— Wir leben mit dir in der Wohnung meiner Mutter, also kann sie immer hierherkommen, wann immer sie will!

Aber deine Mutter hat mit dieser Wohnung überhaupt nichts zu tun, also bleiben unsere Türen für sie geschlossen!

Wenn du mich nicht verstanden hast, dann glaub mir: Auch du wirst hier nicht mehr wohnen! — erklärte die Ehefrau ihrem Mann, während sie den Knopf an der Manschette ihrer strengen weißen Bluse schloss.

Ihre Stimme klang ruhig, ohne hysterische Untertöne, als würde sie die Bedienungsanleitung für eine Spülmaschine vorlesen und nicht das Urteil über eine eheliche Beziehung verkünden.

Sergej, der mit einer Tasse kalten Kaffees am Fenster stand, spürte, wie in ihm dichter, schwerer Zorn aufkochte.

Er hasste diesen Ton von Katja — den Ton einer Schullehrerin, die einen ungezogenen Erstklässler zurechtweist.

Die Morgensonne, die durch die Jalousien drang, beleuchtete gnadenlos jedes Staubkorn in der Luft und machte die Atmosphäre in der Küche noch stickiger und angespannter.

— Katja, hörst du dir eigentlich selbst zu? — presste er hervor, ohne sich umzudrehen.

— Das ist meine Mutter.

Sie hat ihr ganzes Leben im Dorf geschuftet: Gemüsegarten, Vieh, dieses alte Haus, das ständig auseinanderfällt.

Sie will sich einfach ausruhen.

Einen Monat in der Stadt leben, in ein ordentliches Krankenhaus gehen, im Park spazieren.

Wir haben eine Dreizimmerwohnung, Platz ist mehr als genug.

Wo ist das Problem?

Deine Mutter lebt hier wochenlang, und ich sage kein Wort, obwohl sie jedes Mal meine Werkzeuge auf dem Balkon umräumt.

— Meine Mutter hat diese Wohnung gekauft, Sergej, — Katja trat an den Spiegel im Flur und begann, ihr perfekt gelegtes Haar zu richten.

— Sie hat zehn Jahre lang die Hypothek bezahlt.

Sie hat hier die Renovierung gemacht.

Das ist ihr Territorium.

Und du bist hier, entschuldige die Offenheit, nur geduldet.

Wir haben das vor der Hochzeit besprochen.

Du warst einverstanden.

Sergej stellte die Tasse abrupt auf das Fensterbrett.

Das Geräusch von Keramik auf Plastik klang wie ein Schuss.

Er drehte sich zu seiner Frau um, und rote Flecken breiteten sich auf seinem Gesicht aus.

— Das heißt also, ich bin hier niemand?

Ein Mitbewohner auf Abruf? — er machte einen Schritt auf sie zu.

— Ich kaufe übrigens Lebensmittel, ich zahle Nebenkosten, ich repariere Wasserhähne.

Aber sobald es um meine Familie geht, heißt es sofort: „nur geduldet“?

Das ist unfair, Katja.

Das ist einfach menschlich gesehen eine Schweinerei.

Katja zuckte nicht einmal zusammen.

Sie nahm die Autoschlüssel vom kleinen Tisch und sah ihren Mann mit einem kalten, abschätzenden Blick an, in dem nicht der Hauch von Mitgefühl lag.

— Gerechtigkeit ist ein Begriff für den Kindergarten.

Das Erwachsenenleben baut auf Abmachungen und Eigentumsrecht auf.

Ich will hier keinen fremden Menschen einen ganzen Monat lang sehen.

Ich will keine fremden Gerüche, keine fremden Gewohnheiten und keine Gespräche über Setzlinge am Abend ertragen.

Ich bin müde von der Arbeit, ich brauche Ruhe.

Deine Mutter ist eine wunderbare Frau, aber sie soll sich in einem Sanatorium erholen.

Kauf ihr einen Aufenthalt, wenn du so ein fürsorglicher Sohn bist.

— Ich habe kein Geld für ein Sanatorium, das weißt du doch, wir haben das Auto repariert, — fauchte Sergej.

— Und sie braucht kein Sanatorium, sie braucht die Aufmerksamkeit ihres Sohnes!

— Dann fahr zu ihr ins Dorf und schenke ihr so viel Aufmerksamkeit, wie du willst.

Einen Monat oder ein Jahr, — schnitt Katja ihm das Wort ab und zog einen leichten Mantel an.

— Das Gespräch ist beendet, Seryoscha.

Ich mache keinen Scherz.

Wenn ich heute Abend nach Hause komme und Walentina Iwanowna hier mit Koffern sehe, wirst du zusammen mit ihr am Bahnhof übernachten.

Oder im Hotel.

Oder wo immer ihr wollt.

Deine Schlüssel kannst du gleich auf dem Tischchen liegen lassen.

Sie öffnete die Tür, und vom Treppenabsatz zog kühle Luft und der Duft von irgendjemandes Parfüm herein.

— Schönen Tag noch, — sagte sie zum Abschied und ging hinaus, wobei sie die Tür sorgfältig hinter sich zuzog.

Das Schloss klickte und trennte Sergej von der Außenwelt, ließ ihn allein mit seiner ohnmächtigen Wut zurück.

Sergej blieb im Flur stehen und ballte die Fäuste so fest, dass die Knöchel weiß wurden.

Er zitterte.

Es war nicht einfach nur beleidigend, es war erniedrigend bis zur Übelkeit.

Sie hatte ihm nicht einmal die Möglichkeit gegeben, etwas zu erwidern, sondern ihn einfach mit Fakten zerquetscht wie eine Kakerlake unter einem Pantoffel.

„Wohnung meiner Mutter“, „nur geduldet“, „fremder Mensch“.

