— Hör mal, Schwesterchen, mach dir keine falschen Hoffnungen, bevor deine Unterlippe noch über den Boden schleift!
Spiel dich hier bloß nicht auf.

Die Wohnung gehörte unserem Vater, sie steht mir gesetzlich zu, und du bekommst keinen einzigen Quadratmeter davon.
Habe ich mich klar genug ausgedrückt?
Mit voller Wucht ließ ich das schwere Hackbeil auf den Eichenklotz niedersausen.
Holzsplitter flogen in alle Richtungen.
Auf dem Verkaufstresen lagen ausgewählte Schweinefleischstücke, die Kunden drängten sich im schmalen Gang der Markthalle, aber der Umsatz und die Menschen um mich herum waren mir völlig egal.
In meinem Inneren brodelte alles vor Wut.
Rita rückte das Seidentuch an ihrem Hals zurecht und formte ihre Lippen zu einer perfekten Schleife.
— Sojetschka, warum musst du denn so laut sein?
Die Leute schauen schon.
Papa hat uns doch beide geliebt.
Und der Gerechtigkeit halber sollten wir alles untereinander aufteilen.
Gib mir die Autoschlüssel, ich muss geschäftlich raus in die Region fahren.
— Welche Schlüssel willst du denn?
Du bekommst die Ohren eines toten Esels, aber keine Schlüssel!
Du hast Papa höchstens zweimal im Jahr besucht, und auch nur, um ihm Geld aus der Tasche zu ziehen!
Und als er nach seinem Schlaganfall nicht mehr aufstehen konnte, hast du dich sofort aus dem Staub gemacht!
— Ich war krank, Sojetschka.
Ich habe ärztliche Bescheinigungen.
Außerdem habe ich die nötigen Unterlagen bereits bei den zuständigen Stellen eingereicht.
Der Notar wird alles streng nach dem Gesetz regeln.
Mit einem feuchten Lappen wischte ich das Blut von der Waage.
— Verschwinde von hier.
Und lass dich hier nie wieder blicken.
Mein Vater hat mir mündlich alles hinterlassen, er hat es mir versprochen.
Rita lächelte sanft, ohne sich von meinem Ton einschüchtern zu lassen.
— Worte kann man nicht an eine Akte heften.
Wir sehen uns im Büro des Anwalts, liebe Schwester.
Sie drehte sich um und schwebte zum Ausgang, während ihre Absätze auf den Fliesen klackerten.
Ich blieb zurück und umklammerte den Griff des Hackbeils.
Ich wandte mich an Galja, die den Stand neben mir betrieb.
— Gal, stell dir das mal vor, plötzlich taucht sie hier auf!
Galja wog für eine Rentnerin noch ein Bündel Würstchen ab und stützte sich dann mit den Ellbogen auf die Vitrine.
— Das gibt es doch nicht!
Und was will sie?
— Die Hälfte von allem!
Die Wohnung in der Bauman-Straße und Papas Lada Granta.
Sie macht sich Hoffnungen auf fremdes Eigentum.
— Und was hast du ihr gesagt?
— Ich habe ihr die Tür gewiesen.
Ich habe gesagt, dass sie von mir gar nichts bekommt.
Zwanzig Jahre lang hat man von ihr weder etwas gehört noch gesehen.
Unser Vater, unser Valerka, hatte in seiner Jugend eine heftige Affäre.
Dann tauchte diese feine Dame auf, als ich schon auf der Berufsschule war.
Sie kam ständig angerannt, machte ihm schöne Augen und nannte ihn Papa.
Und er schmolz jedes Mal dahin.
— Ach, Sojka, pass bloß auf, die Stillen sind meistens die Raffiniertesten.
Mit voller Kraft warf ich ein Stück Schweinebrust auf die Waage.
— Ihre Raffiniertheit ist mir völlig egal!
Ich habe Papa in den letzten drei Jahren praktisch auf meinem Rücken getragen.
Nach seiner Arbeit in der Fabrik konnte er kaum noch laufen.
Und sie rief nur an Feiertagen an.
Jetzt kommt sie und will sich ins gemachte Nest setzen.
Sie kann mich mal.
Drei Tage später saß ich im stickigen Büro eines Notariats.
