— Dann tu es, aber merk dir: Einen Weg zurück wird es für dich nicht geben, — warnte Walja ihren Mann.
Teil 1. Dissonanz im Wohnzimmer

In der Wohnung roch es nach Medikamenten und nach dieser besonderen, staubigen Muffigkeit, die in Häusern entsteht, in denen die Fenster schon lange nicht mehr für frische Luft geöffnet werden, sondern nur noch, um den Krankheitsgeruch hinauszulassen.
Walja saß in einem tiefen Sessel, der ihr inzwischen zu eng vorkam.
Nach der Geburt waren ihre Hüften breiter geworden, ihr Körper war weich geworden wie Hefeteig, und sie schämte sich dafür, versteckte sich in übergroßen Morgenmänteln.
Doch jetzt verursachte nicht ihr Körper das Unbehagen, sondern die Worte ihres Mannes, die wie ein schwerer, bleierner Akkord in der Luft hingen.
Anton stand mitten im Zimmer in der Pose eines Dozenten: gerader Rücken, erhobenes Kinn, die Arme demonstrativ vor der Brust verschränkt.
Er war schlank, schön auf diese kalte, akademische Weise, die Studentinnen so gefiel.
— Du hörst mir nicht zu, — sagte er mit abgehackter Betonung, als erkläre er einem stumpfsinnigen Erstsemester die Grundlagen des römischen Rechts.
— Der Markt für Fertighäuser wächst exponentiell.
— Holz ist das neue Öl für die Mittelschicht.
— Ich habe Lieferanten gefunden, ich habe einen Standort gefunden.
— Ich brauche nur Startkapital.
— Anton, das ist unsere einzige Wohnung, — Waljas Stimme war leise, doch darin klang bereits Stahl, den ihr Mann in seiner Selbstgefälligkeit nicht bemerkte.
— Wir haben eine Tochter, sie ist zwei Jahre alt.
— Deine Mutter liegt im Nebenzimmer, und sie braucht Pflege.
— Wohin sollen wir gehen?
— Auf die Straße?
Anton verzog das Gesicht, als hätte er einen falschen Ton gehört.
Ihm war dieses „alltägliche Denken“ zuwider.
— Wir gehen nicht auf die Straße.
— Wir mieten eine Wohnung.
— Vorübergehend.
— Sechs Monate, höchstens ein Jahr.
— Und wenn das Sägewerk Gewinn abwirft, kaufen wir ein Haus.
— Unser eigenes Haus, Walja!
— Nicht diese Betongruft.
— Du bist Arrangeurin, du musst Harmonie doch verstehen.
— Was ist harmonisch an einem Leben von Gehalt zu Gehalt?
— Ich lehre Menschen das Recht, ich lehre sie, ihre Interessen zu verteidigen, und selbst lebe ich wie eine Kirchenmaus.
— Ich habe genug davon.
Aus dem Nebenzimmer erklang die kratzige Stimme von Galina Petrowna, der Schwiegermutter:
— Antoscha hat recht, Walenjka!
— Sei deinem Mann nicht ein Klotz am Bein.
— Eine Frau muss inspirieren und nicht nach unten ziehen.
— Verkauft die Wohnung.
— Ich halte einen Umzug schon aus.
Walja schloss die Augen.
In ihrem Kopf, der daran gewöhnt war, Musik in Stimmen zu zerlegen, klang jetzt pure Kakophonie.
Sie hörte Lügen.
Sie hatte ein absolutes Gehör — nicht nur für Töne, sondern auch für Intonationen.
Sie hörte in der Stimme ihres Mannes Gier und in der Stimme ihrer Schwiegermutter Schadenfreude.
Galina Petrowna, die Walja gewaschen, mit dem Löffel gefüttert und gegen Druckgeschwüre behandelt hatte, hatte sie in einer einzigen Sekunde verraten.
— Hast du schon alles entschieden? — fragte Walja und öffnete die Augen.
— Der Käufer kommt morgen früh, — schnitt Anton ihr das Wort ab.
— Die Anzahlung ist schon auf meiner Karte.
Walja erhob sich langsam und schwerfällig.
Sie trat dicht an ihren Mann heran.
Ihre füllige Figur wirkte auf ihn jetzt nicht lächerlich, von ihr ging eine Hitzewelle aus, doch ihr Blick blieb eisig.
— Willst du wirklich alles aufs Spiel setzen?
