sich dann aber anders.

Warum sie beunruhigen?

Sie wählte Marinas Nummer.

— Marin, kann ich bei dir übernachten?

— Natürlich!

Was ist passiert?

— Ich erzähle es später.

Ich packe jetzt schnell meine Sachen und komme.

Olga packte rasch das Nötigste zusammen.

Dokumente, Geld, ein paar Garnituren Kleidung.

Sie schrieb Alexej eine Nachricht: „Ich gehe.

Such mich nicht.

Morgen reiche ich die Scheidung ein.“

Die Antwort kam sofort: „BLEIB STEHEN!

Wag es ja nicht!

Ich finde dich überall!“

Dann: „Olga, lass uns ruhig reden!“

Und wieder: „Du bist MEINE FRAU!

Wag es nicht zu gehen!“

Olga schaltete das Handy aus und verließ die Wohnung, die in drei Jahren nie zu einem Zuhause geworden war.

Bei Marina entspannte sie sich endlich.

Die Freundin hörte sich die ganze Geschichte an, einschließlich Kristinas Besuch, und war entsetzt.

— Olya, das ist ja ein echter Albtraum!

Du musst zur Polizei gehen!

— Und was soll ich denen sagen?

Dass mein Mann Geld verspielt hat?

Das ist kein Verbrechen.

Und Drohungen… welche Drohungen?

Er hat nichts Konkretes gesagt.

— Aber diese Schulden…

Was willst du jetzt tun?

— Ich weiß es nicht, — gestand Olga.

— Aber die Wohnung meiner Eltern gebe ich ganz sicher nicht her.

Und überhaupt keinen Kopeken mehr diesem… — sie fand kein anständiges Wort dafür.

In der Nacht konnte Olga nicht schlafen.

Sie dachte daran, wie blind sie all die Jahre gewesen war.

Alexejs schöne Worte, seine Versprechen, seine Schwüre — alles war gelogen.

Er sah in ihr nur eine Geldquelle.

Am Morgen schaltete sie das Handy ein — fünfzig verpasste Anrufe von Alexej.

Und eine Nachricht: „Wenn du nicht zurückkommst und mir kein Geld gibst, wirst du es bereuen.

Ich habe deine Fotos.

Intime.

Ich stelle sie ins Netz.“

Olga wurde eiskalt.

Welche Fotos?

Sie erinnerte sich nicht… Obwohl — es gab einmal einen Moment, vor einem Jahr, als Alexej sie nach der Dusche fotografierte und sagte, sie sei wunderschön.

Sie hatte ihn gebeten, sie zu löschen, und er hatte geschworen, dass er das getan habe…

Sie rief Marina auf der Arbeit zurück:

— Marin, er erpresst mich.

— Womit?

— Er sagt, er hat intime Fotos von mir.

Er droht, sie im Internet zu veröffentlichen.

— Schwein! — fluchte die sonst so beherrschte Marina.

— Hör zu, ich habe einen Bekannten, einen Anwalt.

Lass uns mit ihm beraten.

Das Treffen mit dem Anwalt wurde für den Abend angesetzt.

Doch tagsüber geschah etwas Unerwartetes.

Olga saß in einem Café unweit von Marinas Büro und wartete auf ihre Freundin zur Mittagspause, als ein seriös aussehender Mann an ihren Tisch trat.

— Olga Sergejewna?

— Ja.

Und Sie?

— Ich heiße Igor Wladimirowitsch.

Ich bin… sagen wir so, ein Gläubiger Ihres Mannes.

Der Mann also, dem Alexej Geld schuldete.

Olga spannte sich an.

— Ich habe nichts mit den Schulden meines Mannes zu tun.

— Das verstehe ich.

Aber Ihr Mann behauptet das Gegenteil.

Er hat versprochen, das Geld heute zurückzugeben.

Er sagte, Sie würden zahlen.

— Das ist gelogen.

Ich habe nicht so viel Geld, und selbst wenn ich es hätte, würde ich seine Spielschulden nicht bezahlen.

Igor Wladimirowitsch sah sie aufmerksam an.

— Sie sind eine mutige Frau.

