— Nimm deiner Mutter sofort die Schlüssel ab! Sie ist ohne anzuklopfen ins Schlafzimmer gekommen, während wir geschlafen haben! Ich werde nicht in einem Haus leben, in dem jeder ein- und ausgeht, wie es ihm passt!…

— Nimm deiner Mutter sofort die Schlüssel ab!

Sie ist ohne anzuklopfen ins Schlafzimmer gekommen, während wir geschlafen haben!

Ich werde nicht in einem Haus leben, in dem jeder ein- und ausgeht, wie es ihm passt!

Entweder wechselst du noch heute die Schlösser aus, oder ich setze sie mitsamt ihren Sachen vor die Tür — und dich gleich mit! — kreischte Ksenia, als sie ihre Schwiegermutter über ihrem Bett stehen sah, mit einem Staubtuch in der Hand.

Ksenia fuhr abrupt auf der Matratze hoch und zog die Decke krampfhaft über ihre Brust.

Der Schlaf war augenblicklich verschwunden und wich zunächst einer klebrigen Erstarrung und dann einer wilden, brennenden Wut.

Direkt über ihr stand Nina Wassiljewna.

Die Schwiegermutter trug ihren üblichen beigefarbenen Mantel, den sie nicht einmal im Flur auszuziehen geruht hatte, und an den Füßen hatte sie schmutzige Straßenschuhe.

In der rechten Hand hielt sie fest ein feuchtes gelbes Tuch und rieb damit methodisch den Staub über die gläserne Front des Kleiderschranks, begleitet von einem charakteristischen, widerlichen Quietschen.

In der morgendlichen Stille wirkte dieses Reibegeräusch ohrenbetäubend.

— Was ist das für ein Geschrei am frühen Morgen? — krächzte der verschlafene Igor, öffnete mühsam die Augen und versuchte, seinen verschwommenen Blick auf die Lärmquelle zu richten.

Er stützte sich auf die Ellbogen und kniff wegen des Lichts die Augen zusammen.

— Ksjuscha, was ist denn… Mama?

Wie bist du überhaupt hierhergekommen?

Du wolltest doch zur Datscha fahren.

— Zu Fuß bin ich gekommen, Igorek.

Ich habe den ersten Bus genommen und bin dann hergelaufen, — antwortete Nina Wassiljewna völlig ungerührt und rieb weiter kräftig über die Schranktür, wobei sie feuchte Schlieren auf dem Glas hinterließ.

— Schlaft ruhig weiter, beachtet mich gar nicht.

Ich muss nur noch ein paar obere Regalböden abwischen.

Am Wochenende liegt ihr sowieso bis mittags herum, und hier drin kann man überhaupt nicht atmen.

Der Staub steht regelrecht in der Luft, mir hat es schon an der Tür im Hals gekratzt.

— Sind Sie noch bei Verstand?! — Ksenia trat ihren Mann unter der Decke mit dem Fuß und verlangte eine sofortige Reaktion.

— Igor, tu sofort etwas!

Was zum Teufel macht deine Mutter in unserem Schlafzimmer, in Mantel und Straßenschuhen, an einem Samstag um acht Uhr morgens?!

Wie ist sie überhaupt in die Wohnung gekommen?!

— Mit meinem eigenen Schlüssel, — erwiderte die Schwiegermutter ruhig, unterbrach endlich das Putzen und drehte den Kopf zu ihrer Schwiegertochter.

Ein prüfender, schwerer Blick glitt über Ksenias zerzaustes Haar, ihre nackten Schultern und ihre weiß hervortretenden Fingerknöchel, die sich in den Rand der Decke gekrallt hatten.

— Igorek hat mir persönlich einen Ersatzschlüssel in die Hand gegeben.

Man weiß nie, was passieren kann, ihr seid doch ständig bei der Arbeit.

Und nun ist eben etwas passiert.

Ihr verkommt vor Dreck mit Lichtgeschwindigkeit, und es tut mir weh, meinen Sohn so zu sehen.

Er ist seit seiner Kindheit Allergiker, und in so einem Schweinestall darf er auf keinen Fall schlafen.

— Mama, na ja… wir hätten später selbst sauber gemacht, gegen Abend, — murmelte Igor, setzte sich auf die Bettkante und rieb sich nervös mit den Händen über das verschlafene Gesicht.

— Du hättest wenigstens zuerst klingeln oder anrufen können.

Wir sind hier schließlich praktisch nackt.

— Ach, Igorek, was habe ich bei euch denn nicht schon gesehen? — winkte Nina Wassiljewna ab und schüttelte angewidert graue Staubknäuel vom Tuch direkt auf den Teppich neben dem Bett.

— Schlaft ruhig noch ein bisschen, das ganze Wochenende liegt vor euch.

Deine Gesundheit ist mir wichtiger als eure morgendlichen Zärtlichkeiten.

Als ich gestern Abend hereingekommen bin, um etwas Wasser zu trinken, hätte ich von dieser stickigen Luft beinahe einen Asthmaanfall bekommen.

— Gestern Abend?! — Ksenias Stimme überschlug sich zu einem heiseren Schrei.

Sie sprang aus dem Bett, warf sich die erstbeste Tagesdecke über die Schultern und stellte sich barfuß auf den Boden, während sie ihre Schwiegermutter wütend anstarrte.

— Das heißt, Sie haben gestern hier auch schon herumgeschnüffelt, als wir nicht zu Hause waren?!

Igor, hörst du das?!

Sie geht hier ein und aus, als wäre es ihr eigenes Zuhause!

— Ksjuscha, beruhige dich bitte, — begann ihr Mann zu murmeln und sah seine Frau flehend an.

— Mama ist nur kurz reingekommen, um etwas Wasser zu trinken, sie war auf dem Heimweg von der Arbeit und ist hier vorbeigekommen.