Diese Sätze drehten sich in seinem Kopf und schürten das Feuer des Aufbegehrens.

Er ging zurück in die Küche, setzte sich an den Tisch und starrte auf die perfekte Ordnung, die Katja so liebte.

Kein einziger überflüssiger Gegenstand, sterile Sauberkeit, modisches Grau an den Fronten.

Alles hier schrie danach, dass dies nicht sein Zuhause war.

Aber genau dieses Gefühl der Fremdheit löste in ihm plötzlich ein wildes, fast jugendliches Verlangen aus, alles genau andersherum zu machen.

Zu zeigen, wer hier der Mann ist.

Zu beweisen, dass auch sein Wort etwas zählt.

— Wir werden sehen, — murmelte er und zog sein Handy hervor.

— Wir werden sehen, wie du singst, wenn Mama schon hier ist.

Einen älteren Menschen wird sie doch nicht nachts vor die Tür setzen.

Dafür hat sie nicht genug Gewissen.

Sie wird schreien, ein paar Tage schmollen und sich dann beruhigen.

Aber Mama wird sich ausruhen können.

Er war sicher, dass Katja bluffte.

Eine normale Frau, selbst mit Charakter, konnte doch seine Schwiegermutter nicht vor die Tür setzen.

Das war doch Wahnsinn, gegen alle moralischen Regeln.

Sie wollte ihm bloß Angst machen, ihn dressieren.

Sergej fand in den Kontakten „Mama“ und drückte auf Anrufen.

Es klingelte lange, wahrscheinlich war Walentina Iwanowna im Gemüsegarten.

Schließlich ertönte in der Leitung ihre außer Atem klingende, vertraute Stimme:

— Hallo, Serjoschenka!

Ist etwas passiert, mein Sohn?

Warum so früh?

— Hallo, Mama, — Sergej bemühte sich, möglichst fröhlich und selbstsicher zu klingen.

— Es ist nichts passiert.

Pack deine Sachen.

Ich komme heute zu dir, so wie wir es abgesprochen hatten.

— Ach was, wirklich? — die Stimme seiner Mutter zitterte vor Freude und Aufregung.

— Und Katjenka hat nichts dagegen?

Du hast doch gesagt, sie arbeitet viel, sie ist müde …

Vielleicht lieber nicht, mein Sohn?

Ich komme schon irgendwie klar, die Beete sind noch nicht gejätet …

— Mama, hör auf, — unterbrach Sergej sie scharf und spürte, wie seine Entschlossenheit in ihm stärker wurde.

— Katja hat es selbst vorgeschlagen.

Sie sagt, Walentina Iwanowna soll kommen, sich ein wenig erholen, wir haben dich vermisst.

Also lass deine Beete und pack deine Sachen.

Bring auch Fisch mit, wenn du welchen hast, gesalzen oder frisch, wir braten ihn.

— Ach, was für eine Freude! — auf der anderen Seite der Leitung kam sofort Bewegung in ihre Stimme.

— Natürlich habe ich welchen, natürlich!

Onkel Mischa hat gestern Karauschen gebracht, frisch wie nur was!

Ich mache mich gleich fertig, mein Sohn, sofort!

In zwei Stunden bin ich bereit!

— Warte auf mich, ich fahre los, — Sergej legte auf und sah den leeren Stuhl, auf dem seine Frau noch eben gesessen hatte, herausfordernd an.

Er fühlte sich wie ein Sieger.

Er hatte eine männliche Entscheidung getroffen.

Er hatte sich nicht herumkommandieren lassen.

In seinem Kopf entstand bereits das Bild eines gemütlichen Familienabends: Mama brät Karauschen, er trinkt Tee, und Katja, die diese Idylle sieht, wird weich und begreift, dass sie Unrecht hatte.

Er ahnte nicht einmal, wie sehr er sich in der Einschätzung seiner eigenen Frau irrte.

Sergej zog sich rasch um, schnappte sich die Autoschlüssel und rannte aus der Wohnung, ohne zu ahnen, dass er nur für sehr kurze Zeit hierher zurückkehren würde.

Sergej riss die Eingangstür mit einer weiten Geste auf, als würde er in königliche Gemächer einladen.

Walentina Iwanowna, keuchend und schwer atmend nach dem Aufstieg in den dritten Stock — auf den Aufzug hatten sie, wie es der Zufall wollte, nicht gewartet — stolperte in den Flur.

In beiden Händen hielt sie die Griffe riesiger karierter Taschen, genau jener Art, mit denen in den Neunzigerjahren Händler Grenzen gestürmt hatten.

Von den Taschen und von Walentina Iwanowna selbst roch es nach Dorf: feuchter Erde, Keller und ein wenig nach altem, zu lange im Schrank gelegenem Stoff.

Dieser dichte, schwere Geruch geriet augenblicklich in Konflikt mit dem feinen Duft des teuren Raumdiffusors mit Sandelholznoten, den Katja in einer Spezialboutique gekauft hatte.

— Ach, was für eine Last, — keuchte Walentina Iwanowna und ließ die Taschen mit dumpfem Schlag direkt auf den hellbeigen Teppich sinken.

Der Schmutz vom Taschenboden drückte sich sofort in den Flor.

— Nun, hallo, liebes Zuhause!

Wie sauber es bei euch ist, Serjoschenka, direkt wie im Operationssaal.

Nicht ein Staubkorn, nicht ein Krümel.

Da sieht man sofort, dass ihr noch keine Kinder habt, irgendwie leer und kalt.

Ohne die Schuhe auszuziehen, machte sie ein paar Schritte über das Laminat und hinterließ kaum sichtbare feuchte Spuren von den Straßenschuhen.

Sergej lächelte zufrieden, statt seine Mutter zurechtzuweisen.