— Dann tu es, aber merk dir: Einen Weg zurück wird es für dich nicht geben, — warnte Walja ihren Mann.
Anton grinste nur und klopfte ihr auf die Schulter wie einem unvernünftigen Kind.
— Hör auf zu dramatisieren.
— Du bist einfach müde.
Teil 2. Die Atonalität gemieteter Quadratmeter
Der Umzug glich einer Flucht.
Walja wählte die Wohnung selbst — eine alte Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss, dafür aber nur zwei Schritte von der Kinderpoliklinik und dem Kindergarten entfernt, in den die kleine Sonja bald gehen sollte.
Die Fenster gingen auf einen stillen Hof hinaus, überwuchert von Flieder, doch Anton brachte das zur Weißglut.
— Willst du mich verarschen? — schrie er und trat gegen das Bein eines wackeligen Tisches in der winzigen Küche.
— Wo soll ich mein Auto hinstellen?
— Hier gibt es keinen Parkplatz!
— Ich muss es zwei Straßen weiter stehen lassen!
— Hast du das absichtlich gemacht?
— Ich habe an das Kind und an deine Mutter gedacht, die einen Arzt in der Nähe braucht, — antwortete Walja ruhig, während sie auf dem Regal ihre Arbeitsgeräte einräumte: eine Soundkarte, Kopfhörer, einen Laptop.
— Du bist jetzt doch Geschäftsmann, du wirst den ganzen Tag im Sägewerk sein.
— Was macht es da für einen Unterschied, wo das Auto übernachtet?
— Du verstehst nichts von Status! — knurrte Anton.
— Ich fahre zu Geschäftstreffen und wohne in einem Drecksloch!
Das Leben wurde zur Hölle.
Anton ging früh und kam spät zurück, wütend, durchzogen vom Geruch von Sägemehl und billigem Tabak.
Er hörte auf, Geld zu geben, und erklärte, dass „alles im Umlauf“ sei.
Lebensmittel, Medikamente für die Schwiegermutter, Kleidung für die Tochter kaufte Walja von ihren eigenen Honoraren.
Sie nahm jeden Auftrag an: Sie mischte Tracks für talentlose Rapper ab, schrieb Playbacks für Kinderfeste, machte Arrangements für Restaurantsängerinnen.
Galina Petrowna, die im Durchgangszimmer auf dem Sofa lag, goss nur noch mehr Öl ins Feuer.
— Antoscha ist ganz abgemagert, — zischte sie, wenn Walja ihr die Wäsche wechselte.
— Du fütterst ihn nicht richtig.
— Du saugst ihm seine Energie aus.
— Du hast ihn mit deinem unzufriedenen Gesicht verhext.
— Deshalb ist er so nervös.
Walja schwieg.
Die Wut in ihr, anfangs heiß und brodelnd, begann sich zu kristallisieren und verwandelte sich in einen kalten, berechnenden Plan.
Sie sah, wie Anton Geschäfte führte.
Abends, wenn er nach einem Glas Cognac Lieferscheine und Verträge auf den Tisch warf und über die Lieferanten klagte, studierte Walja heimlich die Unterlagen.
Ihr mathematischer Verstand, gewohnt, Taktanteile und Schallfrequenzen zu berechnen, fand Fehler sofort.
Anton kaufte Rundholz zu überhöhten Preisen, die Logistik war katastrophal organisiert — die Lkws fuhren Leerfahrten.
Er hatte seinen Kumpel zum Brigadier gemacht, und der stahl tonnenweise Diesel.
Einmal versuchte sie, es ihm zu sagen:
— Anton, sieh dir die Zahlen an.
— Du hast eine Liquiditätslücke.
— Du zahlst für die Miete des Sägewerks mehr, als du an Gewinn einnimmst.
— Du musst den Holzlieferanten wechseln, ich habe im Internet eine Datenbank gefunden…
— Halt die Klappe! — brüllte er und lief rot an.
— Wer bist du denn?
— So eine Möchtegern-Musikerin?
— Setz dich in deine Kopfhörer und misch dich nicht in Männerangelegenheiten ein.
— Ich habe Wirtschaftsrecht unterrichtet, ich kenne die Gesetze des Marktes!
— Und du kannst nur Fett an deinen Seiten ansetzen.
Das war der letzte Tropfen.
Walja sah ihn an, als wäre er ein leeres Stück Luft.