Was ist daran so schrecklich?

— Was daran schrecklich ist?!

Ksenia machte einen Schritt auf ihren Mann zu und hielt mühsam den Wunsch zurück, ihm auf die unrasierten Wange zu schlagen.

— Sie stand mit einem Lappen über uns, während wir geschlafen haben!

Mit Straßenschuhen!

In unserem Schlafzimmer!

Igor, ich sage es dir zum letzten Mal: Nimm ihr die Schlüssel ab.

Sofort.

Steh auf, geh zu deiner Mutter und nimm ihr den Schlüsselbund weg.

Nina Wassiljewna grinste nur und polierte weiter die ohnehin schon saubere Scheibe des Schranks.

Ihre Bewegungen waren ruhig und demonstrativ gelassen, was Ksenia so sehr reizte, dass ihr beinahe schwarz vor Augen wurde.

Die Schwiegermutter genoss offensichtlich die Wirkung, die sie erzielt hatte, und die völlige Ratlosigkeit ihres Sohnes.

— Niemand wird mir irgendetwas wegnehmen, — erklärte die Schwiegermutter selbstbewusst, ohne sich umzudrehen.

— Die Hälfte der Wohnung gehört meinem Sohn, also habe ich jedes Recht, hier zu sein.

Besonders, wenn ihr selbst nicht einmal in der Lage seid, grundlegende Ordnung zu halten.

Schau dir diesen Boden an, Ksenia.

In den Ecken liegen richtige Staubflusen.

Wann habt ihr zuletzt gesaugt?

Letztes Jahr?

— Es geht Sie überhaupt nichts an, wann ich gesaugt habe! — brüllte Ksenia und ging ganz nah an Nina Wassiljewna heran.

— Legen Sie das Tuch hin und verlassen Sie mein Schlafzimmer!

Und legen Sie sofort die Schlüssel auf den Nachttisch!

— Und du schreist mich nicht an, Mädchen, — Nina Wassiljewna drehte sich abrupt um und stand ihrer Schwiegertochter nun direkt gegenüber.

Sie roch stark nach billigem Waschpulver und der feuchten Luft von draußen.

— Ich habe so viel Kraft in dieses Zuhause gesteckt, als wir euch bei der Renovierung geholfen haben.

Also kannst du bei der Arbeit herumkommandieren, aber hier entscheide ich selbst, wo ich stehe und was ich tue.

Igorek, warum schweigst du?

Deine Frau geht wegen ein bisschen Putzen auf deine Mutter los, und du sitzt da, als hättest du Wasser im Mund!

Igor seufzte schwer und rieb sich den Nasenrücken.

Die Situation entglitt ihm offensichtlich völlig, obwohl er sie eigentlich von Anfang an nicht unter Kontrolle gehabt hatte.

Sein Blick wanderte zwischen seiner wütenden Frau, die in die Tagesdecke gewickelt war, und seiner Mutter hin und her, die mitten im Schlafzimmer in schmutzigen Schuhen stand und bereit wirkte, einen langen Stellungskrieg zu führen.

— Mama, ehrlich, geh doch besser nach Hause, — brachte Igor kraftlos hervor, ohne vom Bett aufzustehen.

— Wir kümmern uns selbst ums Putzen.

Warum bist du überhaupt so früh gekommen?

— Ich bin gekommen, um zu helfen! — Nina Wassiljewna hob die Stimme und drückte das nasse Tuch so fest zusammen, dass schmutziges Wasser auf das Parkett tropfte.

— Wenn ich nicht komme, wachst ihr hier noch mit Moos zu!

Schau sie dir an, sie steht da und hält auch noch dagegen!

Anstatt sich zu bedanken, dass ich an meinem freien Tag hergekommen bin, um eure Ecken zu schrubben!

— Ich habe Sie nicht gebeten, hierherzukommen! — fuhr Ksenia sie an.

— Igor, ich warte!

Wenn die Schlüssel nicht sofort in meiner Hand landen, rufe ich einen Schlüsseldienst, und in einer Stunde ist hier ein neues Schloss!

Und die Rechnung zahlst du!

— Ksjuscha, fang jetzt nicht an, — verzog ihr Mann das Gesicht.

— Was für Schlösser an einem Samstagmorgen?

Mama wollte nur helfen, sie ist ein bisschen zu weit gegangen.

Mama, gib die Schlüssel her, damit Ksjuscha sich beruhigt.

Später bekommst du sie zurück.

— Kommt überhaupt nicht infrage! — empörte sich die Schwiegermutter, steckte das nasse Tuch direkt in die Tasche ihres beigefarbenen Mantels und verschränkte die Arme vor der Brust.

— Ich gebe euch keine Schlüssel.

In diesem Chaos verliert ihr sie am nächsten Tag.

Und überhaupt, ich gehe jetzt in die Küche.

Euer Spülbecken ist so fettig, dass einem beim Anblick schlecht wird.

Und ihr könnt währenddessen klären, wer hier eigentlich das Sagen hat, wenn es schon so weit gekommen ist.

Nina Wassiljewna drehte sich auf den Absätzen ihrer schmutzigen Schuhe um und ging mit sicheren Schritten aus dem Schlafzimmer, wobei sie nasse Spuren auf dem hellen Laminat hinterließ.

Ksenia sah ihr nach und spürte, wie brennender Hass in ihr hochkochte.

Dann drehte sie sich abrupt zu ihrem Mann um, der immer noch auf der Bettkante saß und feige den Kopf gesenkt hatte.

— Du bist ein erbärmlicher Feigling, Igor, — presste Ksenia zwischen den Zähnen hervor.

— Sie hat gerade in unserem eigenen Schlafzimmer auf uns herumgetrampelt, und du hast nicht einmal versucht, sie aufzuhalten.