Ihm schien, als beginne die Wohnung mit der Ankunft seiner Mutter endlich zu leben, sich mit etwas Echtem zu füllen und nicht mit dieser sterilen Magazinästhetik, die Katja so eifersüchtig bewahrte.

— Komm rein, Mama, mach es dir bequem, — sagte er und hob eine der Taschen auf.

— Geh schon mal in die Küche, ich bringe die Sachen ins Gästezimmer.

Oder nein, hol gleich den Fisch heraus, ich habe solchen Hunger, dass ich keine Kraft mehr habe.

— Sofort, mein Sohn, sofort, mein Ernährer, — geschäftig begann Walentina Iwanowna zu handeln.

Sie warf ihren alten Wollmantel direkt auf die Bank und ignorierte die Garderobe, dann ging sie wie eine Hausherrin in Richtung Küche.

Zehn Minuten später hatte sich die Küche, die ein Musterbeispiel für Minimalismus und Ergonomie gewesen war, in eine Filiale eines Dorfmarktes verwandelt.

Auf der Arbeitsplatte aus Kunststein, auf der Katja nicht einmal eine Tasse Wasser stehen lassen durfte, türmten sich jetzt Drei-Liter-Gläser mit eingelegten Gurken, Säcke mit Kartoffeln, aus denen Sand rieselte, und Päckchen, die in fettiges Zeitungspapier gewickelt waren.

Walentina Iwanowna wickelte das wichtigste Paket aus.

Die Flusskarauschen, glitschig, mit trüben Augen, rochen nach Schlamm und Flussnässe.

Der Geruch war scharf, eindringlich, und er füllte augenblicklich den ganzen Raum, verdrängte die Luft.

— Jetzt kümmern wir uns um euch, meine Hübschen, — murmelte die Mutter und zog aus den Tiefen ihrer Taschen eine Flasche trübes Sonnenblumenöl hervor.

— Ich habe mein eigenes mitgebracht, hausgemacht, aromatisch!

Denn auf eurem raffinierten Zeug zu braten heißt nur, Lebensmittel zu verderben, weder Geschmack noch Farbe.

Großzügig goss sie das dicke, dunkelgelbe Öl in die teure Pfanne mit Antihaftbeschichtung, die Katja wie ihren Augapfel hütete und nur mit einem speziellen Schwamm wusch.

Sergej saß am Tisch, hatte sich gegen die Rückenlehne gelehnt und beobachtete den Vorgang gerührt.

Es gefiel ihm, wie seine Mutter geschickt und unkompliziert in dieser fremden, viel zu komplizierten Küche hantierte.

— Mama, sei vorsichtig mit dem Herd, der ist induktiv und mit Sensoren, — warnte er träge und biss direkt vom Messer in ein Stück Salzgurke.

— Ich komm schon zurecht, ich bin doch keine Herrschaftsdame, — winkte Walentina Iwanowna ab und tippte mit Kraft auf die Glasfläche.

Die Pfanne zischte.

Sobald die Fische das heiße Öl berührten, schoss eine Säule bläulichen Rauchs nach oben.

Die Küche wurde von dem schweren, erstickenden Gestank gebratener Flussfische vermischt mit dem Geruch verbrannter Sonnenblumenkerne aus dem unraffinierten Öl überzogen.

Fettspritzer flogen in alle Richtungen: auf die schneeweiße Küchenrückwand, auf den Chromhahn, auf die Glastüren der Schränke.

Die Dunstabzugshaube schaltete Walentina Iwanowna nicht ein — sie mache zu viel Lärm und störe beim Reden.

— Und Tanka, unsere Nachbarin, stell dir vor, hat ihre Ziege verkauft! — erzählte sie laut und drehte die Karausche mit einer Gabel um, wobei sie den Pfannenboden zerkratzte.

Das Schaben von Metall auf Teflon schnitt ins Gehör, doch Sergej verzog nicht einmal das Gesicht.

— Sie sagt, es lohne sich nicht mehr.

Dabei brennt die Dumme Schnaps und verkauft ihn heimlich an den Dorfpolizisten.

Ach, Serjoschka, habt ihr denn kein Schwarzbrot?

Nur dieses wattige Weißbrot?

Kann man das überhaupt Essen nennen?

Sergej hörte ihrem Gerede zu und spürte ein seltsam berauschendes Gefühl der Genugtuung.

Ihm kam es vor, als hätte er die Kontrolle über sein Leben zurückgewonnen.

Da saß er also in seiner Küche — ja, seiner, er lebte schließlich hier! — seine Mutter kochte ihm das Abendessen, es roch nach Essen und nicht nach Chemie.

Und Katjas Regeln konnten ihm gestohlen bleiben.

Ihr „Eigentumsrecht“ konnte ihm gestohlen bleiben.

Familie war wichtiger als Quadratmeter.

— Es riecht lecker, Mama, — sagte er und sog den ranzigen Dunst ein.

— Ich habe seit hundert Jahren keinen solchen Fisch gegessen.

— Dann iss, mein Sohn, iss, du brauchst Kraft, du bist ein Mann, — Walentina Iwanowna legte die erste Portion der angebrannten Karauschen auf einen Teller, ohne nicht einmal eine Serviette darunterzulegen.

Das Öl lief in einer trüben Pfütze vom Fisch herunter.

Der Rauch begann sich in der Wohnung auszubreiten, drang ins Schlafzimmer, in die Garderobe, zog in die Kleidung, in die Vorhänge, in den Sofabezug ein.

Es war der Geruch eines kompromisslosen, frechen Eindringens.

Sergej war sicher: Wenn Katja nach Hause käme und diesen häuslichen Frieden sähe, diesen gedeckten Tisch, würde sie zwar zur Schau das Gesicht verziehen, vielleicht über den Geruch meckern, sich dann aber hinsetzen, essen und sich beruhigen.