In dieser Nacht rief sie ihre Mutter an, mit der sie in letzter Zeit wegen der Intrigen der Schwiegermutter kaum noch Kontakt gehabt hatte, und bat sie, Sonja an den Wochenenden zu sich zu nehmen.
Sie brauchte freie Zeit.
Nicht zum Ausruhen.
Zum Arbeiten.
Teil 3. Crescendo im Industriegebiet
Das Sägewerk lag in einem schmutzigen Industriegebiet, in dem selbst der Schnee im Winter von Ruß grau war.
Walja kam dorthin unter dem Vorwand, Steuerunterlagen unterschreiben zu müssen — Anton hatte einen Teil der Verpflichtungen als familiäre Bürgschaften laufen lassen, ohne sie zu fragen, indem er die Papiere einfach zwischen die Nebenkostenabrechnungen gemischt hatte.
Doch jetzt musste sie alles mit eigenen Augen sehen.
Sie stand am Tor, in einen alten Mantel gehüllt.
Das Gelände sah aus wie eine Müllhalde.
Die Baumstämme lagen kreuz und quer herum und verfaulten im Schlamm.
Teure Maschinen standen unter freiem Himmel und rosteten vor sich hin.
Die Arbeiter zersägten das Holz nicht, sondern saßen in der Baracke, rauchten und gackerten laut.
Anton kam aus dem Bauwagen, der stolz „Büro“ genannt wurde.
Er trug einen teuren Anzug, doch seine Schuhe waren mit Schlamm bespritzt — ein lächerlicher Kontrast, der sein ganzes Wesen widerspiegelte.
— Was hast du hier verloren? — Er kam nicht näher, sondern schrie aus der Ferne.
— Ich habe doch gesagt, ich unterschreibe zu Hause!
— Du blamierst mich vor den Leuten mit deinem Aussehen.
Walja ließ den Blick über seine „Leute“ schweifen — ungepflegte Männer mit aufgedunsenen Gesichtern.
— Ich habe dir die Scheidungspapiere gebracht, — sagte sie ruhig.
Ihre professionell geschulte Stimme übertönte sogar den Lärm der fernen Schnellstraße.
Die Arbeiter verstummten und beobachteten die Szene mit Interesse.
— Was? — Anton wurde blass, dann verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse aus Wut.
Er rannte zu ihr und packte sie am Ärmel.
— Bist du verrückt geworden?
— Was für eine Scheidung?
— Du willst mich in einem schwierigen Moment ohne Unterstützung lassen?
— Du undankbares Miststück!
— Ich tue das doch alles für die Familie!
— Du tust das für dein Ego, — Walja zog ihre Hand frei.
Die Bewegung war scharf und kräftig.
Anton geriet vor Überraschung ins Schwanken.
— Das Sägewerk ist defizitär.
— In einem Monat wirst du bankrott sein.
— Ich will nicht mit meinem Vermögen haften — von dem ich ohnehin keins habe — für deine juristischen Fantasien.
— Wer braucht dich überhaupt! — schrie er und spuckte vor Wut.
— Eine Geschiedene mit Anhang!
— Eine dicke Frau, an der niemand interessiert ist!
— Ich nehme dir die Tochter weg!
— Ich lasse dich als Bettlerin zurück!
— Versuch es, — lächelte Walja.
Es war ein schreckliches Lächeln.
— Du hast nicht einmal bemerkt, dass in den letzten drei Monaten ich die Miete der Wohnung und die Medikamente für deine Mutter bezahlt habe.
— Von deinem Geld haben wir nichts gesehen.
Sie drehte sich um und ging zur Bushaltestelle, mit festen, rhythmischen Schritten.
In ihrem Kopf erklang bereits eine neue Melodie — ein Marsch, hart und rhythmisch.
Sie wusste, was zu tun war.
Sie hatte die letzten sechs Monate nicht nur mit Musik verbracht.
Sie hatte das Holzgeschäft bis zur letzten Schraube studiert.
Sie wusste, dass der Eigentümer des Grundstücks, auf dem Antons Sägewerk stand, das Gelände samt Halle schon lange verkaufen wollte, und dass Antons Mietvertrag in zwei Wochen auslief und nicht verlängert werden konnte, weil das Geld fehlte.
Teil 4. Coda im Büro des Notars
Der Prozess von Antons Zusammenbruch verlief schnell und schmutzig wie das Tauwetter im Frühling.
