— Unsere Swetka ist eine Heilige, drei Jahre lang hat sie Mama wieder auf die Beine gebracht, goldene Hände hat sie! — Denis schlug laut mit der Hand auf den Tisch und zog den Teller mit Aufschnitt zu sich heran.
— Darauf müssen wir trinken.

— Alina, reich mal den trockenen da drüben, den aus dem Magnit.
Die Gäste wurden laut.
Die Schwiegermutter, Antonina Pawlowna, saß am Kopfende des Tisches in einer lilafarbenen Strickjacke, blass, aber schon wieder kräftig.
Ihr Gesicht hatte sich nach dem Schlaganfall fast wieder geglättet, nur der linke Mundwinkel zuckte leicht, wenn sie sich aufregte.
Ihr gegenüber saß ihre dreißigjährige Tochter Alina und spielte träge mit den Weintrauben auf ihrem Teller.
Ich saß am Rand, näher am Durchgang zur Küche.
Auf der Armlehne des Sessels lag das alte Blutdruckmessgerät mit dem abgenutzten, vom Alter grau gewordenen Klettverschluss — ich hatte es vor einer Stunde aus dem Schlafzimmer geholt, als Antonina Pawlowna über Ohrensausen geklagt hatte.
Die Manschette roch immer noch nach Alkohol und billiger Seife.
— Ja, Sweta, — Tante Ljuba, die Nachbarin vom Treppenabsatz, schüttelte den Kopf und nippte an ihrem Tee.
— So einen kranken Menschen wieder aufzupäppeln.
— Das bedeutet ja kochen, drehen, Bettpfanne bringen.
— Nicht jede Schwiegertochter hält so etwas durch.
— Du hast Glück gehabt, Pawlowna.
Antonina Pawlowna nickte wohlwollend und brach ein Stück von dem gekauften Kuchen für hundertvierzig Rubel ab.
Sie sah Alina an, dann mich.
— Sweta hat sich bemüht, das muss man sagen, — sagte die Schwiegermutter ruhig.
— Pflicht ist Pflicht.
— Denis hat sie hierhergebracht, in diese Wohnung, sie leben seit fünfzehn Jahren hier.
— Familie eben.
— Aber da wir nun alle versammelt sind, möchte ich etwas sagen.
— Da es mir besser geht, muss ich die Papiere in Ordnung bringen.
— Ich habe eine Schenkungsurkunde aufgesetzt.
— Für Alinochka.
— Die Wohnung wird an sie gehen.
— Sie bekommt bald ein Kind, sie braucht Wohnraum.
— Und Denis ist bei mir ein Mann, er wird selbst etwas verdienen.
Im Zimmer wurde es augenblicklich still.
Man hörte, wie draußen die Reifen über den nassen Asphalt rauschten — ein gewöhnlicher Abend in einem Wohnviertel, drei Minuten zu Fuß bis zur Bushaltestelle.
Denis erstarrte mit der Gabel in der Hand.
Sein Gesicht lief langsam dunkelrot an.
Er sah mich an, dann seine Schwester.
— Mama, was machst du da? — fragte er leise.
— Und wir?
— Fünfzehn Jahre leben wir hier.
— Wir haben renoviert.
— Kunststofffenster haben wir für fünfundvierzigtausend eingebaut.
— Ihr bleibt ja hier, solange ich lebe, — antwortete Antonina Pawlowna ruhig und rückte den Kragen ihrer Strickjacke zurecht.
— Wohin sollte ich euch denn vertreiben?
— Aber Eigentümerin wird Alina.
— So ist es gerecht.
— Sie ist meine leibliche Tochter, mein Blut.
— Und Sweta… Sweta ist eine verständnisvolle Frau.
— Sie wird mir auch weiterhin helfen.
— Aus Respekt.
— Du hast dich doch nicht wegen der Quadratmeter um mich gekümmert, Sweta?
