— Mir ist deine Temperatur egal.

Die Gäste kommen in drei Stunden, — sagte mein Mann und zog seine Jacke an.

Katja wachte von der Stille auf.

Nicht von einem Geräusch, nicht vom Licht — sondern von dessen Abwesenheit.

Die Wohnung schwieg so, wie Dinge schweigen, die schon lange aufgehört haben, auf etwas Lebendiges zu warten.

Draußen war November.

Grau, dicht, ohne Lichtblicke.

Ein solcher November, der weder Schnee noch Sonne verspricht — sondern einfach von oben mit seiner Farblosigkeit drückt.

Katja lag da, ohne die Augen zu öffnen, und lauschte in sich hinein.

Der Hals.

Schon am Abend hatte sie dieses Kratzen bemerkt, leicht wie ein Schnitt von dünnem Papier.

Damals hatte sie beschlossen, dass es von der Klimaanlage im Büro kam, dass es bis zum Morgen vorbeigehen würde, dass es nicht jetzt war, nicht heute, nur nicht in dieser Woche.

Aber der Morgen kam, und mit ihm kam das, was man nicht einfach abschütteln kann.

Der Hals brannte.

Der Kopf fühlte sich an, als wäre er aus Gusseisen gemacht.

Der Körper lag unter der Decke mit dem Gefühl, als hätte ihn nachts jemand gegen einen fremden ausgetauscht — schwer, fremd, kaum gehorchend.

Neben ihr schlief Andrej.

Katja drehte langsam den Kopf und versuchte, die Stille nicht zu stören.

Er lag auf dem Rücken, atmete gleichmäßig, eine Hand hinter den Kopf gelegt, in der Haltung eines Menschen, bei dem alles in Ordnung ist.

Heute war Freitag.

Heute Abend erwarteten sie Gäste.

Katjas Herz zog sich zusammen — nicht aus Angst, sondern aus Müdigkeit, aus der Vorahnung eines Gesprächs, das sie schon auswendig kannte, noch bevor es überhaupt begonnen hatte.

— Andrej, — rief sie.

Ihre Stimme klang nicht wie ihre eigene.

Heiser, gebrochen, als hätte sie sie sich von jemand anderem ausgeliehen.

Er bewegte sich, wachte aber nicht auf.

— Andrej.

Der Mann öffnete die Augen.

Er sah an die Decke.

Dann zu ihr.

— Was ist passiert?

— Ich glaube, ich bin krank geworden.

Mein Hals tut weh, und ich habe wahrscheinlich Fieber.

Ich werde heute nicht kochen können.

Eine Sekunde Stille.

Sie hatte gelernt, diese Sekunden in den drei Jahren ihres Zusammenlebens zu lesen.

In ihnen passte vieles hinein.

Andrej setzte sich im Bett auf.

Er rieb sich das Gesicht.

Diese Bewegung — mit beiden Handflächen über die Wangen, von unten nach oben — hatte sie früher müde und rührend gefunden.

Jetzt bedeutete sie nur, dass er seine Gedanken sammelte, bevor er sagte, was er dachte.

— Heute? — fragte er, und dieses Wort klang nicht wie eine Frage, sondern wie eine Anschuldigung.

— Ich habe es mir nicht ausgesucht, — sagte Katja leise.

— Wir haben es mit den Leuten vereinbart.

Artjom geht extra früher von der Arbeit, Lena bringt Wein mit, ich habe Boris gesagt, dass es einen ordentlichen Tisch geben wird, nicht einfach nur ein Beisammensitzen.

Verstehst du, was das bedeutet?

— Andrej, ich habe Fieber.

— Dann nimm eine Tablette, — er stand bereits auf, suchte schon seine Socken, sah sie schon nicht mehr an.

— Nurofen ist im Medizinschrank.

Du senkst das Fieber — und dann ist alles normal.

Die Leute kommen doch.

Katja sah auf seinen Rücken.

Breit, vertraut, der Rücken eines Menschen, den sie liebte.

Den sie vielleicht immer noch liebte.

Aber in diesem Moment sah sie keinen Ehemann — sie sah einen Menschen, für den ihr Schmerz ein logistisches Problem war.

— Ich kann nicht am Herd stehen, — sagte sie.

— Mir geht es schlecht.

— Na, irgendetwas Einfaches, — sagte er schon aus dem Flur.

— Schneide auf, was da ist.

Koch Buchweizen, das ist doch nicht schwer.

Die Badezimmertür schloss sich.

Wasser rauschte.

Katja blieb allein im Schlafzimmer zurück, mitten in diesem grauen Novembermorgen, mit Fieber und dem Gefühl, gerade ein wenig kleiner geworden zu sein.

Nicht körperlich.

Innerlich.

Dort, wo das lebt, was man Würde nennt, solange es noch lebt.