Aber Ihr Mann… er hat Dokumente über die Wohnung gezeigt.

Ihre Wohnung.

— WAS?! — Olga sprang auf.

— Die Wohnung ist auf meinen Namen eingetragen und wurde vor der Ehe gekauft!

— Er hat einen Kaufvertrag vorgelegt.

Mit Ihrer Unterschrift.

Datiert auf den letzten Monat.

Olga setzte sich wieder.

Urkundenfälschung… Alexej war also wirklich so weit gegangen.

— Das ist eine Fälschung.

Ich habe niemals Dokumente über einen Verkauf der Wohnung unterschrieben.

— Das dachte ich mir, — nickte der Mann.

— Ihr Mann… macht nicht den Eindruck eines vertrauenswürdigen Menschen.

Aber eine Schuld bleibt eine Schuld.

— Ich werde sie NICHT bezahlen! — sagte Olga fest.

— Und wenn Sie versuchen, mir meine Wohnung mit gefälschten Dokumenten wegzunehmen, werde ich zur Polizei gehen!

Igor Wladimirowitsch grinste leicht.

— Machen Sie sich nicht solche Sorgen.

Ich nehme Frauen keine Wohnungen weg.

Aber mit Ihrem Mann werde ich auf meine Weise abrechnen.

Ich wollte nur sicher sein, dass Sie von seinen… Machenschaften wirklich nichts wissen.

Er stand auf, drehte sich beim Weggehen aber noch einmal um:

— Ein Rat: Halten Sie sich in den nächsten Tagen von ihm fern.

Und wechseln Sie die Schlösser in der Wohnung.

Als Marina kam, erzählte Olga ihr alles.

Die Freundin war schockiert.

— Urkundenfälschung ist doch eine Straftat!

— Ich weiß.

Aber das zu beweisen… Dafür braucht man ein Gutachten, und das kostet Zeit und Geld.

Am Abend trafen sie sich mit dem Anwalt — Pawel Andrejewitsch.

Nachdem er die Geschichte angehört hatte, schüttelte er den Kopf.

— Die Situation ist kompliziert.

Erpressung mit intimen Fotos — das ist strafbar.

Aber dafür braucht man Beweise.

Urkundenfälschung ebenfalls, aber auch dafür braucht man ein Gutachten.

Ich rate Ihnen zunächst, die Scheidung und die Vermögensaufteilung zu beantragen.

Und unbedingt anzugeben, dass die Wohnung vor der Ehe gekauft wurde.

— Genau das werde ich tun, — nickte Olga.

Als sie zu Marina zurückkehrte, fand sie Dutzende Nachrichten von Alexej vor.

Der Ton hatte sich geändert — jetzt flehte er, bat um Verzeihung und schwor Liebe.

„Olenka, verzeih mir!

Ich war betrunken, ich wusste nicht, was ich sagte!“

„Liebling, komm zurück!

Ich erkläre dir alles!“

„Das ist ein Missverständnis!

Es gibt keine Schulden!“

„Lass uns treffen und reden!“

Dann wieder Drohungen:

„Wenn du nicht zurückkommst, fahre ich zu deinen Eltern!“

„Sie werden erfahren, wie du wirklich bist!“

„Die Fotos sind schon versandbereit!“

Olga zeigte die Nachrichten Pawel Andrejewitsch.

Er riet ihr, alles als Beweise für die Erpressung zu sichern.

Finale

Am nächsten Tag ließ Olga einen Handwerker kommen und die Schlösser in ihrer Wohnung austauschen.

Diese Entscheidung fiel ihr nicht leicht, aber sie verstand — es durfte kein Zurück in das alte Leben geben.

Alexej versuchte noch am selben Abend hereinzukommen.

Nachdem er den Schlüssel vergeblich im Schloss gedreht hatte, begann er mit den Fäusten gegen die Tür zu schlagen und Flüche zu brüllen.

Olga stand auf der anderen Seite der Tür, presste fest die Lippen zusammen, öffnete aber nicht.

Die Nachbarn riefen die Polizei, und Alexej musste gehen.

Am Morgen des nächsten Tages, als Olga mit der U-Bahn zur Arbeit fuhr, rief Marina sie an.

