Jekaterina öffnete die Banking-App auf ihrem Handy und scrollte durch die Transaktionshistorie ihrer gemeinsamen Karte.
Ihr Blick blieb an einer weiteren Überweisung hängen.

Vierzigtausend Rubel.
Empfängerin — Marina Wiktorowna Sokolowa.
Ihre Schwiegermutter.
Die Frau runzelte die Stirn und scrollte weiter.
Vor einer Woche — fünfunddreißigtausend.
Vor zwei Wochen — fünfzigtausend.
Vor einem Monat — zweiundvierzig.
— Sascha, — rief Jekaterina ihren Mann, der im Wohnzimmer mit dem Laptop saß.
— Kannst du mal herkommen?
Alexander erschien in der Küchentür und nippte an seinem Kaffee.
— Was ist passiert?
— Das hier, — die Frau reichte ihrem Mann das Handy mit dem geöffneten Kontoauszug.
— Erklär mir das bitte.
Alexander warf einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm und zuckte mit den Schultern.
— Ich helfe meiner Mutter.
Was gibt es da zu erklären?
— Vierzigtausend.
Das ist schon die vierte Überweisung in diesem Monat, — Jekaterina lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
— Unser Budget ist nicht grenzenlos, und du…
— Katja, meine Mutter ist nach der Scheidung ganz allein geblieben, — stellte der Mann die Tasse auf den Tisch und setzte sich ihr gegenüber.
— Sie hat es schwer.
Ich kann sie doch nicht im Stich lassen.
— Ich sage ja nicht, dass du sie im Stich lassen sollst.
Aber vielleicht sollten wir besprechen, wie viel und wann wir ihr helfen? — versuchte die Frau ruhig zu sprechen.
— Wir haben Miete, Nebenkosten, das Auto steht zur Reparatur.
Wir selbst müssen auch etwas zurücklegen.
— Meine Mutter braucht jetzt Hilfe.
Uns helfen wir später, — nahm Alexander das Handy und gab es ihr zurück.
— Mach dir nicht so viele Sorgen.
Jekaterina schwieg, aber innerlich kochte es in ihr.
Mach dir nicht so viele Sorgen.
Leicht gesagt, wenn man selbst das Familienbudget nicht kalkuliert.
Die Frau arbeitete als Finanzanalystin und war es gewohnt, Ausgaben im Voraus zu planen.
Und ihr Mann warf das Geld nach rechts und links hinaus, ohne an die Folgen zu denken.
Am selben Abend setzte sich Jekaterina an den Computer und öffnete die Tabelle mit den Ausgaben.
Sie schrieb alle Überweisungen an Marina Wiktorowna der letzten drei Monate heraus.
Es ergab hundertsiebenundachtzigtausend Rubel.
Die Frau lehnte sich im Sessel zurück und rieb sich die Schläfen.
Das war viel zu viel.
— Sascha, lass uns ernsthaft reden, — begann Jekaterina am nächsten Morgen beim Frühstück.
— Worüber? — schmierte ihr Mann Butter auf das Brot, ohne aufzusehen.
— Über Geld.
Ich habe nachgerechnet — in drei Monaten hast du deiner Mutter hundertsiebenundachtzigtausend überwiesen.
Das ist eine riesige Summe für unsere Familie.
Alexander hob den Kopf und runzelte die Stirn.
— Du zählst nach, wie viel ich meiner Mutter helfe?
— Ich führe das Familienbudget.
Das ist meine Aufgabe, — antwortete die Frau ruhig.
— Und diese Ausgaben ruinieren uns.
Wir müssen für Urlaub, Renovierung und die Zukunft sparen.
— Meine Mutter ist wichtiger als irgendein Urlaub! — die Stimme des Mannes wurde lauter.
— Sie hat mich geboren, mich großgezogen!
Ich bin verpflichtet, ihr zu helfen!
— Niemand bestreitet das.
Aber lass uns eine vernünftige Summe pro Monat festlegen.
Sagen wir zwanzigtausend.
Das reicht für…
— Zwanzig?! — Alexander schleuderte das Messer auf den Teller.
— Willst du etwa, dass meine Mutter hungert?!