Der Notar Ilja Petrowitsch breitete mehrere Unterlagen auf dem breiten Schreibtisch aus.
— Soja Walerjewna, nehmen Sie bitte Platz.
Wir haben hier eine ungewöhnliche Situation.
Ich stemmte die Hände in die Hüften.
— Was soll daran ungewöhnlich sein?
Es gibt kein Testament.
Ich trete das Erbe an, und damit ist die Sache erledigt.
Geben Sie mir die Bescheinigung.
— So einfach ist es leider nicht.
Ihre Schwester hat einen Gerichtsbeschluss vorgelegt.
Sie wurde als arbeitsunfähige, unterhaltsberechtigte Person Ihres verstorbenen Vaters anerkannt.
— Was?
Was soll das heißen, unterhaltsberechtigt?
Sie ist eine erwachsene Frau und zweiundvierzig Jahre alt!
Sie hat Arme und Beine und kann sich bewegen!
— Sie hat einen Behinderungsgrad der zweiten Gruppe.
Sie konnte vor Gericht beweisen, dass sie nicht arbeiten kann und im letzten Jahr ausschließlich von den finanziellen Zuwendungen Ihres Vaters lebte.
Er überwies ihr regelmäßig Geld und bezahlte sämtliche Rechnungen ihrer Ärzte.
Nach dem Gesetz hat sie Anspruch auf einen Pflichtteil, selbst wenn Ihr Vater ein Testament verfasst und darin nur Sie als Erbin eingesetzt hätte.
Da es jedoch kein Testament gibt, wird alles zu gleichen Teilen aufgeteilt.
— Zu gleichen Teilen?
Wollen Sie mich veräppeln?
Ich habe ihm die Windeln gewechselt!
Ich habe seine Medikamente von meinem eigenen Geld gekauft!
— Gefühle lassen sich nicht an eine Akte heften.
Und das ist noch nicht alles.
Auf den Namen Ihres Vaters läuft noch ein hoher, nicht zurückgezahlter Kredit.
Zwei Millionen Rubel.
— Welche zwei Millionen?
Seine Rente war doch lächerlich gering!
Wer hätte ihm so viel Geld gegeben?
— Es handelt sich um einen unbesicherten Barkredit, den er vor zwei Jahren zu einem sehr hohen Zinssatz aufgenommen hat.
Bis zum letzten Monat wurden die Raten regelmäßig bezahlt.
Nun geht die Schuld auf die Erben über.
Wenn Sie die Wohnung annehmen, übernehmen Sie auch die Schulden.
— Ihr steckt doch alle unter einer Decke!
Er konnte unmöglich so viel Geld aufgenommen haben!
Sie hat ihn dazu gezwungen!
— Die Unterlagen wurden von ihm persönlich unterschrieben.
Das Gutachten der Bank hat die Echtheit seiner Unterschrift bestätigt.
Sie haben das Recht, die Angelegenheit vor Gericht anzufechten.
Aber die Unterlagen sind vollkommen ordnungsgemäß.
Wie von kochendem Wasser übergossen stürmte ich aus dem Büro.
Meine Beine trugen mich wie von selbst in die Stroitelei-Straße zu unserem alten Plattenbau.
Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen.
Vor der Wohnungstür stand Rita mit einem fremden Mann, der eine massive Bohrmaschine in den Händen hielt.
Ich ging sofort auf meine Schwester los.
— Hey, was treibst du hier?
— Guten Tag, Sojetschka.
Wir wechseln gerade das Schloss aus.
Das alte klemmt schrecklich.
Der Schlüssel lässt sich kaum noch drehen.
— Ich werde dir gleich so ein Schloss verpassen, dass du es dein Leben lang nicht mehr aufbekommst!
Verschwindet sofort von der Tür!
Und du, pack dein Zeug zusammen, bevor ich wegen eines Einbruchsversuchs die Polizei rufe!
Rita lächelte sanft.
— Ruf sie ruhig, Sojetschka.
Ich habe ein Schreiben vom Notar.
Ich bin genauso Erbin wie du und habe das volle Recht, die Wohnung zu betreten.
Und Tante Schura aus Wohnung zweiundfünfzig sieht alles.
Nicht wahr, Tante Schura?
Soja veranstaltet wieder im ganzen Treppenhaus einen Skandal.