— Wir sind doch unsere eigenen Leute.
Ich sah auf das Blutdruckmessgerät auf der Armlehne.
In mir war es leer und sehr kalt.
An diese Leere hatte ich mich in drei Jahren gewöhnt.
Ich wusste, wie viel diese Pflege kostete — vierzigtausend im Monat für eine Pflegerin, die ich tagsüber aus meinem eigenen Geld bezahlte, verdient mit nächtlichen Buchhaltungsarbeiten.
Denis dachte, ich würde mittags selbst von der Arbeit herüberlaufen, schließlich war das Büro in der Nähe.
Er wusste nichts von der Pflegerin Lida.
Niemand wusste es.
Ich schwieg einfach, weil es so einfacher war.
Ich hatte diese Illusion der Leichtigkeit selbst geschaffen.
— Du hast doch selbst gesagt, dass wir eine Familie sind, als wir sie vor drei Jahren aus dem Krankenhaus geholt haben, — meldete sich plötzlich Alina zu Wort und sah mich mit klaren, unschuldigen Augen an.
— Sweta, warum schweigst du denn?
— Mama darf sich nicht aufregen, sonst steigt ihr Blutdruck wieder.
Ich stand vom Stuhl auf und wickelte sorgfältig die Gummischläuche des Blutdruckmessgeräts zusammen.
Der Klettverschluss knirschte und zog die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich.
— Ich gehe das Geschirr spülen, — sagte ich.
Meine Stimme klang erstaunlich ruhig.
In der Küche roch es nach Tee und alter Wachstuchdecke.
Ich drehte das heiße Wasser auf und hielt meine Hände unter den Strahl.
Das Wasser brannte auf meinen Fingern, aber ich spürte fast nichts.
In drei Jahren hatten sich so viele solcher Tage angesammelt, dass sie zu einem einzigen klebrigen Klumpen verschmolzen waren.
Ich erinnere mich an den ersten Winter nach ihrem Schlaganfall.
Denis fuhr damals für zwei Wochen auf Dienstreise, er wollte Geld verdienen.
Sein Gehalt im Lager betrug zweiundvierzigtausend, davon ging die Hälfte für Kredite für ein altes koreanisches Auto drauf.
— Swetik, schau nach ihr, — sagte er damals vor dem Bahnhof zu mir.
— Es ist schließlich meine Mutter.
— Außer uns hat sie niemanden.
— Alina ist beschäftigt, ihr Privatleben richtet sich gerade ein.
Und ich schaute nach ihr.
Ich stand um fünf Uhr morgens auf und kochte salzfreien Brei.
Dann rannte ich zu meiner Hauptarbeit in einer staatlichen Einrichtung — dort verdiente ich als leitende Buchhalterin achtunddreißigtausend.
In der Mittagspause hetzte ich zurück, um die Laken zu wechseln.
Antonina Pawlowna konnte damals noch nicht sprechen, sie sah mich nur mit einem schweren, fordernden Blick an.
Wenn ich zehn Minuten zu spät kam, klopfte sie mit der Tasse auf den Nachttisch.
Nach drei Monaten begannen meine Hände zu zittern.
Ich ging ins Bad, drückte mein Gesicht in ein Handtuch und heulte lautlos, damit ich sie nicht erschreckte.
Genau damals begriff ich, dass ich es allein nicht schaffen würde.
Ich fand Lida über Bekannte.
Lida erklärte sich bereit, von zwölf bis vier zu kommen, für zwanzigtausend im Monat.
Dann stiegen die Preise, es wurden dreißigtausend.
Um Lida bezahlen zu können, übernahm ich zwei kleine Firmen zur Betreuung und machte deren Berichte nachts, wenn Denis schlief, zur Wand gedreht.
— Was klackerst du da ständig am Laptop? — brummte er verschlafen.
— Du störst beim Schlafen.
— Leg dich hin, morgen musst du morgens zu Mama schauen.