Sie würde begreifen, dass es töricht war, mit der Realität Krieg zu führen.

Die Mutter war bereits da.

Der Fisch war gebraten.

Fakten waren hartnäckige Dinge.

Er sah auf die Uhr.

Katja musste jeden Moment kommen.

— Setz du dich auch, Mama, hetz dich nicht, — sagte Sergej gutmütig.

— Gleich kommt Katja, dann essen wir zusammen zu Abend.

Das wird eine Überraschung für sie.

— Na, das wird ja wirklich eine Überraschung, — lachte Walentina Iwanowna und wischte sich die fettigen Hände an einem Küchentuch ab, das am Haken hing — genau jenem dekorativen, leinenen, das Katja nur zur Zierde benutzte.

Nun breiteten sich darauf hässliche gelbe Flecken aus.

— Ich hoffe, die Schwiegertochter weiß das zu schätzen.

Ich gebe mir schließlich Mühe für euch.

**Teil 2**

Die Fahrt ins Dorf und zurück dauerte länger, als Sergej gerechnet hatte.

In die Stadt fuhren sie erst am Nachmittag hinein, als die Sonne sich bereits dem Untergang zuneigte und die Plattenbauten in beunruhigende purpurrote Töne tauchte.

Der Kofferraum seines alten Wagens war bis zum Anschlag vollgestopft: Säcke mit Kartoffeln, Gläser mit Eingemachtem, irgendwelche Bündel mit gestrickten Sachen, die Walentina Iwanowna hartnäckig „Aussteuer“ nannte, und natürlich die verhängnisvolle Tüte mit dem Fisch.

Als sie die Wohnung betraten, zerbarst die Stille des perfekt aufgeräumten Raums augenblicklich.

Walentina Iwanowna war eine große, laute Frau und schien sofort den ganzen Raum einzunehmen.

Sie brachte in den sterilen Flur den Geruch der Straße, billiges Waschpulver und etwas unverkennbar Ländliches mit — eine Mischung aus Rauch und alten Dingen.

— Ach, was für ein Palast! — rief sie laut bewundernd und streifte die schweren Stiefel mitten auf dem Teppich ab, wobei sie das spezielle Schuhregal ignorierte.

— Wie sauber es hier ist, man hat ja Angst, überhaupt aufzutreten.

Aber nichts, wir werden es uns hier gemütlich machen, wir bringen Leben hinein.

Sonst ist es wie im Krankenhaus, ehrlich.

Sergej spürte einen leichten Stich der Unruhe und schob ihre Schuhe schnell in die Ecke, doch sofort maßregelte er sich innerlich.

Er war der Herr im Haus.

Er hatte das Recht, nicht vor jedem Zentimeter Laminat zu zittern.

— Komm rein, Mama, in die Küche, — sagte er, während er die Taschen hineintrug.

— Ich räume jetzt die Sachen aus.

— Was für Sachen, Serjoscha!

Sieh dich doch mal an, ganz abgemagert! — rief die Mutter und breitete die Arme aus, während sie bereits wie selbstverständlich in Katjas Allerheiligstes marschierte — in die Küche.

— Die Frau füttert dich wohl nur mit Salaten?

Macht nichts, Mutter ist da, Mutter päppelt dich wieder auf.

Ich habe Karauschen mitgebracht, fett, saftig!

Jetzt braten wir sie in saurer Sahne!

Sergej erstarrte einen Augenblick lang.

Er wusste, dass Katja den Geruch von gebratenem Fisch hasste.

Sie ertrug generell keine intensiven Gerüche im Haus und bevorzugte den Duft von Kaffee und teuren Diffusoren.

Doch Hunger und der Wunsch, seine Macht zu behaupten, überwogen seinen gesunden Menschenverstand.

— Los, Mama, — winkte er ab.

— Brat sie.

Ich habe seit hundert Jahren kein richtiges Essen mehr gehabt.

In der Küche begann hektische Betriebsamkeit.

Walentina Iwanowna, die irgendetwas vor sich hin summte, riss die Tüte auf.

Durch die Küche zog, den feinen Vanilleduft verdrängend, der schwere, rohe Geruch von Schlamm und Flussfisch.

Die Mutter holte eine große gusseiserne Pfanne hervor, die sie mitgebracht hatte — „Bei euch gibt es bestimmt nur diese neumodischen Dinger, auf denen nichts richtig durchbrät!“ — und stellte sie auf den Glaskeramikherd.

— Mama, vorsichtiger mit dem Herd, er zerkratzt leicht, — warnte Sergej halbherzig und beobachtete, wie die Mutter reichlich, von Herzen, unraffiniertes Sonnenblumenöl in die Pfanne goss.

— Was soll denn mit dem Ding passieren, diesem Eisen? — winkte Walentina Iwanowna ab.

— Sag mir lieber, wo ihr das Mehl habt.

Und das Salz.

Alles ist hier versteckt, man findet gar nichts.

Bei normalen Leuten steht alles auf dem Tisch, und hier … diese Schränke ohne Griffe, pfui, eine Schande ist das.

Sie begann alle Schubladen der Reihe nach zu öffnen, stellte bedenkenlos die Gewürzgläser um und verschob die perfekt geordneten Reihen von Getreide und Grütze.

Als sie das Mehl gefunden hatte, schüttete sie einen Haufen davon direkt auf das Schneidebrett, das Katja nur für Obst benutzte.

Nach fünf Minuten war die Küche mit bläulichem Qualm gefüllt.

Die Dunstabzugshaube weigerte sich Walentina Iwanowna kategorisch einzuschalten und erklärte, sie brumme „wie ein Traktor“ und störe beim Reden.

Das Öl zischte, Spritzer flogen in alle Richtungen und setzten sich als fettige Tropfen auf der schneeweißen Küchenrückwand, auf der Arbeitsplatte aus Kunststein und auf den verchromten Geräten ab.