Die Nachbarin steckte ihren Kopf aus der Tür eine Etage tiefer.
— Ich sehe es, Ritotschka!
Sojka war schon immer laut, wegen ihr hat man nie seine Ruhe.
Ich brüllte die Nachbarin an und wandte mich dann wieder meiner Schwester zu.
— Tante Schura, kochen Sie lieber Ihre Kohlsuppe, anstatt sich in fremde Angelegenheiten einzumischen!
Und du kannst dir eines merken: Ich werde dich hier nicht wohnen lassen.
Versuch nur, hier einzuziehen, und ich werde dir das Leben so schwer machen, dass du von selbst davonläufst!
— Warum sollte ich hier wohnen wollen?
Wenn nötig, erzwingen wir den Verkauf gerichtlich und teilen das Geld untereinander auf.
Oder du zahlst mir meinen Anteil in bar aus.
Und vergiss Papas Schulden nicht, die werden wir ebenfalls zur Hälfte bezahlen.
— Welche Schulden?
Wofür hat er dieses Geld aufgenommen?
Du hast ihn doch um den Finger gewickelt!
— Für meine Behandlung, Sojetschka.
Papa machte sich große Sorgen um meine Gesundheit.
Er hatte ein gutes Herz.
Nicht so wie gewisse andere Leute.
Am nächsten Tag saß ich bei einem Anwalt namens Semjon und hatte für die Beratung meinen gesamten Tagesumsatz hingelegt.
Lange studierte er die ausgedruckten Kontoauszüge und runzelte dabei die Stirn.
— Soja, ich habe die Informationen überprüft.
Es war ein zweckgebundener Kredit.
Er ließ sich das Geld bar auszahlen, überwies aber noch am selben Tag die gesamte Summe an Margaritas Mutter.
Das Geld war für den Kauf einer Einzimmerwohnung im Nachbarort bestimmt.
Mit voller Kraft schlug ich mit der Handfläche auf Semjons Schreibtisch.
— Das heißt also, er hat ihrer Mutter eine Wohnung gekauft, und ich soll dafür mit der Wohnung bezahlen, in der ich aufgewachsen bin?
— Rechtlich gesehen ist das so.
Er hat alles selbst unterschrieben.
Und zwar freiwillig.
Die Bank bereitet bereits eine Klage vor, um Ihnen diese Schulden aufzubürden, da der Kreditnehmer verstorben ist und es keine Versicherung gab.
— Und wenn ich das Erbe ausschlage?
Dann sollen sie diese Betonbude doch nehmen!
— Dann werden die Wohnung und das Auto weit unter ihrem Wert versteigert.
Sie verlieren das gesamte Eigentum Ihres Vaters und erhalten keinen einzigen Rubel.
Wenn Sie das Erbe dagegen annehmen und die Wohnung selbst verkaufen, bleibt Ihnen nach der Rückzahlung an die Bank und der Aufteilung mit Rita wenigstens noch eine kleine Summe für eine äußerst bescheidene Unterkunft.
Der Verkauf ist die einzige Möglichkeit, überhaupt noch etwas zu retten.
— Und Rita?
— Margarita behält die Einzimmerwohnung, die auf den Namen ihrer Mutter eingetragen wurde.
Sie gehört überhaupt nicht zum Vermögen Ihres Vaters.
Rita riskiert nichts.
Mit ihrem Behindertenstatus wird sie die Schulden bei der Bank kaum zurückzahlen, sodass die Bank beginnen wird, Ihre gemeinsame Wohnung zu pfänden.
Sie müssen sich also auf einen Verkauf einigen.
Ich verabredete mich mit ihr in der Kantine in der Nähe des Marktes.
Rita kam in einem hellen Mantel und passte überhaupt nicht in dieses schmutzige Schnellrestaurant mit seinen klebrigen Tischen.
Ich stellte ein Plastiktablett auf den Tisch.
— Willst du Tee?
Oder soll ich dir sofort die Rechnung für alles vorlegen?
Rita tupfte sich sorgfältig mit einer Serviette über die Lippen.
— Reg dich nicht so auf, Soja.
Ich trinke nur Wasser mit Zitrone.
Hier ist es ein wenig stickig.
— Reden wir Klartext.