Ich klappte den Laptop zu und saß in der Dunkelheit.
Denis glaubte aufrichtig, dass die Pflege eines bettlägerigen Menschen so etwas sei wie Geschirrspülen.
Man kommt, füttert, geht wieder.
Er hat sie kein einziges Mal selbst umgedreht.
Kein einziges Mal hat er Wundliegen gereinigt.
Er ging nur abends in ihr Zimmer, küsste sie auf die trockene Wange und sagte: „Na siehst du, Mama, bei uns läuft alles gut.“
„Swetik schafft das.“
Vor einem Monat begann Antonina Pawlowna wieder aufzustehen.
Zuerst bis zur Toilette, dann im Zimmer.
Ihre Tochter Alina kam sofort öfter vorbei — sie brachte Pralinen „Rodnye Prostory“ aus dem Pjaterotschka im Angebot mit, saß vor dem Fernseher und zwitscherte über ihre Probleme.
— Mamotschka, du brauchst einen neuen Mantel, — sagte Alina, breit im Sessel hingelümmelt.
— Auf Ozon habe ich einen schönen gesehen, nur dreieinhalbtausend.
— Sweta, hast du auf deiner Karte nicht noch etwas frei?
— Kannst du mir bis zum Gehalt etwas leihen?
Und ich überwies es.
Von genau dem Geld, das ich für die Zählerprüfung und neue Winterstiefel zurückgelegt hatte.
Die alten waren schon völlig kaputt, die Sohle hatte sich gelöst.
Ich überwies es, weil Alina so aufrichtig lächelte, so kindlich.
Sie sah ja den Schmutz nicht.
Sie sah eine saubere Mutter, ein sauberes Zimmer und ein warmes Mittagessen.
Letzten Donnerstag ging ich in die Poliklinik, um ein Rezept für kostenlose Medikamente zu holen.
Die Therapeutin, eine ältere Frau mit müden Augen, suchte lange im Schrank nach der Akte.
— Ach, Antonina Pawlowna, — erinnerte sie sich und kritzelte mit dem Stift.
— Ihre Tochter war neulich hier.
— Sie fragte, ob man die Behinderung aufheben könne, wenn es ihr besser gehe.
— Sie sagt, für die Mutter werde vom Sozialamt ein Sanatoriumsaufenthalt organisiert.
— Eine gute Tochter, fürsorglich.
— Sie fragte alles über die Wohnung aus, welche Bescheinigungen man für eine Schenkung braucht, wenn der Eigentümer nach einem Schlaganfall ist.
Ich schwieg damals.
Ich nahm die Papiere und ging auf die Treppe hinaus.
Der Wind blies mir Staub von den Rädern eines Kleinbusses ins Gesicht.
In meiner Tasche vibrierte das Telefon — Denis hatte mir einen Link von Wildberries geschickt: „Swet, bestell Mama eine Gelenkcreme, kostet dreihundert Rubel, du hast dort doch Cashback gesammelt.“
Ich öffnete die App und bestellte sie.
Auf der Karte blieben mir viertausend Rubel bis zum Monatsende.
Die Gäste gingen gegen elf Uhr abends.
Tante Ljuba drückte mir zum Abschied im Flur mitfühlend den Ellbogen, sagte aber nichts — sie eilte zum Aufzug.
Alina fuhr mit dem Taxi weg und nahm in ihrer Handtasche eine Kopie der Dokumente mit, die ihre Mutter am Morgen beim Notar unterschrieben hatte.
Wie sich herausstellte, hatten sie alles schon vor einer Woche erledigt, und heute hatten sie uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.
Denis saß in der Küche und rauchte aus dem offenen Fenster.
Bei uns wurde in der Wohnung nicht geraucht, aber heute machte ich ihm keine Bemerkung.
— Mama hat natürlich Unrecht, — sagte er dumpf, ohne mich anzusehen.