— Und Tante Ljuba, unsere Nachbarin, — erzählte die Mutter und wendete die zischenden Fischkörper, — sagte, du hättest die Stadt lieber nicht verlassen sollen.

Aber ich habe ihr gesagt: Mein Serjoschka hat es zu etwas gebracht!

Er hat eine Wohnung, eine städtische Frau.

Und sie zu mir: „Merke dir mein Wort, Walka, die werden ihn dort kaputtmachen.“

Und jetzt sehe ich: Es stimmt!

Du bist blass, du hast Ringe unter den Augen.

Arbeitest du viel?

— Viel, Mama, — seufzte Sergej, setzte sich an den Tisch und atmete den dicken, öligen Geruch ein, der ihn an seine Kindheit erinnerte.

Plötzlich wurde ihm so ruhig.

Da war sie, das echte Leben.

Nicht diese kalten Abendessen mit Lieferessen, nicht diese Gespräche über Kurse und Urlaubspläne für das nächste Jahr.

Sondern genau das hier — gebratener Fisch, die Mutter im geblümten Hauskleid, Wärme.

— So, die erste Portion ist fertig! — verkündete Walentina Iwanowna feierlich und warf goldbraune, vor Fett glänzende Karauschen auf einen Teller.

Sie stellte die Platte auf den Tisch und schob dabei eine Vase mit Trockenblumen beiseite, die sofort gefährlich ins Wanken geriet.

Ein Fettfleck vom Tellerboden breitete sich über die Design-Serviette aus.

— Iss, mein Sohn, solange es heiß ist!

Mit den Händen essen, so schmeckt es besser!

Sergej biss sich in die knusprige Kruste.

Lecker.

Unfassbar lecker.

Er aß, beschmierte sich die Finger mit Fett, spuckte die kleinen Gräten direkt an den Tellerrand und spürte, wie in ihm die Gewissheit seiner eigenen Richtigkeit wuchs.

Katja würde kommen, diesen häuslichen Frieden sehen, den Fisch probieren, und ihr Herz würde auftauen.

Sie konnte doch unmöglich so herzlos sein, dass sie diesen Familienabend wegen irgendwelcher Prinzipien zerstörte.

— Und wann kommt deine Katka? — fragte die Mutter, während sie die zweite Portion Fisch in die Pfanne legte.

Der Rauch stand bereits in dicken Schwaden und zog in die Vorhänge, in die Polster der Stühle, in die Tapeten.

— Sie müsste bald da sein, — Sergej warf einen Blick auf die Uhr.

— In etwa einer halben Stunde.

— Na, wunderbar.

Ich habe ihr auch etwas aufgehoben, die größten Stücke.

Soll sie essen, die Frau, sonst sitzt sie bestimmt auf ihren Diäten, so dünn, dass es einem weh tut hinzusehen.

Ach ja, Serjoscha, ich habe im Bad eure Handtücher umgehängt, die hingen so unpraktisch.

Und die Shampoos habe ich in den Schrank gestellt, damit sie keinen Staub sammeln.

Die Hausherrin hat ja keine Zeit, also habe ich geholfen.

Sergej verschluckte sich an einem Stück Fisch.

Er stellte sich Katjas Gesicht vor, wenn sie sehen würde, dass jemand ihre Kosmetik im Bad angefasst hatte.

Doch sofort beruhigte er sich wieder.

Mama hatte es doch nur gut gemeint.

Das war Hilfe.

Für Hilfe bedankt man sich, man schimpft nicht.

— Danke, Mama, — sagte er und wischte sich die fettigen Lippen mit einem Papiertuch ab.

— Du bist Gold wert.

Walentina Iwanowna strahlte, ihr Gesicht war von der Herdhitze gerötet.

Sie fühlte sich hier gebraucht, nützlich, fast wie die Hausherrin.

Sie verstand nicht, dass sie mit jeder ihrer Bewegungen, jedem Fettspritzer und jedem umgestellten Gegenstand das Urteil über ihren Aufenthalt hier unterschrieb.

Sergej lehnte sich satt und zufrieden auf die Stuhllehne zurück.

Er bemerkte nicht, dass die Wohnung, die vom Geruch des Rauchs durchdrungen war, aufgehört hatte, jener stilvolle Wohnraum zu sein, auf den seine Frau so stolz gewesen war.

Jetzt war sie nur noch Wohnfläche, die von fremdem Alltag erobert worden war.

Und unten, vor dem Eingang, parkte bereits Katjas Wagen.

Das Schloss gab nicht sofort nach, als würde die Wohnung selbst sich dagegen wehren, die Eigentümerin hineinzulassen.

Katja, müde nach einer Besprechung, wünschte sich nur eines: Ruhe, ein Glas kühlen Wein und die vollkommene Ordnung, die sie immer beruhigte.

Sie drehte den Schlüssel, drückte die Klinke und trat über die Schwelle.

Der Schlag war körperlich spürbar.

Statt des vertrauten feinen Duftes von Sandelholz und Frische empfing sie eine dichte, ekelerregende Wand aus verbranntem Öl und billigem Flussfisch.

Dieser Gestank war so schwer, dass man ihn hätte mit dem Messer schneiden können.

Er hatte die Luft durchtränkt, füllte die Lungen und verursachte sofort einen Krampf im Magen.

Katja erstarrte, unfähig, Luft zu holen.

Ihr Blick fiel auf den Boden: Auf ihrer makellos sauberen beigen Matte, die sie aus Italien bestellt hatte, standen schmutzige, zertretene Stiefel mit festgeklebten Klumpen schwarzer Erde.

Daneben lagen irgendwelche karierten Taschen, aus denen Lumpen herausragten.