— Was hätte ich denn machen sollen?! — explodierte ihr Mann und riss die Arme hoch.

— Mich mit ihr prügeln?!

Sie ist eine ältere Frau!

Sie ist hereingekommen, um sauber zu machen, so etwas passiert eben!

Du machst immer aus einer Mücke einen Elefanten!

— Aus einer Mücke einen Elefanten?!

Sie stand über uns, während wir geschlafen haben! — Ksenia packte ein Kissen vom Bett und schleuderte es mit voller Kraft gegen die Wand.

— Zieh dich an.

Wir gehen in die Küche.

Und von dort geht sie entweder ohne die Schlüssel raus, oder du gehst mit ihr.

Ich mache keine Witze, Igor.

Mit zitternden Händen zog Ksenia den Gürtel ihres Frotteebademantels so fest zu, dass ihr beinahe die Luft wegblieb.

Sie zitterte weniger wegen der morgendlichen Kühle als wegen der Erniedrigung, die gerade im Schlafzimmer stattgefunden hatte.

Sie hörte, wie in der Küche das Wasser rauschte und Geschirr klapperte — die Schwiegermutter, die sich völlig ungestraft fühlte, hatte bereits mit ihrer „Hausarbeit“ begonnen.

Igor zog seine Haushose an und vermied es, seiner Frau in die Augen zu sehen.

Er sah zerknittert, erbärmlich und völlig unfähig aus, irgendjemanden zu verteidigen.

— Du kommst hinter mir her, — sagte Ksenia nicht bittend, sondern befehlend und sah ihren Mann eisig an.

— Und wenn du wieder schweigst, während sie in unseren Töpfen herumwühlt, kann ich für nichts garantieren.

Sie drehte sich abrupt um und verließ das Schlafzimmer, wobei sie beinahe auf einer feuchten Spur von Nina Wassiljewnas Schuhen ausrutschte.

In der Küche herrschte Chaos.

Die Schwiegermutter stand immer noch im selben beigefarbenen Mantel am Spülbecken.

Sie hatte das gesamte schmutzige Geschirr, das sich in zwei Tagen angesammelt hatte, auf die Arbeitsplatte gekippt und schrubbte nun mit wilder Energie die Teller ein, wobei Schaum in alle Richtungen spritzte.

Dasselbe gelbe Tuch, mit dem sie eben noch im Schlafzimmer Staub gewischt hatte, lag nun neben dem Brotkasten.

— Ah, da seid ihr ja, — warf Nina Wassiljewna über die Schulter, ohne aufzuhören, eine Pfanne mit einem Metallschwamm zu bearbeiten.

Das Geräusch des schabenden Metalls war unerträglich.

— Ich habe mir eure Vorräte angesehen.

Die Hälfte der Sachen im Kühlschrank ist abgelaufen.

Ich habe die Mayonnaise und die Wurst weggeworfen, die war schon schleimig—

— Bist du eigentlich noch bei Verstand, Igor?

Wach endlich auf! — Ksenia riss mit einer heftigen Bewegung den Frotteebademantel aus dem Schrank und schlüpfte hastig hinein.

— Deine Mutter ist gerade mit Straßenschuhen direkt neben unserem Bett herumgelaufen!

Sie stand da und hat uns beim Schlafen zugesehen!

— Ksjuscha, übertreib jetzt nicht, ja? — Igor zog widerwillig die Decke von sich und griff nach seiner Haushose, die auf dem Sessel lag.

— Niemand hat dich angesehen.

Sie hat Staub gewischt.

Sie hat einfach einen Tick mit Sauberkeit, du kennst doch ihren Charakter.

Sie ist leise reingekommen und dachte, wir würden es gar nicht merken.

— Leise?!

Ksenia zog den Gürtel ihres Bademantels so fest zu, dass der Stoff beinahe knirschte.

— Sie hat unsere Tür mit ihrem eigenen Schlüssel geöffnet, den du ihr heimlich gegeben hast!

Sie ist mit schmutzigen Schuhen durch den Flur gegangen, in unser Schlafzimmer eingedrungen und hat mit einem nassen Lappen über unseren Köpfen herumgewischt!

Und du nennst das einen „Sauberkeitstick“?

Das ist eine dreiste, schamlose Inspektion!

— Ich habe ihr die Schlüssel für Notfälle gegeben, — schnappte Igor zurück und schob die Füße in seine Hausschuhe.

— Falls ein Rohr platzt oder wir unsere Schlüssel verlieren.

Niemand hat gedacht, dass sie morgens früh zum Putzen auftaucht.

Ich gehe jetzt hin und rede normal mit ihr.

Ohne deine hysterischen Anfälle.

— Normal mit ihr reden?

Na gut, komm, sehen wir uns an, wie du „normal mit ihr redest“, — spottete Ksenia und deutete auf die Schlafzimmertür.

Auf dem hellen Laminat waren deutlich die schmutzigen, halb getrockneten Abdrücke von Nina Wassiljewnas Schuhsohlen zu erkennen, die durch den Flur direkt zur Küche führten.

Von dort waren bereits das Rauschen des Wassers und das Klappern von umgestelltem Geschirr zu hören.

Nina Wassiljewna verlor keine Zeit und hatte begeistert damit begonnen, auf fremdem Gebiet ihre eigene Ordnung durchzusetzen.

Ksenia verließ mit entschlossenen Schritten das Schlafzimmer und wäre beinahe auf einer feuchten Schuhspur ausgerutscht.

Igor trottete gebeugt hinter ihr her und zeigte mit seiner ganzen Haltung, wie gern er in diesem Moment irgendwo anders gewesen wäre.

Das Bild in der Küche war nicht weniger absurd.