— Sascha, deine Mutter bekommt eine ordentliche Rente.
Sie ist nicht so bedürftig, dass wir unser eigenes Budget opfern müssen!
— Schluss! — der Mann stand vom Tisch auf.
— Ich werde nicht darüber diskutieren, wie viel ich meiner Mutter helfe.
Das ist meine Pflicht!
Die Tür knallte.
Jekaterina blieb in der Küche sitzen und starrte auf das halb aufgegessene Frühstück.
Das Gespräch war gescheitert.
Allerdings hatte sie auch nicht auf Verständnis gehofft.
Die Tage vergingen, und die Spannung wuchs.
Jekaterina versuchte, ein Budget ohne die Überweisungen an die Schwiegermutter aufzustellen, doch jedes Mal stieß sie auf eine neue Ausgabe.
Alexander unterstützte seine Mutter weiterhin heimlich, ohne seine Frau zu informieren.
Eines Morgens wachte die Frau vom Klingeln eines Telefons im Nebenzimmer auf.
Die gedämpfte Stimme ihres Mannes hinter der Wand:
— Ja, Mama, natürlich.
Mach dir keine Sorgen.
Ich überweise es gleich.
Wie viel brauchst du?
Dreißig?
Gut.
Jekaterina ballte unter der Decke die Fäuste.
Schon wieder.
Jede Woche — schon wieder.
Beim Frühstück stellte die Frau schweigend einen Teller mit Spiegeleiern vor ihren Mann.
Alexander starrte auf sein Handy und kaute appetitlos.
— Hast du deiner Mutter heute Morgen dreißigtausend überwiesen? — fragte Jekaterina und schenkte sich Kaffee ein.
Der Mann hob den Blick.
Schuld blitzte in seinen Augen auf, wurde aber sofort von Sturheit verdrängt.
— Ja.
Ihr Kühlschrank ist kaputtgegangen.
— Letzten Monat ist ihr Fernseher kaputtgegangen.
Im Monat davor — die Waschmaschine.
Alexander, das ist doch schon absurd!
— Geräte gehen eben kaputt.
Was ist daran so ungewöhnlich?
— Ungewöhnlich ist, dass ständig etwas kaputtgeht! — Jekaterina hob die Stimme.
— Jeden Monat etwas Neues!
Vielleicht gibt sie das Geld einfach für Unsinn aus und ruft dich dann an?
— Wage es nicht, so über meine Mutter zu sprechen! — der Mann sprang auf und stieß dabei den Stuhl um.
— Du hast keine Ahnung, wie schwer sie es hat!
— Und ich habe es leicht?! — auch die Frau stand auf.
— Ich arbeite genauso viel wie du!
Ich verdiene genauso viel!
Aber aus irgendeinem Grund geht mein Geld auch an deine Mutter!
— Weil wir eine Familie sind!
In einer Familie hilft man einander!
— Das heißt, deine Mutter ist Familie, und was bin ich?! — Jekaterina spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, hielt sie aber zurück.
— Bin ich also keine Familie?
Nur ein wandelnder Geldbeutel?
Alexander antwortete nicht.
Er schnappte sich seine Jacke und ging früher als gewöhnlich zur Arbeit.
Jekaterina sank auf den Stuhl und vergrub das Gesicht in den Händen.
Das war unerträglich.
Jeden Tag dasselbe.
Geld, Mutter, Streit.
Am Abend kam ihr Mann spät zurück.
Er aß schweigend zu Abend und ging ins Schlafzimmer.
Jekaterina blieb in der Küche und beendete einen Arbeitsbericht.
Das Telefon vibrierte — eine Benachrichtigung von der Bank.
Überweisung von fünfzigtausend Rubel.
An Marina Wiktorowna.
Die Frau sprang auf und stürmte ins Schlafzimmer.
Alexander lag mit dem Handy im Bett.
— Du hast deiner Mutter gerade eben fünfzigtausend überwiesen?!
— Ja.
Sie brauchte sie dringend, — der Mann hob nicht einmal den Blick vom Bildschirm.
— Wofür?! — Jekaterina trat ans Bett und riss ihrem Mann das Handy aus der Hand.
— Wofür brauchte sie plötzlich so dringend fünfzigtausend?!