Du hast ihn um sein Geld gebracht.
Du hast ihn wegen deiner Krankheiten belogen.
Was hast du überhaupt für eine Behinderung?
Wie hast du es geschafft, die Ärztekommission zu bestehen?
— Ich habe eine echte Diagnose und eine Behinderung der zweiten Gruppe.
Die Ärzte haben mir verboten zu arbeiten, weil ich körperlich nicht belastbar bin.
Papa hat das verstanden.
Er fühlte sich furchtbar schuldig, weil er uns in unserer Kindheit verlassen hatte.
— Er hat niemanden verlassen!
Eure Mutter hat ihn wegen seiner Sauferei selbst hinausgeworfen!
— Das sind Einzelheiten aus längst vergangenen Zeiten.
Entscheidend ist, dass er mir helfen wollte.
Er wollte dafür sorgen, dass ich ein eigenes Dach über dem Kopf habe.
Und dass der Kredit jetzt auf eurer Wohnung lastet, tut mir leid.
Es ist nun einmal so gekommen.
Du hast Arbeit und verdienst auf dem Markt gutes Geld.
Ich dagegen bin schwach.
Ich brauche Unterstützung.
— Du bist nicht schwach.
Du bist ein Raubtier.
Du lässt andere für dich die Kastanien aus dem Feuer holen.
Ich muss jeden Rubel zweimal umdrehen und stehe täglich zehn Stunden in der Kälte, während du auf meine Kosten in Saus und Braus leben willst.
Ich durchschaue dich vollkommen.
— Durchschau, wen du willst, Sojetschka.
Vor dem Gesetz sind wir gleichberechtigt.
Entweder verkaufen wir die Wohnung jetzt freiwillig, begleichen die Schulden bei der Bank und teilen den Rest.
Oder die Bank nimmt sie uns über das Gericht für einen Spottpreis weg, und wir stehen beide mit leeren Händen da.
Ich habe es nicht eilig.
Du entscheidest.
Ich fuhr in einer überfüllten Straßenbahn nach Hause.
Vor dem Fenster peitschte der graue Herbstregen, während in mir vor Erschöpfung alles wie betäubt war.
Mein ganzes Leben lang hatte ich geglaubt, dass Familie aus den Menschen besteht, die bei einem bleiben.
Aus den Menschen, die einem eine Brühe kochen, wenn man mit Fieber im Bett liegt.
Aus denen, die einem in einer schweren Stunde ihre Schulter anbieten.
Mein Vater war wahrlich kein Geschenk.
Er trank, machte Fehler und baute ständig Mist, aber er war mein Vater.
Ich hatte immer bedingungslos hinter ihm gestanden.
Nun stellte sich heraus, dass für ihn das engste Familienmitglied offenbar derjenige war, der am lautesten weinte und sich am meisten über sein Leben beklagte.
Mit meiner direkten Art und meinen Schwielen von der schweren Arbeit brauchte mich dagegen niemand.
All das Gerede über Ehrlichkeit war völliger Unsinn.
Am Ende gewannen immer diejenigen, die im richtigen Augenblick eine Träne herausdrücken und die passende Bescheinigung vorlegen konnten.
Man sagt nicht umsonst, dass man nichts Gutes tun soll, wenn man keine Probleme bekommen will.
Nach seinem Schlaganfall hätte ich ihn schließlich in ein Pflegeheim geben können.
Aber nein, ich hatte selbst seinen Nachttopf geleert.
Und er hatte zwischen seinen Anfällen Kredite für seine geliebte Ritotschka unterschrieben.
Es tat so weh, dass ich am liebsten geheult hätte.
Mein ganzer Glaube an Gerechtigkeit war wie eine Seifenblase zerplatzt.
Am nächsten Tag reichte ich meiner Nachbarin am Stand eine Tüte.
— Gal, wieg mir ein halbes Kilo Hackfleisch ab.
Ich nehme es mit nach Hause und brate Frikadellen.
— Warum bist du denn so niedergeschlagen?
Du siehst schrecklich aus.
Wie läuft es mit der Wohnung?
— Gar nicht.
Ich habe aufgegeben, Galja.
Morgen unterschreiben wir den Kaufvertrag.
Ein Käufer ist bereits gefunden.