Nina Wassiljewna stand immer noch im selben beigefarbenen Mantel und mit den schmutzigen Schuhen am Spülbecken und schrubbte wütend eine beschichtete Pfanne mit einem Metallschwamm, wobei sie gnadenlos die Beschichtung abrieb.

Auf der Arbeitsplatte stand bereits eine ganze Reihe von Gewürzgläsern, die die Schwiegermutter offenbar ebenfalls abwaschen wollte.

— Legen Sie den Schwamm hin und drehen Sie das Wasser ab, Nina Wassiljewna, — sagte Ksenia mit eisiger Stimme und blieb im Türrahmen stehen.

Die Schwiegermutter drehte sich nicht einmal um.

Sie drückte nur noch stärker auf das Metallgeflecht und kratzte so widerlich über den Boden der Teflonpfanne, dass Ksenia die Zähne zusammenbiss.

— Igorek, euer Spülmittel riecht nach irgendwelchen Chemikalien, — sagte Nina Wassiljewna laut zu ihrem Sohn und übertönte dabei das Wasser, während sie ihre Schwiegertochter völlig ignorierte.

— Ich habe dir doch gesagt, du sollst Kernseife kaufen.

Die macht alles sauber und ist gesundheitlich unbedenklich.

Das hier ist pures Gift, und anschließend esst ihr von diesen Tellern.

— Mama, dreh bitte das Wasser ab, — bat Igor leise und trat hinter seiner Frau nervös von einem Fuß auf den anderen.

— Wir sind noch nicht fertig mit dem Gespräch.

Nina Wassiljewna drehte widerwillig den Wasserhahn zu und wischte ihre nassen Hände direkt an den Schößen ihres Mantels ab.

Dann drehte sie sich zu dem Ehepaar um und musterte Ksenia von oben bis unten mit einem verächtlichen Blick.

— Was gibt es da noch zu besprechen, mein Sohn? — die Schwiegermutter stemmte die Hände in die Hüften.

— Ich bin in eine Wohnung gekommen, deren Hälfte rechtmäßig meinem Sohn gehört.

Ich bin gekommen, weil ihr hier schreckliche hygienische Zustände geschaffen habt.

Die Suppe im Kühlschrank war sauer, ich habe gerade den ganzen Topf in die Toilette gekippt!

— Sie haben in meinem Kühlschrank herumgewühlt?!

Sie haben meine Suppe weggekippt?! — Ksenia beugte sich nach vorn und spürte, wie in ihrem Inneren ein richtiges Feuer aufflammte.

Die Suppe war am Vorabend gekocht worden und völlig frisch.

— Igor, wie lange willst du noch dastehen und zusehen, wie deine Mutter in meiner Wohnung das Kommando übernimmt?!

Nimm ihr die Schlüssel ab!

Sofort!

— Ksjuscha, die Suppe hätte wirklich schlecht werden können, es war doch warm, — murmelte Igor und sah zum Fenster.

— Mama, ehrlich, warum hast du im Kühlschrank herumgesucht?

Wir hätten uns selbst um die Lebensmittel gekümmert.

— Ihr hättet euch gekümmert? — schnaubte Nina Wassiljewna.

— Ihr hättet diese saure Brühe gegessen und euch zu Tode vergiftet!

Ich rette euch vor einer schweren Lebensmittelvergiftung, und ihr geht auf mich los.

Kein bisschen Dankbarkeit.

— Ich brauche weder Ihre Hilfe noch Ihre Fürsorge! — schnitt Ksenia hart ab.

— Sie sind hier nicht die Hausherrin.

Nehmen Sie die Schlüssel aus der Tasche und legen Sie sie auf den Tisch.

Sofort.

Sie werden diese Wohnung nie wieder ohne meine persönliche Einladung betreten.

— Schau mal, wie sie hier herumkommandiert! — Nina Wassiljewna verzog verächtlich die Lippen.

— Die Wohnung gehört uns gemeinsam, Igorek hat die Hälfte des Preises bezahlt.

Also bleiben die Schlüssel bei mir.

Ich bin seine Mutter, und ich habe das Recht zu wissen, unter welchen Bedingungen mein Kind lebt.

— Igor! — Ksenia drehte sich abrupt zu ihrem Mann und bohrte ihren wütenden Blick in ihn.

— Geh zu ihr.

Steck die Hand in die Tasche dieses lächerlichen Mantels und hol die Schlüssel heraus.

Wenn du das jetzt nicht tust, schwöre ich dir, werden dir die Konsequenzen überhaupt nicht gefallen.

Igor wurde blass und schluckte.

Sein verängstigter Blick sprang zwischen seiner unerbittlichen Frau und seiner starrköpfigen Mutter hin und her, die mitten in der Küche wie eine Siegerin stand.

Der Sohn machte einen unsicheren Schritt nach vorn und blieb dann stehen, als wäre er gegen eine unsichtbare Wand gestoßen.

— Mama… gib die Schlüssel her, ja? — zog Igor kläglich die Worte in die Länge, wie ein Kind, das im Sandkasten um ein Spielzeug bettelt.

— Warum brauchen wir diesen Streit gleich am frühen Morgen?

Ksjuscha ist nervös.

Gib sie mir, ich nehme sie, und später bringe ich sie dir selbst zurück, wenn es nötig ist.

— Ich gebe dir gar nichts, — schnitt Nina Wassiljewna ihm das Wort ab und klopfte demonstrativ auf die ausgebeulte Manteltasche, in der der Metallschlüsselbund klirrte.

— In diesem Chaos verliert ihr die Schlüssel.

Sie bleiben bei mir, da sind sie wenigstens sicher.

Und du, Igorek, solltest lieber einen Lappen nehmen und mir beim Fensterputzen helfen, anstatt auf deine hysterische Frau zu hören.

Die Fenster sind so verschmiert, dass man kaum Tageslicht sieht.