Die Stimme ihrer Freundin zitterte:

— Olya… Du musst sofort ins Internet schauen.

Alexej… Er hat deine Fotos veröffentlicht.

Olga wurden die Hände taub.

Sie stieg an der nächsten Station aus und setzte sich auf eine Bank.

— Welche Fotos?

— Genau diese.

Die intimen.

Er hat den Link an alle geschickt — an deine Kollegen, Bekannten, sogar deinen Eltern geschrieben.

Er hat die Kontaktliste aus deinem Telefon, erinnerst du dich?

Er hatte doch einmal gesagt, dass er eure Geräte der Bequemlichkeit halber synchronisiert hat…

Olga öffnete den Browser.

Sie klickte auf den Link, den Marina ihr geschickt hatte.

Auf dem Bildschirm erschienen ihre Fotos — genau die, die ein Jahr zuvor nach der Dusche aufgenommen worden waren.

Die, die Alexej zu löschen versprochen hatte.

Der erste Impuls war wegzulaufen, sich zu verstecken, zu verschwinden.

Doch dann erinnerte sie sich an Pawel Andrejewitschs Worte: „Jede Handlung des Täters ist ein Beweis.“

Mit zitternden Fingern begann Olga Screenshots zu machen.

Von den Seiten mit den Fotos.

Von Alexejs Kommentaren darunter, in denen er sie mit den schlimmsten Worten beschimpfte.

Von den Screenshots der Nachrichten, die er mit Beleidigungen und Drohungen verschickt hatte.

Alles gesichert.

Alles dokumentiert.

Eine Stunde später saß sie im Büro von Pawel Andrejewitsch und legte ausgedruckte Screenshots auf den Tisch.

— Hier.

Er hat alles selbst gemacht.

Beweise für Erpressung, für die Verbreitung intimer Bilder ohne Einwilligung, für Verleumdung…

Der Anwalt studierte die Unterlagen aufmerksam.

— Das ist ein schwerwiegender Straftatbestand.

Drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine hohe Geldstrafe.

Dazu kommt Schmerzensgeld.

Wir gehen sofort zur Polizei.

Auf der Polizeiwache schrieb Olga eine Anzeige.

Die Beamten nahmen die Sache ernst — solche Verfahren wurden in letzter Zeit deutlich aktiver verfolgt.

Eine Woche später wurde Alexej zum Verhör vorgeladen.

Er versuchte, sich zu rechtfertigen, und sagte, die Fotos gehörten ihm und er habe das Recht gehabt, darüber zu verfügen.

Doch das Gesetz stand auf Olgas Seite — die Verbreitung intimer Bilder ohne Einwilligung der abgebildeten Person ist strafbar.

Die Gerichtsverhandlung wurde für einen Monat später angesetzt.

In dieser Zeit reichte Olga die Scheidung und die Vermögensaufteilung ein.

Die Wohnung, die vor der Ehe gekauft worden war, blieb ihr.

Gemeinsam erworbenes Vermögen gab es praktisch nicht — alles, was Alexej von ihrem Geld gekauft hatte, hatte er bereits verkauft oder verspielt.

Der Tag des Prozesses war kalt und grau.

Olga kam in Begleitung von Pawel Andrejewitsch und Marina.

Alexej saß auf der anderen Seite des Saales und vermied ihren Blick.

Sein Gesicht war voller blauer Flecken — offenbar hatten seine Gläubiger nicht auf die Gerichtsentscheidung gewartet.

Die Richterin verlas die Anklage.

Die Beweise waren unwiderlegbar — Screenshots, Zeugenaussagen, Serverdaten des Hostings, auf dem die Fotos veröffentlicht worden waren.

Alexej versuchte sich zu verteidigen, aber sein Anwalt war offensichtlich schwach — ein Pflichtverteidiger.

Die Entscheidung des Gerichts war eindeutig: Alexej wurde der Verbreitung intimer Bilder ohne Einwilligung, der Verleumdung und der Erpressung für schuldig befunden.

Die Geldstrafe — fünfhunderttausend Rubel.

Schmerzensgeld an Olga — dreihunderttausend Rubel.

