— Julia, stell dir vor, wir haben jetzt ein Ferienhaus! —

sagte ihr Mann begeistert.

— Davon haben wir doch so viele Jahre geträumt!

Die Kinder werden sich erholen, wir machen Schaschlik, eine Banja…

— Was, du hast ein Ferienhaus gekauft? —

fragte sie erstaunt.

— Und du hast es nicht einmal mit mir besprochen?

Was ist, wenn mir der Ort nicht gefällt oder das Haus sich als schlecht herausstellt?

Solche Dinge muss man sich zuerst ansehen.

— Ich habe doch gar nichts gekauft, —

lächelte Jegor.

— Das Geld ist noch da.

Es ist nur so… einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, verstehst du?

Tante Tanja, Mamas Schwester, hat das Ferienhaus vererbt.

Mama!

Dort ist ein großes Haus, es ist genug Platz für alle da.

— Ach so, klar… —

zog Julia die Worte in die Länge.

— Das heißt, das ist Mamas Datscha und nicht unsere.

— Ach, was macht das schon für einen Unterschied?

Sie ist doch für die ganze Familie da.

Mama hat sich sowieso nie besonders darum gekümmert, sie ist einfach nur zum Ausruhen dorthin gefahren.

— Aber wir werden uns dort richtig entfalten! —

fuhr Jegor begeistert fort.

— Tomaten, Gurken, Kräuter… zum Schaschlik!

Kannst du dir das vorstellen?

Wir stellen einen großen Pool auf!

Davon haben wir doch so viele Jahre geträumt.

— Geträumt… —

wiederholte Julia leise.

Jegor freute sich wie ein Kind, und Julia stellte sich in Gedanken schon ein ganz anderes Bild vor.

„Gemeinsame Datscha“ bedeutete: die Schwiegermutter, Jegors Bruder Artjom mit seiner Familie, die Schwester Olga mit ihrer Familie und dazu noch sonstige Verwandte.

Und eine Menge Kinder.

Wie sollte das überhaupt alles funktionieren?

Abwechselnd hinfahren?

Die Wochenenden aufteilen?

Sie war auf dem Land aufgewachsen und stellte sich eine Datscha ganz anders vor: Blumen, ordentliche Beete, ein Gewächshaus, Beeren…

Ein Pool — ja, der konnte ruhig sein, die Mädchen waren zehn und dreizehn, ihnen würde das gefallen.

Die Idee selbst freute sie, aber die Anwesenheit all dieser Verwandtschaft belastete sie offen gesagt.

Die Schwiegermutter — gut, sie war die Besitzerin.

Aber die anderen…

— Nun, was meinst du, Jul? —

fragte Jegor.

— Es ist Zeit, die Setzlinge ans Fenster zu stellen.

Tante hat das immer so gemacht.

Im Mai fahren wir hin, um alles anzuschauen, und bis dahin mach dich bereit.

Julia dachte nach.

Sie wusste ganz genau, was man pflanzen musste — ihre Kindheit im Dorf war nicht umsonst gewesen, und sie konnte sich außerdem mit ihrer Mutter beraten.

Die Frage war nur die Menge.

Sie beschloss, klein anzufangen.

Der Mai kam — lang ersehnt nach dem langen Frühling.

Feiertage, fast wie Urlaub.

Auf der Datscha kamen alle an, einschließlich der Besitzerin.

Das Aufräumen nach dem Winter lief nicht so flott, wie man erwartet hatte.

Die Männer kümmerten sich sofort um das „Schaumige“ — es waren ja Feiertage.

Die Kinder rannten über das Grundstück: kein Internet, kein Empfang.

Die Schwiegermutter ging durchs Haus, sortierte Sachen, erinnerte sich an ihre Schwester und weinte manchmal.

Jegors Schwester und die Frau seines Bruders besichtigten die Zimmer.

— Dieses Zimmer für Mama, dieses für uns, dieses für euch, und dieses, Julia, für eure Familie.

Nur wie sollen wir schlafen?

Hier gibt es nicht einmal genug Plätze für alle.

— Früher haben alle Kinder ganz ruhig auf dem Boden geschlafen, —

zuckten sie mit den Schultern.

— Aber es gibt nicht einmal Bettwäsche.

— Wir haben welche für uns selbst mitgebracht, —

antwortete Julia ruhig.

— Man hätte vorher daran denken müssen.

Wir haben eine Luftmatratze für die Kinder.

Ihr wusstet doch, dass viele Leute kommen würden.

— Eine Matratze ist gut, —

wurden die Verwandten plötzlich munter.

— Unsere Kinder sind klein, denen reicht das, und eure Mädchen sollen ruhig auf dem Boden schlafen, sie sind schon groß.

— Nein, —

sagte Julia bestimmt.

— Unsere Kinder werden auf unserer Matratze schlafen.

Ihr könnt in die Stadt fahren und Bettwäsche holen — hin und zurück ist das nur eine Stunde.

Oder ihr könnt zum Übernachten nach Hause fahren.

— Wir fahren jetzt nirgendwo mehr hin, alle haben getrunken.

— Dann lasst uns wenigstens an die Arbeit gehen, —

schlug Julia vor.

— Jeder räumt sein eigenes Zimmer auf, und danach machen wir gemeinsam die Küche und das Erdgeschoss.