Sie versuchte aufzustehen.

Das Zimmer schwankte — sanft, fast höflich, aber beharrlich — und Katja sank zurück auf das Kissen.

Aus dem Badezimmer kamen das Geräusch des Wassers und der Klang seines Lieblingspodcasts — irgendetwas über Investitionen, über langfristige Strategien, darüber, wie wichtig es sei, vorauszudenken.

Katja schloss die Augen.

Sie erinnerte sich an ihren Geburtstag im März.

Damals hatte sie selbst den Tisch für zwölf Personen gedeckt, weil „du doch besser weißt, wer was mag“.

Andrej kam erst zur Mitte des Abends — er hatte sich bei der Arbeit verspätet, entschuldigte sich, küsste sie vor allen auf die Schläfe und sagte „meine Gastgeberin“ mit so viel Stolz, dass die Gäste lächelten.

Sie hatte auch gelächelt.

Damals hatte es wie ein Kompliment gewirkt.

Jetzt war sie sich nicht mehr sicher.

Andrej kam frisch aus dem Badezimmer, in einem sauberen Hemd.

Er ging in die Küche.

Sie hörte, wie er den Kühlschrank öffnete, den Wasserkocher anstellte, Tassen bewegte.

Dann Schritte.

Er erschien in der Schlafzimmertür mit einer Tasse in der Hand.

Katjas Herz zuckte für eine Sekunde.

Er stellte die Tasse auf den Nachttisch.

Wortlos.

Ohne „Wie geht es dir?“.

Er stellte sie einfach hin — so, wie man Dinge an ihren Platz stellt — und sagte:

— Ich fahre selbst einkaufen.

Wenn du schon nicht kannst.

„Wenn du schon nicht kannst“ — in diesen Worten lag keine Grausamkeit.

Es lag etwas Schlimmeres darin: Gleichgültigkeit, verpackt in Praktikabilität.

— Andrej, — rief sie ihm nach, schon zu seinem Rücken.

— Was?

— Du hättest einfach fragen können, wie ich mich fühle.

Er drehte sich um.

Er sah sie mit dem Ausdruck eines Menschen an, dem man eine Frage in einer Fremdsprache gestellt hatte — nicht böse, sondern verwirrt.

— Na ja, schlecht wahrscheinlich.

Du hast es doch selbst gesagt.

Und er ging.

Katja sah auf die Tasse.

Der Tee war ohne Zucker.

Sie nahm immer zwei Stücke Zucker, er wusste das seit drei Jahren.

Aber er hatte keinen hineingelegt.

Nicht, weil er sie verletzen wollte — er hatte einfach nicht daran gedacht.

Weil er in diesem Moment nicht an sie dachte.

Er dachte an die Gäste, an die Einkäufe, an den Abend, der gelingen sollte.

Sie nahm einen Schluck bitteren Tee und spürte, wie zu dem körperlichen Schmerz ein anderer hinzukam — ein leiser, alter, einer, der schon lange da war, den man aber lange nicht bemerkt, bis man innehält.

Die Gäste kamen um sieben.

Katja hörte sie durch die Wand — Stimmen, Lachen, das Geräusch einer Flasche auf der Arbeitsplatte, den Ausruf von jemandem: „Oh, wie gut es hier riecht.“

Andrej hatte etwas aus der Feinkostabteilung gekauft, aufgewärmt und auf Teller verteilt.

Er konnte den Anschein schaffen.

Das wusste sie schon lange.

Sie lag im Dunkeln und starrte an die Decke.

Das Fieber sank nicht.

Die Tablette, die sie in der Nachttischschublade gefunden hatte — alt, aus der Hausapotheke vom letzten Jahr — verschaffte ihr nur eine kurze Pause, nach der die Hitze mit doppelter Kraft zurückkehrte.

Der Körper brannte.

Das Kissen fühlte sich auf der einen Seite glühend heiß und auf der anderen eiskalt an, und sie drehte es alle halbe Stunde um, auf der Suche nach Erleichterung, die nicht kam.

Im Wohnzimmer lachten sie.

Laut, gemeinsam — dieses Lachen, das nach einem gelungenen Trinkspruch kommt.

Katja schloss die Augen.

Sie stellte sich vor, wie Andrej am Kopfende des Tisches stand, wie er ein Glas hielt, wie er etwas sagte wie „Ich musste selbst ran, Katjuscha ist ein bisschen krank, aber wir haben es geschafft“ — genau in dieser Reihenfolge, genau in diesem Ton.

Im Ton eines Menschen, der den Abend vor dem Scheitern gerettet hatte.

Ein Held ohne Umhang.

Sie kannte diesen Ton.

Sie hatte ihn drei Jahre lang gehört.

Das Telefon vibrierte.