Ksenia sah ihren Mann an und konnte ihren Augen nicht trauen.

Ein gesunder, erwachsener Mann stand mitten in seiner eigenen Küche, die Schultern hängen gelassen, und kaute feige auf seiner Lippe herum, weil er sich nicht traute, seiner Mutter zu widersprechen.

Er versuchte nicht einmal, hinzugehen und das zurückzunehmen, was ihnen beiden gehörte.

Sein erbärmlicher Anblick verursachte Ksenia echte Übelkeit.

— Verstanden, — sagte Ksenia mit eisiger Stimme und trat einen Schritt zurück.

— Du entscheidest dich also dafür, hier zu stehen und wie ein Schaf zu blöken, während sie ihre eigenen Regeln aufstellt.

Du bist vollkommen rückgratlos, Igor.

— Ksjuscha, warum sagst du so etwas… — versuchte sich ihr Mann zu rechtfertigen und breitete schuldbewusst die Hände aus.

— Lass die Schlüssel doch bei ihr, was ist schon dabei?

Sie kommt doch nicht jeden Tag hierher.

Wenn sie einmal im Monat zum Putzen kommt, muss man deswegen wirklich einen Skandal veranstalten, den das ganze Haus hört?

— Einmal im Monat?! — Ksenia lachte ihm verächtlich direkt ins Gesicht.

— Sie hängt ständig hier herum!

Gestern war sie hier, als wir nicht zu Hause waren, und heute ist sie aufgetaucht, während wir geschlafen haben.

Morgen legt sie sich zu uns ins Bett, um zu kontrollieren, ob wir richtig schlafen?!

Und du schluckst das alles!

— Wage es nicht, so mit meinem Sohn zu sprechen! — mischte sich Nina Wassiljewna ein und machte einen drohenden Schritt auf ihre Schwiegertochter zu.

— Er ist in seinem eigenen Zuhause, und du bist hier niemand, der ihm Vorschriften machen kann!

Ksenia hörte abrupt auf zu lachen.

Ihr Gesicht wurde hart, ihre Wangenknochen spannten sich an.

Sie wollte keine weitere Zeit mit sinnlosen Überredungsversuchen verschwenden.

— Also gut, — sagte Ksenia so leise und deutlich, dass Igor unwillkürlich zusammenzuckte.

— Da du, Igor, nicht in der Lage bist, dieses Problem zu lösen, werde ich es lösen.

— Glauben Sie wirklich, dass Sie das Recht haben, in diesem Haus zu bestimmen? — Ksenia ging langsam in die Küche und umging Igor, der wie eine Salzsäule im Durchgang stehen geblieben war.

— Sie sind ohne Einladung hierhergekommen, haben die Tür mit Ihrem eigenen Schlüssel geöffnet und werfen jetzt Lebensmittel weg, die ich mit meinem eigenen Geld gekauft habe.

Finden Sie nicht, Nina Wassiljewna, dass das mittlerweile jede Grenze überschreitet?

Die Schwiegermutter zuckte nicht einmal.

Sie fegte eine Handvoll Krümel von der Arbeitsplatte zusammen, die sie selbst aus dem Toaster geschüttelt hatte, und warf sie demonstrativ ins Spülbecken.

Ihr Gesicht zeigte den höchsten Grad rechtschaffener Empörung, vermischt mit der Überlegenheit eines Menschen, der „sein Leben gelebt hat“.

Langsam wischte sie sich die Hände an einem fettigen Lappen ab und wandte sich mit zusammengekniffenen Augen ihrer Schwiegertochter zu.

— Dein Geld, Ksenia, ist das Geld der Familie, — sagte Nina Wassiljewna mit Nachdruck und richtete den Kragen ihres Mantels, den sie immer noch nicht ausgezogen hatte.

— Und Familie bedeutet in erster Linie mein Sohn.

Wenn mein Sohn gezwungen ist, in einem Schweinestall zu leben und abgelaufene Lebensmittel zu essen, weil seine Frau zu sehr mit ihrer Karriere oder mit sich selbst beschäftigt ist, dann bin ich als Mutter verpflichtet, einzugreifen.

Schau dir diesen Herd an!

Da liegt eine so dicke Fettschicht drauf, dass man sie bald mit einer Axt abschlagen muss.

Wie kochst du hier überhaupt?

Oder vergiftet ihr euch nur mit gekauften Fertiggerichten?

— Mama, der Herd ist doch ganz normal, — mischte sich Igor ein und versuchte in seinem gewohnt nutzlosen Ton die Situation zu entschärfen.

— Ksjuscha hat gestern bis spät gearbeitet und einfach keine Zeit gehabt.

Warum musst du gleich so anfangen…

Wir hätten heute alles sauber gemacht, ehrlich.

— „Wir hätten sauber gemacht“! — äffte seine Mutter ihn nach und warf die Hände hoch.

— Ich kenne euer „wir“.

Du hättest auf dem Sofa gelegen und sie hätte sich die Nägel lackiert.

Und der Dreck hätte sich weiter angesammelt.

Igorek, schau dich an, du hast graue Schatten unter den Augen.

Das kommt alles vom Staub und von der falschen Ernährung.

Gestern habe ich dir angeboten, hausgemachte Frikadellen mitzubringen, und diese Frau von dir hat mich am Telefon angefahren, dass ihr „euren eigenen Ernährungsplan“ habt.

Da ist er, euer Ernährungsplan — direkt in der Toilette gelandet!

Ksenia spürte, wie das Blut in ihren Schläfen zu pochen begann.

Jeder Laut aus dem Mund ihrer Schwiegermutter, jede ihrer Bewegungen verursachte beinahe körperlichen Schmerz.