— Mit dieser Wohnung… Das ist irgendwie nicht menschlich.
— Ich rede morgen mit ihr.
— Aber du, Sweta, überstürz nichts.
— Mama ist schon alt, ihr Kopf ist nach der Krankheit schwach.
— Nun, sie hat eben einen Anfall.
— Alina hat sie überredet, hundertprozentig.
— Aber pflegen muss man sie trotzdem weiter.
— Man kann sie doch jetzt nicht einfach im Stich lassen.
— Rein menschlich, aus Respekt vor dem Alter.
Ich spülte die Tassen.
Das Wasser rauschte und übertönte seine Stimme.
— Hörst du, Swet? — Denis drehte sich um und blies Rauch zur Decke.
— Warum schweigst du wieder?
— Aufgeblasen wie eine Maus auf Grütze.
— Sag wenigstens ein Wort.
Ich drehte den Wasserhahn zu.
Ich wandte mich zu ihm um und trocknete meine Hände an einem grauen Waffelhandtuch.
— Denis, morgen ist Samstag.
— Ich fahre für eine Woche zu meiner Schwester aufs Land.
— Sie hat dort Probleme mit dem Zaun auf der Datscha und hat mich um Hilfe gebeten.
Denis runzelte die Stirn und ließ Asche auf die Fensterbank fallen.
— Was heißt zu deiner Schwester?
— Und Mama?
— Wer wird ihr kochen?
— Sie braucht jeden Tag frische Suppe, der Arzt hat es gesagt.
— Und die Tabletten nach Uhrzeit.
— Ich habe morgen eine Zwölf-Stunden-Schicht, am Sonntag einen Nebenjob auf dem Automarkt.
— Dir wird schon etwas einfallen, — antwortete ich.
— Du bist doch ein Mann.
— Du wirst schon Geld für eine Pflegerin verdienen, wenn es nötig ist.
— Oder Alina kommt.
— Die Wohnung gehört ja jetzt ihr.
— Dann soll sie sich kümmern.
— Aus Respekt vor dem Eigentum.
Denis stand auf, sein Stuhl quietschte scharf über das Linoleum.
— Was ist los mit dir, Swetok?
— Meinst du das jetzt ernst? — seine Stimme wurde höher.
— Eine kranke Frau wegen irgendwelcher Quadratmeter im Stich lassen?
— So kenne ich dich nicht.
— Du bist doch gutherzig.
— Du hast doch drei Jahre lang…
— Genau, Denis.
— Drei Jahre, — ich legte das Handtuch auf den Tisch.
— Gute Nacht.
Ich ging ins Schlafzimmer und holte eine alte Sporttasche aus dem Schrank.
Ich besaß nicht viele Sachen.
Ein paar Blusen für die Arbeit, Jeans, ein Hauskleid.
Während ich die Kleidung zusammenlegte, fiel aus der Jackentasche Lidas Visitenkarte — die der Pflegerin.
Ich drehte sie zwischen den Fingern, dann nahm ich das Telefon.
„Lidija Nikolajewna, guten Abend.“
„Entschuldigen Sie die späte Nachricht.“
„Ab morgen müssen Sie nicht mehr zu Antonina Pawlowna kommen.“
„Der Vertrag ist beendet.“
„Das Geld für die gearbeiteten Tage überweise ich Ihnen jetzt auf die Sberbank-Karte.“
Die Antwort kam nach einer Minute: „Gut, Swetlana.“
„Danke Ihnen.“
„Wenn etwas ist, rufen Sie an.“
Ich überwies Lida die letzten elftausend vom Sparkonto.
Auf der Karte blieben zweiundvierzig Rubel.
Jetzt war alles ehrlich.
Absolut ehrlich.
Am Samstagmorgen fuhr ich mit dem ersten Vorortbus um halb sieben weg.
Denis schlief noch, die Nase ins Kissen gedrückt und die Beine unter die Decke gezogen.