Ihre Freundin Sonja schrieb: „Katja, wo bist du? Andrej hat gesagt, du bist krank. Soll ich vorbeikommen?“

Katja tippte: „Nicht nötig, ich schlafe“ — und legte das Telefon weg.

Dann nahm sie es wieder und löschte die Nachricht.

Sie schrieb die Wahrheit: „Sonja, mir geht es schlecht. Nicht körperlich. Na ja, körperlich auch. Ruf morgen an.“

Sonja antwortete sofort: „Ich bin schon unterwegs.“

— Nicht nötig, — flüsterte Katja in die Dunkelheit.

Aber ihre Finger schrieben das nicht.

Ihre Finger schwiegen.

Sonja kam um halb neun.

Sie klingelte an der Tür, und Katja hörte, wie Andrej öffnete — eine Pause, ein kurzes Gespräch im Flur, dessen Worte nicht zu verstehen waren, nur die Intonation: überrascht, leicht unzufrieden.

Dann Schritte im Flur.

Die Schlafzimmertür öffnete sich.

Sonja trat ein, sah Katja und ihr Gesicht wurde so, wie das Gesicht eines Menschen wird, der schon lange etwas vermutet hatte, aber trotzdem gehofft hatte, sich zu irren.

— Mein Gott, — sagte sie leise und setzte sich auf die Bettkante.

— Du glühst ja.

— Ein bisschen.

— Hast du gemessen?

— Nein.

Ich habe nichts zum Messen.

Sonja zog ein Thermometer aus ihrer Tasche — sie war Ärztin, sie trug immer ein Thermometer bei sich, und das war einer der Gründe, warum Katja seit zwanzig Jahren mit ihr befreundet war.

Achtunddreißig Komma neun.

— Warum hast du keinen Arzt gerufen? — fragte Sonja und tippte bereits etwas in ihr Telefon.

— Andrej sagte, Nurofen, und alles geht vorbei.

Sonja hob den Blick.

Sie sah Katja lange und sehr ruhig an.

Nicht verurteilend — schlimmer.

Verstehend.

— Und weiß er, dass du fast neununddreißig hast?

— Ich habe gesagt, dass es mir schlecht geht.

— Und?

Katja schwieg einen Moment.

— Und er hat mir Tee hingestellt.

Ohne Zucker.

Und ist einkaufen gefahren.

Im Wohnzimmer lachten sie wieder.

Das Lachen war laut, sorglos, das Lachen von Menschen, denen es gut geht und die nicht wissen — oder nicht wissen wollen — dass zwanzig Meter von ihnen entfernt eine Frau allein mit fast vierzig Grad Fieber liegt.

Sonja stand auf und ging aus dem Schlafzimmer.

Katja hörte ihre Stimme im Flur — ruhig, ohne Schreien, aber mit jener Festigkeit, die keinen Raum für Widerspruch lässt.

Dann Andrejs Stimme — zuerst überrascht, dann leiser, dann ganz leise.

Einige Minuten später kam Sonja mit Tabletten, einem Glas Wasser und dem Ausdruck eines Menschen zurück, der getan hatte, was er konnte.

— Der Arzt kommt morgen früh, ich habe es organisiert.

Nimm jetzt das hier und das hier.

Und leg dich hin.

— Was hast du ihm gesagt?

— Dass du krank bist.

Dass das kein günstiger Moment ist, um krank zu sein, sondern ein echter Zustand, bei dem ein normaler Mensch seine Frau nicht allein lässt.

— Er wird beleidigt sein.

— Ich weiß, — sagte Sonja schlicht.

— Er ist schon beleidigt.

Er steht in der Küche mit dem Gesicht eines Menschen, den man zu Unrecht beschuldigt hat.

Katja schloss die Augen.

Sie spürte, wie die Tablette zu wirken begann — langsam, widerwillig, die scharfen Kanten des körperlichen Schmerzes verwischend, aber nicht jene anderen, die tiefer saßen und sich nicht mit Tabletten behandeln ließen.

— Sonja, — sagte sie in die Dunkelheit.

— Erinnerst du dich, wie Andrej und ich uns kennengelernt haben?

— Ich erinnere mich.

Du hast gesagt, er sei der einzige Mann gewesen, der gefragt hat, ob dir kalt sei, und dir seine Jacke gegeben hat.

— Ja.

Katja schwieg einen Moment.

— Ich habe heute den ganzen Tag daran gedacht.

Wo ist dieser Mensch geblieben, der mir seine Jacke gegeben hat?

Sonja antwortete nicht sofort.

Sie saß neben ihr, und in ihrem Schweigen lag keine Verlegenheit.

— Vielleicht ist er nirgendwohin verschwunden, — sagte sie schließlich.

— Vielleicht hat er einfach beschlossen, dass die Jacke ihren Zweck erfüllt hat.

Du bist geblieben.

Warum sollte er sie noch einmal geben?