— Gib das Handy her!
— Beantworte die Frage!
Alexander sprang auf, nahm ihr das Handy ab und warf es auf den Nachttisch.
— Das geht dich nichts an!
— Wie, das geht mich nichts an?! — die Frau spürte, wie das Blut in ihren Schläfen pochte.
— Das ist unser gemeinsames Geld!
Ich habe das Recht zu wissen, wohin es geht!
— Meine Mutter ist meine Angelegenheit! — jetzt schrie der Mann aus voller Kehle.
— Du bist geizig!
Du zählst jeden Kopeken!
Du rastest aus, wenn ich einem nahestehenden Menschen helfe!
— Ich bin nicht geizig!
Ich will nur, dass wir an unsere Familie denken!
An uns!
— Mama ist auch unsere Familie!
— Nein! — schrie Jekaterina.
— Unsere Familie sind du und ich!
Und Marina Wiktorowna ist eine eigene Einheit!
Eine erwachsene, selbstständige Frau, die von ihren eigenen Mitteln leben sollte!
Alexander drehte sich um und schaltete das Licht aus.
— Ich bin müde.
Schlaf auf dem Sofa, wenn du streiten willst.
Jekaterina blieb in der Dunkelheit des Schlafzimmers stehen.
Ihre Hände zitterten.
In ihr brodelte Wut, vermischt mit Ohnmacht.
Ihr Mann hörte sie einfach nicht.
Er wollte sie nicht hören.
Ein Monat verging.
Die Streitereien wurden alltäglich.
Alexander überwies seiner Mutter weiterhin Geld, Jekaterina beschwerte sich weiter.
Der Kreis hatte sich geschlossen.
Ein Ausweg war nicht in Sicht.
Anfang Oktober rief Marina Wiktorowna ihren Sohn an.
Jekaterina saß daneben und hörte das Gespräch über Lautsprecher.
— Saschenka, ich habe in einem Monat Jubiläum.
Fünfundsechzig Jahre, stell dir das vor?
— Ja, Mama, ich erinnere mich, — lächelte der Mann in das Telefon.
— Natürlich feiern wir.
— Ich will im Restaurant feiern.
Nicht in irgendeinem einfachen, sondern in einem guten.
Weißt du, schön, mit Musik, mit Glanz, — die Stimme der Schwiegermutter klang verträumt.
— Natürlich, Mama.
Ich organisiere dir ein unvergessliches Fest.
Mach dir keine Sorgen, — versicherte Alexander seiner Mutter mit fester Stimme.
— Danke, mein Sohn.
Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.
Jekaterina sah ihren Mann an und spürte, wie ihre Unruhe wuchs.
Ein Restaurant.
Mit Glanz.
Das würde eine Menge Geld kosten.
Und woher wollte er es nehmen?
— Sascha, können wir uns das leisten? — fragte die Frau vorsichtig, als ihr Mann das Gespräch beendet hatte.
— Natürlich, — antwortete Alexander sorglos.
— Mama hat Jubiläum.
So etwas gibt es nur einmal im Leben.
— Aber was wird das kosten?
In einem guten Restaurant zahlt man mindestens fünftausend pro Person.
Wenn es zwanzig Gäste sind, sind das schon hunderttausend.
Dazu Musik, Dekoration…
— Das wird schon, Katja.
Mach dir nicht so viele Sorgen, — winkte der Mann ab und ging in ein anderes Zimmer.
Jekaterina blieb sitzen und starrte auf einen Punkt.
Mach dir nicht so viele Sorgen.
Wie sollte man sich da keine Sorgen machen, wenn das Budget schon jetzt aus allen Nähten platzte?
Am fünften November fand das Jubiläum statt.
Jekaterina fuhr mit einem schweren Gefühl ins Restaurant.
Alexander war in bester Stimmung, pfiff am Steuer und erzählte, wie lange er den Ort ausgesucht hatte.
— Ich habe das „Imperial“ gewählt.
Dort gibt es eine großartige Küche, einen Panoramasaal und Live-Musik.
Mama wird begeistert sein.
— Das „Imperial“?! — Jekaterina drehte sich zu ihrem Mann um.