Ich weckte ihn nicht.
Ich legte einfach die Schlüssel zu Antonina Pawlownas Wohnung auf das Schuhregal im Flur, neben das alte Blutdruckmessgerät.
Bei meiner Schwester im Dorf war es still.
Das Handynetz war schlecht, das Internet funktionierte nur am Fenster auf der Veranda.
Ich stellte mein Telefon lautlos und legte es in den Küchenschrank, hinter ein Glas mit dreijähriger Himbeermarmelade.
Die ersten zwei Tage schlief ich einfach nur.
Ich wachte vom Krähen der Hähne auf, sah an die Holzdecke und konnte nicht glauben, dass ich nirgendwohin rennen musste, keinen fremden Blutdruck messen und keine Beschwerden über fade Suppe anhören musste.
Am Montagabend holte ich das Telefon schließlich doch heraus.
Der Bildschirm war übersät mit verpassten Anrufen.
Zweiundvierzig Anrufe von Denis.
Acht von Alina.
Und sogar drei von einer unbekannten Nummer — vermutlich hatte Antonina Pawlowna selbst versucht, vom Haustelefon aus anzurufen.
Ich drückte die Anruftaste bei der Nummer meines Mannes.
Er ging beim ersten Klingeln ran, als hätte er das Gerät in der Hand gehalten.
— Sweta!
— Wo bist du überhaupt?! — aus dem Hörer schoss ein Schrei, der in Heiserkeit überging.
— Bist du verrückt geworden?
— Mama ist allein zu Hause!
— Ich kam am Samstagabend von der Schicht, und sie saß im Flur auf dem Boden und weinte!
— Lida ist nicht gekommen!
— Warum hast du Lida nicht gesagt, dass du wegfährst?!
— Ich habe es ihr gesagt, Denis.
— Ich habe sie entlassen.
Am anderen Ende der Leitung trat Stille ein.
Eine so tiefe Stille, dass ich hörte, wie bei ihnen in der Küche der Wasserhahn tropfte, den Denis schon vor Neujahr hatte reparieren wollen.
— Was heißt entlassen? — fragte er flüsternd.
— Wer hat sie denn eingestellt?
— Ich habe sie eingestellt.
— Drei Jahre lang habe ich ihr dreißigtausend aus meinen nächtlichen Nebenarbeiten bezahlt.
— Damit deine Mutter sauber war und du dachtest, ich schaffe alles selbst zwischen den Berichten.
— Auch die Lebensmittel, die die Pflegerin kaufte, wurden von meinem Geld bezahlt.
— Du hattest ja ständig Ratenzahlungen und Benzin.
Denis atmete schwer und laut.
— Sweta… Was machst du denn… — in seiner Stimme klang zum ersten Mal Verwirrung auf, dumm und kindlich.
— Warum hast du nichts gesagt?
— Wir hätten doch…
— Na, Alina hätte etwas beigesteuert.
— Alina ist jetzt Eigentümerin, also ruf sie an.
— Sie soll kommen und die Windeln wechseln.
— Antonina Pawlowna steht schon auf, aber abends hat sie Schwächeanfälle, das weißt du doch.
— Suppe muss gekocht werden.
— Ohne Salz.
— Die Kartoffeln mit der Gabel zerdrücken, ihre Zähne tun ihr weh.
— Alina kann nicht! — brüllte Denis und verlor wieder die Fassung.
— Ich habe sie am Sonntag angerufen!
— Sie kam, blieb zwei Stunden, Mama schrie sie an, weil sie den Brei angebrannt hatte.
— Alina brach in Tränen aus, warf die Schlüssel hin und fuhr weg!
— Sie sagt, der Arzt habe ihr verboten, sich aufzuregen, sie habe eine Gebärmutterspannung!
— Am Samstag fährt sie mit ihrem Mann in ein Erholungszentrum, ihre Gutscheine könnten sonst verfallen!