Sie sah auf Nina Wassiljewnas schmutzige Schuhe, die graue Spuren auf den Küchenfliesen hinterließen, und begriff: Entweder hörte das jetzt auf, oder sie würde wahnsinnig werden.

— Igor, ich wiederhole es zum letzten Mal, — Ksenia sah ihren Mann an und ignorierte die Schwiegermutter.

— Nimm deiner Mutter sofort die Schlüssel ab!

Sie ist ohne anzuklopfen ins Schlafzimmer gekommen, während wir geschlafen haben!

Ich werde nicht in einem Haus leben, in dem jeder ein- und ausgeht, wie es ihm passt!

Entweder wechselst du noch heute die Schlösser aus, oder ich setze sie mitsamt ihren Sachen vor die Tür — und dich gleich mit!

Verstehst du, dass ich nicht scherze?

Du hast genau eine Minute, damit dieser Metallschlüsselbund auf dem Tisch liegt.

— Ksjuscha, fang nicht schon wieder mit dieser alten Leier von den Schlüsseln an, — verzog Igor das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.

— Wo soll sie die jetzt hernehmen?

Die sind in ihrer Tasche, und die Tasche ist im Flur…

Lass uns einfach in Ruhe frühstücken, Mama macht Tee, und wir besprechen alles wie erwachsene Menschen.

Warum benimmst du dich wie ein kleines Kind, ehrlich?

Wozu diese Ultimaten?

— Wie erwachsene Menschen? — Ksenia machte einen Schritt auf ihren Mann zu und verringerte den Abstand zwischen ihnen fast auf null.

— Erwachsene Menschen dringen nicht im Morgengrauen in fremde Wohnungen ein.

Erwachsene Menschen lassen ihre Mütter nicht in fremden Sachen und Kühlschränken herumwühlen.

Erwachsene Menschen schützen ihre Familie vor Einmischung von außen.

Aber du gehörst offensichtlich nicht dazu.

Du bist noch immer nicht aus den kurzen Hosen herausgewachsen, wenn du Angst hast, einer Frau „Nein“ zu sagen, die mit dir macht, was sie will.

— Wer macht denn mit ihm, was sie will?! — kreischte Nina Wassiljewna und warf das Tuch ins Spülbecken.

— Ich etwa?!

Ich habe mein ganzes Leben dafür geopfert, dass aus ihm ein anständiger Mensch wird!

Und du bist gekommen, als alles fertig war, und willst mich jetzt von meinem Sohn trennen?

Das wird dir nicht gelingen, meine Liebe!

Diese Schlüssel sind meine Garantie dafür, dass ich jederzeit überprüfen kann, ob er noch lebt oder ob du ihn in deiner „Designerwohnung“ inzwischen endgültig verhungern lässt.

Seht sie euch an, sie will die Schlösser austauschen!

Versuch es nur, dann werde ich dir eine solche Szene machen, dass du sofort vergisst, wie man die Stimme erhebt!

— Mama, leiser, bitte, — Igor packte seine Mutter an der Schulter, doch sie schüttelte seine Hand heftig ab.

— Fass mich nicht an! — schrie sie ihren Sohn an.

— Siehst du, wie weit du gekommen bist?

Sie kommandiert dich herum, wie es ihr gefällt, und droht, dich aus deinem eigenen Zuhause zu werfen!

Ist das vielleicht ihr Zuhause?

Das ist dein Zuhause, Igor!

Und sie ist hier nur ein Gast, der es in drei Jahren nicht einmal geschafft hat, den Staub vom Schrank zu wischen!

Ksenia beobachtete dieses Schauspiel schweigend.

Etwas in ihr riss endgültig.

Es gab weder Angst noch den Wunsch nach einer Einigung.

Übrig blieb nur kalte, kristallklare Entschlossenheit.

Sie ging zum Küchentisch, auf dem dasselbe gelbe Tuch lag, nahm es mit zwei Fingern und warf es angewidert ihrer Schwiegermutter ins Gesicht.

— Raus, — sagte Ksenia leise, aber äußerst deutlich.

— Was hast du gesagt? — Nina Wassiljewna erstarrte, während das Tuch von ihrem Gesicht glitt und auf den schmutzigen Boden fiel.

Die Augen der Schwiegermutter weiteten sich vor Wut.

— Du… du hast mir einen dreckigen Lappen ins Gesicht geworfen?!

Igorek, hast du das gesehen?!

Hast du gesehen, was dieses Miststück macht?!

— Ksenia, bist du völlig verrückt geworden?! — Igor wurde endlich aktiv, doch wie erwartet richtete sich seine Wut gegen seine Frau.

— Was machst du da?!

Das ist meine Mutter!

Wie kannst du es wagen, dich in meiner Gegenwart so zu verhalten?!

— Das ist nicht mehr dein Zuhause, Igor, — Ksenia sah ihren Mann mit so viel Verachtung an, dass er unwillkürlich zurückwich.

— Wenn deine Mutter diese Wohnung nicht innerhalb von zehn Sekunden verlässt, fange ich an, ihre Sachen vom Balkon zu werfen.

Und ich beginne mit genau diesem beigefarbenen Mantel, den sie so sehr liebt.

Nina Wassiljewna, die Zeit läuft.

Die Schlüssel — auf den Tisch.

Und raus.

— Du… — Nina Wassiljewna rang empört nach Luft.

— Ich werde dir…

Igorek, was stehst du da?!

Wirf sie raus!

Sie ist hier diejenige, die nicht hingehört!

Sie zerstört unsere Familie!

Sie respektiert dich überhaupt nicht!

— Mama, geh in den Flur, — Igor begriff endlich, wie ernst die Situation war.

Er versuchte, seine Mutter in Richtung Ausgang zu schieben, doch sie stand wie festgewachsen und krallte sich mit den Fingern an die Kante der Küchenarbeitsplatte.