— Sascha, das ist eines der teuersten Restaurants der Stadt!
— Na und?
Mama verdient das Beste, — lächelte der Mann und parkte vor dem Eingang.
Das Restaurant war tatsächlich luxuriös.
Hohe Decken, Kristalllüster, schneeweiße Tischdecken.
Marina Wiktorowna strahlte in der Mitte des Saals und nahm Glückwünsche der Gäste entgegen.
Auf den Tischen standen teure Vorspeisen, Flaschen mit edlem Champagner und Blumengestecke.
Jekaterina saß da und lächelte den Gästen mechanisch zu, während sie innerlich die ungefähren Kosten überschlug.
Das Menü kostete pro Person mindestens siebentausend.
Fünfundzwanzig Gäste.
Alkohol.
Die Musiker spielten auf echten Instrumenten — Geige, Saxofon.
Die Dekoration aus frischen Blumen — keine billigen Gänseblümchen, sondern Orchideen und Rosen.
— Saschenka, vielen, vielen Dank! — Marina Wiktorowna trat zu ihrem Sohn und umarmte ihn.
— Du hast mir so ein Geschenk gemacht!
Alle meine Freundinnen sind neidisch!
Alexander blühte unter dem Lob seiner Mutter regelrecht auf.
— Für dich, Mama, alles, was du willst.
Jekaterina wandte sich zum Fenster ab.
Hinter dem Glas flimmerten die Lichter der nächtlichen Stadt.
Und hier floss das Geld in Strömen — Geld, das sie nicht hatten.
Das Fest endete weit nach Mitternacht.
Marina Wiktorowna fuhr glücklich nach Hause, umarmte ihren Sohn und dankte ihm immer wieder.
Alexander half seiner Mutter ins Taxi, winkte zum Abschied.
Auf dem Heimweg schwieg Jekaterina.
Der Mann schaltete Musik ein, summte dazu und trommelte mit den Fingern aufs Lenkrad.
— Na, es war doch großartig, oder? — fragte Alexander, als er vor dem Haus parkte.
— Wie viel hat das gekostet? — fragte die Frau leise.
— Katja, nicht jetzt.
Lass uns morgen darüber reden, — stieg der Mann aus dem Auto und schlug die Tür zu.
Jekaterina folgte ihrem Mann schweigend.
Sie gingen in die Wohnung hinauf und zogen sich um.
Alexander fiel sofort ins Bett.
Die Frau lag lange schlaflos da und starrte an die Decke.
Morgen.
Morgen würde sie erfahren, was dieses Jubiläum gekostet hatte.
Der nächste Tag verlief in angespannter Stille.
Alexander lief düster herum und wich Gesprächen aus.
Jekaterina beobachtete ihren Mann und bereitete sich auf das Schlimmste vor.
Irgendetwas stimmte ganz eindeutig nicht.
Am Abend beim Essen machte der Mann mehrmals den Mund auf und schwieg dann wieder.
Er stocherte mit der Gabel in den Kartoffeln herum und schob den Teller weg.
Jekaterina wartete.
— Katja, ich muss dir etwas sagen, — brachte Alexander schließlich hervor.
— Ich höre, — legte die Frau die Gabel hin und sah ihren Mann an.
— Es ist… also… — der Mann rieb sich den Hinterkopf und wich ihrem Blick aus.
— Das Jubiläum ist teurer geworden, als ich gedacht hatte.
— Wie viel teurer?
— Viel teurer, — Alexander stand auf und ging in der Küche auf und ab.
— Ich hatte nicht genug Bargeld.
Ich musste…
— Du musstest was? — Jekaterinas Stimme wurde fester.
— Ich musste einen Kredit aufnehmen, — platzte es aus dem Mann heraus, ohne seine Frau anzusehen.
Jekaterina erstarrte.
Einen Kredit.
Er hatte einen Kredit aufgenommen.
Für das Jubiläum seiner Mutter.
— Wie viel? — brachte die Frau mühsam hervor.
— Sechshunderttausend Rubel, — flüsterte Alexander und starrte auf den Boden.
Stille.
Jekaterina saß da und starrte ihren Mann an.
Sechshunderttausend.
Sechs.
Hundert.
Tausend.