— Sweta, komm bitte zurück.
— Mama schreit, sie nennt mich Tochter Alina, verwechselt alles…
— Ich kann keine Bettpfanne waschen, mir wird schlecht davon, Sweta!
Ich sah aus dem Fenster.
Im Garten sammelte meine Schwester trockene Himbeerstängel und legte sie auf einen Haufen.
Am Abend würden wir ein Feuer machen.
— Denis, auf dem Regal im Flur liegt das Blutdruckmessgerät.
— Der Klettverschluss ist alt, man muss ihn beim Aufpumpen mit der Hand festhalten, sonst rutscht er ab.
— Miss den Blutdruck dreimal am Tag.
— Wenn er über hundertsechzig ist, gib ihr Captopril unter die Zunge.
— Die Tabletten sind in der blauen Schachtel auf der Mikrowelle.
— Sweta, bist du bescheuert oder was?! — Denis’ Stimme zitterte, in ihr brach Wut durch, hilflos und schmutzig.
— Du willst wegen der Wohnung meine Mutter zugrunde gehen lassen?!
— Ersticken sollst du an diesen Quadratmetern!
— Wir überschreiben alles zurück, hörst du?
— Ich zwinge sie dazu!
— Komm nur her, ich schlafe seit drei Tagen nicht, ich bin nicht zur Arbeit gegangen, ich bekomme einen unentschuldigten Fehltag, die schmeißen mich raus, verdammt!
— Man muss nichts zurücküberschreiben, Denis.
— Die Wohnung gehört Alina.
— Alles ist ehrlich.
— Ihr seid doch Familie.
— Blut.
— Und ich bin nur so… eine verständnisvolle Frau.
— Aus Respekt.
Ich legte auf.
Die Tür zu Antonina Pawlownas Wohnung stand einen Spalt offen — das Schloss klemmte schon lange, wenn man es von außen ohne Schlüssel schloss.
Ich trat leise ein, ohne zu klopfen.
Draußen war Freitagabend.
Eine Woche war vergangen.
Im Flur roch es nach saurer Milch und angebrannten Zwiebeln.
Die Schuhe lagen auf einem Haufen, auf dem Boden zeichneten sich dunkle Schmutzspuren von Denis’ Stiefeln ab — offenbar war er zur Apotheke gelaufen und hatte sich nicht ausgezogen.
Das alte Blutdruckmessgerät lag immer noch auf dem Regal, nur die Schläuche waren zu einem Knoten verdreht, und der Gummiball lag einzeln unter der Garderobe.
Ich ging in die Küche.
Auf dem Herd stand ein Aluminiumtopf mit den Resten ausgetrockneter Fadennudeln.
Rund um die Spüle türmten sich schmutzige Teller, Tassen mit eingetrockneten Teerändern — mindestens zehn Stück.
Auf dem Tisch lag eine geöffnete Blisterpackung Analgin und eine leere Packung Kefir „Prostokwaschino“.
Aus dem Schlafzimmer ertönte die dumpfe, gereizte Stimme der Schwiegermutter:
— Denis!
— Deniska, mit wem rede ich denn!
— Bring mir Wasser!
— Und mach den Fernseher leiser, von deinem Fußball platzt mir der Schädel!
— Wo bist du hin, du mein Unglück…
Denis kam aus der Toilette.
Er trug eine alte Jogginghose mit ausgebeulten Knien, ein graues T-Shirt mit irgendwelchen gelben Flecken — vermutlich Babynahrung oder Püree.
Sein Gesicht war grau, mit Stoppeln überwuchert, unter den Augen echte schwarze Ringe vom Schlafmangel.
In den Händen hielt er eine Plastikschüssel mit einem nassen Lappen.
Er sah mich.
Er erstarrte im Flur, der Lappen fiel ihm aus den Fingern auf das Linoleum, an die verschmierte Fußleiste.