Pflicht zur Entfernung sämtlicher Fotos aus dem Internet unter Aufsicht der Gerichtsvollzieher.

Alexej wurde bleich, als er die Summe hörte.

— Woher soll ich so viel Geld nehmen?! — schrie er.

— Ich bin ruiniert!

Ich habe Schulden!

Die Richterin sah ihn kühl an:

— Das sind Ihre Probleme.

Sie haben einen Monat Zeit für die Zahlung.

Andernfalls — Vermögenspfändung oder gemeinnützige Arbeit.

Alexej hatte weder Geld noch Vermögen.

Die Wohnung gehörte seiner Mutter, er wohnte dort nur.

Die Gläubiger hatten ihm bereits das neue Handy, die Uhr und alles weggenommen, was noch irgendeinen Wert hatte.

Es blieb nur ein Ausweg — sich an seine Mutter zu wenden.

Valentina Petrowna hörte ihrem Sohn schweigend zu.

Als er geendet hatte, stand sie vom Tisch auf und holte die Unterlagen für das Auto und das Ferienhaus aus der Schublade.

— Das ist alles, was ich habe.

Ich werde es verkaufen, um deine Gerichtsschulden zu begleichen.

Aber danach verlässt du meine Wohnung.

Für immer.

— Mama… — versuchte Alexej zu widersprechen.

— Du hast mich beschämt.

Unsere ganze Familie.

Was du dieser Frau angetan hast… Ich kenne dich nicht.

Du bist nicht mein Sohn.

Valentina Petrowna verkaufte innerhalb eines Monats das Auto und das Ferienhaus.

Das Geld ging für die Begleichung des Gerichtsurteils und einen Teil der Schuld bei Igor Wladimirowitsch drauf.

Der Gläubiger stimmte einer Ratenzahlung für den Rest zu — zu hohen Zinsen.

Die Mutter hielt ihr Versprechen.

Sie packte die Sachen ihres Sohnes in Tüten und stellte sie vor die Tür.

— Lebe, wo du willst.

Bei deinen Freunden, mit denen du ins Kasino gegangen bist.

Nur nicht hier.

Die Tür schlug Alexej vor der Nase zu.

Er blieb allein zurück, mit Tüten voller Sachen, ohne Geld, ohne Dach über dem Kopf, mit riesigen Schulden und einer Vorstrafe.

Und statt sich selbst die Schuld zu geben, gab er Olga die Schuld.

„Alles wegen ihr“, wiederholte er in Gedanken, während er auf der Suche nach einem Schlafplatz durch die Stadt irrte.

„Wenn sie mir das Geld gegeben hätte, wäre nichts davon passiert.

Gierige Egoistin.

Ich habe ihr die besten Jahre meines Lebens gegeben, und sie hat mich verraten.“

Währenddessen stand Olga mitten in ihrer Wohnung und betrachtete das Ergebnis der Renovierung.

Ein Monat Arbeit, und jetzt erinnerte hier nichts mehr an Alexej.

Neue helle Tapeten statt düsterer dunkler Wände.

Helle Möbel statt schwerem Leder.

Lebende Blumen auf den Fensterbänken.

Fotos ihrer Eltern in den Regalen.

Die Wohnung war zu einem Zuhause geworden.

Zu ihrem Zuhause.

Marina kam mit einer Flasche Champagner zu Besuch.

— Na, feiern wir?

— Wir feiern, — lächelte Olga.

Sie saßen auf dem neuen Sofa, tranken Champagner aus schönen Gläsern und lachten.

Olga erzählte, dass ihr bei der Arbeit eine Beförderung angeboten worden war — stellvertretende Hauptbuchhalterin.

Mit einer guten Gehaltserhöhung.

— Auf dich! — hob Marina ihr Glas.

— Auf deine Freiheit!

— Auf die Freiheit, — wiederholte Olga.

Und in diesem Moment fühlte sie sich zum ersten Mal wirklich frei.

Von der Lüge, von den Manipulationen, von dem Menschen, der in ihr nur eine Einkommensquelle gesehen hatte.

Das Leben begann von Neuem.

Und dieses Mal — zu ihren Bedingungen.