— Du… du hast einen Kredit über sechshunderttausend aufgenommen?! — die Stimme der Frau überschlug sich zu einem Schrei.
— Ohne mein Wissen?!
— Katja, versteh doch, ich musste schnell handeln!
Ich hatte keine Zeit, dich zu fragen!
— Keine Zeit?! — Jekaterina sprang auf und stieß dabei den Stuhl um.
— Für das Jubiläum hattest du einen ganzen Monat Zeit zur Vorbereitung!
Aber deine Frau zu fragen — dafür war keine Zeit?!
— Du hättest sowieso nicht zugestimmt! — auch der Mann hob die Stimme.
— Du hättest wieder angefangen zu rechnen, zu sparen, zu kürzen!
— Natürlich hätte ich nicht zugestimmt!
Weil das Wahnsinn ist!
Sechshunderttausend für einen Abend!
Bist du noch bei Verstand?!
— Mama hat ein schönes Fest verdient!
— Für sechshunderttausend?! — Jekaterina trat dicht an ihren Mann heran.
— Alexander, verstehst du überhaupt, dass das anderthalb Jahre meines Gehalts sind?!
Dass wir diesen Kredit jetzt jahrelang zurückzahlen werden?!
— Dafür war Mama glücklich! — der Mann stemmte die Hände in die Seiten.
— Hast du ihr Gesicht gesehen?!
— Ja, habe ich!
Ich habe gesehen, wie sie sich über unser Geld gefreut hat!
Über unsere Zukunft, die du gerade eben die Toilette hinuntergespült hast!
— Sprich nicht so über meine Mutter!
— Ich spreche über dich! — Jekaterina stieß ihm den Finger gegen die Brust.
— Über dich und deine Verantwortungslosigkeit!
Wie konntest du nur?!
Wie konntest du ohne meine Zustimmung einen Kredit aufnehmen?!
— Ich habe allein unterschrieben!
Die Bank hat genehmigt! — Alexander trat einen Schritt zurück.
— Das ist mein Kredit, meine Entscheidung!
— Dein Kredit?!
Und wer wird ihn abbezahlen?!
Ich, ja?!
Weil bei dir sowieso alles an deine Mutter geht!
— Fang nicht schon wieder an!
— Doch, ich fange an!
Weil das jetzt der Punkt ist, an dem Schluss ist! — Jekaterina spürte, wie ihr vor Wut schwarz vor Augen wurde.
— Ich habe deine Überweisungen ertragen!
Ich habe ertragen, wie du unser Budget verschleuderst!
Aber das… das ist jenseits aller Grenzen!
— Ich habe für meine Mutter ein Jubiläum organisiert! — schrie Alexander.
— Das Fest ihrer Träume!
Verstehst du?!
Einmal im Leben!
— Und für dieses eine Mal hast du einen Kredit über sechshunderttausend aufgenommen?!
— Ja!
Weil ich nicht anders konnte! — der Mann fuchtelte mit den Armen.
— Mama träumte von einem schönen Fest!
Ich konnte sie nicht enttäuschen!
— Aber mich kannst du enttäuschen?!
Unsere Familie?!
Unsere Zukunft?!
— Mama ist wichtiger!
Jekaterina blieb stehen und starrte ihren Mann an.
Mama ist wichtiger.
Damit war alles gesagt.
Alles war vollkommen klar.
— Wiederhol das, — sagte die Frau leise.
— Was? — Alexander runzelte die Stirn.
— Wiederhol, dass deine Mutter wichtiger ist als ich.
Wichtiger als unsere Familie.
Der Mann öffnete den Mund und schloss ihn wieder.
Er begriff, dass er zu viel gesagt hatte.
— Katja, ich habe das nicht so gemeint…
— Doch.
Genau so hast du es gemeint, — drehte sich die Frau um und ging ins Schlafzimmer.
— Katja, wohin gehst du?!
Jekaterina begann, Sachen aus dem Schrank zu holen und in einen Koffer zu packen.
Ihre Hände zitterten, doch ihre Bewegungen waren klar und entschlossen.
— Was machst du da?! — Alexander blieb in der Schlafzimmertür stehen.