— Sweta… — hauchte er leise, irgendwie angestrengt.
Seine Lippen zitterten.
— Du bist gekommen.
Ich bewegte mich nicht von der Stelle.
Die Tasche ließ ich nicht aus den Händen.
Ich trug neue Jeans, gekauft von dem Geld, das mir meine Schwester für die Hilfe am Zaun gegeben hatte, und dieselben alten Stiefel mit der gelösten Sohle — ich hatte sie immer noch nicht repariert.
— Ich bin gekommen, um meinen Föhn und meine Winterdaunenjacke aus der Abstellkammer zu holen, — sagte ich und sah über seine Schulter hinweg auf die schmutzige Wand.
— Und den Laptop.
— Ich muss arbeiten, Berichte abgeben.
— Am Montag muss ich wieder zu meiner Hauptarbeit.
Aus dem Schlafzimmer ertönte erneut Antonina Pawlownas Schrei, diesmal lauter, mit heiserer Launenhaftigkeit:
— Denis!
— Wer ist da gekommen?
— Ist Alina da?
— Sag ihr, sie soll reinkommen, sie muss mir die Beine einreiben!
— Deine Makkaroni kann man nicht essen, die sind wie Kleister!
— Alina soll eine anständige Suppe kochen!
Denis machte einen Schritt auf mich zu und streckte die Hand aus, schmutzig, mit einem abgebrochenen Nagel, aber er wagte es nicht, meinen Ärmel zu berühren.
— Swet… Sie ruft seit dem dritten Tag nach Alina, — flüsterte er, und in seinen vor Müdigkeit stumpfen Augen erschien ein schreckliches, verspätetes Begreifen.
— Und Alina geht nicht ans Telefon.
— Sie sagte, ihr Mann sei dagegen, dass sie zu einer Kranken geht, sie bekommt im November ein Kind.
— Sweta, ich kann nicht mehr.
— Ich habe heute die Windel gewechselt, mir wurde direkt aufs Bett schlecht.
— Ich habe die Laken drei Stunden lang in der Badewanne gewaschen, meine Hände sind wund gerieben…
— Verzeih mir, Swet.
— Bitte.
— Ich wusste es nicht.
— Ich dachte, es sei einfach.
Ich ging an ihm vorbei in die Abstellkammer.
Ich holte meine Daunenjacke heraus — sie roch nach Staub und alten Zeitungen.
Ich stopfte sie oben auf die Sachen in die Tasche.
Dazu legte ich den Föhn.
Als ich in den Flur zurückkam, erschien Antonina Pawlowna in der Schlafzimmertür.
Sie hielt sich am Türrahmen fest, die lilafarbene Strickjacke war schief zugeknöpft, ein Knopf in das falsche Loch.
Sie sah mich mit ihren schweren Augen an, der linke Mundwinkel zitterte ganz fein.
— Sweta, — sagte sie heiser, und in ihrer Stimme lag zum ersten Mal kein Befehl.
Dort war Angst.
Einfache menschliche Angst eines alten Menschen, der von allen verlassen worden war.
— Sweta, wohin gehst du?
— Und der Tee?
— Schneid das Weißbrot auf, da im Beutel war noch etwas übrig…
— Setz dich zu mir.
Ich blieb an der Schwelle stehen.
Ich nahm das Blutdruckmessgerät vom Regal und entwirrte sorgfältig die verdrehten Schläuche.
Ich legte es ordentlich hin.
— Auf Wiedersehen, Antonina Pawlowna, — sagte ich.
Ich drehte den Schlüssel im Schloss.
Die Tür fiel mit einem schweren, trockenen Schlag zu.
Drinnen bewegte sich jemand, Denis rief seiner Mutter etwas laut und hoffnungslos zu, aber ich ging bereits zum Aufzug.
Die Schritte in den alten Stiefeln klangen weich, fast lautlos auf dem Betonboden des Treppenhauses.