Die Lieferanten verklagten ihn, die Arbeiter liefen davon und nahmen Werkzeuge als Ersatz für ihren Lohn mit.
Die Schwiegermutter, als sie begriffen hatte, dass ihr Sohn ruiniert war, wurde plötzlich so weit „gesund“, dass sie zu ihrer Tochter Soja ziehen konnte, die, wie sich herausstellte, die ganze Zeit im Nachbarviertel gewohnt hatte und über den Wohnungsbetrug bestens informiert gewesen war.
Walja erfuhr das zufällig, als sie die Nachrichten auf einem von Anton vergessenen Tablet sah.
Es stellte sich heraus, dass Anton geplant hatte, das Geld aus dem Wohnungsverkauf „sauberzuwaschen“ und nur für sich selbst eine Wohnung zu kaufen, während er Walja an kurzer Leine halten wollte.
Doch der Geschäftsplan war gescheitert.
Das Treffen beim Notar war reine Formsache.
Anton sah aus, als wäre er um zehn Jahre gealtert.
Abgemagert, unrasiert, in demselben schmutzigen Anzug.
Sein aufgesetzter Glanz war verschwunden und hatte nur seine bösartige, feige Natur übrig gelassen.
— Bist du jetzt zufrieden? — zischte er, während er den Verzicht auf Ansprüche unterschrieb.
— Du hast mich verhext.
— Hexe.
— Wenn du mich unterstützt hättest, wäre alles gut gegangen.
— Unterstützung bedeutet nicht, blind der Dummheit nachzugeben, Anton, — Walja steckte die Dokumente in ihre Mappe.
— Du bist Dozent für Recht, aber du hast das wichtigste Gesetz vergessen: Unkenntnis des Stoffes schützt nicht vor Verantwortung.
— Du kanntest das Geschäft nicht.
— Ich komme wieder hoch! — Er schlug mit der Faust auf den Tisch, doch der Ton klang dumpf und jämmerlich.
— Es hat sich ein Investor gefunden.
— Irgendein großer Konzern kauft meine Schulden und die Ausrüstung.
— Ich habe ausgehandelt, als Berater zu bleiben.
— Ich werde am Ende noch als Letzter lachen.
Walja hob nur leicht die Augenbrauen.
— Viel Glück, — warf sie hin und ging hinaus.
Anton wusste nur eines nicht.
Der Investor war kein Konzern.
Es war die OOO „Oberton“, die eine Woche zuvor registriert worden war.
Und dahinter stand keine gesichtslose Corporation, sondern die präzise Rechnung einer sehr wütenden Frau, die die Urheberrechte an einer Reihe ihrer einzigartigen Arrangements an ein großes Studio verkauft hatte — für eine Summe, die genau ausreichte, um die Schulden ihres gescheiterten Ehemannes für einen Spottpreis aufzukaufen.
Teil 5. Symphonie des Triumphs
Ein Jahr verging.
Im Büro von „Oberton“ roch es nicht nach Staub und Feuchtigkeit, sondern nach frischen Holzspänen, teurem Kaffee und Leder.
Die Wände waren mit Paneelen aus geräucherter Eiche verkleidet — aus eigener Produktion.
Hinter dem riesigen Panoramafenster herrschte geschäftiges Treiben: neue japanische Maschinen zersägten Baumstämme, Gabelstapler fuhren geschäftig über die perfekt betonierte Fläche.
Anton rückte seine Krawatte zurecht.
Er war sehr nervös.
Das Jahr war hart gewesen.
Aus dem Institut hatte man ihn wegen unmoralischen Verhaltens und Skandalen „gebeten“ zu gehen.
Sojka und seine Mutter hatten ihn nach einem Monat hinausgeworfen und erklärt, dass sie einen Schmarotzer nicht brauchten.
Er wohnte bei Bekannten, schlug sich mit kleinen Beratungen durch.
Und jetzt — die Chance.
Die neuen Besitzer genau jenes Sägewerks, das er „gegründet“ hatte, suchten einen Justiziar.
Er war sicher, dass seine Erfahrung gebraucht würde.
Schließlich kannte er diesen Ort wie kein anderer.
Die Sekretärin, ein hübsches Mädchen, nickte in Richtung der massiven Tür:
— Gehen Sie hinein, der Direktor wartet auf Sie.
Anton holte tief Luft, setzte sein typisches, leicht überhebliches Lächeln auf und stieß die Tür auf.
— Guten Tag, ich komme wegen der Stel… — Er brach ab.