— Oh, da ist ja unsere Hausfrau! — ertönte aus der Küche eine laute, schrille Stimme.

Katja zog langsam, wie im Traum, die Schuhe aus und versuchte, nicht auf die Schmutzreste zu treten, dann ging sie durch den Flur.

Mit jedem Schritt wurde der Geruch unerträglicher.

Sie trat in die Küche und blieb im Türrahmen stehen.

Das Bild, das sich ihr bot, hätte als Illustration für einen Film über Vandalismus dienen können.

Ihre Küche — ihr Stolz, ihr schneeweißes Reich des Minimalismus — war zerstört.

Auf der Kunststeinarbeitsplatte breiteten sich fettige gelbe Flecken aus.

Überall lag Fischschuppe herum, die wie Glimmer an den Oberflächen klebte.

In der Spüle türmte sich ein Berg schmutzigen Geschirrs.

Und mitten in diesem Chaos saß am Tisch, der mit Zeitungspapier bedeckt war — Zeitungspapier auf ihrem Tisch! — Sergej.

Er hielt ein Stück gebratenen Fisch in der Hand, Öl lief ihm das Kinn hinunter, und sein Gesicht strahlte absolute, satte Zufriedenheit aus.

Neben ihm am Herd stand Walentina Iwanowna.

Sie trug einen alten, verblichenen Hausmantel, über den sie Katjas liebsten Leinen-Schurz gezogen hatte, der nun hoffnungslos mit Fett bespritzt war.

— Na, hallo, Katjenka! — Walentina Iwanowna machte einen Schritt auf sie zu und breitete die Arme für eine Umarmung aus.

Sie roch nach Schweiß und gebratenen Zwiebeln.

— Wir haben hier schon auf dich gewartet!

Schau nur, was wir für ein Festmahl veranstaltet haben!

Du bist sicher hungrig, nur Haut und Knochen, es ist ja furchtbar anzusehen.

Jetzt päppeln wir dich auf, die Karauschen sind ein Traum!

Süß wie Honig!

Sergej wischte sich die Hände an einer Papierserviette ab, knüllte sie zusammen und warf sie in den Teller mit den Fischgräten.

Er lächelte dieses herablassende Lächeln, das Katja mehr hasste als alles andere.

Das Lächeln eines Menschen, der sicher war, das System ausgetrickst zu haben.

— Hallo, Kätzchen, — sagte er entspannt.

— Na siehst du?

Mama ist da, ich wollte dich überraschen.

Sei nicht böse, ja?

Schau, wie gemütlich wir jetzt zusammensitzen.

Du hast doch selbst gesagt, dass uns Gemütlichkeit fehlt.

Katja schwieg.

Sie sah ihren Mann an, und in ihr riss etwas ab.

Es gab weder Hysterie noch den Wunsch zu schreien noch Tränen.

Es gab nur ein eisiges, kristallklares Verstehen: Alles war vorbei.

Dieser Mensch respektierte sie nicht einfach nicht.

Er hörte sie nicht.

Er hielt ihre Worte für leeren Schall, für eine Laune, die man mit Tatsachen brechen konnte.

Er hatte einen fremden Menschen in ihr Haus gebracht, ihren ausdrücklichen Verboten zum Trotz, und saß nun da und erwartete, dass sie diese Erniedrigung zusammen mit dem stinkenden Fisch hinunterschluckte.

— Katja, warum stehst du so da? — Sergejs Stimme wurde etwas weniger sicher, als sie auf ihren gläsernen Blick traf.

— Setz dich, der Fisch wird kalt.

Mutter hat sich Mühe gegeben, ihn durch die halbe Region zu schleppen.

— Nur keine Scheu, mein Mädchen! — fiel Walentina Iwanowna ein, ohne die Spannung zu bemerken.

— Ich habe in deinen Schränken ein bisschen Ordnung gemacht, denn die Körner standen irgendwie nicht richtig, und die Handtücher im Bad habe ich umgehängt, es war so unpraktisch.

Nimm’s mir nicht übel, ich hab’s ganz familiär gemeint.

Das war der letzte Tropfen.

„In den Schränken Ordnung gemacht.“

„Die Handtücher umgehängt.“

Katja spürte, wie kalte Wut ihr Bewusstsein überflutete und alle anderen Gefühle verdrängte.

Langsam hob sie den Blick von dem verschmutzten Herd zu ihrem Mann.

— Ich habe dich gewarnt, Sergej, — sagte sie leise.

Ihre Stimme war ruhig, ohne jede Färbung, wie die eines Roboters.

— Ich habe dir heute Morgen gesagt: Wenn deine Mutter hier ist, geht ihr beide.

Sergej schnaubte und glaubte noch immer nicht an den Ernst der Lage.

— Ach komm, fang jetzt nicht damit an!

Na schön, du hast es gesagt, du warst halt wütend.

Du wirst doch nicht nachts auf die Straße die eigene Mutter setzen?

Das ist einfach lächerlich, Katja.

Hör auf mit den Szenen.

Setz dich hin und iss, solange es heiß ist.

Katja antwortete nichts.

Sie drehte sich auf den Absätzen um, präzise wie ein Soldat, und ging aus der Küche.

— Wohin geht sie denn? — rief die Schwiegermutter ihr hinterher.

— Hände waschen?

Ich habe dir ein sauberes Handtuch aufgehängt, das mit den Hähnen!

Katja ging ins Schlafzimmer.

Auch dort roch es nach Qualm — die Tür stand offen.

Sie trat an den Kleiderschrank und schob die Spiegeltür zur Seite.

Da war sie, Sergejs Jacke — seine Lieblingslederjacke.

Daneben die Jeans, mit denen er von der Arbeit gekommen war.

Sie raffte alles in die Arme.

Dann kehrte sie in den Flur zurück.

Von der Bank nahm sie Walentina Iwanownas schweren, staubigen Wollmantel.