— Bist du noch bei Verstand?
Du überlässt ihr die Wohnung deines Vaters?
Du hättest kämpfen, Anwälte beauftragen und vor Gericht ziehen müssen!
— Von welchem Geld denn, Galja?
Der Anwalt verlangt fünfzigtausend Rubel für einen einzigen Gerichtstermin.
Und die Bank berechnet jeden Tag neue Verzugszinsen.
Gestern habe ich mich mit einem Taschenrechner hingesetzt und alles ausgerechnet.
Wenn wir ein Jahr lang prozessieren, werden die Schulden höher sein als der Wert der Wohnung.
Wir verkaufen sie, zahlen den Kredit bei der Bank zurück und teilen den Rest.
Mein Anteil reicht für ein Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung am Stadtrand.
Dafür habe ich keine Schulden und keine Gerichtsverfahren mehr.
— Du bist ein Waschlappen, Sojka.
Eigentlich hast du einen kämpferischen Charakter und lässt dir von niemandem etwas gefallen, aber vor dieser Frau hast du kapituliert.
— Ich habe nicht vor ihr kapituliert.
Ich habe vor dem System die Hände gehoben.
Ich habe es satt, mit dem Kopf gegen eine Betonwand zu schlagen.
Ich möchte abends einfach nach Hause kommen und ruhig schlafen können.
Soll sie doch an diesem Geld ersticken.
Ich werde mir meinen Lebensunterhalt selbst verdienen.
Das Zimmer am Stadtrand war winzig und nur zwölf Quadratmeter groß.
Dafür gehörte es mir.
Ich tapezierte neu, stellte ein Sofa hinein und hängte billige Vorhänge auf.
Das Geld aus dem Verkauf teilten wir direkt beim Notar ehrlich untereinander auf und überwiesen der Bank sofort ihren Anteil.
Rita nahm ihren Teil, verstaute ihn ordentlich in ihrer Handtasche und flatterte davon, ohne sich auch nur zu verabschieden.
Ich dachte, damit wäre alles vorbei.
Ich würde noch einmal von vorn anfangen.
Am nächsten Tag musste ich wieder zur Arbeit.
Es war eine lange Schicht, frisches Fleisch sollte geliefert werden, und wir würden viel zu zerlegen haben.
Ein paar Monate später klopfte es an meiner Tür.
Die Briefträgerin brachte mir einen dicken Einschreibebrief.
Ich unterschrieb die Empfangsbestätigung, öffnete den festen Umschlag und meine Hände begannen sofort zu zittern.
Darin befand sich ein offizieller Bescheid des Finanzamts.
Es stellte sich heraus, dass ich wegen des Verkaufs der Wohnung, die ich vor weniger als drei Jahren geerbt hatte, Steuern zahlen musste.
Wir hatten die Wohnung teuer verkauft, um die Schulden begleichen zu können, und auf dem Papier sah es so aus, als hätte ich dabei einen ordentlichen Gewinn erzielt.
Den Staat interessierte es nicht, dass das gesamte Geld an die Bank gegangen war.
Die Steuer wurde auf meinen Anteil berechnet, und die Summe war gewaltig – fast einhundertfünfzigtausend Rubel.
Der Grund dafür war, dass ich sämtliche Dokumente beim Verkauf an den Käufer unterschrieben hatte.
Darunter lag die Kopie eines Beschlusses der Gerichtsvollzieher.
Meine Bankkarten waren gesperrt worden.
Es stellte sich heraus, dass sich für die Wohnung meines Vaters über Jahre hinweg enorme Rückstände bei den Nebenkosten angesammelt hatten.
Die Versorgungsunternehmen machten sich nicht die Mühe herauszufinden, wer welchen Anteil schuldete.
Sie buchten einfach die gesamte Summe von der ersten verfügbaren Bankkarte ab – von meiner.
Ich stand nun nicht nur vor den Trümmern meines Lebens.
Ich schuldete dem Staat eine Summe, für die ich jahrelang ohne Wochenenden und Feiertage auf dem Markt Fleisch zerhacken musste.
Die neuen Schulden legten sich wie eine tödliche Schlinge um meinen Hals.
Mein Versuch, mich an die Regeln zu halten, hatte mich endgültig zerstört.