Hinter einem riesigen Schreibtisch, der mit Zeichnungen und Holzmustern bedeckt war, saß eine Frau.
Sie war schlank — Fitness und richtige Ernährung hatten ihre Wirkung getan.
Kurzer Haarschnitt, stilvolle Brille mit schmalem Gestell, ein Businesskostüm, das perfekt saß.
Sie tippte schnell auf dem Laptop und betrachtete gleichzeitig Diagramme auf dem zweiten Bildschirm.
Die Frau hob den Kopf.
— Guten Tag, Anton.
— Setz dich.
Anton gaben die Beine nach.
Er fiel förmlich in den Besuchersessel.
— Walja?
— Für Mitarbeiter heiße ich Walentina Alexandrowna, — korrigierte sie ihn, ohne aufzuhören zu tippen.
— Aber du bist kein Mitarbeiter.
— Ich habe deinen Lebenslauf gelesen.
— Er ist… unerquicklich.
— Das… das gehört alles dir? — Er ließ den Blick durch das Büro schweifen und konnte es nicht glauben.
— Aber wie?
— Woher?
— Du hast doch… du hast doch Musik gemacht!
— Business ist auch Musik, Anton.
— Der Rhythmus der Lieferungen, die Harmonie von Angebot und Nachfrage, die Dynamik des Wachstums.
— Du hast falsch gespielt.
— Du hast die Regeln des Marktsolfeggios ignoriert.
— Ich nicht.
— Du hast meine Idee gestohlen! — In ihm flammte wieder Wut auf, doch nun mischte sich blankes Entsetzen hinein.
— Das ist mein Sägewerk!
— Deins war ein Haufen Metallschrott und Schulden, — sagte Walja schließlich und wandte den Blick vom Bildschirm ab.
Sie sah ihm direkt in die Augen.
Ihr Blick war ruhig und vollkommen gleichgültig.
— Ich habe die Schulden aufgekauft.
— Ich habe die Prozesse neu aufgebaut.
— Ich habe Absatzmärkte gefunden.
— Ich.
— Nicht du.
— Du hast nur ein Loch geschaffen, in das du selbst gefallen bist.
— Walja, — Antons Stimme zitterte und wurde plötzlich schmeichlerisch.
— Wozu brauchen wir das alles?
— Wir sind doch Familie.
— Wir haben eine Tochter.
— Ich war ein Idiot, das gebe ich zu.
— Lass uns von vorn anfangen.
— Ich kann helfen, ich kenne das Recht…
Walja lachte.
Es war ein klares, helles Lachen, ohne jede Spur von Bitterkeit.
— Du kennst das Recht nicht, Anton.
— Du weißt nicht einmal, dass ich deine Mutter vor einem Monat in die beste private Pflegeeinrichtung gebracht habe, weil Soja sie auf den Treppenabsatz gesetzt hat, als sie herausfand, dass kein Geld aus der Wohnung mehr zu holen ist.
— Ich bezahle ihren Aufenthalt, aber ich habe nicht vor, sie zu besuchen.
— Und dich will ich hier nicht sehen.
— Aber ich bin ihr Vater!
— Du bist ein biologischer Spender.
— Und dir wurde das Sorgerecht entzogen wegen Nichtzahlung des Unterhalts und mangelnder Beteiligung am Leben des Kindes.
— Das Urteil fiel vor einem Monat.
— Die Vorladungen gingen an deine Meldeadresse — zu Soja.
— Offenbar hat sie sie weggeworfen.
— Als Jurist hättest du deine Post kontrollieren müssen.
Anton saß da mit offenem Mund.
Er war in die Enge getrieben.
Die kalte Berechnung seiner Ex-Frau, die er für eine dumme „Glucke“ gehalten hatte, hatte ihn vernichtet.
— Geh, — sagte Walja leise und wandte sich wieder der Arbeit zu.
— Und merk dir: Einen Weg zurück gibt es nicht.
— Ich habe dich gewarnt.
Anton verließ das Büro, schwankend wie ein Betrunkener.
Im Vorzimmer lief leise eine komplexe und unglaublich schöne Melodie.
Er erkannte sie.
Es war genau jenes Arrangement, an dem Walja in dieser erbärmlichen Mietwohnung mit Kopfhörern gearbeitet hatte, während er sie wegen des Parkplatzes anschrie.
Die Melodie seines vollständigen Zusammenbruchs.