Obenauf warf sie die Jacke ihres Mannes.

Sie nahm seine Schuhe — dreckig, wie sie waren.

— Katja, was machst du da? — Sergejs Stimme aus der Küche klang nun bereits beunruhigt.

Man hörte das Kratzen eines Stuhls auf dem Boden.

Katja öffnete die Eingangstür.

Der Treppenabsatz war leer und im matten Licht einer Lampe beleuchtet.

Sie machte einen Schritt über die Schwelle und schleuderte die Sachen mit Schwung auf den Betonboden des Hausflurs.

Die Schuhe schlugen krachend gegen die eiserne Fahrstuhltür, der Mantel sackte in einem schweren Haufen auf den Fliesen zusammen.

Sergej rannte kauend in den Flur.

Als er die offene Tür und die leere Garderobe sah, blieb er abrupt stehen.

Sein Gesicht verzog sich, der Ausdruck gesättigter Selbstzufriedenheit wechselte zu Verwirrung und Angst.

— Du … was machst du da?! — schrie er und stürzte zur Tür.

— Bist du völlig krank?!

Das ist Mamas Mantel!

Hinter ihm kam Walentina Iwanowna hervorgerollt und wischte sich die Hände an der Schürze ab.

— Was ist passiert?

Serjoscha? — Sie sah ihre Sachen auf dem schmutzigen Boden des Hausflurs liegen und schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund.

— Herrgott, was geht denn hier vor …

— Raus, — sagte Katja kurz.

Sie stand an der offenen Tür, hielt die Klinke fest, blass, aber vollkommen ruhig.

— Beide.

Sofort.

— Das wagst du nicht! — Sergej lief rot an, seine Fäuste ballten sich.

— Du hast kein Recht dazu!

Wir sind verheiratet!

Das ist auch mein Zuhause!

— Das ist die Wohnung meiner Mutter, — sagte Katja betont und sah ihm direkt auf den Nasenrücken.

— Du bist hier niemand.

Und du hast gerade bewiesen, dass du hier nicht sein solltest.

Verschwinde zu deinem Fisch, zu deinen Beeten, zu deiner Mutter.

Raus mit dir.

Sergej machte einen Schritt auf sie zu, offenbar mit der Absicht, sie am Arm zu packen oder wieder in die Wohnung zu drängen, doch in Katjas Augen lag so viel eisige Entschlossenheit, dass er unwillkürlich stehenblieb.

Er begriff: Sie scherzte nicht.

Sie spielte nicht.

Es war vorbei.

Sergej erstarrte auf dem Treppenabsatz und starrte auf den Haufen von Sachen, der neben dem Müllschacht lag, als wäre es eine surreale Installation.

Sein Gehirn weigerte sich, das Geschehen zu verarbeiten.

Es war zu absurd, zu wild.

Er — ein kräftiger Mann, Familienoberhaupt — stand im Hausflur in Socken und Jogginghose, während seine Frau, diese stille, stets so korrekte Katja, seine Sachen hinauswarf, als wäre er ein frecher Kater.

— Bist du völlig verrückt geworden? — schrie er und drehte sich zu ihr um.

Sein Gesicht war vor Wut verzerrt, die Adern an seinem Hals traten hervor.

— Mach sofort die Tür auf und bring alles wieder rein!

Begreifst du überhaupt, was du da tust?

Das ist meine Mutter!

Du stellst eine ältere Frau bloß!

Er machte einen scharfen Ausfall auf sie zu, in der Absicht, sie mit Gewalt wieder in die Wohnung zu drücken, sie vom Durchgang zu schieben, ihr zu zeigen, wer hier der Herr war.

Aber Katja bewegte sich nicht.

Sie stand im Türrahmen, die Schulter gegen den Pfosten gelehnt, und in ihrer Haltung lag so viel bleierne Schwere, dass Sergej unwillkürlich einen halben Meter vor ihr abbremste.

In ihren Augen war weder Angst noch Hysterie — nur Ekel, mit dem man ein zerquetschtes Insekt betrachtet.

— Ich verstehe alles ganz genau, Sergej, — ihre Stimme klang unheimlich leise vor dem hohlen Echo des Treppenhauses.

— Ich reinige meine Wohnung von Schmutz.

Von Fischgestank, von fremden Stiefeln und von einem Menschen, der das Wort „nein“ nicht versteht.

Walentina Iwanowna, der das Grauen der Situation nun endlich zu dämmern begann, eilte auf den Absatz hinter ihrem Sohn her.

Sie trippelte in ihren ausgelatschten Pantoffeln, die Hände an die Brust gedrückt, und ihre Augen huschten von ihrem Sohn zu ihrer Schwiegertochter.

— Katjenka, mein Mädchen, was machst du denn … — jammerte sie und versuchte, Katja in die Augen zu sehen.

— Na gut, wir haben Fisch gebraten, na gut, ich habe nicht aufgepasst, dann lüften wir eben!

Warum denn so, mitten in der Nacht?

Wohin sollen wir denn gehen?

Serjoscha, sag ihr doch was!

— Ich sage ihr gar nichts! — brüllte Sergej und spürte, wie die Angst von neuer Wut verdrängt wurde.

— Sie wird gleich schon zur Vernunft kommen.

Katja, geh zur Seite.

Ich komme rein, und wir vergessen diesen Wahnsinn wie einen schlechten Traum.

Sonst …

— Sonst was? — unterbrach ihn Katja.

Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper.

— Wirst du mich schlagen?

In meiner eigenen Wohnung?

Versuch es doch.

Sergej rang vor Empörung nach Luft.

Er war daran gewöhnt, dass Katja immer die Wogen glättete, immer nach einem Kompromiss suchte.