— Ich gehe, — antwortete die Frau kurz und stopfte Kosmetik in die Tasche.
— Wohin?!
Weshalb?!
— Wegen dem, was du gerade gesagt hast, — Jekaterina drehte sich zu ihrem Mann um.
— Deine Mutter ist wichtiger.
Dann leb mit ihr.
Zahlt den Kredit zusammen zurück.
Hier habe ich nichts mehr zu suchen.
— Katja, sei nicht albern!
Ich habe mich nur verplappert!
— Nein, Sascha.
Du hast die Wahrheit gesagt, — schloss die Frau den Koffer und nahm ihn in die Hand.
— All die Jahre hast du deine Mutter über mich gestellt.
Über uns.
Ich habe es ertragen, ich habe gehofft, dass sich etwas ändert.
Aber du hast einen Kredit über sechshunderttausend aufgenommen.
Für einen einzigen Abend.
Für deine Mutter.
— Aber…
— Nein! — Jekaterina hob die Hand und brachte ihren Mann zum Schweigen.
— Es reicht.
Ich bin müde.
Müde davon, an zweiter Stelle zu stehen.
Müde davon, deine Mutter zu finanzieren.
Müde davon, die Folgen deiner Entscheidungen auszubaden.
— Du kannst doch nicht einfach gehen!
— Doch, das kann ich.
Und ich gehe, — ging die Frau an ihrem Mann vorbei zum Ausgang.
— Katja! — Alexander holte seine Frau im Flur ein.
— Lass uns reden!
Irgendwie eine Lösung finden!
— Es gibt nichts zu besprechen, — zog Jekaterina ihre Jacke an und nahm die Tasche.
— Du hast deine Wahl getroffen.
Sechshunderttausend für das Jubiläum deiner Mutter — das war deine Entscheidung.
Mit den Folgen zu leben — auch.
— Wohin willst du gehen?!
— Zu meinen Eltern.
Danach werde ich mir eine Mietwohnung suchen.
Das ist mein Problem, — öffnete die Frau die Tür.
— Sollte ich etwa am Jubiläum meiner Mutter sparen?! — schrie Alexander verzweifelt.
— Willst du das etwa?!
Dass ich meiner eigenen Mutter absage?!
Jekaterina blieb auf der Schwelle stehen und drehte sich um.
— Sascha, sparen heißt nicht, abzulehnen.
Es heißt, nach seinen Möglichkeiten zu leben.
Man hätte ein gutes Fest für hunderttausend organisieren können.
Für zweihundert.
Aber du hast das Teuerste gewählt.
Weil du zeigen wolltest, was für ein großartiger Sohn du bist.
Auf meine Kosten.
— Nicht auf deine!
Auf unsere!
— Nein.
Auf meine.
Denn den Kredit werde ich zurückzahlen.
Du wirst das Geld sowieso wieder deiner Mutter geben, — trat die Frau auf den Treppenabsatz hinaus.
— Leb wohl, Alexander.
Die Tür fiel ins Schloss.
Jekaterina ging die Treppe hinunter und trat auf die Straße.
Der Novemberwind brannte auf ihrem Gesicht, doch die Frau spürte die Kälte nicht.
In ihr war eine seltsame Leere, vermischt mit Erleichterung.
Ihre Eltern empfingen die Tochter ohne Fragen.
Die Mutter führte sie in ihr altes Zimmer, in dem Jekaterina vor der Hochzeit gelebt hatte.
Sie half ihr beim Auspacken und machte Tee.
Erst als die Frau mit einer Tasse am Tisch saß, fragte die Mutter:
— Was ist passiert, mein Mädchen?
Jekaterina erzählte alles.
Alles.
Von den ständigen Überweisungen an die Schwiegermutter, von den Skandalen, vom Jubiläum, vom Kredit.
Die Mutter hörte schweigend zu und schüttelte den Kopf.
— Sechshunderttausend für einen einzigen Abend, — sagte die Mutter schließlich.
— Mein Gott, Katjenka, wie konnte es nur so weit kommen…
— Ich kann nicht mehr, Mama.
Ich kann nicht mit einem Menschen leben, für den ich immer nur an zweiter Stelle stehe.
— Du hast richtig gehandelt, mein Mädchen.