Sie war als Erste fertig.

Mehr noch — sie hatte sogar noch das Zimmer der Schwiegermutter vorbereitet.

Und danach machte sie sich an die Küche.

— Ich habe aufgeräumt, jetzt kocht ihr für alle.

— Und gibt es überhaupt Lebensmittel?

Wir haben nur Fleisch mitgenommen, aber das scheint schon aufgegessen worden zu sein.

— Lebensmittel sind da, —

antwortete Julia.

— Aber wir haben nur für unsere eigene Familie eingekauft.

— Was hast du denn erwartet? —

empörten sich die anderen.

— Wenig Essen, Bettwäsche nur für euch selbst.

Wir sind zum ersten Mal hier, man hätte uns warnen müssen!

— Wir sind auch zum ersten Mal hier! —

platzte es aus Julia heraus.

— Man muss selbst nachdenken.

Ihr habt Kinder — wie kann man ohne Essen losfahren?

— Ganz schön klug.

Deine Lebensmittel — dann koch auch du damit.

— Gut.

Aber dann räumt ihr hinterher alles auf.

Die Lebensmittel lagen im Auto.

Gut, dass Julia mehr Konservenfleisch mitgenommen hatte.

Sie kochte Suppe.

Die Würstchen ließ sie für den Abend übrig — die Mädchen hatten darum gebeten, sie anzubraten.

Wenn man alles sofort aufaß, würden später alle hungrig bleiben.

Die Suppe aßen alle.

Die Kinder aßen schnell und liefen wieder davon.

Das Geschirr blieb stehen — niemand hatte vor, es zu spülen.

Julia beschäftigte sich aus Prinzip nicht damit und ging, um sich das Grundstück anzusehen.

Das Gewächshaus war alt, aber für das erste Jahr würde es reichen.

Und da begriff sie endgültig: Eine „gemeinsame Datscha“ war ganz und gar nicht das, wovon sie geträumt hatte.

Nur die Setzlinge taten ihr leid.

„Na gut, einen Sommer halte ich durch“,

beschloss sie.

Nur Gurken und Tomaten.

Keine Blumen, kein Luxus.

Hinfahren — machen — wegfahren.

Der Urlaub dauerte statt einer Woche nur zweieinhalb Tage.

Den Männern ging das Bier aus, niemand hatte es eilig, die Erde umzugraben, und Jegor schob alles immer weiter auf.

Am Ende fuhren alle wieder weg.

Am nächsten Wochenende kamen Julia und Jegor mit den Setzlingen.

Sie pflanzten alles ein, brieten Fleisch und wollten sich ausruhen…

Doch am Abend kam die Schwester mit ihrer Familie.

Und auch noch mit Freunden.

Es war schon spät, aber das Vergnügen fing gerade erst an.

Jegor schloss sich kurz an, und Julia ging mit den Mädchen schlafen.

Am Morgen fuhren sie früh los.

Im Hof herrschte Unordnung, in der Küche ebenfalls.

Julia sah sich das alles an und verstand: So eine Datscha brauchte sie nicht.

Der Sommer verging in ständigen Fahrten hin und her.

Auf der Datscha war ständig jemand.

Die Leute wechselten, das Chaos nicht.

Julia und Jegor kamen abends vorbei: gießen, ernten — und wieder zurück.

Die Tomaten reiften, die Gurken wuchsen… und verschwanden.

— Für mich ist die Saison beendet, —

sagte Julia nach der nächsten Fahrt, als sie wegen der Tomaten gekommen war und sie schon nicht mehr da waren.

— Aber es ist doch erst Juli!

Man muss gießen! —

empörte sich Jegor.

— Wer erntet, soll auch gießen, —

antwortete sie ruhig.

— Ist dir aufgefallen, dass deine Mutter fast nie hierherkommt?

Wir haben Geld.

Lass uns unsere eigene Datscha kaufen.

Nur für uns.

Ein paar Wochen später rief Jegors Schwester ihn an:

— Und was habt ihr mit den Tomaten gemacht?

Alles ist vertrocknet!

Und die Gurken?

Warum habt ihr kein Grünzeug gepflanzt?

Zu den nächsten Maifeiertagen wurden wieder alle auf die „gemeinsame Datscha“ eingeladen, aber Julia und Jegor fuhren nicht hin.

Die Schwiegermutter lehnte ebenfalls ab.

Sie erholten sich schon auf ihrer eigenen Datscha.

Großer Pool, neues Gewächshaus, Ruhezone, Blumen.

Ohne Menschenmenge — nur manchmal kam Jegors Mutter vorbei.

Zwei Jahre später verkaufte die Schwiegermutter eben jene „gemeinsame“ Datscha.

Vor dem Verkauf musste alles in Ordnung gebracht werden — sonst erschraken die Käufer.

Julia und Jegor halfen dabei.

Das Geld teilte die Schwiegermutter auf:

— Das ist für euch — für eure Hilfe und dafür, dass ihr mich bei euch ausruhen lasst.

Den Rest behalte ich für mich.

Die anderen haben sich auch so ganz gut eingerichtet.

Eine eigene Datscha — das ist etwas ganz anderes.

Nicht gemeinsam.

Und wahrscheinlich ist es so tatsächlich besser.