Er hatte mit einem Skandal, mit Geschrei gerechnet, aber nicht mit diesem eisigen, undurchdringlichen Monolithen.

Er machte einen Schritt vor und versuchte, sich an ihr vorbei in den Flur zu drängen.

— Lass mich durch, du Idiotin!

In diesem Moment handelte Katja reflexhaft und blitzschnell.

Sie riss ihm nicht an den Haaren und kratzte ihm nicht das Gesicht.

Sie stemmte einfach beide Handflächen gegen seine Brust und stieß ihn mit aller Kraft, mit der ganzen Wut dieses Abends, von sich weg.

Sergej, der keinen körperlichen Widerstand erwartet hatte und in Socken auf den glatten Fliesen stand, verlor das Gleichgewicht.

Er ruderte lächerlich mit den Armen, taumelte zurück, stolperte über den Mantel seiner Mutter und wäre beinahe auf dem schmutzigen Boden des Hausflurs ausgestreckt hingefallen.

— Du Miststück! — presste er hervor und griff nach dem Geländer, um nicht hinzufallen.

Walentina Iwanowna kreischte auf und stürzte zu ihrem Sohn, um ihn am Ellbogen zu stützen.

— Serjoschenka!

Ach du meine Güte!

Katka, hast du den Verstand verloren?!

Den eigenen Mann zu stoßen!

Katja machte einen Schritt zurück, hinter die Schwelle, in die Sicherheit ihrer Wohnung.

Sie bückte sich, hob Walentina Iwanownas Tasche vom Boden auf — genau die, in der noch der Rest des Fischs und die Gläser waren, die die Schwiegermutter noch nicht ganz ausgepackt hatte — und schleuderte sie ihrem Mann vor die Füße.

Man hörte das Klirren von zerbrechendem Glas: Offenbar hatte eines der Gurkengläser den Flug nicht überlebt.

Die Lake breitete sich über den Betonboden aus und vermischte sich mit dem Schmutz.

— Nehmt das mit, — sagte Katja.

— Das ist eures.

Und der Fisch ist euer.

Und dieser Gestank ist euer.

Ich brauche nichts Fremdes.

— Du wirst das bereuen! — schrie Sergej, sein Gesicht war von roten Flecken übersät.

Er sah erbärmlich aus: in Hauskleidung, zerzaust, vor dem Müllschacht.

— Du wirst zu mir angekrochen kommen!

Du wirst allein bleiben, niemand wird dich brauchen, in deiner sterilen Schachtel!

Du hast niemanden außer mir!

— Ich habe mich selbst, — schnitt Katja ab.

— Und ich habe eine Wohnung, in der es jetzt wieder sauber sein wird.

Sie griff nach der Klinke der schweren Metalltür.

— Katja!

Warte!

Die Schlüssel!

Meine Schlüssel liegen noch auf dem Tisch! — begriff Sergej plötzlich, und in seiner Stimme erklang echte Panik.

Seine Überheblichkeit fiel augenblicklich von ihm ab.

Er verstand, dass dies kein Spiel war.

Er stand im Hausflur ohne Schlüssel, ohne Geld, ohne Telefon, das ebenfalls aufgeladen in der Küche geblieben war.

— Katjenka, bitte nicht! — flehte Walentina Iwanowna und stürzte auf die Tür zu, doch es war zu spät.

Katja sah sie ein letztes Mal an.

In ihrem Blick lag kein Triumph, nur Müdigkeit und Ekel, als würde sie Müll hinausbringen, der sich viel zu lange angesammelt hatte.

— Ich habe dich gewarnt.

Jetzt lebt zusammen, wo ihr wollt, — sagte sie deutlich und blickte ihrem Mann direkt in die Augen.

— Im Dorf, am Bahnhof, wo auch immer.

Die Tür fiel mit einem schweren, dumpfen Geräusch ins Schloss und schnitt sie von Wärme und Licht ab.

Das Schloss klickte — eine Umdrehung, dann eine zweite.

Dann schepperte der Riegel — der Nachtverschluss, den man von außen mit keinem Schlüssel öffnen konnte.

Es trat eine Stille ein, die genau eine Sekunde dauerte.

Dann prasselte ein Hagel von Schlägen auf das eiserne Türblatt nieder.

— Mach auf!

Mach auf, du Schlampe! — brüllte Sergej und hämmerte mit den Fäusten gegen das Metall.

— Du hast kein Recht dazu!

Lass mich rein!

Ich muss morgen arbeiten!

Gib mir mein Telefon!

— Serjoscha, was machen wir denn jetzt?

Serjoscha! — jammerte Walentina Iwanowna neben ihm.

Katja stand im Flur und lehnte den Rücken gegen die kalte Tür.

Die Schläge übertrugen sich als Vibrationen auf ihre Wirbelsäule, doch Angst war nicht mehr da.

Sie fühlte, wie mit jedem Schlag, mit jedem Fluch, der von der anderen Seite kam, die Spannung der letzten Jahre aus ihr herausging.

Sie atmete tief ein.

Die Luft roch immer noch nach Rauch und Fisch, doch jetzt war es nur noch ein Geruch, den man herauslüften konnte.

Sie wusste, dass am nächsten Morgen die Reinigungsfirma kommen würde.

Sie wusste, dass sie die Schlösser austauschen würde.

Sie wusste, dass sie diese Menschen nie wiedersehen würde.

Langsam glitt sie an der Tür zu Boden, verbarg ihr Gesicht in den Händen und … lächelte.

Zum ersten Mal seit langer Zeit war sie allein zu Hause.

Und das war ein wunderbares Gefühl absoluter, klingender Freiheit.

Hinter der Tür tobte weiter ein fremder Mensch, doch das waren nun Probleme der Hausverwaltung und nicht mehr ihre Familie.

Eine Familie hatte sie nicht mehr, und Gott sei Dank.