— Ich gehe nirgendwohin! — schrie die Schwiegermutter beinahe im Ultraschallbereich.

— Sie soll gehen!

Sie soll ihre Sachen nehmen und zu ihrer Mutter verschwinden!

Ich bleibe hier und bringe Ordnung rein!

Igor, wenn du sie jetzt nicht in die Schranken weist, bist du nicht mehr mein Sohn!

Hörst du?!

Entscheide dich: entweder ich oder diese Verrückte!

Ksenia spürte einen kalten Schauer über ihren Rücken laufen.

Das Ausmaß des Wahnsinns in der engen Küche hatte jede vertretbare Grenze überschritten.

Sie begriff, dass Igor niemals eine Entscheidung treffen würde.

Er würde weiter zwischen ihnen hin- und herschwanken, versuchen, es beiden recht zu machen, und sie am Ende immer wieder verraten.

— Die Zeit ist um, — stellte Ksenia trocken fest.

Sie drehte sich um und ging in den Flur.

— Wohin gehst du?! — rief Igor ihr hinterher, doch sie antwortete nicht.

Ksenia ging zur Eingangstür und riss sie weit auf.

Kühle Luft aus dem Treppenhaus strömte in die stickige Wohnung, die förmlich nach Streit roch.

Sie kehrte in die Küche zurück, wo die Schwiegermutter immer noch Beleidigungen schrie und Igor versuchte, ihr mit der Hand den Mund zuzuhalten.

— Entweder ihr geht jetzt beide freiwillig, — Ksenia zeigte auf die offene Tür, — oder ich werde anders handeln.

Und glauben Sie mir, Nina Wassiljewna, Ihr Schlüsselbund wird Ihnen nicht mehr helfen.

Ich verbarrikadiere die Tür von innen und rufe einen Handwerker, der notfalls sogar die Scharniere durchtrennt.

Die Schlüssel.

Auf.

Den Tisch.

Die Schwiegermutter verstummte plötzlich.

Langsam, mit einer fast unheimlichen Würde, griff sie in die Tasche ihres Mantels und zog den Schlüsselbund heraus.

Sie betrachtete ihn lange und schleuderte ihn dann mit voller Kraft nicht auf den Tisch, sondern in Richtung Fenster.

Die Schlüssel prallten klirrend gegen die Fensterbank und fielen hinter den Heizkörper.

— Verschluck dich daran, — zischte Nina Wassiljewna.

— Aber merk dir meine Worte: Du wirst noch auf den Knien zu mir gekrochen kommen, wenn mein Sohn dich verlässt.

Und er wird dich verlassen, weil du ein Nichts bist.

Komm, Igor.

Wir haben hier nichts mehr zu suchen.

In diesem Saustall ist selbst das Atmen ekelhaft.

Igor stand da und sah abwechselnd seine Frau und seine Mutter an.

Sein Gesicht war zu einer Maske aus Verzweiflung und Wut geworden.

Er verstand, dass dieser Moment ein Punkt ohne Wiederkehr war.

Doch anstatt zu Ksenia zu gehen, machte er einen Schritt auf seine Mutter zu.

— Ksjuscha, du machst einen riesigen Fehler, — sagte er dumpf.

— Mama hat recht, du bist völlig außer dir.

Wir gehen.

Aber glaub nicht, dass ich einfach so zurückkomme.

Du hast alles selbst zerstört.

Mit deinen eigenen Händen.

— Verschwindet, — brachte Ksenia nur hervor und spürte, wie in ihr alles bis zur Asche verbrannte.

— Beide.

Raus aus meinem Leben.

— Ja, genau, Sadovaja-Straße, Haus zwölf, Wohnung achtundvierzig.

Der Schließzylinder muss ausgetauscht werden, und am besten sofort, innerhalb einer Stunde.

Ja, ich zahle den Aufpreis für die Dringlichkeit.

Ich warte, — Ksenia beendete das Gespräch und ließ kraftlos die Hand mit dem Telefon sinken.

Die Stille, die sich nach Igors und seiner Mutter Weggang in der Wohnung ausbreitete, war beinahe körperlich spürbar.

Sie drückte auf die Trommelfelle, klingelte in den Ohren und wirkte dick wie Gelee.

Ksenia stand im Flur mit dem Rücken an der Eingangstür, die sie sofort vollständig verriegelt hatte, nachdem sie hinter ihnen ins Schloss gefallen war.

Vor ihren Augen stand immer noch Nina Wassiljewnas vor Wut verzerrtes Gesicht und der verwirrte, schuldige und zugleich anklagende Blick ihres Mannes.

Seltsamerweise fühlte Ksenia statt der erwarteten Tränen nur Leere.

Als hätte ein starker Laser alles Lebendige in ihr ausgebrannt und nur graue Asche und Kälte zurückgelassen.

Sie blickte nach unten.

Die schmutzigen Schuhabdrücke ihrer Schwiegermutter auf dem hellen Laminat wirkten wie ein Spucken direkt in ihre Seele.

Es war nicht einfach nur Straßenschmutz — es war ein anschauliches Beispiel dafür, wie leicht ein fremder Mensch den persönlichen Raum eines anderen mit Füßen treten kann, wenn man es ihm selbst erlaubt.

Ksenia ging langsam in die Küche.

Auf dem Boden neben dem Heizkörper blitzte Metall auf.

Sie kniete sich hin und schaute in den schmalen Spalt.

Dort, im Staub, den Nina Wassiljewna so leidenschaftlich hasste, lag der Schlüsselbund.

Ksenia holte ihn hervor und hielt ihn angewidert zwischen zwei Fingern.

Diese Metallstücke waren jahrelang ein Symbol ihrer Angst gewesen.