Das war ein grausamer Satz.

Aber er war wahr, und sie wussten es beide.

Die Gäste gingen gegen elf.

Andrej kam ins Schlafzimmer, als Sonja schon gegangen war.

Er machte das Licht an — Katja kniff die Augen zusammen.

Er entschuldigte sich nicht für das Licht.

— Na, wie geht es dir? — fragte er.

Nicht mit Sorge — sondern mit jener Intonation, mit der man nach dem Verkehr fragt: irgendwie eine Frage, aber die Antwort ist nicht wirklich wichtig.

— Normal, — sagte Katja.

Er begann sich auszuziehen.

Er schwieg.

Sie sah auf seinen Rücken und dachte an die Tasse ohne Zucker.

An den März, an „meine Gastgeberin“.

Daran, dass sie diese Episoden drei Jahre lang in ihrem Kopf hin und her gedreht und Erklärungen dafür gesucht hatte.

Er war müde.

Er hatte nicht daran gedacht.

Er wollte mich nicht verletzen.

Er ist einfach so ein Mensch.

Er liebt einfach anders.

Heute hatte sie keine Lust, nach Erklärungen zu suchen.

— Andrej, — sagte sie.

— Hm?

— Ist dir nicht in den Sinn gekommen, die Gäste abzusagen?

Er drehte sich um.

Sein Gesicht war nicht böse, sondern ehrlich überrascht — und das war schlimmer als Wut.

— Wegen einer Erkältung?

— Wegen der Tatsache, dass es mir schlecht ging.

Wegen der Tatsache, dass ich deine Frau bin, dass es mir schlecht ging und dass du das seit dem Morgen wusstest.

— Katja, — er seufzte mit jenem Seufzer, mit dem man bei einem unvernünftigen Menschen seufzt, — man kann doch nicht alles wegen Fieber absagen.

Die Leute hatten geplant.

Du bist doch erwachsen, du hast es geschafft.

— Ich habe es nicht geschafft.

Ich lag allein.

Sonja hat den Arzt gerufen, Tabletten gebracht, die Temperatur gemessen.

Sonja.

Nicht du.

Im Zimmer hing Stille.

Nicht die Stille, die vor einem Gewitter kommt.

Die Stille, die danach kommt — wenn alles schon passiert ist, nur noch nicht alle es verstanden haben.

— Du übertreibst, — sagte er schließlich.

Katja sah ihn an.

Den Menschen, den sie liebte.

Den sie vielleicht immer noch liebte — sie war sich nicht sicher, ob sie das unterscheiden konnte.

Sie sah ihn an und verstand, dass er sich nicht verstellte.

Er dachte wirklich so.

Er sah es wirklich nicht.

Nicht, weil er schlecht war — sondern weil sie ihm nie zu verstehen gegeben hatte, dass Sehen notwendig war.

— Andrej, — sagte sie leise, — ich will keine Angst davor haben, krank zu werden.

Er runzelte die Stirn.

— Was?

— Ich will nicht so leben, dass ich Angst haben muss, dass du beleidigt bist, wenn es mir schlecht geht.

Das ist falsch.

Ein Mensch sollte neben demjenigen, den er liebt, keine Angst vor seiner eigenen Schwäche haben.

Er schwieg.

In seinem Schweigen spürte sie kein Verständnis.

Sie spürte die Verwirrung eines Menschen, dessen gewohnte Ordnung zerbrochen wurde und der nicht weiß, welche er stattdessen aufstellen soll.

— Ich brauche, dass du darüber nachdenkst, — sagte Katja.

— Nicht jetzt.

Später.

Wenn ich wieder gesund bin.

Sie drehte sich zur Wand.

Er legte sich auf seine Seite.

Er fragte nicht, ob sie Wasser brauchte.

Er rückte nicht näher.

Nach ein paar Minuten wurde sein Atem gleichmäßig.

Katja lag mit offenen Augen in der Dunkelheit.

Draußen regnete es — feiner Novemberregen, ohne die Absicht aufzuhören.

Sie hörte ihm zu und dachte daran, dass das Schwerste an dieser Geschichte nicht war, dass er sich als anders erwiesen hatte.

Sondern dass sie ihm so lange geholfen hatte, so zu bleiben.

Mit ihrem Schweigen.

Mit ihrem „Schon gut, ich schaffe das“.

Mit ihrer Fähigkeit, Erklärungen dort zu finden, wo man einfach hätte sagen müssen: Es tut mir weh, und ich möchte, dass du das siehst.

Sie wusste nicht, was weiter passieren würde.

Aber zum ersten Mal seit langer Zeit erlaubte sie sich, es nicht zu wissen — und sich nicht dafür zu entschuldigen.

Und in dieser kleinen, fast unmerklichen Entscheidung lag etwas, das wie ein Anfang aussah.