Ganz richtig, — legte die Mutter der Tochter einen Arm um die Schultern.
— Bleib hier, solange du willst.
Alles wird gut.
Am nächsten Tag nahm Jekaterina sich frei und fuhr zu einer Anwältin.
Sie reichte die Scheidungsunterlagen ein.
Die Anwältin erklärte ihr, dass der Kredit, den Alexander ohne Zustimmung seiner Frau aufgenommen hatte, allein auf ihm bleiben würde.
Gemeinsames Eigentum hatten sie kaum — die Wohnung war gemietet, das Auto gehörte ihm, die Möbel waren alt.
— Alles ist ganz einfach, — versicherte die Anwältin.
— Ein Monat Bedenkzeit, dann das Gericht.
Wenn Ihr Mann keine Einwände erhebt, sind Sie in drei Monaten frei.
Alexander rief jeden Tag an.
In der ersten Woche flehte er sie an zurückzukommen, versprach sich zu ändern und schwor, seiner Mutter nie wieder ohne Absprache zu helfen.
Jekaterina hörte schweigend zu und legte dann auf.
In der zweiten Woche wurde der Mann wütend, warf seiner Frau Gefühllosigkeit vor und behauptete, sie zerstöre die Familie wegen des Geldes.
Jekaterina ging nicht mehr ans Telefon.
In der dritten Woche versuchte Alexander es über Marina Wiktorowna.
Die Schwiegermutter rief an, weinte und bat darum, ihrem Sohn noch eine Chance zu geben.
Jekaterina lehnte höflich, aber bestimmt ab.
Einen Monat später begann das Gerichtsverfahren.
Alexander kam allein zur Sitzung und sah müde aus.
Er erhob keinen Einspruch gegen die Scheidung und unterschrieb schweigend die Unterlagen.
Im Flur des Gerichts versuchte der Mann nach der Sitzung, auf seine Ex-Frau zuzugehen.
— Katja, vielleicht können wir noch…
— Nein, Sascha.
Es ist vorbei, — ging die Frau an ihm vorbei, ohne stehenzubleiben.
Drei Monate später erhielt Jekaterina die Scheidungsurkunde.
Ein kleines Stück Papier, das das Ende einer fünfjährigen Ehe bedeutete.
Die Frau legte das Dokument in einen Ordner und stellte ihn in den Schrank.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits eine Einzimmerwohnung unweit ihrer Arbeit gefunden.
Klein, aber gemütlich.
Ihr eigener Raum, in dem niemand schrie, Vorwürfe machte oder Geld für fremde Menschen ausgab.
Bei der Arbeit erhielt sie eine Beförderung — zur leitenden Finanzanalystin.
Ihr Gehalt stieg um zwanzigtausend.
Jekaterina begann, für die erste Anzahlung auf ihre eigene Wohnung zu sparen.
Ganz ohne Hast, ohne sich zu überfordern.
Dreißigtausend im Monat.
In drei Jahren würde sie genug für eine Hypothek angespart haben.
Eines Tages sah Katja Alexander auf der Straße vor einer Bank.
Der Ex-Mann ging mit Marina Wiktorowna und erklärte ihr irgendetwas gestikulierend.
Die Frau sah unzufrieden aus und presste die Lippen zusammen.
Jekaterina wandte sich ab und ging vorbei.
Sie wollte keine Gespräche, keine Erklärungen.
Dieses Leben lag hinter ihr.
Am Abend saß die Frau auf dem Sofa vor dem Fernseher und aß Eis.
Still.
Ruhig.
Niemand verlangte Geld, machte Vorwürfe oder stellte sie vor eine Wahl.
Das Telefon vibrierte — eine Nachricht von ihrer Mutter:
„Mein Mädchen, komm am Sonntag zum Mittagessen.
Ich backe deinen Lieblingskuchen.“
Jekaterina lächelte und tippte zurück:
„Ich komme auf jeden Fall, Mama.“
Das Leben ging weiter.
Ohne Kredite, ohne Schwiegermutter, ohne einen Mann, der seine Mutter über seine Frau stellte.
Einfach nur Leben.
Ruhig, geordnet, ihr eigenes.
Und das war genug.