Sie hatte immer gewusst, dass ihre Schwiegermutter Zugang zu ihrem Leben hatte, und dieses Wissen hatte wie ein Damoklesschwert über ihr geschwebt.

— Das war’s, — flüsterte sie in die leere Küche.

— Damit werden Sie nie wieder etwas öffnen.

Sie stand auf, ging zum Mülleimer und warf die Schlüssel ohne zu zögern direkt in die Reste derselben Suppe, die Nina Wassiljewna so freundlich „entsorgt“ hatte.

Ksenia nahm einen Lappen — einen richtigen, sauberen, nicht diesen Fetzen, mit dem ihre Schwiegermutter die Schränke geschrubbt hatte — und begann, den Boden zu wischen.

Sie schrubbte die Fliesen mit beinahe wilder Wut und wusch die Spuren der fremden Anwesenheit weg, den Geruch nach billigem Waschpulver und die Erinnerung an diesen Morgen selbst.

Das Telefon auf dem Tisch vibrierte.

Auf dem Display erschien der Name: „Igor“.

Ksenia erstarrte und sah auf die blinkenden Buchstaben.

Sie wusste, was er sagen würde.

Er würde ihr Grausamkeit vorwerfen, erzählen, dass der Blutdruck seiner Mutter gestiegen sei, dass sie im Auto weine und dass er von seiner Frau enttäuscht sei, weil sie „keine Weisheit gezeigt“ habe.

Sie stellte sich seine Stimme vor — diesen ständig entschuldigenden, sich anpassenden Ton eines Menschen, der nie gelernt hatte, in seinem eigenen Zuhause erwachsen zu sein.

Ksenia strich mit dem Finger über den Bildschirm, wies den Anruf ab und blockierte die Nummer.

Direkt nach ihrem Mann landete auch Nina Wassiljewna auf der Sperrliste.

Zum ersten Mal in fünf Jahren Ehe hatte Ksenia das Gefühl, dass die Luft in der Wohnung sauber geworden war.

Nicht, weil ihre Schwiegermutter den Staub gewischt hatte, sondern weil die Heuchelei das Zuhause verlassen hatte.

Es klingelte an der Tür.

Kurz und geschäftsmäßig.

Ksenia zuckte zusammen, wischte sich die Hände an der Schürze ab und ging öffnen.

Vor der Tür stand ein Mann in einem blauen Arbeitsanzug mit einem Werkzeugkoffer.

— Haben Sie wegen eines Schlosswechsels angerufen? — fragte er knapp und sah sie aufmerksam und verständnisvoll an.

Fachleute in diesem Bereich sahen oft Frauen mit verweinten Augen in leeren Wohnungen.

— Ja, — Ksenia trat zur Seite und ließ ihn herein.

— Bauen Sie das sicherste ein.

So, dass kein alter Schlüssel mehr passt.

Unter keinen Umständen.

— Wir machen das ordentlich, gnädige Frau, — sagte der Handwerker, ging vor der Tür in die Hocke und begann geschickt, den Mechanismus auseinanderzunehmen.

— Alte Schlösser sind eben so.

Manchmal muss man sie komplett austauschen, damit man ruhig schlafen kann.

Ksenia ging in die Küche und setzte den Wasserkocher auf.

Sie hörte das energische Kratzen von Metall und das Klopfen der Werkzeuge und begriff, dass jeder dieser Geräusche ein weiterer Nagel im Sarg ihres früheren Lebens war.

Eines Lebens, in dem sie den Erwartungen anderer entsprechen musste, in dem ihr persönlicher Raum als Gemeinschaftseigentum galt und ihre Gefühle hinter der „mütterlichen Fürsorge“ zurückstehen mussten.

Als der Handwerker fertig war und ihr einen neuen Schlüsselbund überreichte, glänzend und kalt, spürte Ksenia einen seltsamen Kraftschub.

Sie bezahlte, schloss hinter ihm die Tür und drehte den neuen Schlüssel dreimal um.

Das Klicken des Schlosses hallte in ihrem Herzen wie wohltuende Ruhe wider.

Sie ging zum Fenster.

Unten auf dem Parkplatz stand Igors Auto immer noch.

Er saß darin und hatte den Kopf auf das Lenkrad gelegt.

Auf dem Beifahrersitz gestikulierte Nina Wassiljewna heftig und setzte offenbar ihren endlosen Vortrag darüber fort, wie viel Pech sie beide mit Ksenia gehabt hatten.

— Jetzt ist das nur noch mein Zuhause, — sagte Ksenia leise und zog die Vorhänge zu.

Sie kehrte ins Schlafzimmer zurück und ging zu dem Schrank, den ihre Schwiegermutter am Morgen so sorgfältig geschrubbt hatte.

Auf dem Glas waren noch immer trübe Schlieren vom schmutzigen Wasser zu sehen.

Ksenia nahm ein sauberes Tuch und wischte die Spur mit einer einzigen präzisen Bewegung weg.

Sie wusste, dass ihr ein schwieriges Gespräch über Scheidung und Vermögensaufteilung bevorstand, ebenso wie sein Jammern und seine Vorwürfe.

Es würde Anrufe von gemeinsamen Freunden und Versuche geben, sie „wieder zu versöhnen“.

Aber jetzt, in dieser Stille, fühlte sie sich vollkommen frei.

Sie legte sich auf das Bett — dasselbe Bett, über dem nur wenige Stunden zuvor Nina Wassiljewnas Schatten geschwebt hatte — und schloss zum ersten Mal seit langer Zeit die Augen, ohne Angst davor zu haben, das Kratzen eines Schlüssels im Schloss zu hören.

Sie schlief mit dem Wissen ein, dass es in ihrer Welt nun nur noch eine Hausherrin gab.

Und diese Hausherrin würde die Schlüssel zu ihrem Leben nie wieder in fremde Hände geben…